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Bussi, Bussi... (Bild: Air New Zealand)

Nach Protesten von Schwulen und Lesben hat Air New Zealand ein Sicherheitsvideo gekürzt, weil darin ein schwuler Flugbegleiter bei einem Rugby-Spieler abblitzt.

In dem Video, das die Passagiere vor dem Flug auf die wichtigsten Sicherheitsmerkmale aufmerksam macht, treten die Rugby-Spieler der neuseeländischen Rugby-Nationalmannschaft ("All Blacks") auf. In einer Szene sieht ein schwuler Flugbegleiter den Spieler Richard Kahui an und verlangt mit einem Handzeichen einen Wangenkuss. Kahui lehnt jedoch dankend ab.

Die Szene ist bereits seit Wochen auf Air-New-Zealand-Flügen gezeigt worden. Zirka zwei Millionen Passagiere haben "Crazy About Rugby", wie die Fluglinie das Sicherheitsvideo nannte, schon gesehehen. Air New Zealand erhielt zuletzt jedoch viele Beschwerdebriefe von Schwulen und Lesben. Darin heißt es, dass der Flugbegleiter zu "offensichtlich schwul" sei und daher Vorurteile schüre. In vielen Briefen wurde sogar die Vermutung geäußert, dass der Kurzfilm die Selbstmordrate unter schwulen Jugendlichen erhöhen könnte, da der Rugby-Spieler den Kuss ablehnt, während er gegenüber der Stewardess viel offener agiert.

Youtube | Das Video ungeschnitten ansehen - die kritisierte Szene startet gegen 2:45

Air New Zealand erklärte, man habe das Video vorher als nicht problematisch angesehen. Nach den vielen Beschwerden habe man sich dann entschieden, die umstrittene Szene zu entfernen. Es sei nicht die Absicht der Fluglinie gewesen, eine bestimmte Gruppe mit dem Video zu verärgern, sagte Firmensprecher David Morgan.

Der Flugbegleiter, der in dem Video mitspielte, ist enttäuscht über die Proteste: "Ich kann's kaum glauben, dass ein paar Leute in der Gay Community es für alle anderen kaputt gemacht haben", erklärte Will Coxhead. "Ich bin stolz darauf, schwul und ein Air-New-Zealander zu sein und bin auch sehr stolz auf meine Rolle in dem Sicherheitsvideo." Es gebe unter Schwulen offenbar Leute, die sich wichtig machen wollten, glaubt der Flugbegleiter. Sie müssten "sich entspannen". "Die Szene ist doch bloß unbeschwerter Humor", so Coxhead.

Wöchentliche Umfrage

» Regt es dich auf, wenn Schwule in den Medien als zu tuntig dargestellt werden?
    Ergebnis der Umfrage vom 13.12.2010 bis 20.12.2010


#1 eMANcipation*Anonym
  • 13.12.2010, 12:22h
  • Viele Schwule gefallen sich in der Rolle der Witzfigur, die die heterosexistische Gesellschaft ihnen zur Wahrung der sexuellen Herrschaftsverhältnisse zugewiesen hat!

    Diese subtile Ebene der Stigmatisierung und Diffamierung ist übrigens die wirkungsvollste - und die Wirkung erleben wir dann tagtäglich, wenn unter Jugendlichen in jedem zweiten Satz "schwul" als Schimpfwort oder negativ konnotiertes Attribut verwendet wird.

    Eine noch nie dagewesene heterosexistische massenmediale Indoktrination von Kindesbeinen an und soziale Kontrolle via Facebook & Co. sind die schärfsten "modernen" Vehikel zur Aufrechterhaltung der Unterdrückung von Homosexualität, gegen effektive sexuelle Freiheit und Gleichberechtigung, die man sich vorstellen kann.

    Ich stelle euch einmal mehr die Frage: Wann fangen wir endlich an, jungen Männern das breite Spektrum an Identifikationsfiguren, fernab der üblichen Stereotype und Klischees, zu bieten, die sie dringend benötigen?

    Oder wollen wir weiterhin dabei zusehen, wie männliche Jugendliche immer unfreier werden, homosexuelles Interesse überhaupt zuzulassen und nicht vom ersten Moment an zu verleugnen und unterdrücken?

    Wer kann und muss hier den entscheidenden Beitrag für Veränderung leisten, wenn nicht wir als schwule Männer?
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#2 Don QuijoteAnonym
  • 13.12.2010, 13:10h
  • Antwort auf #1 von eMANcipation*
  • Jo, die ganzen bösen Heten stehen jeden Morgen vor dem Spiegel und überlegen sich neue Strategien, wie sie ihre heterosexistischen Herrschaftsverhältnisse und ihren Terror gegen uns aufrecht erhalten können. Die haben nämlich sonst nix besseres zu tun!

    Umgekehrt soll es ja auch Schwule geben, die jeden Tag erneut überlegen, wie sie ihren Kampf gegen die Windmühlen heteronormativen Herrschaftsdaseins ausfechten können - der Wirklichkeit entrückt.

    Don Quijote lässt grüßen....!
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#3 daVinci6667
  • 13.12.2010, 13:21h

  • Sehr gut, dass das Video aufgrund der Proteste geändert wurde!

    Es stört mich ungemein, wie gerade in deutschen Medien, Schwule dargestellt werden. (Bei uns in der Schweiz etwas besser) Natürlich sind Schwule AUCH witzig und lustig, aber nicht NUR! Wer soll uns denn sonst ernst nehmen? Wieso sehen wir nicht endlich mal einen Webespot mit zwei muskulösen männlichen Bauarbeitern, serioesen Kriminalbeamten, Fußballspielern oder Fernfahrern, jenseits der immer gleichen Klischees?

    Unsere Organisationen sollen bitte Mal Strategien entwickeln, wie wir erreichen können, dass unsere enorme Vielfalt adäquat in dem Massenmedien Präsenz findet. Mich stören die \"Fummeltrienen\" in ihren bunten Kostümen beim CSD überhaupt nicht. Sie gehören 100% auch zu uns, aber es muss dem Durchschnittsbürger klar werden, das 95% von uns nicht so auftreten. Erreichen wir das nicht, werden schwule Jugendliche weiterhin kaum schwule Identifikationsfiguren finden.
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#4 eMANcipation*Anonym
  • 13.12.2010, 13:40h
  • Antwort auf #2 von Don Quijote
  • Wow,

    ungemein überzeugende und sachliche Argumente, die du da vorbringst.

    Mit solchen Einwürfen war natürlich zu rechnen.

    Wie "entrückt von der Wirklichkeit" (deine Worte) muss man eigentlich sein,

    dass einem zu empirisch belegten Fakten, sei es das vielfach höhere Selbstmordrisiko, sei es die abnehmende Freiheit männlicher Jugendlicher, homosexuelle Kontakte zuzulassen,

    nichts anderes einfällt als billige, zynische Polemik?

    Halten wir uns an die Fakten:

    Im vorliegenden Video wird einmal mehr suggeriert, dass der coole machohafte Rugby-Player *natürlich* die weibliche Stewardess anhimmelt und *natürlich* heterosexuell ist,

    während man dem Schwulen die Rolle des die unerreichbare "Männlichkeit" Anhimmelnden und dabei *natürlich* demonstrativ abblitzenden Clowns zuweist.

    Welches Bild wird hier einmal mehr von Heteros, Schwulen und "Männlichkeit" gezeichnet?

    Dabei hätte der Rugby-Star ja auch Gareth Thomas sein können, der in der Tat schwul ist.

    Wer so einen Müll produziert in Zeiten, in denen überall die Selbstmorde junger Schwuler zumindest in Teile des öffentlichen Bewusstseins vordringen

    und in denen Homosexualität gerade im männlichen Profi-Sport weiterhin überwiegend unterdrückt wird,

    genau der ist entrückt von der Wirklichkeit!

    Und natürlich der Schwule, der dazu auch noch Beifall klatscht!
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#5 seb1983
  • 13.12.2010, 13:52h
  • Antwort auf #4 von eMANcipation*
  • Es ging glaube ich auch mehr darum was ich dir auch immer vorwerfe:
    Das ist keine von langer Hand geplante Aktion von "der Gesellschaft".
    Es gibt weder eine Hetero AG die weltweit Homosexualität unterdrückt,
    noch eine Juden AG die Kapital zusammensaugt
    noch eine Islam AG die die Übernahme der westlichen Welt plant.
    Es sind alles viele viele kleine Einzelakteure, von daher auch etwas unsinnig von "Herrschaftsverhältnissen" zu reden.

    Im Gegenzug hat da aber auch die "community" das Problem dass es sie in der Form nicht gibt dass sie konzentriert und einig Veränderungen bewirken könnte. Das klappt wenn dann nur über straffer organisierte Vereine, etwa den LSVD.
    Dein so gerne benutztes "wir müssen" meint nämlich immer nur den anderen, aber nie einen selbst.
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#6 eMANcipation*Anonym
  • 13.12.2010, 13:56h
  • Antwort auf #3 von daVinci6667
  • Es geht ja in keiner Weise um irgendein Problem mit Tunten.

    Auch die Tunte kann Rugby-Star sein!

    Oder eben ein Schwuler mit anderen "Mannerismen".

    Genau diese Rollenvielfalt ist hier aber einmal mehr NICHT erwünscht.
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#7 HoneyAnonym
#8 eMANcipation*Anonym
  • 13.12.2010, 14:15h
  • Antwort auf #5 von seb1983
  • Schatzerl, irgendwann wirst vielleicht sogar du dich mit der sozialen Konstruktion bzw. Konditionierung von geschlechtlicher und sexueller Identität beschäftigen.

    Dann fällt dir unter Umständen auf, dass es da nicht vorrangig um "Einzelakteure" geht, sondern dass das Ganze schon System hat.
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#9 seb1983
  • 13.12.2010, 14:27h
  • Antwort auf #8 von eMANcipation*
  • Hab Solziologie brav als Nebenfach hinter mir hergeschleift, schon klar dass immer brav Grüppchen gemacht werden, Konditionierungen etc. etc. Ein recht dynamischer Prozess, immer schön Im Wandel.

    Nur mischt du hier geschickt Wissenschaft mit deinen eigenen Theorien und putzigen Neologismen, und das hat damit dann nicht mehr viel zu tun.

    Es gibt eben KEIN festes System, was man eben daran sieht dass Gesellschaft heute völlig anders funktioniert als noch vor 50 Jahren.
    Grade am angeblichen Werteverfall, gegen den Kirche und Politik versuchten gegenzusteuern, merkt man leicht dass eine Kontrolle und Zensur nicht möglich ist!
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#10 non-verbandAnonym