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Die Obsessionen dieses Herrn bleiben aus Jugendschutzgründen verborgen. (Bild: Rinaldo Hopf)

Auf 320 Seiten Obsessionen, die uns antreiben. Die siebte Ausgabe des Jahrbuchs der schwulen Erotik ist erschienen.

Von Carsten Weidemann

Was wäre eigentlich, wenn Gustav von Aschenbach im Jahr 2010 dem Knaben Tadzio begegnet wäre? Im Internet natürlich. Würde er das Objekt seiner Begierde einfach "daten"? Oder wäre es ein ähnliches Drama mit unerfüllter Sehnsucht, so wie es der Schriftsteller Thomas Mann in seiner Novelle "Tod in Venedig" im Jahr 1912 eindringlich beschrieb? Und was tut man, wenn man eigentlich auf der Suche nach einem dominanten Kerl ist und dann doch wieder an ein unterwürfiges "schwules Mädchen" in Mackerverkleidung gerät? Das sind zwei von vielen Fragen, auf die der Reader "Mein schwules Auge 7" Antworten gibt.

Zentrales Thema dieser von Rinaldo Hopf und Axel Schock editierten Ausgabe ist Obsessionen: In künstlerischen und literarischen Beiträgen erzählt dieser Band von Gier, Besessenheit, Trieben und Passionen, von ungewöhnlichen Neigungen und starken Leidenschaften, von fixen Ideen und Manien. In den Fotografien, Zeichnungen und Bilder, Erzählungen, Essays und Gedichte dreht es sich natürlich auch um das klassische Repertoire sexueller Vorlieben und schwuler Fetische.

Ein wahres Kaleidoskop obsessiver Leidenschaften von 82 internationalen Autoren, Künstlern und Fotografen die sich an dieser Ausgabe des erotischen Jahrbuchs beteiligten und ihre Visionen, Erlebnisse, Geschichten und Phantasien offenbaren. Wie in jedem Jahr gilt auch hier: Die Qualität der Beiträge ist unterschiedlich, Texte und Bilder hätten auch unter anderen Oberbegriffen veröffentlicht werden können. Man kann durch die Seiten "zappen" und bleibt dort hängen, wo es interessant erscheint. Erfrischend ist aber die Erkenntnis: Obsessionen sind keinesfalls ausschließlich Taten und Gedanken nahe des Wahnsinns, so wie bei einem Klaus Kinski zum Beispiel. Es treibt uns jeden Tag irgendeine kleine Besessenheit.


Bodypainting ist sexy...

Künstler Rinaldo Hopf und Journalist Axel Schock kümmern sich seit ein paar Jahren für den Konkursbuchverlag mit viel Engagement und Entdeckergeist um die Herausgabe des Lesebuches. Dass sich die Beschäftigung mit unkonventionellen und provokanten Themen lohnt, das zeigt übrigens der Ende Oktober vergebene Baden-Württembergische Landespreis für ambitionierte kleine Verlage. Die mit 12500 Euro dotierte Auszeichnung ging an Konkursbuch-Verlegerin Claudia Gehrke. Das "Schwule Auge 7" wird übrigens am Dienstag den 7.12.2010 um 20 Uhr mit verschiedenen Autoren und Künstlern im Buchladen Eisenherz in Berlin Schöneberg präsentiert.

Mit Bildbeiträgen u. a. von Michael Alago, Rick Castro, Neil Curtis, Frans Franciscus, Matthias Herrmann, Martin E. Kautter, Brian Kenny, Master Patrick, Bas Meerman, Slava Mogutin, Karol Radziszewski, Daniel Schmude, David Trullo und Etienne Zerah sowie Erzählungen, Gedichten und Essays von Sam Balducci, Michael Fisch, Jan Gympel Dino Heicker, Jörg Karweick, Christoph Klimke, Dirk Ludigs, Thomas Luthardt, Florian Neuner, Marko Martin, Rolf Redlin, Jan Stressenreuter, Pippin Wigglesworth und Mario Wirz.

Das schwule Jahrbuch der Erotik, 320 Seiten, Konkursbuchverlag Claudia Gehrke. Preis: 15,50 €, ISBN 978-3-88769-397-8

Galerie:
Das Schwule Auge 7
17 Bilder