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  • 14. Juli 2004, noch kein Kommentar

Der ehemalige Leiter der Berlinale, Moritz de Hadeln, hat Ende April auf dem weltgrößten schwul-lesbischen Filmfestival in Turin viele Stunden im Kino gesessen. Warum er sich mehr Revolution und weniger Sex im Homo-Film wünscht, verriet er queer.de.

Wenn Sie sich die Produktionen der letzten Jahrzehnte anschauen, in denen Homosexualität dargestellt wurde, welche Veränderungen stellen sie da fest?
Die schwule Bewegung kämpft zurzeit für die Normalität, man will Ehepaar sein, statt die Vorteile des anders Seins zu bewahren. Das zeigt sich auch in den Filmen heute. Wir haben seit Ende der Sechziger vor allem um die sexuelle Freiheit gefochten unter dem Druck der Kirche. Heute will man nicht auffallen. Schauen sie sich den Klassiker "Taxi zum Klo" an. Das ist ein Film, den man mit seiner offenen drastischen Darstellung schwuler Sexualität heute so nicht mehr machen würde. Er passt nicht mehr in die heutigen Moralvorstellungen. Ich finde das persönlich schade. Ich bin auch etwas pessimistisch und fürchte, dass sich die Bewegung künftig wieder stärker verteidigen muss, weil die Gesellschaft konservativer geworden ist.

Sie würden sich mehr Rebellion in den Filmen wünschen?
Ich würde das begrüßen. Ich rede jetzt aber explizit über große Spielfilme. Im Bereich Dokumentationen gibt es viel Sehenswertes und Außergewöhnliches, aber das sind Produktionen, die kein großes Publikum erreichen. Es fällt aber schon auf, dass mehr und mehr Regisseure versuchen, mit schwul-lesbischen Themen zunächst auf die großen Festivals in Berlin, Cannes uns Venedig zu kommen.

Der Gay Teddy Award in Berlin hat aber auch zu einem Mehr an Offenheit beigetragen, oder?
Ja. Was viele aber inzwischen vergessen haben: Der Gay Teddy war als provokanter Gegenentwurf zum Berlinale-Bär gedacht. Unter der Teddyfigur befindet sich ein Pflasterstein. Solche Steine, wie sie Ende der Sechziger Jahre gegen die Polizei geschmissen wurden. Es erinnert natürlich auch an Stonewall, an den Aufstand der Homosexuellen gegen die staatlichen Repressionen. Ich bedauere es ein bisschen, dass der Teddy so groß und so perfekt geworden ist. Mir fehlt ein wenig die familiär-freundliche Atmosphäre der Anfangsjahre.

Was mögen sie an schwul-lesbischen Filmen, was nicht?
Die Qualität ist ja sehr unterschiedlich. Eindeutig ist die Zunahme der Nacktszenen, die eigentlich nur aus kommerziellen Gründen vorkommen. Immer mehr Jungs stehen nackt unter der Dusche, völlig unbegründet, für die Handlung spielen diese Szenen gar keine Rolle. Andere Filme kommen immer noch sehr didaktisch mit Thesen gespickt daher und erklären wie im Schulunterricht, wie das homosexuelle Leben funktioniert. Nur wenige Filme gehen tiefer in psychologische Schichten. Wenn die psychologische Ebene der schwul-lesbischen Rollen vom Regisseur betrachtet wird, entstehen dabei fantastische Filme. (cs)

14. Juli 2004, 12:39 Uhr