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Jean Genet: 19.12.1910 - 15.04.1986 (Bild: Wiki Commons / Peripitus / CC-BY-SA-3.0)

Er saß im Knast, er provozierte, aber er besaß eine poetische Gabe. Es lohnt sich, den französischen schwulen Schriftsteller neu zu entdecken.

Von Carsten Weidemann

Jean Genet - für die einen der "Orpheus der Gosse", für die anderen ein Heiliger und Märtyrer, für wieder andere ein schreibender, schockierender Trieb-Vagabund. Mittlerweile haben Genets Werke einen festen Platz in der Literaturgeschichte des 20. Jahrhunderts, und auch für den heutigen Leser bleibt die Lektüre seiner Werke eine faszinierende Erfahrung. Am 19. Dezember wäre er 100 Jahre alt geworden.

Die Veröffentlichung der Romane Genets provozierte die Kritiker der Feuilletons ebenso wie seine poetische Sprache sie anzog - die Erstaufführungen seiner Stücke waren weltweit von Skandalen begleitet. Nahezu fünfzig Jahre nach der Erstveröffentlichung der deutschen Buchausgabe von "Notre-Dame-des Fleurs", die seinerzeit einen Prozess wegen des Vorwurfs der Unzüchtigkeit nach sich zog, haben die Werke Genets inzwischen ihren festen Platz im Kanon der Weltliteratur.

Jean Genet wird am 19. Dezember 1910 als uneheliches Kind in Paris geboren. Von der Mutter ausgesetzt, wächst er bis zum 13. Lebensjahr bei Pflegeeltern im Morvan auf. Mit dem Ende der Pflegschaft beginnt die Odyssee Genets durch die verschiedenen Institutionen der öffentlichen Fürsorge, aus denen er immer wieder davonläuft bis er schließlich in der berüchtigten Besserungsanstalt Mettray landet.

Um von dort wegzukommen, verpflichtet er sich zum Militärdienst und verbringt einige Jahre als Soldat im Libanon, in Syrien und in Marokko, bevor er nach weiten Fahrten quer durch Europa nach Paris zurückkehrt. Nun schlägt er sich als Landstreicher und Bouquinist durch. Er begeht immer wieder kleinere Diebstähle und wird mehrmals zu Gefängnisstrafen verurteilt, wegen deren Summierung ihm 1948 lebenslange Sicherheitsverwahrung droht. Cocteau, Sartre, Picasso, Claudel - fast die gesamte intellektuelle Elite Frankreichs verwendet sich für seine Begnadigung.

Youtube | „Un Chant d’Amour“ (Ein Liebesgesang) ist ein Kurzfilm von Jean Genet aus dem Jahr 1950, der wegen der Sexszenen zunächst verboten wurde. Die Story: Zwei Häftlinge lieben sich, beobachtet durch einen eifersüchtigen Wärter.

Die Welt homosexueller Außenseiter glorifiziert

Im Gefängnis hatte Jean Genet zu schreiben begonnen. Am Anfang seines Werkes stehen das Gedicht Le Condamné à mort (1942) und der Roman Notre-Dame-des-Fleurs (1943). Weitere Prosawerke, in denen eine Welt homosexueller Außenseiter glorifiziert wird, folgen nur kurze Zeit später (Miracle de la Rose, Pompes Funèbres, Querelle de Brest, Journal du Voleur). Genets Sprache ist zugleich brutal, provozierend und von großer lyrischer Schönheit.

Ende der 40er Jahre wendet sich Genet dem Theater zu. Die Bühnenwerke Haute Surveillance, Les Bonnes, Le Balcon, Les Nègres und Les Paravents, Genets scharfer Kommentar zum Algerienkrieg, machen ihn um 1960 weltberühmt und gehören heute zu den Klassikern des zeitgenössischen Bühnenrepertoires.

1983 wurde Jean Genet, der in seiner zweiten Lebenshälfte vor allem politische Essays verfasste und sich immer wieder für politisch-ethnische Minderheiten wie die Black Panthers und die Palästinenser einsetzte, mit dem Französischen Nationalpreis ausgezeichnet. Er starb am 15. April 1986 in Paris. Der Merlin-Verlag aus dem kleinen Gifkendorf hat vor ein paar Jahren die große Aufgabe übernommen, sämtliche Werke Genets neu zu editieren und zu veröffentlichen. Derzeit sind sieben Bände der in dunkelblau gehaltenen Werkausgabe erhältlich. Auch in der deutschen Übersetzung erschließt sich die poetische Gabe des schwulen Schriftstellers. Es lohnt sich, sie für sich zu entdecken.



#1 FoXXXynessEhemaliges Profil
#2 I.Ramos GarciaAnonym
#3 FloAnonym
  • 21.12.2010, 13:32h
  • Der Film lief vor ein paar Jahren mal bei Arte in voller Länge (ca. 25 Minuten) bei einem schwulen Themenabend.

    War sehr sehenswert und künstlerisch wertvoll.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 EnyyoAnonym