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Von Dennis Klein

Chi Chi LaRue hat 400 Filme gedreht – bei Karstadt sucht man jedoch vergeblich nach ihren DVDs. Auch der bürgerlichen Namen der Drag Queen, Larry Paciotti, ist nicht mal Fans ihrer Filme geläufig. Ihre Filme zeigen allesamt Hardcore-Sex, schwulen, lesbischen, heterosexuellen Sex und alle Spielarten dazwischen. Wer ist der heute 44-jährige schwule Mann im Fummel, der mehr Videos verkauft hat als die meisten Regisseure aus dem jugendfreien Hollywood?

Aufgewachsen ist Chi Chi in einem Dorf namens Hibbing im ländlichen US-Bundesstaat Minnesota. Kein sehr idealer Ort für einen schwulen Jungen: "Wenn man dort zu einer Schule geht, fett ist und sich zudem etwas tuckig verhält, verarschen einen die Mitschüler andauernd", erinnert sich Chi Chi, "aber das hat mich abgehärtet und zu dem gemacht, was ich jetzt bin." Im Alter von 16 Jahren entdeckte sie ihre Berufung: Im Nachbarstädtchen Duluth war ein Kino, das ausschließlich Hetero-Hardcore-Streifen zeigte. "Der erste Film, den ich gesehen habe, hieß 'Pretty Peaches'", so Chi Chi, "das hat mich sofort zum Fan aller Frauen in der Porno-Branche gemacht. Obwohl ich schwul war, verliebte ich mich in all diese Frauen. Wahrscheinlich war ich neidisch, dass sie die ganzen Schwänze bekommen." Immer öfter fuhr sie zu diesem Kino und wurde so zur Porno-Expertin: "Ich habe bemerkt, als Colette Fox ihre Haarfarbe geändert hat und als Sharon Kane ihre Haare gekürzt hat. Für mich waren diese Frauen wirkliche Stars, die ich bewunderte. Es war, als ob ich Meryl Streep oder Diane Keaton anschaue." Kurze Zeit später zog Chi Chi nach Minneapolis: "Dort hatte ich mein Coming-out – es war nicht gerade leise. Ich war ein schwuler Mann und wurde eine Drag Queen – und ich liebte beides sofort."

In den frühen 80ern zog es Chi Chi schließlich in die Filmmetropole Los Angeles. In ihrem ersten Job dekorierte sie das Set in einem Billig-Porno – als der Kameramann gerade nicht aufzufinden war, ließ man sie hinter die Kamera: "Da habe ich einen wirklich miesen Porno gemacht. Ich hatte einfach keine Ahnung, wie das alles funktioniert." Heute weiß sie, was sie tut. Obgleich ihre Filme natürlich nicht dem "Herrn der Ringe" das Wasser reichen können, achtet sie doch auf einen Basisplot, ungewöhnliche Kameraeinstellungen und ausgefallene Settings: "Wenn man immer Hummer und Kaviar ist, wird's schließlich langweilig", erklärt sie ihre Kreativität, "der Dreh wird dadurch anstrengender, aber ich denke, dass die Zuschauer die Originalität zu schätzen wissen. Bei Schwulenpornos gab es ja immer die selbe Formel: Blasen, Lecken, Rimmen, Ficken, Kommen, in dieser Reihenfolge und keiner anderen. Ich hab versucht, davon etwas wegzukommen."

Weil sie immer als laute Drag Queen auftritt, lieben sogar die Mainstream-Medien Chi Chi. Jedoch räumt sie schnell mit dem Vorurteil auf, dass sie sich völlig von Larry Paciotti, als der sie geboren wurde, verabschiedet hat: "Nichts ist schlimmer als öfter in Drag zu sein als nötig. Ich will nicht einen Film mit juckenden Augenwimpern drehen." Sie engagiert sich auch politisch, streitet insbesondere darum, dass in allen ihren Pornos Kondome benutzt werden. Außerdem kämpft sie gegen die Wiederwahl von George W. Bush, der am liebsten sofort "Adult movies" verbieten würde. Auf der Webseite www.protectyourporn.com wirbt sie für ihre Sache. Dennoch schränkt sie ein: "Ich bin keine militante Polit-Schwuchtel, sondern bloß eine 150-Kilo-Drag-Queen."

Nach 20 Jahren in der Pornobranche hat sie alle Typen von Männern vor der Kamera gehabt. Ihr Lieblingsmann beschreibt sie so: "Ein Bursche mit Ecken und Kanten, gerne schmutzig, mit Tattoos und Haaren im Gesicht. Er kann gerne jungenhaft sein, sofern er etwas rauher ist." Die berühmte "Casting Couch" hat Chi Chi aber nicht: "Ich hab nie gesagt: 'Blaß mir einen, dann kriegst Du die Rolle'. Ich mache solche Vorstellungsgespräche noch nicht mal gerne. Natürlich werfen sich viele auf mich, aber ich denke, das ist traurig. Ich stelle sie ein, wenn sie den Job erledigen können, das ist genauso, als wenn ich einen Klempner engagiere. Wenn jemand seinen Schwanz hart kriegt und damit ficken kann, ist er mein Mann." In der Branche ist Chi Chi beliebt, weil sie übertarifliche Löhne zahlt und ihren Models den Respekt entgegenbringt, den wahre Filmstars verdienen.

ChiChi hat zuletzt neuen Bildband "Live and Raw" herausgebracht, in dem unter anderem ihren neuen Super-Stars Johnny Hazzard und Eddie Stone vorgestellt werden. Die beiden sind auch in der Galerie zu bewundern.

19. Juli 2004, 17:22 Uhr