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Eigentlich sind sich alle Experten einig: Angst ist kein guter Ratgeber, wenn es darum geht, die Verantwortung für seine eigene (sexuelle) Gesundheit zu stärken. Das gilt besonders für die HIV-Prävention. Und doch gibt es immer wieder Kampagnen, die mit der Angstkeule zuschlagen. Hierzulande sorgt regelmäßig die Michael Stich-Stiftung mit ihren Furcht-Kampagnen für Kopfschütteln (queer.de hat dem früheren Tennisprofi dafür bereits die Homo-Gurke verliehen). Und für große Aufregung sorgte der TV-Spot einer gemeinnützigen Aids-Gruppe aus Saarbrüchen, der HIV mit Adolf Hitler als Massenmörder gleichsetzte (queer.de berichtete) - ein wunderbares Beispiel dafür, wie man irrationale Ängste vor HIV-Positiven kreiert.

Das jüngste Negativ-Beispiel kommt aus New York. Die städtische Gesundheitsbehörde sah sich bemüßigt, den jüngeren Schwulen der Stadt einzubläuen, dass trotz aller tollen Medikamente, die das HI-Virus effektiv in Schach halten, auf Dauer weitere Gesundheitsrisiken wie Osteoporose, Demenz oder Analkrebs drohen.

Der Spot, der dazu derzeit im TV läuft, ist im Stile eines Trailers für einen Horrorfilm inszeniert. Unterlegt mit Gruselmusik und aufblitzenden Schockbildern prophezeit ein Sprecher mit Grabesstimme den jungen gutaussehenden Testimonials in "Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast"-Manier Fürchterliches, sollten sie es wagen, auf das Kondom zu verzichten.

Wirklich geschockt sind davon jetzt die Präventionisten. Die Gruppen "Gay Men's Health Crisis" und "Gay & Lesbian Alliance Against Defamation" schimpfen: "Die Werbung zeichnet den HIV-Patienten in düsteren Farben, was zu einer weiteren Stigmatisierung der Betroffenen führen kann." Das schwule Gesundheitsportal "Lifelube" ist entsetzt: "Das ist für alle, die mit HIV leben, absolut stigmatisierend und ganz schrecklich."



#1 SvenAnonym
  • 17.12.2010, 15:51h
  • Hmm, der Spot sagt doch nur die Wahrheit...und bei der Menge an Leuten, die mittlerweile auf Safer Sex verzichten ist sowas vielleicht hin und wieder nötig...
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#2 EnyyoAnonym
  • 17.12.2010, 15:58h
  • Was soll die künstliche Aufregung?
    Ich finde den Spot gut!

    Als AIDS immer mehr in den Blickpunkt geriet (Mitte der 1980er Jahre), gab es kaum eine Zeitschrift, in der nicht Horrorstories veröffentlicht wurden, incl. Veröffentlichung von Bildern/Filmen der seinerzeit noch sehr schnell sehr entstellt aussehenden Kranken.

    So entsetzlich das war, hat es mich und viele Leute aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis doch entsprechend aufgerüttelt und zu konsequentem Handeln veranlasst - die Infektionsrate stieg entsprechend wesentlich langsamer wie befürchtet und auch mich hat's noch nicht erwischt.

    Was die Angst angeht, war es natürlich übelst - auf der anderen Seite ist die Verharmlosung, man könne mit ein paar Pillen die Krankheit gut in den Griff bekommen bzw. die Aufforderung, Kondome zu verwenden, indem man Gummis über Obst und Gemüse stülpt, ja auch nicht gerade erfolgreich.
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#3 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 17.12.2010, 17:09h
  • In den USA ist halt alles eben anders. Während der Spot hierzulande auf positive Resonanz stößt, sind die Moralapostel in den USA schnell auf dem Plan.
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#4 SchneeflockeAnonym
  • 17.12.2010, 17:20h
  • Lassen wir Zahlen sprechen!

    Infizierte in den USA: 1,2 Mio.
    Infizierte in Deutschland: 70.000

    Jährliche Neudiagnosen in den USA: 50.000
    Neudiagnosen bei uns: 3.000

    Spricht nicht gerade für den Einsatz von Horrorfilmchen in der HIV-Prävention......
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#5 yomenAnonym
  • 17.12.2010, 17:35h

  • wenn es denn stimmt, dass ficken ohne gummi inzwischen als besonderer thrill gilt und die meinung vorherrscht, hiv/aids sei dank medikamente halb so wild, dann ist es absolut solche kampagnen zu fahen, die darüber aufklärt, wie die realität aussieht. aids ist kein spaziergang! gleichzeitig gilt selbstverständlich die uneingeschränkte solidarität mit infizierten. eben nicht schwarz/weiss- sondern sowohl als auch-denken!
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#6 herve64Profil
  • 17.12.2010, 17:59hMünchen
  • Oh, wie kann man nur offen wagen, Tatsachen auszusprechen? HIV und Aids sind natürlich Spaß, Party und Trallala!!! Das HAT es einfach VERDAMMT NOCHMAL zu sein!!! Und da kann man keine Spaßbremsen brauchen, die wirklich mal sagen, was eigentlich Sache ist, auch wenn es etliche Seropositive gibt, die bereits bei jedem Anflug in kürzesten Abständen sich Erkältungen holen oder für andere Viruserkrankungen extrem anfällig sind! Von den Aids-Vollbild-Patienten im letzten Stadium ganz zu schweigen! Hauptsache, der Funfaktor ist gesichert, gell?

    Übrigens: Wer Sarkasmus oder gar Zynismus findet, darf ihn gerne behalten.
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#7 jojoAnonym
  • 17.12.2010, 18:50h
  • ich bin ja superkritisch, was solche sopts angeht. den hier finde ich, verglichen z.b. mit dem hitler-spot, nicht so furchtbar schlimm. aber eben auch nicht besonders gut.

    die insgesamt sehr düstere stimmung des spots wird eben doch nicht nur mit der krankheit, sondern auch mit hiv-positiven menschen in verbindung gebracht werden... da hat man leider schon wesentlich übleres erlebt, aber es geht m.m.n. auch anders.

    ich denke, dass kampagnen, die nicht mit angst arbeiten - und demenstprechend auch auf düstere emotionen verzichten - langfristig effektiver sind, rein psychologisch betrachtet. solche schockkampagnen bringen erfahrungsgemäß einen kurzen aufmerksamkeits-schub. der muss aber mit nachhaltigen und _sachlichen_ informationen gefüttert werden, sonst verpufft er und hinterlässt nichts als diffuse angst.

    in diesem fall sind ja tatsächlich einige informationen drin. die angst aber, die der spot heraufbeschwört, wird sich im schlechtesten fall eben nicht nur gegen den virus, sondern auch gegen infizierte menschen wenden.

    die deutsche hiv- prävention verzichtet heute weitgehend auf solche angstkampagnen - und sie steht im internationalen vergleich ziemlich gut da. ich glaube schon, dass es da einen zusammenhang gibt.
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#8 lukasAnonym
  • 17.12.2010, 19:02h
  • When you get HIV, it's never just HIV. You're at a higher risk for dozens of diseases even if you take medications, like osteoporosis, dementia, and anal cancer.
    Das ist einfach nur die Wahrheit! Natürlich kriegt nicht jeder der HiV hat zusätzliche Erkrankungen oder hat schwere Nebenwirkungen, aber verglichen mit dem Durchschnitt der Gesamtbevölkerung ist man um einiges anfälliger was Co Erkrankungen und Langzeitirkungen von Medis betrifft.
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#9 Linu86Profil
  • 17.12.2010, 19:36hAachen
  • Antwort auf #7 von jojo
  • Ich muss dir leider widersprechen.

    "[...]der muss aber mit nachhaltigen und _sachlichen_ informationen gefüttert werden, sonst verpufft er und hinterlässt nichts als diffuse angst."

    Die sachlichen Informationen sind nur in den wenigsten Fällen das Problem. 95% der Leute wissen genau, auf welchem Wege man HIV bekommen kann, und wie nicht. Manchmal ist Angst eben das effektivste Mittel.

    Ich kann aus persönlicher Erfahrung sprechen. Ich litt lange Zeit unter schweren Depressionen ... bis ich einen Zusammenbruch hatte und nix mehr ging. In der Zeit habe ich praktisch nichts mehr gefühlt, war nur noch gleichgültig gegenüber allem und jedem. In den Jahren davor habe ich immer safer sex betrieben und wäre nie auf den Gedanken gekommen ohne Gummi zu ficken. Aber dann war mir alles egal und ich wollte einfach "irgendwas" fühlen. also hab ich auch ohne Gummi Sex gehabt, nix gefühlt dabei, weiter ohne Gummi Sex gehabt... so ging das dann weiter. Gottseidank hab ich dann irgendwann gemerkt was abgeht und angefangen Medikamente zu nehmen (Antidepressiva). Und auf einmal hats "klick" gemacht: Wow, was mache ich hier eigtl. bin ich völlig bekloppt mein Leben zu gefährden? Gottseidank ist das Ganze nochmal gut gegangen, aber ich werde diese Zeit nie vergessen. Angst ums eigene Leben ist einfach ein viel besserer Schutz als Gummis über Bananen zu stülpen...
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#10 jojoAnonym
  • 17.12.2010, 20:30h
  • Antwort auf #9 von Linu86
  • sicher hast du im einzelfall recht. es wird fälle geben, wo jemand einfach mal wachgerüttelt werden muss, um nachzudenken. aber was bei einem teil der leute effektiv sein mag, ist deswegen eben noch nicht bei der mehrheit effektiv.

    und bist du wirklich sicher, was die 95% aufklärungsquote angeht? ich bin da sehr skeptisch. ich glaube nicht, dass die wichtigsten informationen wirklich so weit verbreitet sind. ich möchte fast das gegenteil behaupten und sagen, 95% haben zwar genügend angst, aber nicht genügend informationen.

    wenn ich meine eigene situation ansehe: angst hat mich selten in eine gute richtung geführt oder mich richtige entscheidungen treffen lassen. auch was safer sex angeht. was hiv angeht, finde ich es nach wie vor problematisch, hier vor allem auf die angstkarte zu setzen. und ich glaube auch nicht, dass es vor allem das gefühl ist, hiv sei überhaupt nicht mehr schlimm, was die leute im zweifelsfall auf safer sex verzichten lässt. es sind m.e. eher unwissen, schlechte vorbereitung (keine kondome dabei) oder schlicht das kopf-aus-schwanz-an-syndrom. gegen all das hilft angst nicht.

    nicht falsch verstehen: ich finde es vollkommen richtig, darauf hinzuweisen, was hiv und aids bedeuten und welche schweren komplikationen es trotz der medikamente oft noch gibt. ich hielte es für völlig falsch, das zu verharmlosen. solche informationen sollen jedem zugänglich gemacht werden. ich halte nur nichts davon, das auf eine so suggestiv-düstere weise zu tun. es kann sachlicher passieren.
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