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Magnus Hirschfeld (1868-1935) war Arzt, Sexualforscher und Mitbegründer der ersten Homosexuellen-Bewegung

Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages hat die Mittel zur Gründung einer Magnus-Hirschfeld-Stiftung bereitgestellt. CDU/CSU und FDP hatten dies im Koalitionsvertrag vereinbart. Das Stiftungskapital als Zuwendung des Bundes liegt in einer Höhe von 10 bis 15 Millionen Euro.

Der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) begrüßte den Beschluss. "Nun wird es darauf ankommen, welche Zielsetzung der Magnus-Hirschfeld-Stiftung eingeschrieben wird", schränkte LSVD-Sprecher Axel Hochrein jedoch ein: "Um der historischen Verantwortung gerecht zu werden, gehört es zu den ersten Aufgaben einer Magnus-Hirschfeld-Stiftung, sich aktiv für die Rehabilitierung der verfolgten Homosexuellen auch nach 1945 einzusetzen."

Die FDP hatte im Vorfeld versprochen, die Stiftung werde der Beitrag des Bundes gegen Ausgrenzung und Gewalt gegenüber Lesben und Schwulen sein und durch Bildung und Forschung der Diskriminierung entgegenwirken. "Wichtig wäre auch, die historisch arbeitenden Initiativen und Projekte, die sich seit vielen Jahren engagieren, endlich anzuerkennen", so Axel Hochrein. "Nicht vergessen werden darf auch die internationale Menschenrechtsarbeit, die seit 2007 mit viel Erfolg von der Hirschfeld-Eddy-Stiftung für die Menschenrechte von Lesben, Schwulen und Transgender betrieben wird."

Erste Anläufe für eine Magnus-Hirschfeld-Stiftung gab es bereits unter der rot-grünen Bundesregierung. Der Deutsche Bundestag hatte am 7. Dezember 2000 bereits einstimmig versprochen, eine solche Stiftung zu errichten, das Gesetzesvorhaben scheiterte jedoch vier Jahre später im Parteienstreit (queer.de berichtete). Nach dem Regierungswechsel ignorierte Schwarz-Rot das Thema komplett, erst die Liberalen hatten es nach dem schwarz-gelben Wahlsieg wieder auf die Tagesordnung gesetzt.

Namensgeber der Stiftung ist der Berliner Arzt und Sexualwissenschaftler Dr. Magnus Hirschfeld (1868 bis 1935). Er ist neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit auch als Streiter für die Rechte der Homosexuellen hervorgetreten. (cw)



MdBs in Hirschfeld-Stiftung gewählt

Der Bundestag hat am Donnerstag die neun Abgeordneten für das Kuratorium der neu gegründeten Magnus-Hirschfeld-Stiftung bestimmt.
Weiter LGBT-Kritik an Regierung

Die Magnus-Hirschfeld-Stiftung bleibt umstritten. Auch die Kürzungen bei der Antidiskriminierungsstelle des Bundes sorgen weiterhin für Wirbel.
#1 leselampeAnonym
  • 12.11.2010, 14:41h
  • Bei allen objektiven Verdiensten dieses Kindes seiner Zeit:

    "...erst die Liberalen hatten es nach dem schwarz-gelben Wahlsieg wieder auf die Tagesordnung gesetzt..."

    Was nicht verwunderlich ist. Schwule Ichlinge können in der Partei des aggressiven Sozialdarwinismus problemlos Grundhaltungen
    ausleben, wie sie einst zeitgemäß schon mal formuliert, praktiziert oder angedacht wurden.

    "...In kritischen Artikeln über den Eugeniker Hirschfeld, die in den letzten Jahren in den Mitteilungen der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft erschienen sind, [1] bleibt es am Ende "rätselhaft" oder "befremdlich", daß sich das Idol der schwulen Emanzipationsbewegung mit Rassenhygienikern einließ, an grausamen Menschenexperimenten (Genitalverstümmelungen, Kastrationen zur Umpolung der sexuellen Orientierung Schwuler) beteiligt war, sogar zur eugenischen Politik der Nazis gegen "Minderwertige" eine vermittelnde statt klar ablehnende Haltung einnahm. Doch das vermeintliche Rätsel löst sich schnell, wenn man Hirschfelds Begriff von Sexualität betrachtet, der seinem gesamten Werk zugrunde liegt. Er hatte keinen emanzipatorischen Blick auf Sex, sondern einen finalen. Sex hatte für ihn – der seine eigene Sexualität so lange unterdrückt hatte – kein Recht in sich, sondern war auf Fortpflanzung gerichtet. Er nahm keinen hedonistischen Standpunkt ein, sondern einen bevölkerungspolitischen. Nicht Lust und Spaß waren das A und O seiner Beschäftigung mit Sexualität, sondern die angebliche Minderwertigkeit und Höherwertigkeit des Erbgutes für die angestrebte biologische "Aufartung" der Menschheit durch richtige Zuchtwahl, wer immer "richtig" definierte..,

    www.trend.infopartisan.net/trd7800/t357800.htm

    Handelsblatt (heute):

    Statistik: So wenige Geburten wie noch nie
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#2 goddamn. liberalAnonym
  • 12.11.2010, 15:07h
  • Antwort auf #1 von leselampe
  • Nur eine Definitionshoheit haben Faschisten: Zu bestimmen, wer einer der ihren ist und wer eben nicht.

    Der Sexualwissenschaftler, demokratische Sozialist und Jude Hirschfeld war bei den Nazis von Anfang an tief verhaßt. Schon 10 Jahre vor der Machtergreifung wurde er bei einem rechtsextremen Attentat schwer verletzt, sein Institut wurde von Nazi-Horden zerstrümmert, nicht nur seine Schriften, sondern sogar seine Büste - da man seiner selbst nicht habhaft werden konnte - verbrannt. Ja, was will man als glücklicher Nachgeborener noch mehr, als jemand als faktischen Antifaschisten zu definieren?

    Dass Hirschfeld Teil der Diskurse seiner Zeit war, ist unbestritten. Dass er ihnen weit weniger erlag als der rechte Flügel der damaligen Schwulenbewegung um Adolf Brand, auch. Frühe konsequent linksliberal-antifaschistische Schwulenaktivisten wie Klaus Mann sind da bessere Leumundszeugen für Hirschfelds Integrität als nachgeborene Besserwisser, die es ja auch oft tatsächlich - ohne eigenes Verdienst - besser wissen...
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#3 werner.xAnonym
#4 E. v. FalkenhaynAnonym
#5 WirlingAnonym
#6 GayreporterAnonym
#7 Friedrich EbertAnonym
#8 stromboliProfil
  • 12.11.2010, 19:10hberlin
  • "Nun wird es darauf ankommen, welche Zielsetzung der Magnus-Hirschfeld-Stiftung eingeschrieben wird", schränkte LSVD-Sprecher Axel Hochrein jedoch ein: "Um der historischen Verantwortung gerecht zu werden, gehört es zu den ersten Aufgaben einer Magnus-Hirschfeld-Stiftung, sich aktiv für die Rehabilitierung der verfolgten Homosexuellen auch nach 1945 einzusetzen."
    ---

    www.queer.de/detail.php?article_id=1202

    "In der in großen Teilen lautstark geführten Debatte sagte die SPD-Abgeordnete Sabine Bätzing (Bild rechts), man begrüße "Inhalt, Sinn und Zweck" der Stiftung, aber die finanzpolitische Realität erlaube sie nicht."

    Der finanzierungsrahmen für die stiftung hat sich ja nicht verändert, was also war/ist die finanzpolitische lage, die zuvor einen beschluß verhinderte und jetzt den weg frei macht:
    Liegt der verzicht im kern nicht bei den opfern?

    Verzichten die , dank einer gönnerhaft angebotenen wissenschaftlichen "aufarbeitung " ihrer vergangenheit auf schmerzensgeld- schadenersatz?
    Und ums klar zu sagen: dank der bundesrepublik deutschland sind die überlebenden der nazivergangenheit weggestorben, also keine kosten mehr zu befürchten!
    Was aber ist mit den § 175 zigern der nachkriegszeit?
    Welche genugtuung wird ihnen wiederfahren?!

    @goddamn. liberal,
    Zum thema hirschfeld: wenn nicht die verquickung seiner person, seines institutes mit den angeschuldigungen betreffs rasse-sozial hygiene eindeutig geklärt und aufgearbeitet, ist eine stiftung im namen aller schwulen/lesben verbunden mit seinem namen nicht tragbar!
    Da holt womöglich ein opfer seine eigene vergangenheit ein! Und so tragisch seine lebensgeschichte, dient sie der geschichtlichen reflexion über schuld und sühne.
    Gerade wenn zukunftweisendes mit vergangenheit ausdruck finden soll, muss klarheit herrschen!
    Wenn sich tatsachen erhärten, wäre eine umbenennung zugunsten anderer namhafter persönlichkeit unserer vergangenheit im kampf um emanzipation und gleichstellung wie Sigusch oder Dannecker zeitgemäßer, selbst wenn diese noch unter uns weilen!
    Über frau Fannyann Eddy besteht kein zweifel und es wäre dem andenken ihres namens würdig, nicht in eine rassenhygienische schmuddelgeschichte verwickelt zu sein!

    mittlerweile bin ich zutiefst unglücklich über das laufende geschehen! Ähnlich wie in der frage des homo-denkmal, lassen wir uns unsere eigene geschichte aus der hand nehmen und parteipolitisches gezänk und profilierungen aufdrücken!
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#9 FloAnonym
  • 12.11.2010, 19:38h
  • Diese Stiftung macht nur dann Sinn, wenn sie das ganze homophobe Unrecht zur NS-Zeit, aber auch danach in der Bundesrepublik Deutschland, gegen Schwule, Lesben, Bi- und Transsexuelle aufhebt und die Betroffenen rehabilitiert.

    Und dazu zählen nicht nur die Opfer des § 175....

    Geschieht das nicht, ist diese Stiftung eine reine Alibiveranstaltung, um sich nach all der Homophobie von Schwarz-Gelb ein Alibi-Jäckchen anzuziehen; in einem Bereich, der keinem weh tut.
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#10 goddamn. liberalAnonym
  • 12.11.2010, 21:16h
  • Antwort auf #8 von stromboli
  • Ich habe mich ziemlich inteniv mit Hirschfeld auseinandergesetzt. Es gibt vieles von ihm, was wissenschaftlich nicht mehr haltbar ist (vielleicht das meiste), aber ich bin nicht auf eine einzige Zeile gestoßen, die auch nur eine annähernde Sympathie zum damaligen rechten Spektrum verrät. Das kann nicht verwundern, denn er war einer der Hauptfeinde dieser Herrschaften...

    Historisches Bewußtsein ist wichtiger als Entlarvungshysterie am falschen Objekt...
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