Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?13458

Eines muss man "Bild" lassen, ihre Redakteure sind fast so erfinderisch bei ihren Überschriften wie die "taz". Die Monatszeitschrift "Männer" als "Schniedel-Magazin" zu titulieren, erregt Aufsehen. Ansonsten ist der Aufreger aber doch eher heiße Luft.

NRW-Landesmutti Hannelore Kraft gab dem beim Berliner Gmünder-Verlag erscheinenden Magazin ein Interview und plauderte über den Aktionsplan der rot-grünen Landesregierung gegen die Diskriminierung von Schwulen und Lesben. Die Januarausgabe ist erschienen und nun scheint kein Mensch im Büro der Landeschefin geahnt zu haben, in welchem Umfeld der Text erscheint. Vermutet zumindest Bild und zitiert einen Sprecher: "Die anderen Beiträge in dem Blatt waren uns zu dem Zeitpunkt nicht bekannt."

Das Boulevardblatt echauffiert sich: "In Wort und Bild geht's dort alles andere als jugendfrei ab. Mehrfach sind Genitalien zu sehen, auch Männer, die mit ihren Samenergüssen spielen. [...] Noch offener sind nur die Fotos von Pornostars beim Oralverkehr." Nach solch interessanten Versprechungen haben wir natürlich in der Redaktion das frei im Bahnhofsbuchhandel erhältliche Magazin nochmal von vorne bis hinten durchsucht und waren schwer enttäuscht: Keine Männer, die mit ihrem Sperma spielen, und die wenigen sichtbaren Genitalien folgen den Gesetzen der Schwerkraft: sie hängen nach unten. Dafür gibt es einen Artikel über das Werk des Künstlers Larry Clark, in dem es unter anderem über die Definition von "Jugendgefährdung" geht.

Also wenn jetzt Hannelore Kraft beim Oralverkehr mit den Pornostars und anschließenden Spermaspielen abgelichtet worden wäre, dann hätten wir die Aufregung verstanden. So müssen wir vermuten, dass in der "Männer"-Redaktion jemand sitzt, der einen befreundeten Kollegen in der "Bild"-Redaktion dazu hat animieren können, dass das Tittenblatt einen schönen PR-Aufreger um das Schniedel-Magazin lanciert. (cs)



#1 CarstenFfm
#2 SimoneAnonym
#3 herve64Profil
  • 06.01.2011, 18:11hMünchen
  • Dass ausgerechnet Deutschlands größtes Tit(t)elmagazin BILD das Maul soweit aufreißt, ist ja wohl die größte Frechheit. Wie lautete heute die Titelseite in fetten Balken: "Katja Riemann: Meine Titten sind in Ordnung"?

    Anders ausgedrückt: jedes Kind kann an den einschlägigen Zeitungskästen vorbeigehen und die Gossenvokabel "Titten" lesen bzw. erkennt sie auf Grund der Schriftgröße schon von Weitem. Wo bitteschön bleibt DA der Jugendschutz? Es ist doch nur noch verlogen, so etwas!
  • Antworten » | Direktlink »
#4 KonstantinEhemaliges Profil
  • 06.01.2011, 18:13h
  • "...auch Männer, die mit ihren Samenergüssen spielen."

    Lecker! Aber ich habe das Bild leider auch vergeblich gesucht!
    Schade!
  • Antworten » | Direktlink »
#5 HumorlosAnonym
  • 06.01.2011, 20:44h
  • Ausgerechnet die schlüpfrige BILD, die sich sonst selbst gern heterosexistisch auf unterstem Niveau gibt....lächerlich!

    Aber klasse, dass Hannelore Kraft der "Männer" ein Interview gibt!
  • Antworten » | Direktlink »
#6 eMANcipation*Anonym
  • 06.01.2011, 21:49h
  • Man muss sich das mal vor Augen führen:

    Wir leben in einer Gesellschaft, in der rund um die Uhr die totale Heteropornographisierung stattfindet - nicht zuletzt in den vielen "Lifestyle"-Magazinen, die sich an die junge Zielgruppe wenden.

    Aber wenn eine Politikerin ausnahmsweise mal in einem Magazin für Schwule ein Interview zum Schutz des Lebensrechts vor allem junger Homosexueller gibt, nimmt dieses Hetzblatt das gleich zum Anlass, die niedersten homofeindlichen Reflexe zu bedienen.

    Skandalöse und menschenverachtende Stimmungsmache, billigsten Heterosexismus und offenbar tiefsitzende Homophobie sollte man unbedingt als solche benennen!
  • Antworten » | Direktlink »
#7 seb1983
  • 06.01.2011, 22:39h
  • Moral und Anstand mal wieder angeprangert von Deutschlands größtem Volksaufklärer, und auf Seite 1 sucht Janina wieder ihren BH, na wo sie den wohl wieder verloren hat? Vermutlich da wo auch die Selbsterkenntnis von BILD steckt
  • Antworten » | Direktlink »
#8 LorenProfil
  • 06.01.2011, 23:26hGreifswald
  • Mmh, sollte mir entgangen sein, wie sich "Bild" echauffierte, als Guido Westerwelle passend zur Bundestagswahl in der "Männer"-Ausgabe 09/09 ein Interview gab und sich dafür auf der Titelseite abbilden ließ? Oder war das für die "Bild" -Sittenwächter zwecks Wahlkampfhilfe für Schwarz-Gelb dann doch gerade noch akzeptabel bzw. "politisch korrekt" ? Tja, Medien machen Meinungen und "Bild" bisweilen Stimmung.

    Westerwelle äußerte übrigens damals u.a. folgendes:
    "Ich engagiere mich seit vielen Jahren gegen die Diskriminierung von gleichgeschlechtlichen Lebensweisen." (S. 16)
    Es soll schwule Wähler gegeben haben, die dies für glaubhaft hielten.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 1_2_3Anonym
#10 herve64Profil
  • 07.01.2011, 09:21hMünchen
  • Antwort auf #6 von eMANcipation*
  • Da geb ich dir voll und ganz Recht. Übrigens habe ich eine Beschwerde gegen die BLÖD-Zeitung beim Deutschen Presserat angeleiert. Der Inhalt hierzu:

    "Es ist m. E. eine Ehrabschneidung allererster Güte, wenn ein Magazin wie "MÄNNER", das sich in erster Linie an homosexuelle Männer richtet, als "Schniedel-Magazin" verunglimpft wird. Ein derartiges Verhalten diskreditiert eine Minderheit im Allgemeinen, diskriminiert Männer schlechthin bzw. deren primäres Geschlechtsorgan, ist stilistisch unhaltbar und zudem verantwortungslos, weil es unterschwellig eine ablehnende bis zuweilen aggressive Haltung gegenüber homosexuellen Männern produziert und somit volksverhetzend ist. Zudem ist es eine verlogene Heuchelei, wenn in der selben Ausgabe, vor allem auf Seite 1 der gedruckten BILD-Zeitung, in großen Balken die Headline prangt "Freches Busen-Interview Katja Riemann: „Meine Titten sind ganz gut“". Letztere Titelzeile ist zudem aus Gründen des Jugendschutzes untragbar: jedes Kind kann schließlich an den einschlägigen Zeitungskästen vorbei laufen und dabei in großen, fetten Lettern die Gossenvokabel "Titten" lesen bzw. erkennt sie auf Grund der Schriftgröße schon von Weitem.
    Aus diesen Gründen halte ich eine Schelte dieser Zeitung für unabdingbar."

    Sollte jemanden noch etwas Anderes dazu einfallen, einfach beim Presserat nachschießen, bitte, und zwar möglichst zahlreich. Je mehr sich beschweren, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich etwas tut. Auf jeden Fall können wir so etwas nicht auf uns sitzen lassen und einfach stillschweigend hinnehmen.
  • Antworten » | Direktlink »