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Ameisen auf dem Kruzifix brachte die republikanische Führung in Rage. (Bild: Screenshot)

Ein Museum in Washington hat das Video eines schwulen Künstlers nach Protesten von konservativen Politikern und Aktivisten aus einer Ausstellung entfernt.

Das Video war Teil der "Hide/Seek"-Ausstellung, die noch bis Mitte Februar 2011 in der Smithsonian's National Portrait Gallery zu sehen ist. Die Ausstellung war schon vor dem Start umstritten, weil sie erstmals Werke homosexueller Künstler auf einmal zeigt. Der Zorn der Homo-Gegner ist nun auf das vierminütige Video "Fire In My Belly" des 1992 an Aids verstorbenen Künstlers David Wojnarowicz getroffen. Er wollte damit die Leiden von Aids-Opfern verdeutlichen. Kritisiert wird eine elfsekündige Sequenz, in dem ein von Ameisen übersätes Kruzifix zu sehen ist. Die Catholic League bezeichnete das Video deshalb als "Hasstirade" gegen Christen.

Youtube | Während Museumsbesuchern das Kurzvideo vorenthalten wird, sind die Zugriffszahlen im Internet nach oben geschossen.

Republikaner zürnen über Steuergeld-"Verschwendung"


Der Republikaner John Boehner ist ab 3. Januar 2011 Chef des Repräsentantenhauses (Bild: United States House of Representatives)

Daraufhin stimmte auch der künftige Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus, der Republikaner John Boehner, in die Kritik ein: "Amerikanische Familien haben das Recht auf eine bessere Verwendung von Steuergeldern", so Boehner. Die Ausstellung erhält - wie auch in anderen Ländern - Subventionen vom Staat. Die Republikaner, die auch in der Kunst auf die freie Marktwirtschaft vertrauen, wollen dagegen diese Unterstützung generell kürzen oder einstellen. "Obwohl der Betrag, das die Steuerzahler dafür aufwenden, eher gering ist, zeigt das die Arroganz Washingtons, die auf tausende Entscheidungen zutrifft, in denen das hart verdiente Geld der Amerikaner ausgegeben wird", erklärte Boehner. Er drohte dem Smithsonian an, sich ab Januar auf "harte Überprüfungen" vorzubereiten - dann übernehmen die Republikaner das Ruder im Repräsentantenhaus.

Die Ausstellung eröffnete bereits Ende Oktober ohne Probleme. Einen Monat später veröffentlichte die konservative Website CNSNews.com einen Artikel, in dem kritisiert wurde, dass die Ausstellung das Christentum in der Weihnachtszeit herabwürdigt. Danach setzten die Proteste ein, bis das Museum sich schließlich entschied, das Video zu entfernen.

Bereits vor Ausstellungseröffnung hatten die Museumsbetreiber ungewöhnliche Probleme, wie Kurator Jonathan Katz gegenüber dem britischen "Guardian" erklärte. So wollten ihm Leihgeber Werke nicht aushändigen, weil sie fürchteten, dass der Wert der Kunstwerke durch die Verbindung mit dem Thema Homosexualität sinken könnte.

Die Aktion der Republikaner-Führung erinnert an einen ähnlichen Streit aus dem Jahr 1990. Damals war eine Ausstellung in der Kritik, die grafische Sadomaso-Fotos enthielt. Der Museumsdirektor wurde damals wegen vor Gericht gezerrt, weil er "obszönes Material" öffentlich zugänglich gemacht habe. Eine Jury sprach den Angeklagten schließlich frei. Damals drohte der republikanische Senator mit einem Kulturkampf "der Queers gegen die normalen Menschen". Auch er setzte sich erfolglos dafür ein, Subventionen an Museen zu verbieten, wenn diese "anstößige" oder "religionsfeindliche" Kunst zeigten. (dk)



15 Kommentare

#1 entarteteAnonym
#2 ArtAnonym
  • 08.12.2010, 19:33h
  • Homosexualität und Kunst im gegenwärtigen Europa:

    - "Nun, wir sind davon überzeugt, dass das, was dort geschieht, ein wirklich schlimmer Skandal ist. Es ist doch wohl ein Unding, dass keine 200 Meter vom Mailänder Dom entfernt so ein Schmutz gezeigt und als Kunst angepriesen wird. Da wird der Glaube in den Schmutz gezogen. Da muss man als Christ Position beziehen und sich einmischen."

    www.dradio.de/dkultur/sendungen/fazit/645524/

    - Aufruhr um nackte Knaben.
    Das Memminger Jugendamt wollte eine Ausstellung mit 400 Fotos von Wilhelm von Gloeden verbieten lassen.

    www.queer.de/detail.php?article_id=8618

    - Besucher der Ausstellung von Larry Clark, der viele Aktaufnahmen von, vor allem männlichen, Jugendlichen gemacht hat, müssen mindestens 18 sein.
    "Im Pariser Rotlichtviertel Pigalle hängen zahlreiche freizügige Filmplakate vor den Pornokinos - aber eine Ausstellung des US-Fotografen Larry Clark mit Aktaufnahmen hat die Stadt Paris jetzt erst ab 18 freigegeben.
    Die Altersbeschränkung für die am Freitag eröffnete Retrospektive des Künstlers sorgt in Frankreich seit Tagen für Aufregung....
    Die ungewöhnliche Maßnahme der Stadt Paris, an deren Spitze der bekennende schwule Bürgermeister Bertrand Delanoë steht, hat weniger mit Prüderie als mit Sorge vor rechtlichen Folgen zu tun. Im Jahr 2000 hatte eine katholische Vereinigung nach einer Ausstellung in Bordeaux, in der ebenfalls Jugendliche in erotischen Posen gezeigt wurden, Klage eingereicht. Der Rechtsstreit dauert bis heute an.

    www.ostsee-zeitung.de/mecklenburg/index_artikel_komplett.pht
    ml?param=news&id=2918165


    gaycultes.blogspot.com/2010/10/larry-clark-paris.html
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#4 loellieEhemaliges Profil
#5 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 09.12.2010, 00:03h
  • Ameisen auf dem Kruzifix, wie geschmacklos ist das denn? Jeztt kommt besstimmt wieder "Sowas ist halt Kunst", dennoch ist das Video, in dem die Sequenz gezeigt wird, zurecht zensiert worden!
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#6 latipaknamuhAnonym
  • 09.12.2010, 05:47h
  • Hm, wieso erinnert mich das an die Vorgehensweise der Nazis gegen "entartete Kunst"?
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#7 FloAnonym
  • 09.12.2010, 12:29h
  • Die Amis bezeichnen sich selbst gerne als "Land of the free" und Vorbild-Demokratie, die man in andere Staaten exportieren muss.

    Aber solche Beispiele zeigen immer sehr gut, dass es in Wahrheit ein totalitäres System ist. Freiheitsrechte, wie z.B. die Freiheit der Kunst werden nur solange betont, wie es denen in den Kram passt, aber ganz schnell abgeschafft, wenn einem was nicht passt.

    Das ist ein Vorgaukeln von Freiheit, hat aber rein gar nichts mit Freiheit zu tun und damit fehlen auch die Grundbedingungen der Demokratie.
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#8 SpookyAnonym
  • 09.12.2010, 14:27h
  • Ähm, so wie ich das verstanden habe geht es hier um die Verwendung von Steuergeldern, nicht um ein generelles Verbot einer solchen Ausstellung. Wenn es um Steuergelder geht ist ein wenig Diskretion doch wohl mehr als angebracht, was ich in diesem eher geschmacklosen Video mal gar nicht sehe.

    Niemand wird daran gehindert eine private Galerie zu eröffnen. Die Tatsache, dass auch dann Republikaner Sturm laufen würden - was dann nat. zunächst einmal Uunsinn wäre - ändert nichts an der Tatsache, dass solche Leute auch kritisieren dürfen wozu STEUERGELDER für Museen ausgegeben werden sollten.

    Ich finds schon witzig wie bigott auch Schwule sein können, die bei sowas von Freiheitsberaubung sprechen, aber dennoch für jegliche kritische Stimme bzgl. des homos. Lebensstils sofort von Hetze reden und losklagen. Das hat für mich nichts mit Streitkultur zu tun und den gewollten Effekt bringt es auch nicht.

    Ach ja: Dumme Nazivergleiche gibts genug, der gehört sicher auch dazu.
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#9 LorenProfil
#10 stromboliProfil
  • 09.12.2010, 15:13hberlin
  • Antwort auf #8 von Spooky
  • seit wann bestimmt steuerzahler,was kunst ist?
    das müsste die erste sich stellende frage sein.
    Die zweite: warum kann kunst nur mit steuermitteln gefördert , öffentlichkeit herstellen?

    Die dritte: woher nimmst du das sachwissen um eine installation verstehen zu wollen die sich auf ihre weise tod- zersetzung zu nähern sucht.
    Ist schockieren schon ein merkmal für unkünstlerisches...?
    Ich würde die metapher des gekreuzigten , der wieder mal für uns die leiden der welt, sprich AIDS stellvertretend tragen soll als nicht gerade neues am horizont der kunst sehen.. aber was solls, eine leidende christusfigur mehr oder weniger seint den bock auch nicht fett zu machen!

    Natürlich dürfen auch reaktionäre kritisieren und mittels kunst, gegenkunst entwickeln.. das wäre streitkunst!
    Aber einfach zu sagen: wir sind die geldgeber und entsprechend sieht die kunst aus ist einfach nur DUMM.. und dreist!
    Zudem werden steuergelder uach aus dem säckel von anhängern dieser kunstrichtuung gezahlt , also deren anspruch auf sichtbarkeit werdung ihres finanziellen beitrages berechtigt ist!
    Oder gibt es da auch zweierlei maß?

    Insofern ist der vergleich mit dem denkansatz der völkischen kunst und der entarteten völlig richtig: es gibt keine gute, keine schlechte "kunst" .. allenfalls vieleicht kunsthandwerk . Darüber kann man streiten!

    Sich aber zum deuter dessen zu machen , was letztendlich kunst sei, ist im sinne der nazis die erstellung eines kunstverständnisses , dass anderen vorschreibt, was gut und nicht gut in IHREM sinne ist: das ist barbarei von kunst banausen; politisch gedacht ein nicht hinnehmbarer eingriff in meine/deine/ unsere seh und denkkultur!
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