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Daniel Sena

Er musste Benzin trinken und Dreck essen: Der Autor und Regisseur der schwulen brasilianischen Serie "Apenas Heróis" (Nur Helden) ist von Unbekannten überfallen und fast vergewaltigt worden - offenbar aus Schwulenhass.

Wie die Zeitung "Correio" berichtet, ist der 24-jährige Daniel Sena am vergangenen Sonntagabend überfallen worden, als er gerade sein Haus in Salvador (Bundesstaat Bahia) verlassen hat. Er wurde von einem jungen Mann niedergeschlagen und gemeinsam mit zwei anderen in eine Seitenstraße gezerrt. Zunächst sagten die Täter: "Wenn du leise bist, passiert dir nichts". Sie zwangen ihr Opfer dann, Benzin zu trinken und auf dem Boden liegenden Schmutz zu essen. Danach versuchten sie, Sena mit einer Eisenstange zu penetrieren. Dabei erklärte einer der drei Männer: "Ein echter Schwuler erträgt den Schmerz. Lass uns sehen, ob du ein echter Schwuler bist". Die Täter ließen erst nach rund zehn Minuten von Sena ab, als ein Lkw-Fahrer die Tat beobachtete und eingriff.

Sena ist sich sicher, dass es die Täter aus Schwulenhass auf ihn abgesehen haben. Seine schwule Serie, die im Web veröffentlicht wird, ist in den Lokalmedien ausführlich besprochen worden. So wurden mehrere Interviews mit Sena von Zeitungen, Radio- und Fernsehstationen veröffentlicht.

Youtube | Der erste Teil der Serie

Homohass im Land weit verbreitet


Die Serie "Apenas Heróis" berichtet von den Hoffnungen und Sorgen junger Schwuler.

Brasilien ist das gefährlichste Land für Schwule und Lesben auf dem amerikanischen Kontinent. In den letzten Jahren wurden hunderte Morde verübt, die auf Homohass zurückzuführen sind. Aktivisten warnen deshalb vor einem "Homocaust" (queer.de berichtete). Erst vor einer Woche kam es wieder zu Gewalttaten am Rande des CSDs von Rio de Janeiro (queer.de berichtete). Die USA erkannten zuletzt sogar einen schwulen Asylbewerber aus Brasilien an, weil er sich in seiner Heimat nicht mehr sicher fühlen könne (queer.de berichtete). (dk)



#1 KameliendameEhemaliges Profil
#2 eMANcipation*Anonym
  • 26.11.2010, 22:23h
  • Erfreulicherweise tut sich einiges.

    Letzte Woche hat der brasilianische Kongress vier Anhörungen bzw. Ausschusssitzungen abgehalten, in denen es um

    homophobes "Bullying" in Schulen,

    homo- und transphobe Gewaltverbrechen,

    die umfassende strafrechtliche Ächtung von Homophobie in ihren alltäglichen Erscheinungsformen (PLC 122/2006 - umfassender Diskriminierungsschutz, Hassverbrechen, Hassrede) und die

    Übergabe des Preises "Bildung für sexuelle Vielfalt" an verschiedene engagierte Wissenschaftler und Pädagogen ging.

    Unter anderem wurde beschlossen, in den nationalen Bildungsplan 2011-2020 konkrete Maßnahmen gegen Homophobie in den Schulen aufzunehmen.

    Insbesondere sollen die üblichen "Schimpfwörter" und "Lächerlichmachung" sowie allgemein homophobes "Bullying" explizit geächtet werden. Der nationale Bildungsplan wird noch in diesem Jahr vom Kongress verabschiedet.

    www.revistaladoa.com.br/website/artigo.asp?cod=1592&idi=1&mo
    e=84&id=17132


    Das Gesetz PLC 122/2006, das Homophobie und alle Formen der Diskriminierung einschließlich Hassrede strafrechtlich ächtet, soll auf Empfehlung der beteiligten Ausschüsse schnellstmöglich vom Senat verabschiedet werden.

    Die meistgelesene brasilianische Tageszeitung "O Globo" hat anlässlich der erwähnten Sitzungen im Kongress am Donnerstag das Gesetz gegen Homophobie als dringend notwendig bezeichnet.

    Homofeindliche Vorurteile und deren Verbreitung sowie die daraus resultierende Diskriminierung müssten gesetzlich geächtet werden - als rechtliche Grundlegung für weitergehende Maßnahmen der Aufklärung, die Intoleranz in all ihren Erscheinungsformen bekämpfen.

    oglobo.globo.com/opiniao/mat/2010/11/25/a-necessaria-crimina
    lizacao-da-homofobia-923110205.asp
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#3 FoXXXynessEhemaliges Profil
#4 GeorgFalkenhagenProfil
  • 26.11.2010, 23:59hBremen
  • Ach du liebes Bisschen, hat der Misere-Virus (benannt nach dem deutschen Innenminister) jetzt auch schon queer.de infiziert?

    Mein Gott, dass Dummheten vor allem Sexualneid hegen, weil sie in aller Regel auch beschissen aussehen, ist banal. Hauptsache wir haben "schöne" Opfer!

    Mit solchen Meldungen schürt ihr Angst, Schwestern; und den jungen Jungs züchtet ihr damit nicht nur (vielleicht) die berühmt-berüchtigte "schwule Wut" an. Den zarteren Gemütern jagt ihr damit auch Angst vorm Outing und fremden Ländern ein, und evtl. auch welche in den Selbstmord...
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#5 ungefährlichAnonym
#6 carolo
  • 27.11.2010, 12:01h
  • "Brasilien ist das gefährlichste Land für Schwule und Lesben auf dem amerikanischen Kontinent. In den letzten Jahren wurden hunderte Morde verübt, die auf Homohass zurückzuführen sind."

    Ja, wie jetzt? Ich denke die sind da alle so ungeheuer tolerant?
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#7 seb1983
  • 27.11.2010, 12:24h
  • Antwort auf #6 von carolo
  • Die Gesetzgebung ist tatsächlich sehr fortschrittlich, damit kommt Saschi ja auch immer. Statistisch siehts aber Schwule ziemlich düster aus, selbst im weltweiten Vergleich, und das sind nur die anerkannten Fälle.
    Nun ist es aber möglich dass solche Fälle in Brasilien immerhin als solche genannt werden, anderorts eben einfach als "normaler" Mord gezählt werden.
    Insgesamt hat Brasilien aber ein massives Gewaltproblem, Rio und Sao Paulo gehören grundsätzlich zu den gefährlichsten Städten der Welt, wie jetzt grade wieder zu sehen ist, das trifft dann eben auch Schwule.
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#8 Karl-Heinz 5000Anonym
  • 27.11.2010, 12:33h
  • Antwort auf #4 von GeorgFalkenhagen
  • interessanter einwand! ich weiß nicht, ob wir hier dasselbe meinen, aber ich denke mir immer öfter, dass ich künftig aufhöre, queer.de zu lesen.

    grund: die berichterstattung hier ist ausschließlich negativ und ängste schürend. je öfter ich hier lese, desto öfter habe ich das gefühl, dass wir schwulen kurz vor der auslöschung und vergasung stehen, auf jedem kontinent, in jedem land werden wir verfolgt, getötet, gefoltert. hilfe! wenn ich dann aber raus auf die straße gehe, erlebe ich ein nicht ganz so dramatisches bild. ganz ehrlich: mich stört diese einseitige berichterstattung ziemlich. und sie macht mir angst.

    und bitte kommt mir nun nicht damit, dass ich meine augen vor der wahrheit verschließe, mir ist klar, dass auf dieser welt einiges schief läuft und wir noch einiges zu tun haben. aber die art und weise, wie queer.de schwule zu folter- und homocaust-opfern stilisiert (und dies tagtäglich und ausschließlich!), macht mir angst und nimmt mir den mut. wie wäre es auch mal mit positiven oder neutralen meldungen, z.b. zum thema politik? immer dieses "wir schwule sind opfer und werden überall getötet, habt angst, bleibt zu hause"-meldungen: sie kotzen mich an. und sie bewirken NICHT, dass ich kämpfen will. die lektüre hier macht mir einfach nur noch angst. offline habe ich weniger angst als hier.
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#9 LorenProfil
  • 27.11.2010, 12:59hGreifswald
  • Antwort auf #8 von Karl-Heinz 5000
  • Ich habe jetzt einfach mal "Politik-Berichte in Deutschland" angeklickt und würde 7 von 10 Überschriften nicht negativ bewerten. Vielleicht nimmt man selektiv Negatives stärker und bedrohlicher wahr als Positives?
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#10 eMANcipation*Anonym
  • 27.11.2010, 16:29h
  • Antwort auf #7 von seb1983
  • Ich "komme" eigentlich mehr mit meinen ganz persönlichen, gelebten Erfahrungen vor Ort in Rio.

    Und daher bin ich der Meinung, man sollte schon differenzieren, wenn man pauschale Aussagen wie "gefährlichste Städte" oder "gefährlichstes Land" in den Mund nimmt.

    Wenn du als Favela-Bewohner mitten in einem Krieg von Drogenbanden deinen Überlebenskampf und Lebensalltag bewältigen musst, dabei in vielen Fällen auch noch der Willkür polizeilicher Gewalt (besser: von Teilen der Polizei) ausgesetzt bist, dann lebt es sich in der Tat sehr gefährlich. Und daher kommt dann auch ein Großteil der registrierten Gewaltverbrechen und Morde. Die Drogenmafia hat sich angesichts der traditionellen Abwesenheit des Staates in den Räumen der Ausgegrenzten und Marginalisierten in diesen Vierteln niedergelassen und sie gewissermaßen zu ihren territorialen Enklaven gemacht.

    Dass wir uns nicht missverstehen: 99,9...% der Favela-Bewohner sind hart arbeitende Menschen, die nichts mit der Drogenmafia zu tun haben und zu tun haben wollen, aber sich gezwungenermaßen mit deren Parallelgewalt "arrangieren" müssen.

    Gleichzeitig kämpfen sie darum, dass der traditionell abwesende Staat endlich auch in den Räumen der Ausgeschlossenen und Marginalisierten seiner Verantwortung gerecht wird. Die letzten acht Jahre einer deutlich sozialdemokratischen Politik auf Bundesebene haben wichtige Verbesserungen gebracht, aber konnten die Folgen einer jahrhundertelangen Akkumulation sozialer Ungleichheit freilich nicht beseitigen.

    In den Lebensräumen der Nicht-Favela-Bewohner, umso mehr in den Vierteln der Mittelschicht (ab etwa Catete/Flamengo südwärts, also einschließlich Copacabana, Ipanema, Leblon) sieht das anders aus, und die vielzitierte "Gefahr" ist wohl kaum nennenswert höher einzustufen als in jeder anderen größeren Metropole der Welt.

    Zumindest wenn man sich mit einem minimalen sozialen Bewusstsein im öffentlichen Raum bewegt und nicht meint, sich als reicher Europäer/Nordamerikaner in Szene setzen und seine Klunker oder sonstige materiellen Reichtümer in der Gegend herumstrecken oder am Strand auslegen zu müssen. Da ist man dann angesichts der nach wie vor extremen sozialen Ungleichheit, die sich auch inmitten der privilegierten Teile der Stadt in den Favelas auf den Hügeln manifestiert, eigentlich selbst schuld, wenn die irgendwann weg sind.

    Zum Umgang mit Homosexualität im Alltag und zur Sichtbarkeit von Schwulen habe ich ja schon mehrfach etwas geschrieben und durchaus aussagekräftiges Bild- und Textmaterial verlinkt. Man muss es aber wirklich selbst erlebt haben, sonst kann man sich den offenen, geradezu frechen Umgang und die sehr direkte Kontaktaufnahme unter Schwulen im Lebensalltag als Mitteleuropäer kaum vorstellen.

    Daraus sind übrigens in meinem Fall nicht nur sehr spontane Sexkontakte entstanden, sondern in vielen Fällen auch gute Freundschaften. Ich hatte damals mein Coming-out gerade hinter mir und wurde gewissermaßen in Brasilien schwul sozialisiert. Nicht nur in diesem Punkt hat mir diese Zeit nach meinem Gefühl extrem gutgetan!
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