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Ob diese Schuljungs aus dem Jahre 1936 auch schon das Schimpfwort "schwul" nutzten? (Bild: dok1 on flickr)

Was tun gegen den zunehmenden Gebrauch von "schwul" als Schimpfwort unter Jugendlichen? Eine Lehrer-Website gibt Tipps.

Von Carsten Weidemann

"Der Unterricht ist voll schwul". Alles, was Jugendliche irgendwie nervt, wird gern mit einem abwertend gemeinten "schwul" tituliert. Mit zunehmender Tendenz, wie es von vielen Seiten heißt, auch wenn es dafür bislang keine statistischen Belege gibt. Die Website "Der Lehrerfreund" hat sich jetzt diesem Thema angenommen und den Sexualpädagogen Stefan Timmermanns interviewt. Er gibt ein paar Hinweise, ob, wann und wie Lehrer sich diesem Trend entgegenstellen sollen.

"Wichtig ist, dass Kinder und Jugendliche im Laufe ihrer Schullaufbahn die Erfahrung machen, dass es grundsätzlich nicht ok ist, Menschen aufgrund ihres Geschlechts, ihrer Herkunft, Religion oder sexuellen Orientierung abzuwerten oder zu benachteiligen", meint Timmermanns. Wie der Lehrer reagieren soll, hänge jedoch stark von dessen Persönlichkeit als auch von der Situation ab, in der das Wort gefallen ist. Man könne den Schüler zur Rede stellen und ihn auffordern, sich in die Lage dessen zu versetzen, der eben schwul ist. Man könne das Verhalten auf ironische Weise aufbrechen ohne bloßzustellen oder auf gegenseitigen Respekt pochen.

Der Experte warnt auf jeden Fall davor, den Gebrauch des Wortes einfach so zu akzeptieren, nur weil es inzwischen üblich geworden ist: "Gerade weil es Teil der schulischen Umgangssprache geworden ist, plädiere ich dafür, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, wie verletzend und beleidigend dies bei "betroffenen" Menschen ankommen kann." Auf die Frage des Lehrerfreund-Interviewers, ob denn die Pädagogen an der Schule ausgerechnet diejenigen sein müssen, die einschreiten sollen, weist Timmermanns auf die geteilte Verantwortung aller an Erziehung Beteiligten hin. "Wenn wir es mittlerweile gelernt haben, offensiv gegen die Diskriminierung von Frauen, Behinderten oder Migranten einzutreten, warum sollte das nicht auch für Lesben und Schwule gehen?"



#1 Knueppel
  • 03.11.2010, 09:10h
  • Als ich mein Coming-Out hatte, war der Begriff "schwul" ein übles Schimpfwort. Die Schwulen-Bewegung schaffte es schließlich "schwul" als positiv besetzten Begriff zu etablieren (gegen den Widerstand einiger konservativ denkender Schwuler).

    Dass wir ein "Rollback" erleben (Wiedererstarken konservativ-reaktionärer Strömungen in Europa und den USA, Zunahme rechtsextremer Gewalttaten usw.) ist kaum zu übersehen.

    Ich habe kein wirkliches Konzept, wie gegen die Re-Etablierung von "schwul", als abwertende Bezeichnung vorzugehen ist, finde aber die Denkansätze im Artikel nicht schlecht.

    Vielleicht interessiert, in diesem Zusammenhang, auch dies:
    "(...) Die Antidiskriminierungsstelle der Bundesregierung hat eine repräsentative Umfrage zum Thema erstellen lassen:
    Sich gegen Benachteiligung zu engagieren, so ein Fazit der Studie, scheint ein Anliegen der gesellschaftlichen Eliten zu sein. Für junge, modern eingestellte Leute sei Antidiskriminierungspolitik heute etwas Selbstverständliches. Im Milieu der Konservativen und der 'modernen Unterschicht' werde Antidiskriminierungspolitik dagegen als 'Bevorteilung einer unbeliebten Randgruppe' wahrgenommen ..." (2009)
    und dies:

    www.schule-der-vielfalt.de/
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#2 eMANcipation*Anonym
  • 03.11.2010, 09:37h
  • So langsam sollte in Deutschland Schluss sein mit dem verlogenen Getue, das suggeriert, Staat und Politik könnten der massiven Gewalt, der homosexuelle Jugendliche in den Schulen ausgesetzt sind, nichts außer freiwilligen Alibi-Aktönchen entgegensetzen.

    Und vor allem zu suggerieren, dass das dann ein Erfolg sei.

    Es handelt sich hier um eine Kernaufgabe des Staates gegenüber seinen Schutzbefohlenen im Bildungswesen - den Schutz der Gesundheit und der Persönlichkeitsrechte junger Menschen.

    Homophobe Sprache macht Kinder und Jugendliche krank und tötet sie (mindestens psychisch, teilweise auch vollständig) !

    In meinem Kommentar auf der oben zitierten Lehrer-Website habe ich daher das hervorgehoben, was es aus meiner Sicht zu diesem Thema zu sagen gibt:

    www.lehrerfreund.de/in/schule/1s/schwul-schimpfwort-intervie
    w/3781/
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#3 MichaProfil
  • 03.11.2010, 14:20hMünchen
  • Leider ist das Wort schwul außerhalb der Szene meistens negativ belegt. Schwul ist dort also nicht cool, sondern eher scheiße. Wenn man mal nachfragt, wissen gerade die Kleinen oft gar nicht, was schwul eigentlich genau ist. Peinlich fand ich beim diesjährigen CDS den Aufkleber "Homophobie ist voll schwul", den die Piratenpartei verteilte.

    wiki.piratenpartei.de/wiki/images/d/d8/Entwurf-CSDAufkleber-
    Homophobia.png


    Gut gemeint, aber völlig daneben umgesetzt, da man hier schwul=scheiße assoziiert.
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#4 FloAnonym
  • 03.11.2010, 14:45h
  • Gegen diesen Trend und die Rückkehr in alte Zeiten muss mit aller Macht angekämpft werden.

    Aber bei einer Regierung, die aus Parteien besteht, die gemeinsam (Union UND FDP) z.B. bereits gedrucktes Infomaterial für Lehrer wieder zurückzieht, kann man da wohl keine großen Anstrengungen erwarten. Für die ist Bildung und Aufklärung ja (sobald es um Homosexualität geht) Homo-Propaganda.
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#5 schwulenaktivist
  • 03.11.2010, 15:39h
  • Es liegt an den Betroffenen selbst, das Wort weiterhin positiv zu besetzen. Der aktuelle Trende ist die Folge der Vernachlässigung von coming out und offen schwulem Leben.
    Das Internet ist nicht die Lösung aller Probleme - auch derjenigen der Homosexualität nicht!
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#6 eMANcipation*Anonym
  • 03.11.2010, 16:59h
  • Antwort auf #5 von schwulenaktivist
  • Wenn du mit "Betroffenen" alle Schwulen meinst, die ihr Coming-out bereits hinter sich haben bzw. offen und selbstbewusst schwul leben, stimme ich dir zu.

    Inzwischen ist es so weit, dass man sich keine fünf Minuten im öffentlichen Raum in der Nähe von Jugendlichen aufhalten kann, ohne "schwul" als Schimpfwort, "Schwuchtel" o. ä. zu vernehmen.

    Diese jungen Menschen sind in erster Linie Opfer des gesellschaftlich vermittelten, nicht zuletzt durch die Massenmedien immer aggressiver beförderten Heterosexismus

    einschließlich mittelalterlicher Männlichkeitsklischees, des damit einhergehenden Leistungs- und Anpassungsdruckes und allgemein mangelnder Aufklärung!

    Daher müssen wir sicherstellen, dass der homophobe Müll, den heute schon Frühpubertierende verinnerlicht haben, der sie selbst massiv unfrei macht und Gleichaltrigen, die gerade ihre Homosexualität entdecken, schwerste psychische Verletzungen zufügt,

    in unserem Bildungswesen vom ersten Moment an aktiv bekämpft wird und sich erst gar nicht in den Köpfen festsetzt.

    Das geht nur, wenn Lehrerinnen und Lehrer unter geeigneten strukturellen Bedingungen (d.h. kein per se diskriminierendes, ausgrenzendes, durch perversen Leistungsdruck gekennzeichnetes Schulsystem) in jedem einzelnen Fall aktiv für Aufklärung sorgen und deutlich machen, dass derjenige, der ein Problem mit Schwulsein und überhaupt menschlicher Vielfalt hat, maximal uncool ist und sich ins Abseits befördert.

    Diese Aufklärung darf nicht dem Wohlgefallen der Beteiligten überlassen bleiben, sondern muss endlich verpflichtend für Alle institutionalisiert werden.

    Es geht um die grundlegenden Persönlichkeitsrechte und um die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Auch den Eltern sollte in diesem Zusammenhang klargemacht werden: Schon morgen kann es DEIN Kind betreffen!

    Ich bin gespannt, wann deutsche Boulevard-Zeitungen in ähnlichem Stil verkünden, was andere EU-Länder bereits umsetzen:

    www.mirror.co.uk/news/top-stories/2009/12/10/bullying-brough
    t-to-book-115875-21885955/
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#7 seb1983
  • 03.11.2010, 18:07h
  • Antwort auf #6 von eMANcipation*
  • Nicht dass es Deutschland nicht gut tun würde dem guten Beispiel nachzueifern, aber:
    Da es sich immer so anhört als wäre Deutschland mal wieder hinten dran, WIE VIELE der 27 EU Staaten haben denn solche Regelungen eingeführt?
    Da redest du dauernd von anderen EU Ländern im Plural und verlinkst immer die gleichen 3 Artikel aus GB.

    Und da die Welt keine EU Insel ist: Wie siehts denn bei den 193 Ländern dieses Planeten aus?

    Also in ca. 76 ist Homosexualität generell verboten, in 7 unter Todesstrafe, schätze mal in denen gibts keine Schulaufklärung, bleiben ja trotzdem noch ein paar andere...
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#8 mezzoAnonym
  • 03.11.2010, 18:08h
  • Das Problem meiner Meinung nach ist nicht das schwul sein, sondern das Wort Schwul an sich. Die meisten Worte mit SCHW sind negativ besetzt. Da gibt es schwarz, Schwein, schwach, schwierig, Schwanz, schwer, Schwätzer, Schweiß, schwitzen, schwafeln usw usw. Und auch schwanger drückt eher aus, dass man da Rücksicht nehmen muss. Es gibt kaum Worte mit SCHW, die positiv besetzt sind so wie schwimmen und schwärmen (obwohl der Bienenschwarm wohl auch eher negativ ist)
    Sogar mir rutscht manchmal raus, dass das voll schwul ist, wenn etwas nicht klappt. Und ich denke nicht, dass Kinder, wenn sie sowas sagen, dies auch in dem Sinne meinen. Ich wohne im Münchner Glockenbachviertel und wir haben mit die höchste Geburtenrate Münchens. Die Kinder haben überhaupt kein Problem mit Homosexuellen, da sie vollkommen an sie gewöhnt sind und in keinster Weise ein Problem damit haben. Wenn aber dann das Handy nicht funktioniert ist das dann "voll schwul......."
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#9 SchwaikowskyAnonym
#10 alexander