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DFB-Chef Theo Zwanziger (Bild: Wiki Commons / Manuel Heinrich Emha / CC-BY-SA-2.5)

DFB-Präsident Theo Zwanziger sagte am Mittwoch bei einer Veranstaltung der Frankfurter Aids-Hilfe, dass Homosexualität nach wie vor ein Tabu im Profifußball sei.

Das Thema sei im Amateurbereich nicht mehr problematisch, erklärte der 65-Jährige, "jedenfalls weniger als in vielen Familien". Bei den Profis sieht es anders aus: "Das hängt auch mit Geld zusammen. Durch die Profispieler in den Klubs treffen unterschiedlichste Kulturen aufeinander, mögliche Konflikte will man da vermeiden". Der Deutsche Fußballbund befinde sich erst "am Anfang des Weges".

Zwanziger sagte, er respektiere die Entscheidung von schwulen Fußballern, sich angesichts der schwierigen Lage nicht zu outen. "Natürlich sollte man niemanden dazu auffordern", so Zwanziger. Sollte sich ein Spieler doch zu diesem Schritt durchringen, sicherte der DFB-Präsident die volle Unterstützung seines Verbandes zu. Er glaube, dass die Mehrheit der Fans positiv auf ein Coming-out reagieren würden.

Der DFB-Präsident hob hervor, dass es bereits eine ganze Reihe von schwulen Fanclubs gebe. Das sei der Beginn eines Prozesses der Öffnung gegenüber dem Thema Homosexualität.

Zuletzt hatte Zwanziger noch in der Affäre um Schiedsrichter Michael Kempter und DFB-Funktionär Manfred Amerell sehr unglücklich agiert. Im Oktober zeigte Amerell seinen ehemaligen Chef wegen Verleumdung an (queer.de berichtete). Amerell scheiterte jedoch mit dem Versuch, eine Einstweilige Verfügung gegen Zwanziger zu erwirken.

Kein einziger Profifußballer hat sich je während seiner Karriere in Deutschland geoutet. Das einzige Coming-out in Europa wagte der Engländer Justin Fashanu 1990. Er offenbarte sich allerdings nicht freiwillig - vielmehr drohte eine Boulevardzeitung damit, seine Homosexualität öffentlich zu machen. Der Sportler wurde daraufhin wie ein Aussätziger behandelt und musste mehrfach das Team wechseln. 1998 verübte er Selbstmord.



12 Kommentare

#1 FloAnonym
  • 02.12.2010, 16:46h
  • 1. Ein Einzelouting wäre natürlich schwer. Da müssen sich möglichst viele schwule Spieler möglichst vieler Mannschaften (auch der Nationalmannschaft) in einer gemeinsamen Aktion zusammen outen.

    2. Solange das nicht passiert, wird es bei diesem letzten großen Tabu bleiben.

    3. Erst nach dem Outing merkt man, wie frei und glücklich man sich plötzlich fühlt. Das würde man vorher nie denken, wie gut einem das tut.

    4. Nicht zuletzt haben gerade Fußballer auch eine Vorbildfunktion. Wenn sie sich outen, hat das sehr positive Auswirkungen für alle Schwulen, insbesondere Jugendliche. Aber auch für die ganze Gesellschaft, die sich dadurch verändern würde.

    Wenn sich Fußballer aber nicht outen, sondern dieses heuchlerische Versteckspiel mitmachen und sich selbst verleugnen, unterstützen sie damit letztendlich nur Homohasser. Das nützt niemandem sonst außer Homohassern! Und damit tragen diese Vorbilder dann auch zu Mobbing und Gewalt gegen Schwule bis hin zum Selbstmord bei...

    Fazit:
    Ich hoffe sehr, dass sich bald viele Profifußballer gemeinsam outen. Das würde so viel zum Positiven bewegen. Gerade auch für sie selbst, auch wenn sie das jetzt noch nicht für möglich halten!! Erst nachher merken sie, wie gut das war und bereuen es dann, nicht schon viel eher getan zu haben.

    Und eine Unterstützungswelle, wie sie der deutsche Fußball noch nicht gesehen hat, wäre ihnen sicher!

    Wenn sie sich weiter verstecken und selbst verleugnen nützt das nur den Homohassern. Dann haben die gewonnen. Und letztendlich zerbricht man selbst daran.

    Ich hoffe, dass sich bald was tut...
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#2 Chris_
#3 eMANcipation*Anonym
  • 02.12.2010, 16:53h
  • Er sollte vielleicht damit aufhören,

    immer nur gebetsmühlenartig darüber zu quatschen,

    wie problematisch ein Coming-out ist,

    und endlich die minimalen Voraussetzungen dafür schaffen,

    dass es konkret möglich wird.

    Bis jetzt hat der DFB noch nicht einmal das Selbstverständliche getan.

    Fünf Jahre Rückstand sind etwas viel für jemanden, der soviel von Antidiskriminierung spricht:

    www.queer.de/detail.php?article_id=3737
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#4 CarloAnonym
  • 02.12.2010, 20:47h
  • ich halte das vor allem für eine frage des geldes. es geht da immerhin schnell mal um ein paar millionen. die vereine wollen kein risiko mit ihren sponsoren eingehen und werden schon allein deshalb nicht zulasssen, dass sich einer ihrer spieler bekennt, selbst wenn die sonstigen voraussetzungen da wären.

    ich prophezeie: das erste profi-fußballer-coming-out wird genau dann stattfinden, sobald irgendeine größere kosmetikfirma auf die idee kommt, dass ein schwuler fußballer prima ein "freches", "provokantes" "geh deinen eigenen weg"-image vermitteln könnte - und diese firma dann mit einem so hochdotierten vertrag an einen spieler herantritt, dass es sich für ihn und für seinen verein lohnt, das risiko einzugehen.

    sobald es sich rechnet, wird's passieren, aber keinen tag früher.
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#5 herve64Profil
  • 02.12.2010, 21:05hMünchen
  • Also, wenn Theo Zwanziger nicht mehr zu bieten hat, dann soll er bitteschön wenigstens die Klappe halten. Dieses ganze gebetsmühlenartige Wiederholen, wie problematisch doch ein Coming Out eines Profifussballers sei, gewürzt mit den "Bedenken", dass viele Spieler aus anderen Kulturkreisen ein Problem damit haben könnten, ist doch lediglich eine billige Ausrede dafür, nichts dafür tun zu müssen. Zunächst hatte lt. Zwanziger man Angst vor randalierenden Fans, jetzt müssen die Spieler mit Migrationshintergrund dafür herhalten. Ja, was denn nun?

    Abgesehen davon: die Akzeptanz vor einer multikulturellen Mannschaft hat man weitgehend erreicht, wenn man sich diese "Boygroup" von unserer Nationalelf mal genauer betrachtet. Warum also soll das mit einer multisexuellen Truppe anders sein? Etwa weil man selbst insgeheim Vorbehalte hat, oder wie sehe ich das?
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#6 vingtans
  • 02.12.2010, 21:15h
  • wenn er meint.

    dann bleibt fussball weiterhin für mich die politik der unterschicht.
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#7 julian21
  • 02.12.2010, 21:27h
  • Wie lange gibt es schon Aktionen gegen Rassismus im Fussball und wie viele vor allem? Und gegen Homophobie noch keine einzige.

    Herr Zwanziger soll endlich mal Taten auf Worte folgen lassen.
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#8 eMANcipation*Anonym
  • 02.12.2010, 22:23h
  • Antwort auf #7 von julian21
  • Eine der selbstverständlichsten und zugleich unverzichtbaren Maßnahmen hatte ich weiter unten genannt.

    Man muss sich über die Bewertungen in diesem Thread schon wundern,

    z. B. auch zu Kommentar 1, der es doch absolut auf den Punkt bringt!

    Wenn selbst Schwule den perversen Status quo verteidigen,

    wird Herr Zwanziger es weiter bei schönen Reden zur Besänftigung der "Community" belassen können.

    Übrigens könnte man, wenn man wollte, auch die Sponsoren und Profiteure des Fußballs öffentlich in die Pflicht nehmen

    und mit ihnen über mögliche "Folgen" eines Coming-outs für die betreffenden Spieler sprechen sowie über konkrete Verpflichtungen der Antidiskriminierung.

    Zumindest müsste man es versuchen, wenn man es wirklich ernstmeint. Auch der Versuch wäre ein deutliches und dringend nötiges Signal!
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#9 eMANcipation*Anonym
  • 02.12.2010, 23:02h
  • Antwort auf #4 von Carlo
  • Du hast mit dieser ökonomischen Analyse sicherlich weitgehend Recht.

    Allerdings wird in die Kosten-Nutzen-Analyse unbedingt einfließen müssen,

    dass ein immer mehr zu erwartendes und sehr bald unvermeidbares Zwangsouting

    den vermeintlichen, egoistischen Nutzen der perversen Selbstverleugnung mit all ihren persönlichen und vor allem gesellschaftlichen Folgen definitiv ins Gegenteil verkehren wird!

    Das derzeitige Verhalten der schwulen Profis kann man da schon jetzt nur noch als irrationalen Akt der Selbstzerstörung betrachten.

    Die Betroffenen sollten sich endlich der Realität stellen und erkennen, dass ein eigenes, möglichst mit anderen Betroffenen koordiniertes Coming-out der einzige Weg ist,

    die Kontrolle über ihr Leben und ihre "Karriere" (offenbar sowieso das Einzige, was sie interessiert) zu behalten, oder besser: endlich zurückzubekommen!

    Es ist nur noch eine Frage der absehbaren Zeit, bis das erste ungewollte Outing stattfindet.

    Wer das allen Ernstes für karrierefördernd hält und sein Coming-out lieber in die Hände der Boulevardpresse und anderer möglicher "Verräter" legt,

    als es gemeinsam mit anderen, mit dem DFB und einer breiten Unterstützung seitens der schwul-lesbischen Community selbst in die Hand zu nehmen,

    wird am Ende selbst Opfer seiner eigenen sozialen Verantwortungslosigkeit!

    Spätestens dann wird es den betreffenden Herren wohl nicht mehr ganz egal sein, aber dann ist es für sie genauso zu spät,

    wie für die unzähligen Jungs und jungen Männern, die in Ermangelung dringend benötigter Identifikationsfiguren gerade im Profi-Sport und dank des antiszozialen Verhaltens derer,

    die einen Unterschied machen könnten, aber lieber den heterosexistischen Status quo zementieren, weiterhin einem vielfach höheren Suizidrisiko ausgesetzt sind.
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#10 eMANcipation*Anonym
  • 02.12.2010, 23:12h
  • Ach ja,

    ich meinte das mit den fünf Jahren Rückstand übrigens ernst.

    Wäre das nicht mal ein interessantes und dringend gebotenes Interview-Thema für queer.de?

    Irgendwie wird es so langsam unerträglich, immer wieder dieselbe Heuchelei zu hören bzw. lesen.

    Wann fragt den Mann endlich mal jemand, warum er nicht einmal minimale Standards des Diskriminierungsschutzes in deutschen Stadien durchsetzt,

    wenn er sich solche Sorgen über das Coming-out von Fußballern macht???
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