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Mann kommt sich näher.... (Bild: X-Verleih)

Regisseur Tom Tykwer variiert die klassische Dreiecksbeziehung in seiner Komödie auf eine ganz neue, frische Weise. Jetzt im Kino.

Von Carsten Weidemann

Eins und eins ergibt in der Regel zwei. Und manchmal auch drei. Und bisweilen sogar fünf: Lässig und konzentriert erzählt Tom Tykwer in seinem neuen Film "Drei" von einer außergewöhnlichen Love Story, und erweist sich dabei erneut als Meister über Zufall und Schicksal.

Die Handlung: Hanna (Sophie Rois) und Simon (Sebastian Schipper) begegnen sich zufällig eines Herbsttages vor ihrer eigenen Haustür in Berlin-Kreuzberg. "Du siehst aber gut aus", stellt Hanna ganz überrascht fest. "Du auch", findet Simon - Liebe macht eben schön. Dabei sind die die Journalistin und der Kunsttechniker bereits seit 20 Jahren ein Paar. Verliebt sind sie, jedoch längst nicht nur ineinander. Hanna liebt einen anderen Mann, Simon auch. Dass es derselbe ist, davon ahnen sie nichts.

Ihre eigene Lebensgemeinschaft hat alle Höhen und Tiefen durchlebt. Sie sind kinderlos geblieben und immer noch unverheiratet. Und trotz vieler Reibungen, Enttäuschungen und Widersprüche verstehen sie sich viel zu gut, um ihre Beziehung zu opfern. Simons Firma führt Entwürfe für Bildende Künstler aus, Installationen, Skulpturen. Die Auftragslage ist schlecht, doch Simon hat andere Sorgen: beim Urologen wird ihm ein beunruhigender Verdacht mitgeteilt.

Hanna ist Moderatorin der anspruchsvollen Fernsehsendung "Kulturgut" und Mitglied im Deutschen Ethikrat. Zwar beschäftigen sie während eines Vortrags des Stammzellenforschers Adam Born (Devid Striesow) Gedanken an leicht verwirrende Fotografien von Jeff Koons. Dennoch zeigt sie sich streitbar und stellt dem Fachmann kritische Fragen zur Ethik der Chimärenforschung. In einem Kreuzberger Restaurant in der Nähe ihrer Wohnung versackt Hanna am späteren Abend mit Freunden. Als sie um zwei Uhr morgens nach Hause kommt, sitzt Simons Mutter Hilde (Angela Winkler) in der Küche und verkündet unvermittelt, sie leide an Bauchspeicheldrüsenkrebs, unheilbar. Simon ist entsetzt. Zwei Wochen später hilft Hilde dem Tod mit 39 Valiumtabletten nach.

Youtube | Der offizielle Kinotrailer

Zwei Männer, eine Frau, ein Dreieck

Im Mauerpark begegnet Hanna Adam Born wieder, der dort mit seinen Görlitzer Freunden Fußball spielt. Spontan besuchen die Österreicherin und die Ostdeutschen ein Spiel des 1. FC Union Berlin. Währenddessen sucht Simon erneut seinen Arzt auf, der eine sofortige Operation empfiehlt. Am Ende des Tages verschlägt es Hanna in Adams Wohnung, wo sie nach einem ebenso komischen wie vergeblichen Fluchtversuch schließlich in dessen Bett landet. Und auf dem Operationstisch liegend erkennt Simon in der Arzthelferin eine frühere Geliebte wieder, die ihm offenbart, dass sie vor 17 Jahren sein Kind abgetrieben hat.

Auf der Trauerfeier für Hilde liest Simon aus ihrem Lieblingsgedicht - Hesses "Stufen": "Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde / Uns neuen Räumen jung entgegensenden". Später geht er mit Hanna Currywurst essen. Sie erinnern sich an ihren ersten Kuss und beschließen endlich zu heiraten. Im Schwimmbad begegnet Simon Adam. Sie schwimmen um die Wette. Simon erzählt von seiner Operation. In der Umkleidekabine nähert sich Adam dem verdutzten Simon. Beim spontanen Sex bleibt es nicht. In der Folge zieht es Simon immer wieder zurück zum Schwimmbad und zu dem geheimnisvollen Adam, der unbekannte Regungen in ihm geweckt hat.

Heimlich setzen sowohl Hanna als auch Simon ihre Affären mit Adam fort. Ein Mann, eine Frau, ein Mann. Drei Liebesgeschichten. Keiner der drei Beteiligten ahnt etwas von der Beziehung, die die beiden anderen miteinander führen. Doch alle drei blühen dabei auf, und ganz besonders profitiert davon die eingefahrene Beziehung von Hanna und Simon. "Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise, / Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen." Adam Born ist aber nicht der mysteriöse Eindringling, der Katalysator unterdrückter Begierden wie der skrupellose Verführer in Pasolinis "Teorema". Er hat Geschichte, ist aus Fleisch und Blut, selbst ein Suchender, ein Mann mit vielen Interessen, Facetten und Verpflichtungen: Vater eines pubertierenden Sohnes, Fußballer, Schwimmer, Segler, Judokämpfer, Chorsänger - und natürlich Forscher. In gewissem Sinne trifft das auf alle Protagonisten des Films zu: sie erforschen ihre Möglichkeiten, durchbrechen Schranken, stellen ihr Leben in Frage.

Auch literarische Vergleiche greifen zu kurz. Tom Tykwers Drei-Personen-"Reigen" verzichtet auf den Moralismus des Schnitzlerschen Dramas ebenso wie auf den Wehmut von Rochés "Jules und Jim". Am ehesten ist DREI wohl mit Ernst Lubitsch und dessen "Design for Living" verwandt, der ebenso komisch, emphatisch und selbstverständlich gesellschaftliche Konventionen herausforderte.



#1 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 23.12.2010, 18:56h
  • Dreiecksgeschichten sind ja nichts Neues und alles läuft immer auf dasselbe hinaus!
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#2 chrisProfil
  • 23.12.2010, 20:33hDortmund
  • Ich hatte bereits vor Tagen im ZDF eine, für Hetero-Verhältnisse, wirklich grandiose Kurzreportage über den Film Drei gesehen. In dieser Reportage stellte sich die Reporterin die Frage, ob es denn wirklich immer die klassische Zweierkiste sein muss oder ob andere Beziehungs- und Sexualmodelle dem Menschen nicht viel mehr entsprechen. Hier kamen auch Leute zu Wort, die meiner Meinung nach ein paar echt gute Argumente drauf hatten und das Vorurteilsfrei. Da muss ich dem ZDF mal wirklich ein enormes Kompliment hinterlassen.

    Ich hätte den Beitrag ja verlinkt aber ich finde ihn nicht mehr in der Mediathek.
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#3 hüsteltAnonym
#4 felixbAnonym
#5 HannibalEhemaliges Profil
#6 Leo20mal6Anonym
  • 23.12.2010, 23:01h
  • Dieses “Bi-Gefühl” ist sehr geil und schwer vermittelbar.

    Die Idee am Anfang des Trailers ist, befürchte ich, das Beste im Film...

    Leo
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#7 Leo20mal6Anonym
  • 23.12.2010, 23:53h
  • Antwort auf #5 von Hannibal
  • also hab ich gut getippt. tykwer schwächelt seit lola, und das war 1999. er will, kann aber nicht...

    abgesehen davon ist mir die besetzung zu pseudo-authentisch unerotisch, gucke lieber weiter hot bi-threesomes.

    hehe, youporn killt sogar den deutschen film...

    LEO
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#8 eMANcipation*Anonym
  • 24.12.2010, 00:17h
  • Ach ja, die immergleichen Hetero-Stories, in denen Homosexualität allenfalls als temporäres Anhängsel vorkommt, weil schwule Liebe und schwule Partnerschaft "allein" ja nicht darstellungswürdig sind.

    Haben wir uns an diese totale Trivialisierung und Marginalisierung schwuler Identität eigentlich schon so gewöhnt, dass wir gleich jeden Häppchen à la "Hauptsache auch irgendwie dabei" bejubeln?

    Im gesamten öffentlich-rechtlichen Fernsehen ebenso wie im Mainstream der Film-, Pop- und Musikindustrie kommen insbesondere junge Schwule und deren Sexualität, Liebe und Partnerschaft praktisch überhaupt nicht vor,

    und dann klatschen wir Beifall, wenn mal eine Hetero-Romanze durch "bisexuelle" Einlagen aufgepeppt wird?!

    Da wir selbst offenbar nicht nach Besserem verlangen, brauchen wir uns wahrlich nicht zu wundern, dass sich die Gesellschaft (wieder) genau dorthin bewegt:

    Homosexualität allenfalls als untergeordnetes, minderwertiges Kuriosum, das zur Zementierung der zwangsheterosexuellen Welt dient.
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#9 eMANcipation*Anonym
  • 24.12.2010, 00:21h
  • Antwort auf #7 von Leo20mal6
  • Wir kennen inzwischen deine Porno-Vorlieben zur Genüge. Brauchst du das irgendwie zur "Selbst"vergewisserung, oder wen versuchst du mit deiner Hörigkeit gegenüber den gesellschaftlich indoktrinierten heterosexuellen Symbolen und Ritualen eigentlich zu beeindrucken?
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#10 eMANcipation*Anonym
  • 24.12.2010, 01:28h
  • Antwort auf #2 von chris
  • Das ZDF täte ebenso wie alle öffentlich-rechtlich Sender, einschließlich Kinderkanal, gut daran,

    statt netter Berichte über Dreiecksbeziehungen

    endlich mal eine auch nur minimal angemessene Repräsentation schwuler und lesbischer Protagonisten im Hauptabendprogramm sicherzustellen.

    Selbst bei den rein kommerziellen fünf großen US-Sendern beträgt der betreffende Anteil inzwischen rund 5%, während wir hierzulande bei ARD und ZDF bei wenig über 0% liegen!

    Wohlgemerkt mit unser aller Gebührengelder!

    Der ebenfalls gebührenfinanzierte "Kinderkanal" bringt von morgens bis abends nichts anderes als heteronormative Beziehungskisten oder Shows, in denen beständig vorgestrige Geschlechterklischees und sexuelle Identitätszuweisungen befördert werden.

    Was da abläuft, ist ebenso skandalös wie verheerend, und interessiert mich als schwuler Mann weitaus mehr als nette Dreiecksgeschichten fürs heterosexuelle Publikum!

    Warum bekommen wir in diesem Land nicht einmal das hin, was selbst in den USA selbstverständlich ist? Leider wird es wohl auch dieses Mal keine Antworten und Reaktionen auf folgenden Link geben, obwohl er für uns alle so wichtig ist:

    www.glaad.org/
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