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(Bild: KamalSelle / flickr / by 2.0)

Der frühere malaysische Vize-Premierminister Anwar Ibrahim wehrt sich gegen Homo-Vorwürfe, die auf nun veröffentlichte US-Dokumente zurückgehen.

Die Unterlagen sollen aus dem Fundus der Onlineplattform Wikileaks stammen. Am Wochenende wurden Auszüge der offiziellen Papiere des US-Außenministeriums in den Zeitungen der australischen Fairfax-Mediengruppe veröffentlicht. Darin wird der Geheimdienst von Singapur zitiert, der Anwars Homosexualität bestätigt. Demnach soll der Politiker vor gut zwei Jahren mit einem damals 23-jährigen Mitarbeiter Sex gehabt haben. Seine politischen Gegner haben die Begegnung den Unterlagen zufolge organisiert, um Anwar politisch auszuschalten. Anwar soll zwar geahnt haben, dass es sich um eine Falle handele - dem Mitarbeiter sei es dennoch gelungen, den Politiker zu verführen. Eine aus diesem Fall rekrutierende Anklage gegen Anwar aus dem Jahr 2008 läuft noch: Damals bezichtigte der betreffende Mitarbeiter den Oppositionsführer der Vergewaltigung (queer.de berichtete).

In Malaysia steht auf Homo-Sex bis zu 20 Jahre Haft - egal, ob der Geschlechtsakt freiwillig oder durch Vergewaltigung zustande kam. Anwar hatte bereits zuvor gegen Homo-Vorwürfe zu kämpfen: Er war von 1993 bis 1998 Vize-Premierminister der seit 1957 ununterbrochen regierenden Partei UMNO, überwarf sich aber mit Premierminister Mahathir bin Mohamad und wurde kurz darauf verhaftet. Wegen Homosexualität und Korruption wurde er schließlich zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt. Westliche Regierungen haben den Prozess als politisches Verfahren bezeichnet. 2004 kam er nach einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofs vorzeitig frei (queer.de berichtete).

Seit 2008 darf er sich wieder politisch betätigen und zog durch einen klaren Sieg bei einer Nachwahl ins nationale Parlament ein (queer.de berichtete). Seither ermittelt wieder die Staatsanwaltschaft in Kuala Lumpur wegen mutmaßlicher Homosexualität gegen den Hoffnungsträger der Opposition. Er hat stets beteuert, dass die Homo-Vorwürfe von seinen politischen Gegnern erfunden worden sind, um seine Partei zu schwächen.

Beschwerde gegen Berichterstattung in Malaysia


Die Wikileaks-Seite: Von US-Politikern als "terroristisch" beschimpft, von anderen als Ausdruck der Meinungsfreiheit gelobt. (Bild: wikileaks.ch)

Die Anwälte Anwars haben am Montag einen Beschwerdeantrag bei Gericht gestellt. Sie wollen erreichen, dass die nationalen Zeitungen nicht mehr über die US-Geheimpapiere berichten dürfen: "Die Geschichte beruht nur auf Hörensagen", erklärte Anwalt Sankara Nair. "Das Gericht muss sich daher von den Zeitungen Beweise vorlegen lassen, die ihre Vorwürfe beweisen. Anderenfalls müssen sie sich wegen Verleumdung verantworten. Die meisten malaysischen Zeitungen hatten über den Fall berichtet. So titelte die populärste Tageszeitung "Utusan Malaysia": "Der Geheimdienst Singapurs bestätigt Unzucht-Vorwurf".

Im mehrheitlich muslimischen Malaysia gibt es in der Homo-Akzeptanz ein Stadt-Land-Gefälle. Während die relativ weltoffene Hauptstadt Kuala Lumpur eine schwul-lesbische Subkultur entwickelt hat, die stark vom liberalen Nachbarland Thailand beeinflusst wird, ist Homosexualität auf dem Land lebensgefährlich. Das Gesetz gegen Homosexualität geht noch auf die britischen Kolonialherren zurück. (dk)



#1 Ilovelife
  • 13.12.2010, 17:12h
  • Weiss grad nicht ganz, was ich von Anwar halten soll. Aber vielleicht outet Wikileaks demnächst ja auch gewisse Führungsriegen oder gar Oberhäupter eines ziemlich kleinen, aber einflussreichen katholischen Staates in der Mitte Italiens
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#2 AutobatterieAnonym
#3 CGastAnonym
  • 13.12.2010, 17:32h
  • Jetzt hat Wikileaks auch für mich die Grenzen überschritten, die man nicht überschreiten sollte.

    Westerwelle als Depp und Merkel als feige zu bezeichnen, sind eine Sache. Das ist nichts, was nicht offensichtlich ist und ihrem beruflichen Fortkommen nicht geschadet hat.

    Aber bisher hat Wikileaks immer behauptet, dass alle Dokumente vor Veröffentlichung darauf geprüft werden, ob sie direkt einzelnen Menschen schaden können.

    Offenbar hat man das bei diesen Dokumenten aber nicht getan. Sei es aus Versehen oder gar absichtlich, sei dahin gestellt. Aber das geht so nicht. Pfui.
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#4 Timm JohannesAnonym
  • 13.12.2010, 18:04h
  • Also was haben wir denn alles mittlerweile durch Wikileaks gelernt und dokumentiert:

    * Deutschland:
    ** Merkel ist Teflonpolitikerin; Westerwelle ist agressiv und eitel, Seehofer ist ... verschiedene negative Beurteilungen von Murphy zu dt. Politikern.
    ** dann der Fall von Helmut Metzger
    ** die Suche von Seehofer nach Spion in Bayern-Staatskanzlei
    ** Terrorliste einzelner Firmen/Tiefseeinternetanlandepunkte in Deutschland (Sylt, Norden; BASF-Komplex, Siemens-Komplex, verschiedene Pharmaziefirmen) und weltweit

    Bisher insgesamt also noch nicht besonders viel zu Deutschland. Da gibt es in anderen Staaten mittlerweile mehr zu berichten:

    * Nigeria:
    ** Druck des US-Pharmazieriesens Pfizer auf ermittelnde Staatsanwaltschaft im Meningitis-Skandal in Kano
    ** Druck des brit-ndl. Unternehmens Shell bei der Ausbeutung des Nigerdeltas und Beschreibung der massiven Korruptionszustände in Nigeria

    * Spanien:
    ** Herausgabeverlangen der span. Regierung gegenüber US-Regierung wegen der gefundenen Tiefseeschätze durch US-Unternehmen Odyssey
    ** Negativ-Beschreibungen der derzeitigen Zapatero-Regierung

    * UNO:
    ** Aufforderung der Ausspitzelung der UNO-Offiziellen durch CIA an US-Aussenministerium und US-Botschaften übermittelt (Kredikarten, Passwörter, usw.)

    * Aserbaidschan:
    ** Beschreibung als Bananenrepublik; Aufteilung des Landes unter einigen Familienclans; Ehefrau des Präsidenten mit Schönheitsoperation und deren optischer Verwechselbarkeit mit deren Tochter);

    * Saudi-Arabien:
    ** Wilde Partys (u.a. Halloween) von arabischen Prinzen in Privatanlagen mit verbotenem Alkohol, Drogen und Prostituierten, wobei Religionspolizei wegsieht.
    ** Aufforderung von Saudi-Arabiens, Kuwaits, Bahrains und der Vereinigten Arabischen Emirate, das die USA endlich den Iran angreifen sollen; Furcht Saudi-Arabiens vor mehr Einfluss des Irans im Irak und im Libanon

    *Libanon:
    ** Saudi-Arabiens Regierung will dort die Hisbollah ausschalten

    * Türkei:
    ** Islamischer Aussenminister gilt innerhalb der Regierung als dem Islamismus zu nahestehend

    * Ägypten:
    ** Mubarrak plant seinen Sohn (Gemal Mubarrak) als Nachfolger ins Amt zu hieven

    * Pakistan:
    Furcht arabischer Staatsregierungen, das Pakistan an die Islamisten kippt; Doppelspiel pakistanischer Sicherheitskräfte mit USA und Al-Quaida

    * Russland:
    ** Putin ist Alpha-Tier; Medwedjew ist nur eine Marionette

    * Burma:
    Burmas Militärführung arbeitet heimlich mit Nordkorea zusammen. Im Norden Burmas bauen nordkoreanische Techniker eine Raketenanlage im Dschungel

    * England:
    Prinz Andrew überheblich und großkotzig

    * Vatikan:
    USA von Wahl Ratzingers damals überrascht; man hatte mit einen lateinamerikanischen Kandidaten gerechnet.
    Details zu den Kindermissbrauchsfällen im irischen katholischen Klerus

    * Afrika
    ** zunehmender Einfluss Chinas Wirtschaft in verschiedenen Ländern (u.a. Angola, Kamerun, Kenia) mit Ausbeutung der Rohstoffe und dem Einsatz chinesischer Arbeitskräfte

    * Somalia
    Piraten kapern ukrainisches Schiff, das Waffen geladen hat und für das sich vom islam. Nordsudan ablösende Südsudan bestimmt ist. US-Regierung weiß davon und hat "nichts" gegen diesen Waffendeal für Südsudan einzuwenden

    Mein Fazit: Bisher "kommen" wir hier in Deutschland noch relativ glimpflich bei den US-Dokumenten davon. Da trifft es den Nahen Osten, Afrika und Asien viel härter in der Beurteilung durch die US-Dokumente.

    Und jetzt also heute Malaysia: wobei die Story ist doch weitgehend bereits bekannt zum Oppositionspolitiker und dessen sexueller Orientierung. Jetzt kommen nur Details heraus, wonach die Regierung ihm eine Sexfalle gestellt hat.
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#5 Diane RodhamAnonym
#6 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 13.12.2010, 19:36h
  • Hoffentlich wird dem Treiben von Wikileaks bald ein Ende gesetzt1 Wenn Julian Asssange nämlich wegen Vergewaltigung verurteilt wird, dann ist die Plattform so schnell wieder verschwunden, wie sie gekommen war! Das ist Enthüllungsjournalismus der ganz primitiven Art!
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#7 A. Strot-UrfingAnonym
  • 13.12.2010, 19:47h
  • sms: was wäre wikileaks ohne twitter

    sehr guter und aufschlussreicher text zu möglichen gefahren, chancen und grenzen der netze.

    gut belegt und reflektiert an zurückliegenden spins und kampagnen von interessierter seite in die ck-generation verschiedener länder.

    www.lrb.co.uk/v32/n23/james-harkin/cyber-con

    sehr warmherzig erinnere ich mich an h.clintons rede zur freiheit im internet zu beginn des jahres.
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#8 De_Gelderlander
#9 Timm JohannesAnonym
  • 13.12.2010, 20:25h
  • Stimmt in meiner Aufzählung fehlt die Kriegsgefahr durch Uribe, der einen Angriff auf Venezuela plante. Auch dies offenbart Wikileaks.

    Und in Brasilien drängt die US-Regierung auf einen Abschussplan für Flugzeuge, die von Terroristen gekapert wurden. Das erinnert mich schwer an die ständigen Wortmeldungen von Schäuble, wonach Deutschland das Militär im Inland zulassen müsse, um Flugzeuge abschiessen zu können.

    Wahrscheinlich haben in Berlin andauernd auch dort US-Diplomaten Schäuble bereits als Innenminister dazugedrängt, dass Deutschland massivere Terrorschutzbestimmungen gebrauche. Da kann man dann erkennen, das die US-Amerikaner hier Einfluss auf unsere innenpolitischen deutschen Sicherheitsgesetze nehmen; wahrscheinlich gilt dies auch für die staatlichen Abhörmodalitäten und Telefonspeicherungen, die Schäuble damals als Innenminister gefodert hat: da möchte ich lieber gar nicht wissen, wieviel Druck dazu aus Washington nach Berlin kommt...

    Nee Wikileaks offenbart doch teilweise, wie sehr die US-Amerikaner Druck ausüben und wie überheblich sie sich in der Einschätzung anderer Länder und Politiker zeigen.

    Natürlich sind Russen und Chinesen noch viel schlimmer, wenn sie die Vormacht hätten, aber vielleicht ist es ganz gut, in einer Welt zu leben, wo kein einziger Staat die Vormacht hat.

    Was Malaysia angeht: das war bekannt, das der Oppositionspolitiker homosexuell ist. Nur die Sexfalle seitens der Regierung ist mir neu.
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#10 surferAnonym