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Literarisches Solo von Freiburg: Sebastian Reiß

Zweimal jährlich liest Sebastian Reiß in Freiburg schwule Bücher vor. Jetzt wird die Buchnacht auch nach Tübingen exportiert.

Von Sascha Blättermann

Vielleicht ist es die eine Frage, die man ihm noch stellen kann. Sebastian Reiß, 35 Jahre, kommt aus dem Ruhrgebiet und ist jetzt "nei'gschmeckt", wie man hier sagt. Kurzer Abstecher in seinem Leben nach Frankfurt, ja, auch nach Hamburg, ja, aber nun ist er wieder hier, im Badischen, produziert Hörbücher, ist Regisseur und hat inzwischen eine eigene Agentur, die für Verlage wie Carlsen oder Hoffmann und Campus arbeitet.

Und so hat er schon den dicken Roman "Schweigeminute" von Siegfried Lenz produziert und Rüdiger Safranskis "Goethe und Schiller - Geschichte einer Freundschaft" als Regisseur begleitet. Auch mit Katja Riemann hat Reiß bereits zusammengearbeitet. Doch Routine ist das nicht: "Sie können sich nicht vorstellen, wie ich geschwitzt habe, Frau Riemann zu sagen: ‚Das war jetzt sehr schön, Katja, und jetzt liest du die ersten zehn Seiten noch mal'", erzählte Reiß einmal bei einer Diskussionsrunde an der Hochschule der Medien in Stuttgart. Und so jemand macht eine Nischenveranstaltung für Schwule und Lesben?

Auch Heteros kommen zur schwulen Buchnacht

Nein, eine Nischenveranstaltung ist die "schwule Büchernacht" in Freiburg nicht mehr. Anfangs in einer kleinen Buchhandlung realisiert, ist sie inzwischen regelmäßiger Programmpunkt im großen Musiktheater des Freiburger E-Werks. Die Karten sind jedes Mal heiß begehrt und so hat Reiß inzwischen schon zehnmal die Neuerscheinungen aus dem schwulen Bereich vorgestellt und daraus vorgelesen. "Ja, ich freu mich drauf", sagt Reiß überzeugt. Er ist besonders stolz darauf, dass das Publikum immer wieder bunt gemischt ist - Schwule gehen genauso zu der Büchernacht wie Heterosexuelle.

Inzwischen ist der Erfolg der badischen schwulen Büchernacht auch ins benachbarte Schwabenland gedrungen. In der liberalen Universitätsstadt Tübingen wird nun auch eine "schwule Büchernacht" stattfinden in kuschliger Atmosphäre. "A gay time with gay books" heißt das badische Exportprodukt, das am 6. Dezember im Rahmen des Projektes "Homosexualität heute" von der Tübinger Volkshochschule stattfindet und vom deutsch-amerikanischen Institut organisiert wird. Gelesen wird auf deutsch, aber die brandneuen Bücher, die an diesem Abend vorgestellt werden, kommen aus aller Welt.

In Tübingen hat eine solche Veranstaltung gefehlt

Auch in Tübingen hofft man auf viel Zuspruch. Denn trotz der liberalen Atmosphäre der Studentenstadt fehlt so eine Veranstaltung in Tübingen. Und so wird in der Stadt bereits kräftig die Werbetrommel gerührt: Überall in der Stadt wurden quietschrosafarbene Flyer verteilt, die Volkshochschule hat eine Doppelseite freigeräumt in ihrem Programmheft und auch das Deutsch-amerikanische Institut, dass sich gerne als kritisches Diskussionsforum präsentiert, sich für Minderheiten einsetzt und nebenbei auch noch verschiedene Kulturen zusammenbringen möchte, ist schon ganz gespannt auf das Projekt. Denn vielleicht kann man die Büchernacht auch hier etablieren und so eine weitere Anlaufstelle für ganz allgemein homosexuelle Kultur schaffen.

Montag, 6. Dezember 2010, 20:15 Uhr: "A gay time with gay books - eine schwule Büchernacht mit Sebastian Reiß", Veranstaltungsort: Deutsch-Amerikanischen Instituts Tübingen, Karlstr. 3, Eintritt: 5 €, ermäßigt 3 €