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Kenneth Williams (bekannt aus den ""Carry On"-Filmen) nutzte Polari in den 1960er Jahren, um die Zensur der BBC zu umgehen.

In Großbritannien ist die schwule Geheimsprache Polari auf dem Rückzug, warnen Forscher der Universität Cambridge.

Die Forscher sammeln im World Oral Literature Project Sprachen und Dialekte, die gefährdet oder bereits ausgestorben sind. Insgesamt sind 3.524 Sprachen auf der Liste, darunter auch bayerisch und alemannisch (gefährdet), sorbisch (sehr gefährdet) oder niederschlesisch (fast ausgestorben).

Der Polari-Slang war besonders populär in der Zeit vor 1967, als Homosexualität in England und Wales noch verboten war. Das Vokabular setzt sich zusammen aus Wörtern der englischen, italienischen, französischen und lateinischen Sprache, gemixt mit dem Cockney-Slang der Londoner. Hier ließ sich in puritanischeren Zeiten auch einfach über Sex reden, ohne dass ein Bobby gleich die Handschellen zückt. So war ein "Molly" ein Wort für schwuler Mann, hinter "trade" verbarg sich Sex, hinter "carts" oder "cartso" das männliche Geschlechtsteil. Andere Begriffe, wie "chicken" für junger Boy oder "cottage" für eine öffentliche Toilette sind heute noch in der Szene üblich. Aber auch für Alltagsworte gab es Polari-Entsprechungen; etwa "ecaf" für Gesicht ("face" rückwärts) und "riah" für Haar. Noch heute finden sich in London Frisörgeschäfte mit dem Namen "Bona Riah".

Youtube | Polari im Film "Velvet Goldmine" (mit englischen Untertiteln)

Für den Anthropologen Mark Turin, der am Projekt beteiligt war, bedeutet das Aussterben der Sprachen auch einen Verlust der eigenen Geschichte: "Sprachen sind mehr als Worte und Grammatik", erklärte er gegenüber der Zeitung "Daily Telegraph". Sie sind Teil der Identität des Menschen und bestimmten, wie er seine Welt wahrnimmt.

In Deutschland hat sich eine derartige Sprache (Polari umfasst bis zu 500 Wörter) unter Schwulen nicht durchgesetzt. Einige Szenebegriffe wie "Sahneschnittchen" werden zwar auch an Schwulentreffpunkten zwischen Flensburg und Garmisch gerne genutzt, ihre Popularität ist aber in den letzten Jahren und Jahrzehnten wieder zurückgegangen. (dk)



#1 reiserobbyEhemaliges Profil
#2 herve64Profil
  • 14.12.2010, 09:27hMünchen
  • Die Frage ist nur, ob dies wirklich jetzt so stimmt wie es hier dargestellt wird. Fakt ist, dass jedes Idiom sich wandelt im Laufe der Zeit. Besonders brutal merkt man das bei der Jugendsprache, die einem brutalst klar macht, wie alt man eigentlich wirklich ist.

    Und ich denke mal, dass es sich bei Polari ähnlich verhält.
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#3 MarkusGAnonym
#5 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 14.12.2010, 15:41h
  • Ich höre von dieser Sprache zum ersten Mal! Wieso hat sie sich so lange versteckt?
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#6 Leo20mal6Anonym
  • 14.12.2010, 15:58h
  • Antwort auf #2 von herve64
  • ich hör nicht wirklich komische jugendsprache im alltag. klar das ALTER EY oder so... aber das kann ich noch assimilieren, was meinst du genau? meinst du die kanaksprach der deutschen?

    Leo
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#7 vingtans
  • 14.12.2010, 17:57h
  • also selbst ich kenn die "molly house" begriffe..

    also so gefähdet kann es nicht sein, und selbst wenn...das ist der lauf der dinge von sprache und kultur. und zeugt ja nur davon, dass wir jetzt "offen reden" können
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#8 herve64Profil
  • 14.12.2010, 18:01hMünchen
  • Antwort auf #6 von Leo20mal6
  • Ich meine schon deutsche Ausdrücke. Weißt du z. B., was ein "Taschendrache", ein "Kniebeißer" oder eine "Fußhupe" sind bzw. könntest du mit diesen Begriffen auf Anhieb etwas anfangen?

    Übrigens: ein Taschendrache ist ein Feuerzeug, ein Kniebeißer ein Kleinkind und eine Fußhupe ein Hund der Marke kleiner Kläffer.

    Witzig finde ich auch noch Begriffe wie "Rüsselpest", "Zappelbunker" oder die "Goldene Möwe".
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#9 herve64Profil
  • 14.12.2010, 18:12hMünchen
  • Was ich ganz vergessen habe, ist das zum Jugendsprachwort des Jahres 2010 gekürte "Niveaulimbo". Dieses beschreibt -wie könnte es anders sein- das ständige Absinken der Qualität in TV und Privatleben.
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#10 xarAnonym