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Viele Sextoys enthalten Schadstoffe - doch es fehlen gesetzliche Regelungen für gesundheitlich vertretbare Maximalwerte

Von Norbert Blech

Wer im Sexshop in der Dildo-Abteilung steht, hat die Qual der Wahl. Nicht nur Formen und Größen variieren stark, auch die eingesetzten Materialien unterscheiden sich. Hier lohnt ein genauer Blick, denn nicht alle Stoffe sind für jeden geeignet, manche können sogar der Gesundheit schaden.

So veröffentlichte das Magazin Ökotest im Jahr 2006 die Ergebnisse von Schadstofftests bei 22 Vibratoren für Frauen. Die einzige Überschrift, die den Redakteuren zu dem Bericht einfiel, lautete: "Dreck am Stecken". Fast die Hälfte aller untersuchten Vibratoren strotzte vor Schadstoffen. Auch der Stern hatte im Jahr 2001 über Untersuchungsergebnisse des Kölner ECO-Umweltinstituts berichtet, das diverse Toys getestet hatte. In beiden Testreihen hatte man gerade bei den weichen Kunststoffspielzeugen außerordentlich hohe Konzentrationen des Weichmachers Phthalat (sowie von Lösemitteln wie Toluol) entdeckt, auch ein Test von Greenpeace in den Niederlanden fand die unerwünschten Verbindungen. Phtalate sind in Kinderspielzeugen verboten, da sie (unter anderem!) krebserregend sind und Männer unfruchtbar machen können (da sie wie weibliche Hormone wirken).


Sieben von acht Sextoys enthalten hohe Menge gesundheitsschädlicher Phthalate (Bild: Wiki Commons / Vanessa Jasmin / CC-BY-SA-3.0,2.5,2.0,1.0GFDL)

Gefunden wurden auch die chemischen Verbindungen DBT und TBT, die hochgiftig sind und bei denen bereits kleinste Mengen ausreichen, um Immun- und Hormonsystem von Tieren sowie vermutlich auch des Menschen zu beeinträchtigen. In einigen Fällen wanderte antimikrobiell wirkendes Phenol in größeren Mengen aus den Produkten heraus. Die Substanz wird gut durch die Haut aufgenommen und kann zu Nervenstörungen führen. Viele Stoffe aus der Gruppe der polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK) gelten als krebserregend. Auch sie wurden entdeckt. Und auch bei phosphororganischen Verbindungen schlug der Zeiger aus. Sie werden in der Regel gut von der Haut aufgenommen, wirken häufig nervengiftig und sind unter Umständen krebserregend.

Leider gibt es anders als beim Kinderspielzeug keine gesetzlichen Regelungen für gesundheitlich vertretbare Maximalwerte, und es fehlt eine Behörde, die auf Unbedenklichkeit hin prüft um anschließend ein Gütesiegel auszustellen. Und nicht immer steht auf den Verpackungen, welche Bestandteile zur Produktion verwandt wurden.


Wer im Laden einkauft, und die Möglichkeit hat, Verpackungen zu öffnen, kann bereits mit der Nase eine Auswahl treffen (Bild: Wiki Commons / Eva K. / GFDL-1.2)

Doch kann man beim Kauf bereits auf das Material achten. Die knallig bunten, oft durchsichtigen Dildos, die häufig mit dem Attribut "Jelly" versehen sind und die meisten hautfarbenen Weichplastikmodelle, die statt aus dem angegeben Latex oft aus Kunststoffschaum bestehen, enthalten Weichmacher und Lösungsmittel in unterschiedlicher wie meist unbekannter Menge. Dildos aus echtem Silikon, Naturlatex, Glas, Hartplastik, Holz oder Edelstahl sind in der Regel schadstoffarm (viele Toys enthalten trotz der Aussage auf dem Aufdruck EPD-Kautschuk statt Silikon, die kleine Täuschung bewirkt aber keine Gesundheitsgefahr).

Wer im Laden einkauft, und die Möglichkeit hat, Verpackungen zu öffnen, kann bereits mit der Nase eine Auswahl treffen. Je penetranter chemisch es riecht, desto höher die Belastung. Leider sind die Toys meistens in rundum verschweißte Kunststoffschalen eingebettet. Was aus hygienischen Gründen sinnvoll ist, verhindert hier den Riechtest. Zusätzlich auf die Verpackungsangaben achten oder den Verkäufer fragen. Wer die Schadstoffbilanz seiner Toys nicht kennt und auf Nummer sicher gehen will, sollte zumindest ein Kondom drüberstülpen. Doch auch das hilft nicht komplett: Phthalate etwa können durch das Latex gelangen



25 Kommentare

#1 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 26.12.2010, 12:08h
  • In diesem Jahr gab es schon zwei Skandale mit den Weichmachern: der eine bei einem in Deutschland bekannten Ein-Euro-Ramschartikelanbieter sowie der andere bei einem in Deutschland wegen seiner Hungerlöhne bekannten Textilramschdiscounter, für den Verona Pooth einmal Werbung machte.

    Bei beiden kaufe ich sowieso nie ein!
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#2 Toy JoyAnonym
  • 26.12.2010, 15:14h
  • Solange solche Artikel als peinlich gelten und in die Schmuddel-Ecke geschoben werden, wird der kritische Umgang damit verhindert.

    Wer würde wohl giftig ausgasende Kleidung oder Möbel kaufen, wenn er über deren Schädlichkeit informiert ist?

    Besonders übel ist, dass die Darmschleimhaut besonders aufnahmefähig für solche Giftstoffe ist, die sie dann schnell in den Blutkreislauf bringt.

    Lasst Euch nicht vergiften oder mit weiblichen Hormonen (viele sog. Weichmacher kann man in diesem Zusammenhang durchaus wörtlich nehmen!) "kastrieren"!
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#3 schwulenaktivist
#4 Toy JoyAnonym
  • 26.12.2010, 18:48h
  • Antwort auf #3 von schwulenaktivist
  • "Auch hier gilt einfach und konsequent: Einen Gummi drum!"

    Schon klar, lieber 'schwulenaktivist' - trotzdem, wie Norbert Blech bereits im Artikel schrieb: "... Doch auch das hilft nicht komplett: Phthalate etwa können durch das Latex gelangen ..."
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#5 De_Gelderlander
  • 26.12.2010, 19:30h
  • Antwort auf #1 von FoXXXyness
  • ".... Bei beiden kaufe ich sowieso nie ein!...." Das ist aber schön für dich das Du dir nur Edelboutiquen leistest. Jedoch solltest Du bedenken, das es in unserem reichen Land Millionen Menschen gibt, denen garnichts anderes übrig bleibt, als dort einzukaufen oder wie erklärst Du Dir das ein Discounter nach dem anderen neu eröffnet?
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#6 De_Gelderlander
  • 26.12.2010, 19:33h
  • Weichmacher sind durchaus üblich. Jedoch gibt es da auch große Unterschiede, denn die in diesen - zumeist in China produzierten Artikeln - enthaltenen sind in der Anschaffung am günstigsten. Das garantiert einen hohen Profit.

    Auch bei Spielzeug für Kinder wird jedes Jahr aufs neue darüber gesprochen, die Schadstoffgrenzwerte zu erhöhen oder zumindest auch mal durchzusetzen.

    Es geschieht jedoch nichts, da die Industrie eine sehr starke Lobby in der Politik hat.
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#7 chrisProfil
  • 26.12.2010, 19:51h Dortmund

  • Mh, dann werde ich mich jetzt wohl neu eindecken müssen. Bei einigen der beschriebenen bin ich mir jetzt nicht mehr so sicher.
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#8 MinkAnonym
#9 Friedrich1982Anonym
#10 FloAnonym
  • 27.12.2010, 10:01h
  • Die EU will ständig alles kontrollieren und regulieren. Manchmal ist das sinnvoll und zum Nutzen der Bürger, andere male schießen sie weit übers Ziel hinaus (z.B. Krümmungsgrad von Bananen und Gurken, etc.).

    Aber ausgerechnet bei diesem Thema, wo es direkt um die Gesundheit der Benutzerinnen und Benutzer geht, gibt es keinerlei Regulierung und Kontrolle... Ist das nur, weil es hier um Sex-Toys geht?
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