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(Bild: Digiart2001 | jason.kuffer / flickr / by-sa 2.0)

Bei einer Umfrage erklärten 41 Prozent der amerikanischen Transsexuellen, sie hätten bereits versucht, sich das Leben zu nehmen - in der Gesamtbevölkerung liegt die Selbstmordversuchsrate bei 1,6 Prozent.

Zudem berichteten 19 Prozent der Befragten, dass ihnen schon mindestens einmal die ärztliche Betreuung wegen ihrer Geschlechtsidentität verweigert wurde. Zwei Prozent berichten sogar von tätlichen Übergriffen in der Arztpraxis oder im Krankenhaus. Das ist das Ergebnis einer Befragung des National Center for Transgender Equality und der National Gay and Lesbian Task Force unter mehr als 7.000 Transsexuellen.

Unwissenheit über Transsexualität hoch

Nicht nur Feindschaft gegenüber Transsexuellen, auch Unwissen in Krankenhäusern führte oft zu besonderen Stresssituationen. Viele beklagten, dass selbst Fachpersonal wenig über Transsexualität weiß. So erklärten 50 Prozent der Befragten, dass sie ihren Arzt schon einmal über ihre besonderen Bedürfnisse aufklären mussten.

Diese Stressfaktoren äußerten sich auch in einer besonders hohen Drogenmissbrauchsquote: So gab mehr als ein Viertel der Befragten an, schon einmal Drogen oder Alkohol als Folge der Diskriminierung missbraucht zu haben.

Auch von HIV sind Transsexuelle besonders betroffen: In dieser Gruppe sind 2,6 Prozent positiv - und damit vier Mal so viel wie im nationalen Durchschnitt. Besonders betroffen sind der Befragung zufolge Transsexuelle, die ethnischen Minderheiten angehören, arbeitslos sind oder sich als Prostituierte durchschlagen.

"Diese schockierenden Zahlen zeigen, wie wichtig es ist, Mobbing in Schulen und in der Arbeitswelt zu verhindern", erklärte Rea Carey von der National Gay and Lesbian Task Force. Sie bezieht sich dabei auf eine Selbstmordserie unter schwulen Jugendlichen, die in den Medien für Aufregung sorgte (queer.de berichtete). Daraufhin wurde die Aktion "It gets better" ins Leben gerufen, an der sich auch Präsident Barack Obama beteiligte (queer.de berichtete). (dk)

Direktlink | Eine typische Geschichte in den US-Lokalnachrichten: In Houston werden Transsexuelle verhaftet, wenn sie die "falsche" Toilette benutzen.


16 Kommentare

#1 KameliendameEhemaliges Profil
  • 23.11.2010, 18:21h
  • Erstmal einen Dank an die Redaktion für den Artikel...

    Ich denke das sich die Zahl zu Selbstmordversuchen im großen und ganzen auch auf DE übertragen lässt( vielleicht ein paar Prozent weniger..)
    Mir sind viele Transexuelle begegnet die Selbstmordversuche hinter sich hatten...
    Und bei einigen gab es später dann auch einen Suizid.
    Und wenn ich mal ehrlich auf mich selber schaue, dann hab ich in der Vergangenheit auch immer mal wieder dran gedacht.

    Ich denke was einen seelisch so zermürbt ist das man auf der einen Seite einen sehr schweren inneren Konflikt hat weil man seinen Körper eben überhaupt nicht annehmen kann...
    Weil jeder Blick in den Spiegel weh tut, weil man manchmal geradezu einen Hass entwickelt auf alles was an sich selber noch „männlich“ ist... Das wird manchmal so schlimm das man es kaum noch aushalten kann...

    Und auf der anderen Seite, als ob das nicht schon genug Schmerz wäre, kommt man dann oftmals auch noch unter die Mühlen des medizinischen Systems. Ich erinnere mich zb mit größtem GRAUEN an die Besuche beim Psycho damit ich irgendwann die Diagnose Transexualismus und bekam.
    Das schlimmste von allem war der sog. Alltagstest. Das heisst man hat noch keinerlei medizinische Betreueung bekommen, keine Hormone, keine Ops, nichts und dann soll man aber in dem angestrebten Geschlecht leben. Das heisst: Ich musste mit DAMALS noch knochigen Beinen, schmalen Hüften, ohne Brüste etc in der Kleidung des von mir angestrebten Geschlechts durch die Welt laufen...Wie unglaublich hasserfüllt die Leute auf der Straße darauf reagiert haben muss ich wohl keinem sagen oder?
    Das war so ziemlich das schlimmste was ich in meinem Leben erleben musste.
    Man ist innen drin eh völlig zerissen und wird dann noch von aussen volkommen zerhauen...
    Die Begründung für diesen ekelhaften Alltagstest( der locker ein ganzes Jahr dauern kann) seitens des Psychos ist übrigens lapidar gesagt:
    Na wenn sie das aushält das meint sie's ernst.

    Das es Menschen gibt die diese Zeit nicht überstehen und unter der Last zusammenbrechen und sich das Leben nehmen interessiert im System niemanden.

    Ich hab es irgendwie geschafft (fragt mich nicht wie) und seitdem hat sich durch die Hormon Behandlung und andere Maßnahmen viel getan. Ich werd nur noch selten angepöbelt. Im Gegenteil.
    Es kommen viele, viele Komplimente ….
    ABER auch das ändert nichts daran das ich, da ich NOCH LANGE NICHT am Ziel bin,
    mich somit ständig weiter mit den Kasssen streiten muss um Kostenübernahmen...
    Auch das ist ne zusätzliche Belastung. Immer und immer wieder kämpfen zu müssen für jeden kleinen Schritt.
    Und ich hätt ich mir nicht immer wieder das Geld besorgen können für einzelne Maßnahmen, die verweigert wurden, ( Zb Laserepilation im Gesicht) dann wäre ich wohl verzweifelt.

    Mein Fazit aus all dem persöhnlich erlebten ist das eine Reform des Transexuellengesetzes DRIGEND notwendig ist. Und ebenso erwarte ich das für die Zukunft endlich sichergestellt wird das sich Krankenkassen nicht mehr aus der Verantwortung stehlen können , sondern das sichergestellt wird das Transexuelle genau die individuelle medizinische Behandlung bekommen die sie so dringend benötigen.
    Leider hab ich zb auch von den Grünen bisher nicht vernommen wie sie diese medizinischen Maßnahmen zukünftig sicherstellen wollen. Im Reformvorschlag zum Transexuellengesetz steht dazu kein Wort.
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#2 jimmiAnonym
  • 23.11.2010, 19:27h
  • Das Problem ist nicht alleine durch Diskriminierung durch Gesellschaft und Unwissenheit in den Krankenhäusern zu begründen.
    Selbst bei absoluter Anerkennung und vorurteilsfreier Gesellschaft gegenüber Homosexualität und Transsexualität, hätten Transsexuelle einen erhöhten Leidensdruck.
    Homosexuelle wollen körperlich so bleiben wie sie sind und könnten/können in einer toleranten Umgeben leben wie sie wollen, während Transsexuelle selbst in einer absolut toleranten Umgebung mit ihrem geborenen Körper unzufrieden sind und dadurch eher zu Depressionen etc. neigen würden. Selbst durch OP´s gibt es bei denen nicht immer zufriedenstellende Ergebnisse.
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#3 FoXXXynessEhemaliges Profil
#5 anonymusAnonym
  • 23.11.2010, 23:52h
  • Das ist traurigerweise keine Neuigkeit - und nicht bloss bei den amerikanischen Transsexuellen ...
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#6 jojoAnonym
  • 24.11.2010, 00:51h
  • Antwort auf #1 von Kameliendame
  • danke für deinen beitrag. ich finde es schön, von dir und wenigen anderen immer mal wieder einblicke in diese für mich ungewohnte perspektive zu bekommen. das perfide am sogenannten alltagstest war mir z.b. in dieser konsequenz noch nicht so klar.

    mich würde mal interessieren, was und wer es war, das/der dir geholfen hat, deinen weg zu finden. ich nehme mal an, ein paar freunde oder verwandte werden geholfen haben. aber warst du z.b. auch in einer selbsthilfegruppe?

    musst aber natürlich nicht antworten, wenn es dir zu persönlich wird...
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#7 De_Gelderlander
  • 24.11.2010, 01:47h
  • Kann ich verstehen in einem Land, in dem es keine Krankenkasse gibt, die einem eine OP bezahlt und das komplett aus der eigenen Tasche finanziert werden muss.

    Dann kommt noch der massive Druck der Rechtskonservativen Gesellschaft und der evangelikalen dazu.
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#8 Katrin
  • 24.11.2010, 09:32h
  • Antwort auf #1 von Kameliendame
  • Mir ist nicht bekannt, dass man vor dem Alltagstest keine Hormone bekommen darf. Im Gegenteil sollte man bereits einige Zeit vor dem Alltagstest sich auf das Leben im anderen Geschlecht und den wahrscheinlichen Umstand, dass einen immer wieder Menschen als dem alten Geschlecht zugehörig erkennen, vorbereiten und dazu gehört auch die Hormoneinnahme um die Härte dieses Testes zu mindern.

    die Fragwürdigkeit des Testes ansich steht dabei ausser Zweifel. Der Zweck des Testes ist es den Arzt in seiner Diagnose zu bestätigen, weil der Arzt seiner Diagnose selbst nicht vertraut. Das ist so als müsse eine gehbehinderte Person ersteinmal ein Jahr lang ohne Rollstuhl die Behinderung nachweisen.

    Die Alternative zu einem Arzt, der einen so drangsaliert ist: Den Arzt wechseln oder den Alltagstest im alten Geschlecht machen und nur zum Arztbesuch verkleiden.
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#9 KameliendameEhemaliges Profil
  • 24.11.2010, 16:56h
  • Antwort auf #6 von jojo
  • @Jojo Was mir geholfen hat meinen Weg zu finden.... Nein Freunde und Verwandte waren es nicht. Ich komm aus nen winzigen Dorf im Harz. Da galten Schwule und Transexuelle als Gestörte, Kranke die man wie Unrat behandeln darf... Da gabs niemanden der hätte helfen können...
    Ich hab es einfach immer stärker in mir drinn gespürt das das mein Weg ist... Es war einfach irgendwann die Gewissheit da, das ich nicht werde weiterleben können im falschen Körper...Ausgeschlossen...
    Und klar...also beispielsweise von Leuten wie der wunderbaren Romy Haag zu erfahren war ne riesige Inspiration und Kraftquelle... Ich hab ihre Biographie und ihre Musik verschlungen.
    Romy owns my heart. :))

    www.youtube.com/watch?v=MyCKZs-v-L4

    @Kathrin Es ist nicht verboten , das stimmt, aber die Praxis sieht leider vieler Orts genau so aus.
    Ich habs doch natürlich bei verschiedensten Ärzten probiert. Ohne Diagnose Transexualismus und damit verbundener Hormonindikation gabs keine Chance auf die Hormone. Und diese Diagnose eben nur nach Alltagstest. Auch da hab ich verschiedene Psychos abgeklappert. Es war bei allen dasselbe.

    Und da mir inzwischen so einige Transexuelle begegnet sind und man ja auch in verschiedenen Foren liest weiss ich das ich da absolut kein Einzelfall bin.
    Diese vorgehensweise ist leider Gang und Gebe in Deutschland...

    Alltagstest gehört einfach generell abgeschafft. Das bringt niemanden was. Im Gegenteil es quält die Betroffenen meiner Meinung nach nur...
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#10 Katrin
  • 24.11.2010, 19:51h
  • Antwort auf #9 von Kameliendame
  • Da haben wohl die Ärzte in Deutschland was falsch verstanden, oder auch nicht. Die Hormongabe beim Mann ist völlig problemslos, wie wir alle wissen, weil sich keine permanenten Veränderungen einstellen, die sich nach Absetzen der Hormone nicht zurück bilden würden. Allerdings bei Frauen ist das problematischer, da sich Stimmbruch und Bart nicht zurückbilden. Da bleiben die deutschen Ärzte sicherlich auf der sicheren Seite und verordnen für jeden ein Folterjahr. Ist wohl ein Problem über das noch nachgedacht werden muss.
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