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Demolierte Stände, Promis, politische Forderungen, keine medizinischen Sensationen: Die 15. Welt-Aids-Konferenz in Bangkok ist beendet.

Von Ch. Scheuß und M. Schulze aus Bangkok

Richard Gere hatte es echt schwer. Der Schauspieler rannte die ganze Woche durch Bangkok, um Interviews zu geben, Podien zu schmücken und Aids-Stationen zu besuchen, immer umlagert von einem Pulk stolpernder Kameramänner, die ihre Bilder zur Welt-Aids-Konferenz in Thailand haben wollten. UN-Generalsekretär Kofi Annan und Südafrikas lebende Legende Nelson Mandela hatte da schon einen einfacheren Job. Sie mussten ihre Eröffnungs- beziehungsweise Abschlussrede halten, und fertig.

Die 15. Welt-Aidskonferenz mit rund 20.000 Teilnehmern ging am Freitag mit einer feierlichen Zeremonie zu Ende. Mandela appellierte wie schon zuvor Annan an die Staaten, die Bedrohung durch Aids ernster zu nehmen als bislang und entsprechend genügend finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen. Erstmals fand überhaupt eine Welt-Aids-Konferenz in einem asiatischen Land statt, ein deutliches Signal an die Region, in der die Infektionsraten alarmierend ansteigen.

Auch bei Schwulen: Die aktuellste thailändische Untersuchung aus dem vergangenen Jahr belegt, dass 17 Prozent der Neuinfektionen auf homosexuelle Kontakte zurückzuführen sind. Eine Tatsache, der sich das Ministerium für öffentliche Gesundheit nicht verschlossen hat. Die beiden schwulen Gruppen "Rainbow Sky" und "Bangkok Rainbow Organization" arbeiten in der thailändischen Szene, für ihre Präventionsarbeit erhalten sie öffentliche Mittel. Kondome sind vom Staat kostenlos zu bekommen, allerdings kein Gleitgel, was Aktivisten kritisieren. So würden Gummis häufig mit günstiger Vaseline benutzt, statt mit sicheren, wasserlöslichen Flutschmitteln.

Da es wenig medizinische Neuigkeiten zu vermelden gab – man arbeitet weiterhin an effektiveren Wirkstoffen, wann und ob ein Impfstoff zur Verfügung steht, ist weiterhin unklar – war die Konferenz vor allem eine wichtige politische Bühne. Besonders fleißig demonstrierte dieses Mal "Act Up Paris". Die ehemals rein schwule Protestgruppe, die sich Ende der Achtziger in einigen Städten in Europa und den USA gegründet hatte, kritisierte die Aids-Politik der USA und demolierte die Infostände mehrerer Pharmaunternehmen.

Auch Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transgenders hatten sich in einem eigenen Forum zusammengesetzt. Ihre Forderung nach universellen Menschenrechten für Personen mit unterschiedlichen sexuellen Identitäten wurde in die Abschlusserklärung der Vereinte-Nationen-Organisation UNAIDS aufgenommen. Ein wichtiges Signal kam auch von Hans Binswanger, einem Manager der Weltbank: "Die Weltbank ist willens und bereit, ihre Aids-Fördertöpfe für schwul-lesbische Projekte zu öffnen. Nur müssen dafür auch die Staaten mitspielen."

Zufrieden zeigte sich die Deutsche Aidshilfe (DAH), die mit einem eigenen Stand und drei Mitarbeitern in Bangkok vertreten war. DAH-Vorstand Wolfgang Blischke: "Ich habe so viele wichtige Kontakte und Ideen für die Aids-Arbeit in Deutschland eingesammelt, wie noch nie." Genug Schwung also bis zur nächsten Welt-Aidskonferenz 2006 in Toronto.



#1 ueberfliegerAnonym
  • 13.08.2004, 12:08h
  • schon erstaunlich, dass hier kein comment steht. schlussfolgernd, interessiert es nicht, oder fällt hierzu keinem etwas ein?
    eins kann man aber deutlich sehen.
    erstens: asien scheint "sehr weit weg" zu sein in den köpfen der menschen....
    zwotens: diese menschen haben keine lobby. das heisst, wem interessiert es schon, dass die aidsrate in asien immer weiter nach oben steigt... .
    wer möchte sich schon mit der fratze-AIDS auseinandersetzen.
    zumal selbst in Deutschland das thema AIDS, immer mehr in den hintergrund abdriftet. und wir uns alle in eine "scheinsicherheit" fühlen.wie soll man dann soweit über den tellerrand schauen, und das elend von kranken HIV menschen in asien nachvollziehen können. AIDS ist eine schlimme krankheit, nicht greifbar und fassbar.
    da ist es leichter, sich auf "alte" feindbilder" zu verlassen, z.B. (noch) präsident Bush. da kann man wenigstens "so schön" drauf eindreschen, auch wenn's nichts bringt..... . denn der macht sowieso, was er will, oder hat irgendwas ihn schon mal stoppen können.
    wenn wir ALLE, mal so intensiv wegen AIDS, nach Asien schauen würden.... .
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