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Noch ist das Familienleben in Ordnung... (Bild: UIP)

Das Familienglück scheint perfekt: Ein lesbisches Paar lebt mit seinen beiden Kindern glücklich unter einem Dach - bis der leibliche Vater auftaucht und die Familie kräftig durcheinanderwirbelt.

Von Carsten Weidemann

Am 18. November kommt ein herzenswarmer Film über die Familie in die Kinos. Die Handlung: Nic und Jules (hervorragend: Annette Bening und Julianne Moore) leben den sonnigen Traum des klassischen Familienglücks im Süden Kaliforniens - zwei Kinder, ein hübsches Haus und höchstens ein paar völlig normale Beziehungsproblemchen. Die beiden Frauen sind ein Herz und eine Seele - sie kennen sich schon seit Ewigkeiten, vervollständigen ihre Sätze und leben so, wie man sich eine Kleinfamilie vorstellt - außer, dass sie lesbisch sind und der biologische Vater nur eine Aktennummer. Als der 15-jährige Sohn Laser (Josh Hutcherson) und seine 18-jährige Schwester Joni (Mia Wasikowska) aber den Kontakt zu ihrem ihm suchen, fängt der Stress an: Samenspender Paul (Mark Ruffalo) ist ein cooler und ungebundender Typ - und dann passiert es: Er beginnt eine Affäre mit Jules.

Youtube | OffiziellerTrailer

2010 gab es einen Teddy Award für den "Besten Film"

Auch die Kinder verändert der neue, alte Vater: Mit Laser spielt er Baseball und versorgt Joni mit väterlichem Rat, den sie gerne annimmt. Paul ist aber das Lotterleben satt und hätte selbst gerne eine Familie - er findet Gefallen an der, die er vorfindet.

Auf dem Sundance-Film-Festival 2010 wurde über keinen Film mehr diskutiert als über "The Kids Are Alright". Und auch auf der diesjährigen Berlinale sorgte er für Aufsehen und gewann den Teddy-Award als Bester Film (queer.de berichtete). Die schauspielerische Leistung der beiden Hauptdarstellerinnen ist wahrlich fantastisch - beide hätten einen Oscar verdient!

Dennoch zeigten sich einige lesbische Kritikerinnen von der Story irritiert: Immerhin fühlt sich hier eine selbsterklärte Lesbe zu einem Mann hingezogen - was dem alten Klischee entspricht, dass ein Heteromann eine Lesbe rumkriegen kann, wenn er nur lange genug rackert. Man kann Regisseurin Lisa Cholodenko allerdings nicht wirklich vorwefen, Klischees zu bedienen. Vielmehr handelt "The Kids Are Alright" davon, dass Liebe und Familie über allem steht. Ob diese Liebe am Ende lesbisch, schwul oder omnisexuell ist, ist letztendlich egal.



#1 stromboliProfil
#2 FloAnonym
#3 FloAnonym
  • 17.11.2010, 15:36h
  • Antwort auf #1 von stromboli
  • @stromboli:

    Wenn ich das richtig sehe, propagiert dieser Film gerade ein neues, moderneres Familienbild.

    Damit kann dieser Film mehr bewirken, als manch schöne Sonntagsrede. Übrigens auch für diejenigen, für die eine Zweierbeziehung mit Kindern nicht infrage kommt.

    Jeder von uns will Akzeptanz für seine Art zu leben. Aber dann müssen wir auch innerhalb der Community akzeptieren, dass manche eben auch eine monogame 2er-Beziehung wollen. Nicht, weil sie Heteros "imitieren" wollen oder sonstwas, sondern weil es das ist, was sie für sich wollen.

    Wer das nicht will, braucht das nicht. Aber wer das will, soll das auch können. Und wenn wir uns gegenseitig runtermachen, weil wir nicht jeden Lebensentwurf teilen, können wir auch nicht erwarten, dass Heteros uns ernstnehmen. Und die Homohasser lehnen sich genüsslich zurück und beobachten, wie wir uns gegenseitig runterputzen - da haben sie weniger zu tun.

    Also ich freue mich auf den Film und solche Filme können oft mehr positives für uns ALLE (auch die, die dieses Beziehungsmodell nicht teilen) erreichen, als Politik und Demos. Eben, weil sie auch andere erreichen. Und Homosexualität (in ALL ihren Facetten) unverkrampft und selbstverständlich zeigen.
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#4 eMANcipation*Anonym
  • 17.11.2010, 15:49h
  • Antwort auf #3 von Flo
  • Wie ich schon anlässlich der Teddy-Verleihung angemerkt habe, ist es bezeichnend, dass auch dieser Film (wie immer) nicht ohne den üblichen heterosexuellen Bekehrungsversuch auskommt.

    Da wird endlich mal eine "Regenbogenfamilie" gezeigt (obgleich die für mich auch ganz anders aussehen kann), und dann geht es schon wieder nicht ohne heterosexuelle Umpolungsfantasien.

    Ansonsten gebe ich zu bedenken, dass das, was Menschen "wollen" oder meinen, "haben" zu müssen, um vollwertig oder vollständig zu sein, ganz wesentlich von Erziehung und gesellschaftlicher Konditionierung bestimmt wird.

    Gerade deswegen wäre die Darstellung von Beispielen anderer schwuler und lesbischer Lebensmodelle (nicht normativ, sondern als Möglichkeiten und "Angebote"), die dann auch ganz ohne den notorischen Abstecher in die ach so unwiderstehliche Hetero-Welt auskämen, mindestens ebenso wichtig.
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#5 stromboliProfil
  • 17.11.2010, 15:56hberlin
  • Antwort auf #3 von Flo
  • na ja, so neu ist da überhaupt nichts ausser der tatsache das die geschlechter austauschbar werden.. insoweit ein fortschritt!
    Ansonsten beschreibt der film die "integration des homosexuellen in die heterowelt mit "neuen" spielbeispielen...
    Da ist der film mit seinen aussagen inhaltlich rückwärtsgewandter als so manche progressive cdu-vorstandsfrau im lsu..

    jetzt bitte nicht die poligamie-monogamie platte als argument vorschürzen.. , dass ist eine verkürzende sicht auf die dinge.

    dieser satz am ende der kritik hat mir gefallen und mich zum einstellen hier motiviert:

    "Warum kann der Film nicht einmal für den Wimpernschlag einer Traumsekunde das Bild einer Familie entwerfen, in die Paul integrierbar wäre?

    Angesprochen auf diese Möglichkeit, antwortet Lisa Cholodenko: "Ich glaube nicht, dass das funktionieren könnte, den Film bei einer Art Hippie-Kommune ankommen zu lassen, wo Paul dann im zweiten Schlafzimmer liegt." Wahrscheinlich ist das eine realistische und wahrhaftige Sicht. Aber es ist ein trauriger Realismus, der alle utopischen Momente, die in der Story doch aufblitzten, wieder einkassiert. Da findet kein Paradigmenwechsel statt, wenn sich das Unkonventionelle dem Konventionellsten fügen muss, um seine Arglosigkeit zu beweisen."

    Erklärt das meine vorstellungen der überwindung von "familie " besser?
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#6 jojoAnonym
  • 17.11.2010, 15:58h
  • mir hat der film sehr gut gefallen und ich kann ihn warm empfehlen.

    besonders lustig finde ich die regelmäßigen "gesprächsangebots-attacken", in denen die mütter hinter einem "du kannst jederzeit mit uns reden" nur schlecht verbergen, dass sie ganz egoistisch aus den kindern rausquetschen wollen, was die aus guten gründen gerade vor den eltern verbergen. :-)

    und ganz so monogam geht es da auch nicht zu...
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#7 jojoAnonym
  • 17.11.2010, 16:30h
  • Antwort auf #4 von eMANcipation*
  • es gibt JEDE MENGE filme, in denen homos einfach nur als homos mit ihren glücklichen und unglücklichen momenten dargestellt werden. hier wird eine andere möglichkeit dargestellt. das darf nan.

    ich kann durchaus sehr oft nachvollziehen, wenn du gewisse tendenzen zur einseitigkeit oder klischees kritisiert. aber erwartest du wirklich ernsthaft, dass JEDER EINZELNE film ausschließlich das abbildet, was du emanzipatorisch hilfreich findest? wo bleibt da die vielbeschworene vielfalt der lebensentwürfe?
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#8 eMANcipation*Anonym
  • 17.11.2010, 17:20h
  • Antwort auf #7 von jojo
  • Nenne mir doch bitte mal "jede Menge" Filme, die die genannten Kriterien erfüllen und entsprechende massenmediale Verbreitung gefunden haben. Der Versuch der heterosexuellen Bekehrung, und sei es "nur für eine Nacht", gehört ohnehin fast immer zwanghaft dazu. Im Gegenzug müsste es also in jeder Hetero-Romanze/-Familienidylle der Mann mit einem Mann treiben oder die Frau mit einer Frau - vielleicht hilft diese Vorstellung ja bei der Einordnung.
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#9 MarekAnonym
  • 17.11.2010, 18:37h
  • Antwort auf #8 von eMANcipation*
  • Beautiful thing, Get real, etc. kamen alle ohne Bekehrungsversuche aus.

    In Latter Days gab es den Versuch einer religiösen Bekehrung, die grandios gescheitert ist.

    Und bei kurzem Nachdenken fallen einem sicher noch zig andere Gegenbeispiele ein.

    Aber was bringen all diese Filme, wenn sie bei uns sehr beliebt sind, aber sonst von kaum jemandem gesehen werden?

    Bringen solche Filme, wo das ganze vielleicht auf etwas leichtfüßigerem Wege daherkommt nicht vielleicht mehr Veränderung, weil sie auch von Heteros gesehen werden.

    Mir fällt z.B. spontan "Birdcage" und "In & Out" ein. Beides Filme, die mit Klischees arbeiten. Aber beides auch Filme, die endlich mal (trotz der rein schwulen Thematik) Heteros in die Kinos gelockt haben und zwar nicht zu knapp.

    Natürlich hätte man aus diesen Filmen auch welche machen können, die die böse Heteronormativität anprangern, Treue als veraltet darstellen und am besten auch noch ein paar schockierende Sexszenen mit Gasmasken und Poppers gezeigt um nur ja nicht im zuckersüßen Mainstream zu sein.

    Aber dann hätten diese Filme auch nichts (bei Heteros) bewegt. Und das haben diese Filme.

    Wenn jemand diesen Hollywood-Mainstream nicht mag, muss er das ja nicht sehen. Man kann z.B. auch Bishonen (Hong Kong), Iron Ladies (Thailand), Beautiful thing (Großbritannien), Meeresfrüchte (Frankreich), etc. gucken.

    Aber dann muss man doch nicht jede romantische Komödie gleich als heteronormativen Mist abtun, nur weil auch Heteros sie gut finden. Mir ist auch klar, dass da evtl. nicht die filmische Qualität eines Meisterwerks wie Bishonen oder Meeresfrüchte erreicht wird, aber dafür erreichen solche Mainstream-Filme auch mehr Leute und können damit mehr bewegen.

    Ich schau mir das erst mal an. Aber nur wegen der Story bilde ich mir wahrlich kein Vorurteil.

    Denn die Gefahr von Vorurteilen sollte gerade uns ausreichend bekannt sein.
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