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Im Kino dürfen Jugendliche ab 16 den Puller sehen, im Internet nicht. (Bild: Pro-Fun Media)

Frank Ripplohs schwuler Kultfilm über einen Sexmaniac in Berlin kehrt nach 30 Jahren ins Kino zurück.

Von Carsten Weidemann

Am 1. November 1980 hatte "Taxi zum Klo" seine Welturaufführung bei den 14. Hofer Filmtagen. Die Low Budget-Underground Produktion schlug ein. Das überraschte vor allem Frank Ripploh, der als Autor, Regisseur und Hauptdarsteller zugleich sein allererstes Feature produziert hatte. 1981 erhielt er sogar den begehrten Max-Ophüls-Preis bei den Saarbrücker Filmfestspielen (verliehen durch OB Oskar Lafontaine). Vor einer Woche nun zeigten die 44. Hofer Filmtage die restaurierte und ungekürzte Fassung zu Ehren des 2002 verstorbenen Filmemachers. Queer.de sprach mit Axel Schmidt von PRO-FUN MEDIA über die frisch aufpolierte Filmperle.

1981 lief "Taxi zum Klo" bundesweit in den Kinos. Hast Du damals den Film gesehen?

Nein, in der Zeit habe ich den Film noch nicht wahrgenommen, ich war wohl noch zu jung. Aber ich habe Frank Ripploh dann in den Neunzigern bei den Berliner Filmfestspielen persönlich kennengelernt. Wir hatten uns gleich super verstanden und er erzählte mir von "Taxi zum Klo". Er suchte einen Videovertrieb, wir waren ja mit PRO-FUN MEDIA seit einigen Jahren als Filmverleiher & Videoanbieter am Markt und kamen so zusammen.

Wie kam der Film von der Leinwand ins Heimkino?

Um den Film auf Video herauszubringen, braucht es vernünftiges Material und da sah es schlecht aus. Die Originale lagen unter Verschluss in einem Kopierwerk, weil deren Herstellung nicht bezahlt worden war. Es gab nur ein paar abgeranzte 35mm-Kopien, die aber für die Kinoverwertung gekürzt worden waren und nicht der Urfassung entsprachen, die zur Weltpremiere bei den Hofer Filmtagen zu sehen war. Ripploh mochte die "beschnittene" Fassung gar nicht. Auch weil sie von 16mm auf 35mm aufgeblasen worden war, mit entsprechendem Qualitätsverlust. Das hatte rein technische Gründe. Die Kinos hatten vorwiegend 35mm-Projektoren. Wir hatten dann die 16mm-Ur-Negativfassung beim Kopierwerk auslösen können und begannen mit der Restaurierung. Dabei stellte sich noch heraus, dass der Ton an einigen Stellen kaputt war. Mithilfe des Archivs des Saarbrücker Filmfestivals konnte der dann auch wiederhergestellt werden. Und so hatten wir vor zehn Jahren endlich eine Fassung, die wir auf VHS veröffentlichen konnten.

Youtube | Der offizielle Kinotrailer

Sexuelle Freiheit oder bürgerliches Treueideal?

Jetzt kommt "Taxi zum Klo" mit frischen Kopien wieder ins Kino. Was macht diese Geschichte so besonders, dass es sich lohnt, sie nach 30 Jahren (noch mal) anzuschauen?

Neben "Westler" gehört er zu den herausragenden deutschen schwulen Filmproduktionen. Beides sind wichtige Zeitdokumentationen. Ripploh zeigt die Situation der siebziger/achtziger Jahre in Westberlin, der schwulen Insel vor dem Ausbruch von Aids. Es zeigt ein freies Sexleben, dass eben auch mit allen lästigen Begleiterscheinungen ausgekostet wurde, wie dem regelmäßigen Besuch beim Arzt wegen irgendwelcher Geschlechtskrankheiten. Das hat man zu der Zeit halt lockerer gesehen.

Neben dem dokumentarischen gibt es ja auch noch einen klassischen Grundkonflikt schwuler Beziehungen zu sehen. Frank, der mehr oder weniger sich selbst spielt, ist in einer Beziehung mit Bernd, will aber auf keinerlei sexuelle Freiheiten verzichten. Bernd dagegen wünscht sich die traute Zweisamkeit.

Ja, das ist ein ewig aktuelles Thema. In den westlichen Gesellschaften wird erwartet, dass man sich für jemanden entscheiden und ihm treu sein soll. "Taxi zum Klo" bricht mit dieser Norm. Ripploh selbst hat sich nie daran halten wollen, ebenso wenig sein alter ego in der Geschichte.

Trotz expliziter Sexszenen Freigabe ab 16


Taxi zum Klo, Spielfilm, Deutschland 1978-1980, 91 min, FSK 16. Mit Frank Ripploh, Bernd Broaderup, Gitte Lederer, Hans-Gerd Mertens, Tabea Blumenschein, Magdalena Montezuma. Drehbuch: Frank Ripploh; Kamera: Horst Schier; Schnitt: Gela-Marina Runne, Mathias von Gunten; Ton: Frank Soletti; Musik: Hans Wittstatt; Produzenten: Frank Ripploh, Horst Schier, Laurens Straub.

Im Film ist sehr expliziter Sex zu sehen, darunter eine SM-Szene mit Natursektspielchen oder ein Blowjob auf einer Klappe. Die Freiwillige Selbstkontrolle (FSK) hat dennoch eine Freigabe ab 16 erteilt. Ungewöhnlich liberal, oder?

Oh ja, die Altersfreigabe ist nochmal ein ganz besondere Story. Als der Film 1981 in die Kinos kommen sollte, wollte ihm die FSK für die in Hof gezeigte Fassung überhaupt kein Prüfsiegel erteilen, weil er als pornografisch galt. Es gab von den Prüfern konkrete Vorgaben, welche Szenen zu schneiden wären, damit man zumindest die Freigabe ab 18 gewähren könne. Diese Fassung lief dann auch weltweit. In den USA war er sehr erfolgreich, in Österreich blieb er ganz verboten. Mit der Verwertung für den Heimvideomarkt wurde "Taxi zum Klo" in der Urfassung nochmals der Prüfstelle vorgelegt. Erst wollte man bei 18 bleiben, wogegen wir Widerspruch eingelegt hatten. Es kam zu einer zweiten Prüfung in größerer Runde, wo man sich auf 16 einigte. Ein wichtiger Grund dafür, so argumentierten die Prüfer: der Film sei so authentisch. Der Sex und das Urinieren auf den Körper eines anderen führe zu keinen Entwicklungsstörungen bei Jugendlichen. Die gezeigten Handlungen seien klar den Protagonisten zuzuordnen und lüden nicht zur Nachahmung ein, da Jugendliche sich nicht damit identifizieren würden.

"Taxi zum Klo" läuft in den kommenden Wochen in ein paar Städten, leider nicht überall. Was tun, wenn man keine Chance hat, ihn auf der Leinwand zu sehen?

Wir haben zum Jubiläum eine neue DVD-Edition mit umfangreichem Bonusmaterial herausgebracht. Dafür haben wir lange und aufwändig recherchieren müssen. Sein langjähriger Lebenspartner hat uns weitergeholfen mit alten Aufzeichnungen, Skizzen, Skripts, Niederschriften von Selbstinterviews. Wir wurden in Fernseharchiven fündig, dort gab es unteranderem noch Aufnahmen von der Max-Ophüls-Preisverleihung 1981 und Interviewaufnahmen aus späteren Jahren mit Frank Ripploh.



#1 PierreAnonym
  • 04.11.2010, 10:58h
  • Die Originalfassung habe ich seinerzeit in niederländischen TV gesehen, und dieser Film ist ekelhaft.
    Er bestärkt die typischen (negativen) Klischees über Schwule, so dass man dann gut nachvollziehen kann, dass man Schwulen später weder gleiche Rechte als auch die Homo-Ehe vorenthalten wollte.
    Gibt es eigentlich keine Schwulen-Filme mit positiven Botschaften, die man hier anpreist?
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#2 I.Ramos GarciaAnonym
#3 HelmutAnonym
#4 HelmutAnonym
  • 04.11.2010, 11:31h
  • Einfach grandios dieser Film! Ein riesen Erfolg in Deutschland und im Ausland. nix für Verkappte ;) Muss Man(n) gesehen haben. Absolut zu empfehlen!
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#5 MarioAnonym
  • 04.11.2010, 11:36h
  • Der Film ist in keinster Weise förderlich.
    Es thematiesiert zwar den kühlen Sex, der von einigen Schwulen gelebt wird (genauso wie es auch Heteros gibt die auf unästhetischen Sex stehen), aber was viel nötiger ist als so einen alten Film wieder zu vermarkten sind Filme mit denen sich jüngere Schwule identifizieren können und Filme in denen Vorurteile über Schwule abgebaut werden.
    Und es wird auch Zeit in ( Kino- )Filmen auch mal schöne, ästhetische Erotik zwischen Männern zu zeigen.

    Wenn Heteros von küssenden Männern reden die sowas angeblich so ekelig finden, stellen sie sich entweder unattraktive Lederkerle die sich ohne Zärtlichkeit abschlecken vor oder Klischeetunten mit affektierten Gesten.
    Genauso gibt es aber junge schöne Männer, deren Kuss sehr ästhetisch und erotisch dargestellt werden kann.( Nur wird das seltenst gezeigt, lieber werden in Filmen Klischees dargestellt). Da kann auch kein Hetero sagen ( wenn er ehrlich ist) das es eckelig ist, sondern der Kuss wirkt für ihn einfach neutral.

    Ist doch als Schwuler der heterosexuelle Darstellungen sieht nicht anders, würden im Kino und Fernsehen alte Schwabbeltypen gezeigt die ihre Tussi abschlecken finde ich das auch ekelig, hingegen empfinde ich einen ästhetisch gezeigten Hetero-Kuss neutral.

    Manchmal habe ich das Gefühl das die Medien, wenn sie schon mal auf das Thema Homosex eingehen, bewußt Zärtlichkeiten und Sex zwischen Männern negativ darstellen.
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#6 bananasEhemaliges Profil
  • 04.11.2010, 11:51h
  • Antwort auf #1 von Pierre
  • Ich habe den Film und ich sehe keine negativen Klischees. Weil es sind Tatsachen. Es war in den 70igern so und es ist auch jetzt noch so. Also eher keine Klischees. Nur heute machts Gayromeo, weniger eine Klappe. Allerdings kann ich mir vorstellen, daß Heten damit ein Problem haben. Haben die auch beim CSD, wenn Drags herumstolzieren. Ist aber wohl eher ein Film für Schwule. Für den heterosexuellen Zuschauer werden schwule Filme immer ein "Schocker" sein, oder irgendwelche Verarsche. Schwule Filme mit positiven Botschaften, sind wohl eher Dokumentationen. Da gibts einige gute Filme glaube ich.
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#7 MarioAnonym
  • 04.11.2010, 11:53h
  • Noch etwas zu Vorbilder für junge Homosexuelle:
    Die Darstellung von Homosex/- kuss bezieht sich in (Nicht- Gay- Themed-) Filmen, wenn überhaupt, nur auf erwachsene Männer.
    Während in Teeniekomödien, Teeniehorrorfilmen etc. massig Heteropärchen rumknutschen, sieht man dort nicht ein einziges homosexuelles Pärchen und keine schwulen Jungs die sich mal küssen. Das ist eh das größte Tabuthema, das man nicht erst mit 18 schwul wird.
    Bei dem Anteil von schwulen und bisexuellen Jungendlichen, die sich auch solche Teenyfilme angucken, wäre ein einziger schwuler Kuss zwischen 2 hübschen Jungs schon viel wert. Und wenn sich die anderen Teenies im Kino darüber lustig machen, egal. Wenn dann nämlich zukünftig regelmäßiger in solchen Filmen auch mal ein schwuler Kuss zwischen Teenagern gezeigt wird, dann wird es irgendwann als normal empfunden.
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#8 GouvertanteAnonym
#9 Barış Anonym
#10 jojoAnonym
  • 04.11.2010, 13:18h
  • das eigentlich thema des films wird aus dem trailer nicht so recht ersichtlich: der konflikt zwischen autonomiestreben und sicherheitsbedürfnis, das die beiden hauptfiguren klischeehaft verkörpern und an dem ihre beziehung am ende scheitert. das zeigt der film auf eine humorvolle, manchmal ziemlich plakative, aber trotzdem auch teilweise sehr ergreifende weise. der ganze rummel mit klappensex, fummelbällen und schafestreicheln ist bebilderung dieses themas und gleichzeitig eine ironische zeitgeistdokumentation.

    ein toller film!
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