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Die schwul-lesbische Jungsozialisten fordern eine Gesellschaft, die ihre Beziehungen anders organisiert. (Bild: GaynossInnen JUSO Schweiz)

Die Jugendorganisation der schweizerischen Sozialdemokraten warnt Schwule und Lesben, sich bei konservativen Parteien zu engagieren und damit die Homo-Emanzipation in Frage zu stellen.

Von Dennis Klein

Bei den JungsozialistInnen Schweiz wirbt daher nun die schwul-lesbische Gruppe GaynossInnen mit linken Forderungen dafür, wieder Tritt in der Homo-Szene zu fassen. Zuletzt haben sich Homo-Gruppen in der Christdemokratischen Volkspartei (CVP) und der rechtspopulistischen Schweizerischen Volkspartei (SVP) gegründet.

Auf ihrer Website werfen die GaynossInnen bürgerlichen Homosexuellen vor, "am allerliebsten sein [zu] wollen wie Heterosexuelle". Damit verleugneten sie aber ihre eigene Sexualität und erreichten "keinesfalls die immer noch nötigen gesellschaftlichen Veränderungen". Zudem ist den schwulen und lesbischen Jungsozialdemokraten die Akzeptanz des freien Marktes ein Dorn im Auge: "Kapitalistische Unternehmen haben Schwule als finanzstarke Doppelverdiener entdeckt. Sie geben nun vor, die Interessen der Schwulen und Lesben zu unterstützen", erklärte GaynossInnen-Vorstand Florian Vock gegenüber der Zeitung "20 Minuten". Die Folge sei eine "erschreckende Oberflächlichkeit der Homo-Community".

Familie soll von Ehe entkoppelt werden


Die SVP ist mit einem Wähleranteil von rund 29 Prozent derzeit die erfolgreichste Partei in der Schweiz. (Bild: SVP)

Als Antwort wird nun das Positionspapier "Selbstbestimmung statt Normen!" angeboten, mit dem die GaynossInnen die schweizerische Gesellschaft umkrempeln wollen. Darin fordern sie unter anderem, dass die Ehe nicht mehr die bevorzugte Organisation der Familie sein soll ("Warum soll ein Kind nicht mit zwei Vätern und zwei Müttern aufwachsen?"). Zudem müssten die "vordefinierten Geschlechter" aufgehoben werden, da die Einschränkung auf "männlich" und "weiblich" in den wenigsten Fällen den Lebensrealitäten entspreche.

Schwule und Lesben auf der anderen Seite des politischen Spektrums erklärten jedoch, dass es keinen Alleinvertretungsanspruch der Linken für sexuelle Minderheiten mehr gebe: "In der Schweiz war die Islam-Debatte ein Mitauslöser", erklärte der Kantonalabgeordnete Thomas Fuchs von der SVP. "Viele traditionell linke Gays haben wegen der akuten Schwulenfeindlichkeit vieler islamischer Länder gegen Minarette in der Schweiz gestimmt - und dabei gemerkt, dass sie eigentlich gar nicht mehr links sind". Die SVP hat in der Schweiz den erfolgreichen Volksentscheid zum Minarett-Verbot initiiert. Auf der Website der Gays in der SVP konzentrieren sich die Verfasser daher auch voll auf die Lieblingsthemen der Partei. Dort heißt es "Ja zur [Abschiebung] krimineller Ausländer!" oder "Sozialismus führt nicht zur sozialen Gerechtigkeit".

Vorbehalte gegen Schwule und Lesben in SVP und CVP

Innerhalb der SVP ist die Homo-Gruppe allerdings umstritten. Viele Parteimitglieder empfinden die Forderung der schwul-lesbischen Parteimitglieder nach mehr Offenheit in Homo-Fragen als Affront gegen ihre Werte. Es liege schließlich "in der Natur der Menschheit, dass Mann und Frau zusammengehören", erklärte etwa der Luzerner Chef der Jungen Schweizerischen Volkspartei (queer.de berichtete).

Auch bei der gemäßigt konservativen CVP trifft die Gründung der Arbeitsgruppe Homosexualität in diesem Monat nicht nur auf Gegenliebe. So grummelten Parteifreunde bereits, als die CVP forderte, dass Oberstufenschüler mehr über Homosexualität im Unterricht erfahren müssten. Arbeitsgruppenleiter Stefan Gassmann hat aber keine Angst, dass seine Gruppe dem wertkonservativen Parteiflügel vor den Kopf stößt, wie er gegenüber der Boulevardzeitung "Blick" erklärte: "Nein, wir gehen mit sehr viel Fingerspitzengefühl vor", verspricht er den Zweiflern.



#1 Knueppel
  • 27.10.2010, 15:43h
  • Konservative Partei-Politik und die Akzeptanz (nicht nur eine sog. "Toleranz") gleichgeschlechtlicher Lebensweisen, als gleichwertig und rechtlich gleichbehandelt, widersprechen sich.

    Sog. "Konservative" klammern sich an "überkommene" Gesellschaftsentwürfe und Partnerschaftsmodelle. Sie hinken der realen gesellschaftlichen Entwicklung immer! hinterher (meist um Jahrzehnte).

    Gesellschaftliche Weiterentwicklungen, wozu auch die selbstverständliche Akzeptanz von schwulen Männern, lesbischen Frauen und schwulen oder lesbischen Paaren gehört, wurden und werden nicht von sog. "Konservativen" befördert, unterstützt oder auch nur anerkannt.

    Nach Jahrzehnten, wenn die Wirklichkeit die konservative Theorie längst überholt hat und diese alt und verstaubt aussehen läßt, öffnen sich - unter gesellschaftlichem Druck - zögerlich und widerstrebend schließlich die konservativen Kreise den veränderten Lebensentwürfen.

    Es gab eine Zeit, da waren Schwule konservativ, weil ihnen jedes Selbstwertgefühl, jede Selbstachtung und sogar die Existenzberechtigung abgesprochen und genommen wurde. Um zu "Überleben" biederten sich Schwule damals, als "überangepasste Karikaturen" den Konservativen an und ... waren froh wenn man sie nicht "tot schlug" ('Identifikation mit dem Aggressor/Machtinhaber').

    Selbstverständlich ist die "Gay-Community" nicht homogen, sondern sehr heterogen, im Sinne von vielfältig. Weder sind alle Schwulen besonders intelligent, sympathisch oder auch nur aufgeschlossen gegenüber neuen Einflüssen, noch sind sie "von Natur" aus "kämpferisch, rebellisch" oder links. Das kann auch niemand erwarten - es sind viel zu viele Menschen, mit unterschiedlicher Sozialisation, mit unterschiedlichen Erfahrungen und sozialen Hintergründen. Ich wäre schon froh, wenn sich die Erkenntnis durchsetzen würde:

    NICHTS, WAS WIR HEUTE ALS SELBSTVERSTÄNDLICH EMPFINDEN, WURDE UNS VON KONSERVATIVEN GROSSZÜGIG ZUGESTANDEN! GANZ IM GEGENTEIL: DAFÜR HABEN SCHWULE AKTIVISTEN WELTWEIT JAHRZEHNTELANG GEGEN DEN ERBITTERTEN WIDERSTAND VON KIRCHEN UND KONSERVATIVEN HART GEKÄMPFT. VERGESST DAS NICHT!
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#2 jojoAnonym
#3 gatopardo
  • 27.10.2010, 16:31h
  • Antwort auf #1 von Knueppel
  • Dein letzter in Grossbuchstaben geschriebener Satz sollte allen Schwulen und Lesben auf der Zunge zergehen, drückt er doch haargenau aus, was wir von ALLEN Kirchen erwarten können, mit denen sich naturgemäss immer die Konservativen verbündet haben. Und Moscheen, Kirchen und Tempel gehören zu ihren Säulen, mit denen sie uns ein Leben lang unterdrückt haben !
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#4 xeveron
  • 27.10.2010, 16:40h
  • Immer wieder wird betont, dass es Schwule und Lesben in allen Gesellschaftsschichten, Niveaus, Bildungsebenen etc. gibt. Dass sich diese auch auf die verschiedenen politischen Spektren verteilen vermag da wohl kaum zu überraschen. Man kann als Schwuler oder als Lesbe durchaus differenzierte Meinungen vertreten und die tatsächliche Gleichstellung der LGBT's, Adoption etc. unterstützen während man in anderen Gebieten wie der Verkehrspolitik, Militär oder eben Ausländerpolitik einer "konservativen" Ansicht folgt. Glücklicherweise erlaubt es die Schweiz, sich mit den unterschiedlichen Ansichten durch Abstimmungen auch differenziert äussern zu können. Ich finde es ist ein überraschend positives Zeichen, dass sich Homosexuelle nun auch in konservativeren Parteien offenbar ansiedeln können. Auch wenn der eine oder andere ein Problem damit hat bedeutet doch dies, dass diese Parteien offener geworden sind. Dass die Linken nicht mehr die einzigen sind wo man sich outen kann ist doch toll!
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#5 eMANcipation*Anonym
  • 27.10.2010, 16:47h
  • Antwort auf #1 von Knueppel
  • Ein sehr treffender Beitrag! Ich würde noch hinzufügen:

    Schwule sollten generell eine Abneigung gegenüber Systemen der Unterdrückung und Ausbeutung, der sozialen Spaltung und Entsolidarisierung haben!

    Eine Gesellschaft, in der einige wenige sich immer mehr auf Kosten der Allgemeinheit bereichern,

    in der sich wirtschaftliche und soziale Macht immer mehr auf nur einige wenige konzentrieren, dabei ein Großteil der Menschen auf der Strecke bleibt,

    und die politische Aggression der Herrschenden nach innen wie außen den Ton angibt,

    kann NIEMALS gut für Schwule und Lesben sein.
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#6 MIZAnonym
  • 27.10.2010, 16:49h
  • Antwort auf #1 von Knueppel
  • Sehr wahr, Dein Kommentar ist klasse!

    Das mit dem Wunsch der Überanpassung würde ich allerdings nicht nur historisch sehen. Ich kann mir vorstellen, dass es auch heute noch vielen konservativen Schwulen so geht. Allerdings müssen sie nicht mehr den Totschlag fürchten.
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#7 Wyndakyr
  • 27.10.2010, 16:57h
  • Eigentlich braucht man sich darüber kaum wundern Zwar sind in Deutschland SPD und Grüne die Parteien, die sich bisher am meisten für Homo-Rechte eingesetzt haben.
    Jetzt würden Linke und Grüne (die SPD manövriert sich selbst immer mehr in die Bedeutungslosigkeit) allerdings am meisten für diejenigen tun, für die Schwule und Lesben Freiwild sind: kriminelle jugendliche Integrationsverweigerer mit türkischem/arabischem Migrationshintergrund (inklusive der dazugehörigen "Religion".
    Die Ehemaligen Freunde sind zum Unterstützer unserer größten Feinde geworden.

    In Moment gibts irgendwie garnix wählbares. SPD, Linke und Grüne sind Islamkuschler, CDU und FDP sind Lobbykratenparteien und rechts davon gibt's halt nur Nazis und christliche Fundamentalisten ...auch nix wählbares.
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#8 eMANcipation*Anonym
#9 JodlerAnonym
  • 27.10.2010, 17:38h
  • Antwort auf #6 von MIZ
  • Heuer können sie mit-totschlagen. Sozial. Den sozialen Totschlag in ihren konservativen und neoliberalen heterodominierten Politmilieus mitplanen.

    Millionen von Schwulen in Europa mit niedrigem und niedrigstem Aus-/Einkommen, sehen sie im besten Fall als bedauerlichen Kollateralschaden. Oder noch besser, doppelt und dreifach fuckable.

    So gesehen könnte man ein weiteres Hass-Konto aufmachen. Die Verwaltung wäre aber verschwendete Energie.

    Es ist schon länger her, dass ich die sogenannte Verbürgerlichung der "Community" bedauert habe.

    Gefürchtet habe ich sie nie. Die früher waren allerdings spannender, anregender.

    „Ein intelligenter Feind ist mehr wert, als ein dummer Freund“

    Was kommt aus Österreich:

    www.krone.at/Nachrichten/Strache-FPOe_expandiert_nach_Deutsc
    hland-Neue_Kooperation-Story-227538


    Wenn ihr dem Timm Johannes alles schön gebacken habt, landet er dann dort.

    Denn sein "Christentum" braucht den jeweils maximalen Nationalismus:

    "UND lieber stromboli und unsere linken Fantasten hier im Forum: DEUTSCHLAND ist keine Insel. Wir stehen im ständigen Wirtschaftswettbewerb mit den USA, Russland, Brasilien und vor allem mit Ostasien: Japan, Südkorea, Thailand und vor allem CHINA."

    Die Schweizer Jusos sollten meiner Meinung nach
    ihre Position innerhalb der Linken stärken, um die Linke zu stärken. Furcht ist ein schlechter Ratgeber.

    „Ein intelligenter Feind ist mehr wert, als ein dummer Freund“
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#10 goddamn- liberalAnonym
  • 27.10.2010, 17:58h
  • Antwort auf #7 von Wyndakyr
  • Vorsicht vor Scheuklappen! Alle abrahimischen Religionen schöpfen aus derselben trüben homophoben Quelle...

    Mut zum Laizismus ist angesagt; den haben einige Intellektuelle mit islamischem Hintergrund hierzulande mehr als viele Grüne und die Vertreter der Multikulti-Industrie (die unbotsame Schutzbefohlene wie Seyran Ates dann auch gar nicht bekuscheln, sondern heftig bemobben können). Echter Humanismus ist von Leuten wie dem baden-württembergischen Grünen-Chef Kretschmann, die ihre Website stolz mit Bildern einer Papstaudienz schmücken, wohl nicht zu erwarten...

    www.winfried-kretschmann.de/

    Wann gibt es endlich Rationalisten mit Mumm, die die Auswüchse der wüsten Wüstenreligionen in die Schranken weisen?
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