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Dank liberaler Gesetze und eines gesellschaftlichen Wandels (Bild: AH!Photography / flickr / by-nd 2.0)

Einer britischen Umfrage zufolge haben junge Schwule heute durchschnittlich mit 17 Jahren ihr Coming-out - und damit 20 Jahre früher als ihre Vorgängergeneration.

Die Homo-Gruppe Stonewall befragte online über 1.500 Schwule, Lesben und Bisexuelle. Die über 60-Jährigen gaben an, durchschnittlich im Alter von 37 Jahren ihr Coming-out gehabt zu haben. Bei der Gruppe der 18- bis 24-Jährigen lag das durchschnittliche Offenbarungsalter bei 17 Jahren. Die heute 18-jährigen Befragten hatten ihr Coming-out durchschnittlich bereits mit 15. Die Zahlen sind allerdings schwer vergleichbar, da in den jungen Altersgruppe natürlich nur diejenigen befragt worden sind, die bereits öffentlich zu ihrer Homosexualität stehen.

"Du musst nicht auf das Coming-out warten"

Die Ergebnisse seien sehr positiv, erklärte Stonewall-Sprecherin Ruth Hunt: "Jeder sollte sein Coming-out haben, wenn er sich bereits dafür fühlt, aber die Zahlen zeigen einen ermutigenden Trend", freut sich Hunt. "Jedem, dem dieser Schritt noch bevor steht, sei gesagt: Du musst nicht warten. Unser Land ist fairer, als es früher war und bietet Hilfen an." Sie begrüßte, dass in Schulen heute mehr gegen Mobbing vorgegangen wird. Denn wenn Anti-Diskriminierung Unterrichtsthema ist, gingen die Fälle von Mobbing sehr stark zurück. Auch die Medien würden helfen, das Coming-out zu erleichtern, da dort viele schwule oder lesbische Vorbilder gezeigt würden.

Stonewall hat anlässlich der in Großbritannien stattfindenden Anti-Mobbing-Woche die "It Gets Better Today"-Kampagne gestartet. Sie orientiert sich an einer ähnlichen amerikanischen Initiative, die nach einer Selbstmordserie unter jungen Schwulen ins Leben gerufen wurde.

Stonewall ist 1989 gegründet von Homo-Aktivisten gegründet worden, unter ihnen auch der Schauspieler Sir Ian McKellen und der Labour-Politiker Michael Cashman, der heute Vorsitzender der schwul-lesbischen Intergruppe im Europaparlament ist. Die Gründung war eine Reaktion auf die Einführung von Section 28 durch die Thatcher-Regierung. Die Richtlinie, die 2003 abgeschafft wurde, besagte, dass in Schulen das Thema Homosexualität nicht behandelt werden darf. (dk)



#1 MarcoAnonym
#2 chris neuenglandAnonym
  • 16.11.2010, 19:57h
  • Laut einer vierjährigen Studie aus Kalifornien liegt das Durchschnittsalter nun bei 13,4 Jahren, was ich für glaubwürdiger halte als eine Online-Umfrage.
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#3 eMANcipation*Anonym
  • 16.11.2010, 21:04h
  • Antwort auf #1 von Marco
  • In Deutschland ist empirisch belegt, dass die gefühlte und effektive Freiheit männlicher Jugendlicher, überhaupt sexuelle Erfahrungen mit dem gleichen Geschlecht zu machen, seit 1980 deutlich abgenommen hat.

    Wie der Artikel zu Recht sagt: Die Repräsentativität und Validität der zitierten Zahlen hält einer seriösen sozialwissenschaftlichen Prüfung nicht stand.

    Noch mehr zu Deutschland:

    In den meisten Bundesländern befindet sich Homosexualität noch nicht einmal als Pflichtthema in den Lehrplänen. Von einem Mainstreaming sexueller Vielfalt wollen wir erst gar nicht reden.

    Institutionalisierte oder überhaupt koordinierte Maßnahmen gegen das weit verbreitete schwulen- und lesbenfeindliche Mobbing gibt es nicht. Aus der allgegenwärtigen heteronormativen und homophoben Gewalt, angefangen in der Alltagskommunikation, resultiert ein vielfach höheres Suizidrisiko.

    Dann fiel noch das Stichwort "Antidiskriminierung". Das deutsche "AGG" mit seinen Ausnahmeregelungen für die größten Diskriminierungstäter und Verweigerung der Abtretung von Ansprüchen / des Verbandsklagerechts ist eher eine Ermutigung zu diskriminierendem Verhalten.

    Gesetze gegen Hassrede und diffamierende Rede sowie Hassverbrechen: ebenso Fehlanzeige.

    Betrachtet man insbesondere die soziale Entwicklung, wird erst recht deutlich, dass die Freiräume der schon als Frühpubertierende rundum beobachteten und kontrollierten Facebook-Generation, selbstbewusst anders zu sein, dramatisch ab- und nicht etwa zunehmen.
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#5 Menachem
  • 17.11.2010, 00:18h
  • Antwort auf #2 von chris neuengland
  • Yep, und diese Studie wird weitergeführt: die Zahl 13,4 Jahre galt für den Umfragezeitraum 2009, welcher am 30. September 2009 endete; für 2010 (1. Oktober 2009 bis 30. September 2010) wurde als durchschnittliches coming-out Alter 14.7 angegeben, was eine leichte Umkehr des vorgegangenen Trends bedeutet.

    Wie ich in meinem sign-up-statement erklärte, bin ich selbst nicht homosexuell, sondern seit 2007 mit meiner Frau verheiratet, und wir haben gemeinsam zwei kids. Vielmehr, habe ich als Medizin-Student ein viermonatiges Praktikum an einer New Yorker AIDS clinic gemacht und fertige jetzt meine Arbeit zum Doktor der Medizin an, über psychosomatische Krankheitsbilder homosexueller, alleinlebender Männer über dem Alter von 65 Jahren, und so sauge ich Informationen jedweder Quelle, so ebenfalls hier bei queer.de, wie ein Schwamm auf, und bin sehr dankbar dafür. Sorry, mein deutsch ist immer noch nicht gut, aber auch hier hilft das Lesen dieser Seiten, vielen Dank!
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#6 daVinci6667
  • 17.11.2010, 01:15h
  • Mit 37 Jahren erst das Coming out! Unglaublich was diese Generation leiden musste, bis die endlich zu sich stehen konnten. Leider wird immer wieder unterschätzt, wie viel die ältere Generation für uns getan hat. Wir haben ihnen so viel zu verdanken.

    England hat während der Labour-Aera eine bemerkenswerte Entwicklung durchgemacht. Vor allem der Schutz der Jugendlichen vor Mobbing an den Schulen finde ich vorbildlich. Wenn man bedenkt wie die Massenmedien zu Thatcher-Zeiten noch über die Schwulen herziehen konnten, reibt sich nur die Augen! Hoffentlich wird diese gute Entwicklung durch die neue Regierung nicht allzu abgebremst.
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#7 vingtans
  • 17.11.2010, 01:28h
  • mein erstes outing hatte ich mit 6.
    meine eltern holten mich vom kindergarten ab und ich saß dann hinten im auto.

    "du papi, also wenn ich groß bin, ja...dann heirate ich mal nen mann."

    und mein offizielles outing hatte ich mit 15.
    radikal in der schule und der ganzen familie.

    aber meine eltern meinten nur " ach nee".

    hachjaa..erinnerungen.
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#8 ClementineAnonym
#9 Ex-LiedelAnonym
  • 17.11.2010, 02:51h
  • Es ist gut, dass sich die Jungschwulis früher outen können, denn so haben sie eher die Chance, eine gute und langjährige Beziehung zu führen.
    Wer sich erst spät, gar nicht oder nur in sehr kleinen Schritten outet, bleibt dann meistens single, mit allen Konsequenzen...kürzere Lebenserwartung, höhere Anfälligkeit für Krankheiten, schlechtere Karrierechancen usw.

    Daher wünsche ich den Jungschwulis viel Glück, sie sollen und müssen sich aber immer an die erinnern, die für ihre Rechte gekämpft haben. Die ihnen ihr freies Leben erst möglich gemacht haben!
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#10 MIZAnonym
  • 17.11.2010, 11:45h
  • Antwort auf #3 von eMANcipation*
  • Ich will nicht behaupten, dass schwule (oder lesbische) Jugendliche heute bei uns paradiesische Zustände vorfinden. Aber man kann auch nicht so tun, als habe es in der jüngeren Vergangenheit keinen gesellschaftlichen Wandel gegeben.

    Als ich in den 1980er Jahren Jugendlicher war, da war es undenkbar, dass sich ein Junge mit 14, 15, 16 oder 17 outet. Das fand alles erst viel, viel später im Erwachsenenalter statt. An Informationen war eigentlich gar nicht zu kommen. Wir hatten nur eine vage Vermutung hinsichtlich unserer sexuellen Orientierung. Dass das "Schwulsein" ist, habe ich über Jahre gar nicht wirklich gerafft. Wer zu dieser Zeit in der Jugendhilfe schwul-lesbische Jugendeinrichtungen gefordert hätte, um junge Menschen in ihrer sexuellen Identität zu fördern und zu stützen, der hätte einen Skandal ausgelöst. Dass staatliche Institutionen wie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) oder die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) Schriften zum Thema Homosexualität veröffentlichen, war schlicht undenkbar. Homosexualität war einfach gar nicht sichtbar - man kannte auch einfach niemand, der so war.

    Und heute?
    Dass sich Jungs bereits mit 14 oder 15 outen ist keine Seltenheit mehr. Eher ist ein spätes Coming Out mit Mitte/Ende 20 selten geworden. Wie selbstverständlich haben junge Leute heute vielfältige Möglichkeiten, sich über das Thema zu informieren. Im Internet gibt es spezielle Foren nur für schwule/lesbische Jugendliche. Wahrscheinlich ist Homosexualität nicht an allen Schulen ein Thema, aber an vielen eben doch. Es gibt in vielen Orten schwul-lesbische Jugendgruppen und in den großen Städten sogar schwul-lesbische Jugendzentren. Schwul-lesbische Vereine/Beratungsstellen sind nach dem KJHG als Träger der Jugendhilfe anerkannt und erhalten Förderung durch die öffentliche Hand. BZgA und bpb veröffentlichen immer wieder zahlreiche Aufklärungs- und Informationsschriften zum Thema. Erwachsene Schwule und Lesben sind in unserer Gesellschaft wie selbstverständlich sichtbar geworden und dienen als Model, an dem man sich orientieren kann.

    Das sind alles Dinge, von denen wir vor 30 Jahren nur träumen konnten. Und insofern sehe ich sehr wohl eine positive Entwicklung, die sich nicht bestreiten lässt. Das war viel Kampf und viel Mühe - und selbstverständlich ist das oftmals noch nicht. Aber man kann auch nicht so tun, als wenn sich rein gar nichts getan hätte!
    Ich streite nicht ab, dass es für junge Leute eine große Persönlichkeitsleistung bleibt, wenn man sich als schwul oder lesbisch outet. Da gibt es immer noch viele Steine, die auf diesem Weg liegen und die zu beseitigen sind. Aber alles in Sack und Asche zu reden geht an der Realität vorbei und macht Forderungen hinsichtlich einer weiteren Verbesserung dieser Entwicklung m.E. nicht glaubwürdiger.
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