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Graeme Taylor (14), schwul und engagiert (Bild: Screenshot YouTube)

In einer bewegenden Rede verteidigt ein Teenie seinen Lehrer, der sich gegen rassistische Schüler gestellt hatte.

Von Carsten Weidemann

Es war nur eine kurze Rede, doch in knapp zwei Minuten schaffte es Graeme Taylor, die Herzen der Erwachsenen zu bewegen, die ihm zuhörten. Der 14-jährige Schüler der High School in Howell (US-Bundesstaat Michigan) nahm den Lehrer Jay McDowell in Schutz, der für zwei Tage vom Dienst suspendiert worden war. Er hatte zuvor zwei Schüler des Klassenraums verwiesen, weil sie rassistische Symbole trugen und schwulenfeindliche Bemerkungen machten.

Der Rauswurf der beiden Jugendlichen hatte sich am 20. Oktober ereignet. Nach der Beschwerde der Eltern bekam McDowell eine Disziplinarstrafe: zwei Tage Suspendierung, einen Tag Lohnabzug. Dagegen protestierte nun der Lehrer. Am vergangenen Freitag befasste sich die Schulkonferenz mit dem Vorfall. Da die Medien zuvor ausführlich berichtet hatten, war der Raum, in der die öffentliche Anhörung stattfand, gut gefüllt.

Youtube | Mitschnitt der Rede von Graeme Taylor

"Dieser Lehrer stand wenigstens auf"

Rund 100 Erwachsene lauschten dann Graeme Taylors Worten: "Dieser Lehrer, den ich absolut unterstütze, stand wenigstens auf und sagte etwas. Ich habe in Klassenräumen gesessen, in denen die Kinder die schlimmsten Dinge gesagt haben. Worte, die mich dazu getrieben haben, einen Selbstmordversuch zu unternehmen, als ich gerade einmal neun Jahre alt war."

Er forderte die Schulkonferenz auf, die Disziplinarmaßnahmen rückgängig zu machen. "Er hat etwas Wunderbares getan, das viele Menschen inspiriert. Und wann immer ich einen Lehrer habe, der für mich auf diese Weise eintritt, wird er für mich etwas Besonderes."

In den letzten Monaten haben die US-Medien vermehrt über Selbstmorde von schwulen Schülern und Studenten berichtet, die zuvor von Klassenkameraden gemobbt worden waren. Christlich-konservative Aktivisten kritisieren die vermehrten Debatten um homosexuelle Jugendliche als Mitte von Homo-Gruppen, die "Gay Agenda" in den USA durchzusetzen, also "Sonderrechte" für Schwule und Lesben (queer.de berichtete).

Youtube | TV-Bericht


#1 Frankyboy
  • 16.11.2010, 08:09h
  • Verkehrte Welt! Ein Jugendlicher klärt die Erwachsenen über Toleranz und Diskriminierung auf. Ein wirklich vorbildlicheer Schüler...
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#2 Gollom Anonym
#3 mupfelAnonym
  • 16.11.2010, 10:01h
  • Eine kleine Perle.
    Souverän, 1A Gestik.
    Glückwunsch an die beteiligten Sozialisationsagenten.
    Davon mehr.
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#4 GEWAnonym
#5 MalteAnonym
  • 16.11.2010, 12:32h
  • Da tragen Schüler rassistische Bemerkungen und machen Hassäußerungen und offenbar sehen die Leute lieber zu statt zu handeln.

    Und wenn dann ein Lehrer seiner Pflicht nachkommt, und solche Schüler sanktioniert, wird er dafür noch suspendiert.

    Und dann muss ein Schüler, der an solch einer faschistischen gleichgültigen Schule sicher genug Probleme hat, für den Lehrer eintreten, weil es offenbar sonst niemand tut.

    Und das alles vor dem Hintergrund der immer zahlreicheren Suizide an US-Schulen.

    Dieses Land ist nur noch degeneriert....
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#6 eMANcipation*Anonym
  • 16.11.2010, 12:59h
  • Antwort auf #5 von Malte
  • Das liegst du inhaltlich völlig richtig.

    Allerdings kann ich dir gern mal meine persönliche Statistik von Jugendlichen hier in Deutschland schicken,

    die in ihrer Schule noch nicht ein einziges Mal von LehrerInnen verteidigt worden sind oder erlebt haben, dass Schwule verteidigt werden, wenn die üblichen homophoben Bemerkungen fallen oder direktes, persönliches Mobbing stattfindet.

    Hier muss der Staat endlich seiner Verantwortung gegenüber Schutzbefohlenen gerecht werden und dafür sorgen, dass jeder einzelne Vorfall der verbalen Schikane oder des Mobbings von Anfang an dokumentiert und aktiv bearbeitet wird.

    Je früher das unmissverständliche Signal gegeben wird, dass die Gesellschaft jede Beleidigung, Diffamierung und Diskriminierung auf Basis der sexuellen Orientierung oder anderer Identitätsmerkmale nicht duldet und dass man sich mit homophoben oder allgemein rassistischen Bemerkungen selbst ins Abseits stellt, desto weniger werden sich solche Verhaltensweisen überhaupt einstellen und verfestigen.

    Dass es dafür unbedingt grundlegender, struktureller Veränderungen in unserem Bildungssystem bedarf, steht außer Frage.

    Man kann ja nicht Kinder nach ihrer Abstammung und/oder sozialen Herkunft aussortieren und gleichzeitig die antidiskriminierende Gesellschaft oder den antidiskriminierenden Staat mimen.

    Ich plädiere für die bereits mehrfach angesprochenen Sofort-/Notfallmaßnahmen (siehe Großbritannien) UND grundsätzliche Veränderungen (siehe Skandinavien), beides zusammen.

    Das ist übrigens auch dringend notwendig für die Minderheit von LehrerInnen, die ihrem eigentlichen pädagogischen und menschlichen Auftrag entsprechend heute schon psychische Verletzungen und Gewalt nicht einfach hinnehmen (siehe Artikel).
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#7 IchAnonym
  • 16.11.2010, 13:02h
  • Nur ne kleine Korrektur, es war nicht der Lehrer von Taylor. Taylor geht auf eine ganz andere Schule.
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#8 BenniAnonym
  • 16.11.2010, 13:30h
  • Antwort auf #5 von Malte
  • "Dieses Land ist nur noch degeneriert..."

    Trotzdem hat sich in dem Land was du teils zu recht kritisierst, ein Lehrer gegen homophobe Äußerungen und rassistische Schüler gestellt und ein 14 jähriger Junge engagiert sich vorbildlich für ihn.

    Geh in eine Schulklasse in Deutschland und du merkst das auch in deutschen Schulen wenig gegen Homophobie unternommen wird. Die Lehrer schauen zu. Auch hier passiert nichts, ein Lehrer der Schüler längerfristig aus der Klasse verweist, würde auch hier Probleme mit der Schulleitung krigen. Die rassistischen Schüler werden auch hier mit Samthandschuhen angefasst.
    Solch einen Lehrer wie der um den es in dem Video geht und solch ein Mitschüler der sich einsetzt fehlt auch an deutschen Schulen.

    Unser Land scheint genauso degeneriert zu sein.

    In Deutschland werden Suizide nicht publick gemacht, wer weiß wieviele Teenager sich hier jährlich wegen eines homofeindlichen Umfelds umbringen.
    Auf solche Aktionen wie "it gets better" wartet man hier vergeblich.
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#9 eMANcipation*Anonym
  • 16.11.2010, 14:51h
  • Antwort auf #8 von Benni
  • Zur Erinnerung:

    Bundestagsdrucksache 16/4818

    Antwort der Bundesregierung auf Große Anfrage vom 23.03.2007

    Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über Ausmaß und Erscheinungsformen gesellschaftlicher Diskriminierungen, mit denen lesbische und schwule Jugendliche konfrontiert sind, sowie über die Auswirkungen von Diskriminierung auf die Lebenssituation der Jugendlichen?

    [...] Damit ist das Suizidrisiko bei gleichgeschlechtlich orientierten
    Jugendlichen viermal höher als bei Jugendlichen mit heterosexueller Orientie-
    rung.

    Beabsichtigt die Bundesregierung, die Aufforderung des Deutschen Bundestages vom 16. Juni 2005 umzusetzen, eine Bestandsaufnahme zur Lebenssituation schwuler und lesbischer Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland durchzuführen?

    Wenn ja, wie und wann wird dies geschehen?

    Wenn nein, warum nicht?

    Die Bundesregierung beabsichtigt keine Bestandsaufnahme zur Lebenssituation schwuler und lesbischer Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland durchzuführen. Eine solche Notwendigkeit wird nicht gesehen.
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#10 seb1983
  • 16.11.2010, 15:00h
  • Antwort auf #8 von Benni
  • Die Selbstmordraten insgesamt und auch Jugendlicher sind seit Jahren erstmal glücklicherweise rückläufig. Glaube dieses Jahr hatten wir seit langer Zeit wieder eine leichte Steigerung. In den USA liegt sie übrigens deutlich höher als in Deutschland.

    Wenn hier aber das Thema Schule kommt sie halte ich allein das Vorgehen gegen schwulenfeindliche Gewalt für massiv zu kurz gegriffen. War vor einigen Monaten mit ner Freundin an meiner ehemaligen Schule, das ist bald nicht wieder zu erkennen wie sich der Umgang geändert hat. Selbst als zwei Köpfe größerer Ehemaliger wird man bald umgerannt und blöd angemacht. Untereinander wird geprügelt und beleidigt.
    Kurz das Gewaltniveau hat generell einfach stark zugenommen. Da bleiben entsprechend auch schwule Schüler, die ja hier gerne als First Class Opfer genannt werden, entsprechend auf der Strecke, bei Jugendlichen bleibt das hängen: Schwule sind Opfer von Gewalt? Na dann drauf da ist einer noch schwächer als ich.

    Es muss drigend GENERELL wieder ein anderes Klima an den Schulen geschaffen werden. Gewalt darf nicht toleriert werden, weder Worte noch körperliche.
    Da Eltern ihren Erziehungsauftrag oft nicht mehr wahrnehmen wollen oder können müssen eben die Schulen in diese Bresche springen ab der ersten Klasse. Hier müssen grade Grundschullehrerinnen und am Besten auch Erzieherinnen in Kindergärten quailifiziert werden. Ab weiterführenden Schulen steckt der Karren eh schon im Dreck.

    Das Laissez-faire gehört drigend beendet, was bringt es wenn ich mit 15 oder 16 jährigen über Homosexualität reden will und dass das normal ist wenn die eh nicht interessiert was "die alte Fotze da vorne für n Scheiß labert", sorry so ist es. Wenn ich von Bekannten höre wie es etwa an vielen Hautpschulen zugeht, wo selbst die Bildungsinhalte nicht vermittelt werden können weil die halbe Klasse lieber Ipod hört ist es illusionät einzig über Aufklärungsprogramme und Strafen bezüglich Schwulenfeindlichkeit den Problemen beizukommen und isoliert an einzelnen Problemen rumzudoktern.

    Die Gesamtsituation muss sich ändern! Für ALLE, nicht nur für Schwule.
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