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Das Blut spritzt: 74 Punkte steht für 74 angefahrene Schwule

Im Online-Game "Gay Bus" kann man schwule Matrosen überfahren.

Von Norbert Blech

In amerikanischen Schwulenblogs gibt es Aufregung über das homophobe Online-Game "Gay Bus", in dem man mit einem Personenbus eine Masse von Männern im Matrosen-Outfit überfahren kann. Nach ersten Berichten Anfang der Woche hat die Webseite "New Grounds" das in Flash programmierte Spiel inzwischen entfernt, Kopien davon existieren aber auf zahlreichen anderen Seiten, auch in Deutschland.

Zum vermutlich nicht genehmigten Song "Gay Bar" von Electric Six lenkt der Spieler einen Bus – und bekommt für jede überfahrene Person einen Punkt. "Das sind Homosexuelle mit Matrosen-Mützen", schreibt die Anleitung. "Triff sie, um Punkte zu erreichen. Weil Du sie nicht magst." Und, etwas irritierend: "Weil du seltsam ('odd') bist". Das Spiel, in dem der Fahrer einen Bus mit der Aufschrift "gay" steuert, endet, wenn dieser eine Schwulenbar erreicht. Auch etwas seltsam. Und zur Belohnung für das zahlreiche Überfahren ("Well done!") gibt es "YMCA" von den Village People.

Dabei ist das Spiel offenbar schon etwas älter – und selbst in Deutschland weitverbreitet. Bei my-onlinespiele.net wurde es im Oktober 2008 hinzugefügt und über 3.700 Mal gespielt, bei spiele.isnichwahr.de rund 18.000 mal.

Langeweile und Humor


Die Anleitung zum Spiel ist einfach, aber merkwürdig

"Gay Bus" ist nicht das einzige homophobe Online-Flash-Game. Alle paar Jahre wieder gibt es Aufregung über "Schau hinter dich, Jäger" (bzw. "Watch out behind you, Hunter", queer.de berichtete), das nicht aus dem Netz verschwinden will. Bei diesem Game muss der Jäger nackte Männer erschießen, die hinter Büschen hervorkommen und auf ihn zurennen. Bei zu langsamer Reaktion wird er vergewaltigt, Punkte gibt es für jeden toten Schwulen. Auch dieses Spiel ist auf deutschen Seiten noch immer weit verbreitet.

Das Jägerspiel stammt aus Frankreich, wo es verboten wurde. Ein Spiele-Webseiten-Besitzer sagte damals zu France24.com: "Stéphane Aguie, der Typ der das programmiert hat, wollte damit Jäger und Rednecks verarschen, nicht schwule Männer". Eine Zensur sei albern, auch sei das Spiel nicht böse gemeint: "Unsere Spiele sind nicht politisch korrekt. Sie richten sich an Teenager – und leben von ihrem kindischen Humor".

Zu der Motivation des Programmierers von "Gay Bus" ist nicht viel bekannt. In dem Spiel schreibt er über sich: "Mein Name ist Ryan und mir ist langweilig."

Wöchentliche Umfrage

» Wen darf man im Online-Spiel töten?
    Ergebnis der Umfrage vom 15.11.2010 bis 22.11.2010


#1 Mister_Jackpot
  • 14.11.2010, 14:24h
  • Aha..."Menschen erschiessen" ist als "kindischer Humor"? Ich hoffe diese Leute werden niemals Kinder erziehen!
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#2 FoXXXynessEhemaliges Profil
#3 eMANcipation*Anonym
  • 14.11.2010, 14:48h
  • Antwort auf #1 von Mister_Jackpot
  • Fällt dir auch auf, dass es immer wieder dasselbe ist, nur in Tausenden verschiedenen Variationen?

    Warum wohl ist "schwul" inzwischen Schimpfwort Nummer eins schon bei Vorpubertierenden und wird auch immer aggressiver genau so geäußert?

    Woran liegt das, wenn nicht daran, dass diese Kinder genau so "erzogen" bzw. programmiert und dabei natürlich selbst Opfer mannigfaltiger psychischer und struktureller Gewalt werden?

    Auch die Lösungsansätze sind keineswegs neu, sondern werden seit Jahren auch hier bei queer.de immer wieder diskutiert und in anderen Ländern, teilweise länger, praktiziert.

    Was wir dringend brauchen, ist eine Kombination aus rechtsstaatlichen und bildungs-/aufklärungspolitischen Sofortmaßnahmen (siehe v. a. Großbritannien, Spanien) und insbesondere strukturellen Veränderungen, die die soziale Teilhabe aller jungen und überhaupt aller Menschen sichern (siehe v. a. Skandinavien).
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#4 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 14.11.2010, 14:48h
  • Es ist schon haarsträubend, welche fragwürdigen Spiele sich im Internet tummeln! Da hat jemand zu viel "Moorhuhnjagd" oder irgendwelche Egoshotter gespielt!
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#5 herve64Profil
#7 Frankyboy
  • 14.11.2010, 16:26h
  • Eine Zensur sei albern, auch sei das Spiel nicht böse gemeint: "Unsere Spiele sind nicht politisch korrekt. Sie richten sich an Teenager - und leben von ihrem kindischen Humor".

    Wenn dem so ist, dann mache ich Ryan mal einen lustigen Vorschlag:

    Lass doch mal ein paar Frauen mit Kopftüchern über die Straße laufen, die sich von dem Bus überfahren lassen. Und wenn der Busfahrer weit gekommen ist, hält er an einer Moschee. Ich wette, damit würde in den deutschen und wenn er Glück hat auch in der islamischen Medienwelt mehr aufsehen erregen...

    Aber da es bei dem Spiel ja "nur" um Schwule geht, ist das allgemeine Interesse hier gleich null, außer vielleicht in unserer eigenen Community...

    Traurig...
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#8 reiserobbyEhemaliges Profil
#9 daVinci6667
  • 14.11.2010, 16:46h

  • Man Stelle sich mal vor, in diesem Spiel wuerden nicht Schwule überfahren sondern Juden, Schwarze oder Moslems und der Aufschrei der dann durch die breite Presse ginge! Entweder wir werden genau wie alle anderen Gesellschaftsgruppen vor diesen menschenverachtenden Diskriminierung geschützt, oder wir stellen aus Protest und zur Veranschaulichung wie wir uns dadurch fühlen, Spiele ins Netz in denen es Punkte für jeden absichtlich überfahrenen Hetero gibt!
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#10 vingtans
  • 14.11.2010, 16:49h
  • also ballerspiele sind okay, solange sie nicht zu realistisch sind.

    aber dieses spiel hier...ist einfach menschenverachtend,mehr muss man nicht sagen.
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