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Shantu (r.) hört sich den Treueschwur von Aleks an (Bild: Norbert Blech)

Über dem schwedischen Luftraum wurden am Montag ein schwules Paar aus Deutschland und zwei Frauen aus Polen getraut. Sie starten nun die Flitterwochen in Amerika.

Von Norbert Blech

Begonnen hatte alles mit einer Nachricht auf Facebook und Twitter. "Scandinavian Airlines wird versuchen, die erste gleichgeschlechtliche Ehe über den Wolken abzuhalten." Was zusammen mit einer Bewerbungsseite für die Paare als erster Test für Kampagnen auf Social-Media-Sites gedacht war, habe sich schnell zum erfolgreichsten PR-Coup der Firma entwickelt, berichtet Anders Lindström, der die Idee zu der Kampagne "Love is in the air" hatte.

Rund 300 Paare beteiligten sich an dem Wettbewerb, allein auf das Siegerpaar entfielen 81.000 Stimmen bei der Wahl im Internet. Zuletzt hatte es ein Kopf-an-Kopf-Rennen gegeben, SAS entschließ sich schließlich, beide Paare einzuladen. So kommt es, das an diesem Montag zwei Männer und später zwei Frauen in der mit Blumen dekorierten Business-Kabine eines A340 stehen und sich das Jawort geben.

Da die Heirat über dem schwedischen Luftraum passieren muss, beginnt der kurze offizielle Teil direkt nach der ersten Möglichkeit, die Gurte abzulegen. Die Zeremonie wird abgehalten von Christofer Fjellner, einem konservativen Abgeordneten des Europaparlaments aus Schweden (und Mitglied von dessen Arbeitsgruppe zu schwul-lesbischen Themen). Unter Applaus der Kabinencrew, die extra diesen Flug miterleben wollte, unter Beschuss von zahlreichen Kameras und unter den Tränen der sechs mitgereisten Freunde geben sch zunächst Aleks und Shantu aus Berlin das Jawort, 7.000 Meter über Borlänge.

Online kennengelernt, online Ehe geplant


Ewa (r.) und Gosia sind überglücklich

Dass Paar aus Berlin lernte sich vor siebeneinhalb Jahren kennen. Man hatte sich schon einmal kurz auf einer Party gesehen, berichtet Aleks, um sich schließlich über eine populäre Dating-Platform - damals noch sixpackparty.de - zu einem "unverbindlichen Date" zu verabreden. "Weil wir uns so gut verstanden haben, kam es erstmal nicht zum Vollzug des Dates", scherzt Shantu. Sprich: statt dem womöglich zunächst erhofften Sex ergab sich eine lange Nacht mit Gesprächen über "sehr persönliche Dinge". "Dieser Abend war extrem wichtig für unsere Beziehung."

Zwei Wochen später, zum 29. Mai 2003, erklärten sich die beiden, es miteinander versuchen zu wollen. Heiligabend 2008 machte Aleks dann den Hochzeitsantrag. "Wir wissen seit dem ersten Tag, dass wir für den Rest unseres Lebens zusammenbleiben wollen", sagt er, "zumindest seit den ersten Wochen" wirft Shantu ein. Und während man noch über die Möglichkeiten der Heirat nachdachte, tauchte der "Love is in the air"-Contest im Internet auf.

In den letzten drei Wochen habe man sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem lesbischen Paar Ewa und Gosia aus Polen geliefert, berichtet Alex. Nach all der Aufregung bei Facebook aber auch traditionellen Medien sei man froh, gewonnen zu haben. Aber auch, dass SAS das zweite Paar dann ebenfalls einlud. "Wir waren vor ein paar Jahren in Polen auf dem CSD", erzählt Shantu, als ganze Busladungen aus Berlin zur Unterstützung anreisten. "Mein Trauzeuge Gloria Viagra ist an erster Front politisch und wir sind natürlich da mit."

"Polen ändert sich"


Alle drei Paare beim Empfang in New York

Die Situation in Polen ist der Grund, warum die Heirat von Ewa und Gosia deutlich sentimentaler ausfällt. Als Ewa eine kurze Rede auf Englisch vor den auf Polnisch abgehaltenen Treueschwüren abhält, kullern nicht nur bei ihr die Tränen. Denn dies sei nicht nur ihre private Zeremonie, sagt sie mit wegbrechender Stimme, sondern ein "kleiner Sieg" für die Schwulen- und Lesbenbewegung in Polen. Das Paar, das (auch wegen einer Verzögerung des Hinflugs) die Nacht nicht schlafen konnte, bricht während der Zeremonie mehrfach in Tränen aus.

Die Über-den-Wolken-Ehe ist durch den Akt noch nicht rechtsgültig, auch nicht in Schweden. Die deutsche muss noch in eine Lebenspartnerschaft überschrieben werden. Die von Ewa und Gosia erhält erst eine nachträgliche Gültigkeit, sollte sie vom polnischen Staat anerkannt werden (etwa mit der Einführung einer Lebenspartnerschaft). Aber das sei auch egal, erzählt Ewa später beim Empfang in New York, bei dem das Paar deutlich entspannter wirkt als noch auf dem Flug. "Wir sind überglücklich, dass unsere Liebe bestätigt wurde", freut sich Ewa.

Die beiden Journalistinnen und Aktivistinnen waren früher in einem Frauenfußballteam und sahen sich vor sechs Jahren kurz wie überraschend in einem Lesben-Club. Wie auch das Berliner Paar nutzten sie dann das Internet für eine nährere Kontaktanbahnung. Das Paar verliebte sich, Ewa zog aus Danzig zu ihrem Schatz nach Warschau.

Das Medieninteresse an ihrer Hochzeit in Polen ist sehr groß, ein großer privater Fernsehsender begleitet den Flug und die ersten Tage in New York (und überraschte das Paar, das keine Freunde mitbringen konnte, vor der Landung mit Video-Botschaften aus der Heimat). Schwul-lesbische Aktivisten und Medien unterstützten Ewa und Gosia mit allen Kräften. Presseberichte wie diese werden "die Einstellungen verändern", ist Ewa überzeugt. "Polen ändert sich bereits. Meiner Meinung nach hat ein Großteil der Bevölkerung keine Probleme mehr mit uns. Aber unsere Politiker sind Feiglinge."

Gelungener Wettbewerb

Scandinavian Airlines ist so mit dem Wettbewerb ein PR-Coup gelungen, der über die Werbung hinausgeht. Für die Paare ist allein die Hochzeit freilich schon Freude genug, ihre Flitterwochen führt sie nach drei Tagen New York noch nach Los Angeles. In New York gaben SAS und Visit Sweden am Montag Abend noch einem Empfang, bei dem auch das dritte, amerikanische Paar vorgestellt wurde: Thomas Landreth und Brett Kessler fliegen am Dienstag nach Stockholm, wo sie im Ice Hotel heiraten und ihre Flitterwochen verbringen werden.

Zum Abschluss des Empfangs am Montag kam noch einmal die Crew des Hochzeitsflugs auf die Bühne. Sie hatten auf der Reise ein Ständchen gebracht, ein mehrgängiges Menü samt Hochzeitstorte serviert und zwischendurch einfach an den Feierlichkeiten teilgenommen. Zum Abschluss des Abends über Manhattan stimmten sie "I am what i am" an.



#1 Silly BillyAnonym
  • 07.12.2010, 15:43h
  • So macht man Marketing :-)

    Aber richtig romantisch siehts schon aus da auf den Bildern aber ich würde ja den Standesbeamten nehmen

    Dafür würde ich auch den nächsten NY Flug bei SAS buchen
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#2 KameliendameEhemaliges Profil
  • 07.12.2010, 16:27h
  • Ooooh Aleks ...oooh Shantuuuuu. Congratulatiooooooooooooooooooons!!!!!!
    Love yaaaaaa boys!!!
    Can't wait to seeee you when you're back!!!

    So ein wunderbares Paar....
    Sie haben sich das so verdient....

    Und Glückwünsche natürlich auch an das Paar aus Polen :))
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#3 TimonAnonym
  • 07.12.2010, 16:56h
  • Sehr schön! Herzlichen Glückwunsch!!

    Und ich hoffe, dass man genau das irgendwann auf der ganzen Welt kann...

    Aber für den Anfang wäre ich schon zufrieden, wenn man das wenigstens in Deutschland und allen anderen europäischen Staaten könnte. Aber solange der Trampel aus der Uckermark, Witzfigur Westerwelle und der Rest der schwarz-gelben Pest am Steuer sind, wird das wohl nicht geschehen!
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#4 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 07.12.2010, 22:01h
  • Da geht einem wirklcih das Herz auf! Drei schöne Hochzeitspaare und die Heten sehen in die Röhre!
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