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  • 12. Juli 2004, noch kein Kommentar

Von Ch. Scheuß & M. Schulze aus Bangkok

Man kann sie nicht übersehen, bereits am Flughafen und auf allen Straßen prangen die drei roten Elefanten auf Dutzenden von Plakaten. Das Lieblingstier der Thailänder ist das Symbol der 15. Welt-Aids-Konferenz, die am Sonntagabend im Impact-Stadion in Bangkok eröffnet wurde. Und so marschierten herausgeputzte, lebendige Elefanten als Willkommensgruss für die rund 20.000 Konferenzteilnehmer auch auf dem Gelände auf und ab.

Die ganze Stadt hat sich auf dieses Ereignis eingestellt: Die Schulen bleiben in dieser Woche geschlossen, damit es weniger Staus auf den Straßen gibt und damit genug Freiwillige für die zahlreichen Aufgaben auf dem Messegelände zur Verfügung stehen. Die beiden englischsprachigen Tageszeitungen haben das Thema seit Tagen auf Seite ein. 250 Sonderbusse rollen mehrmals täglich zwischen den Hotels und der Messe hin und her, um die Konferenzteilnehmer zu transportieren. Die Welt-Aids-Konferenz ist ganz offensichtlich auch ein Wirtschaftsfaktor für die Stadt.

Und es ist eine politische Bühne für die thailändische Regierung: Premierminister Thaksin Shinawatra (Foto links, mit Kofi Annan beim Anzünden einer Gedenkkerze) nutzte die Eröffnungszeremonie im Impact-Stadion mit 11.000 Zuschauern, um auf die - im Vergleich zu anderen asiatischen Staaten in der Tat beachtlichen - Erfolge der thailändischen Bemühungen im Kampf gegen Aids hinzuweisen. Besonders bei den Drogengebrauchern habe ein Umdenken stattgefunden, sie würden nicht länger als Verbrecher, sondern als Kranke behandelt und bekämen entsprechende Hilfe. Worte, die von Aids-Aktivisten allerdings mit lautstarken Protesten beantwortet wurden. Thailand ist für seine repressive Drogenpolitik, die im vergangenen Jahr 2.500 Tote gefordert hat, berüchtigt.

Schwule erwähnte Thaksin in seiner Rede nicht. Die vorliegenden Zahlen scheinen unterhalb der Wahrnehmungsschwelle des Premiers zu liegen. Von den im Juni 2003 gemeldeten rund 219.000 Aids-Fällen in Thailand ist nur ein Prozent nachweislich durch sexuelle Kontakte zwischen Männern zustande gekommen. Doch es gibt in der Statistik des Gesundheitsministeriums auch rund 12.500 Fälle, bei denen man nicht weiß, wie es zu der Infektion kam. Und es gibt keinerlei Untersuchungen darüber, inwieweit in der großen schwulen Community Thailands die Safer-Sex-Botschaft angekommen ist.

Immerhin, UN-Generalsekretär Kofi Annan, der die Welt-Aids-Konferenz mit eröffnete, schloss Schwule in seiner Rede mit ein. Er griff in seiner Ansprache das Stichwort "Leadership" auf, dass ein Leitthema der Konferenz ist: "Führerschaft heißt, die Menschenrechte aller zu respektieren und aufrecht zu erhalten, die betroffen sind von HIV und Aids – egal ob sie Sexarbeiter, Drogengebraucher oder Männer sind, die mit Männern Sex haben."

Zahlreiche Workshops, Ausstellungen und Seminare beschäftigen sich - wie auf den vorherigen Welt-Aids-Konferenzen auch - mit schwulen Aspekten von Prävention, Therapie oder Selbsthilfe: Während es in Ländern wie Botswana um die Entkriminalisierung von Homosexualität entgeht, um überhaupt Kondome verteilen zu können, diskutieren Vertreter westlicher Industriestaaten die richtigen Antworten auf die "Kondommüdigkeit" in der Szene. Unterdessen erlebten die drei Vertreter der Deutschen Aids-Hilfe einen unerwarteten Ansturm an ihrem Infostand: Die freizügigen schwulen Präventionsposter wurden ihnen geradezu aus der Hand gerissen.

Die 15. Welt-Aids-Konferenz steht unter dem Motto "Access for all" - damit ist in erster Linie der Zugang für alle zu lebensverlängernden Medikamenten gemeint. Mit einer Rede von Nelson Mandela wird die Veranstaltung am Freitag enden.

12.07.2004, 11:00 Uhr