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So sieht die Webseite einer unmoralischen Gruppe aus, die Prostitution betreibt. Meinen einige wenige.

Ein Strafgericht der Stadt Bursa im Nordwesten der Türkei hat die Homogruppe "Gökkuşağı" (Regenbogen) verboten. In seinem Urteil vom 2. Januar begründete das Gericht die Entscheidung in erster Instanz damit, dass die Gruppe Prostitution betrieben habe.

Mit diesem Argument war die Gruppe 2008 auf Betreiben des Gouverneurs angeklagt worden, nachdem sie schon länger als "unmoralisch" im Visier der Behörden war; zeitgleich waren damals 16 Mitglieder kurzzeitig verhaftet worden. Eine Genehmigung, ein Café zu betreiben, war der Gruppe für Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transgender zuvor verweigert worden. Ausdrücklich nicht an der Verfolgung beteiligte sich der örtliche Staatsanwalt, der in Medien äußern ließ, Homosexualität sei kein Verbrechen und gehöre nicht verfolgt.

Der Vorsitzende der Gruppe, Öykü Evren Özen, wies in Medienberichten die Vorwürfe zurück und kündigte Berufung gegen die "traurige Entscheidung" an. Auch werde die Gruppierung, ggf. unter neuem Namen, weiterhin Treffen abhalten. Ein Anwalt von "Gökkuşağı" sagte dem Magazin "Gay Middle East", selbst wenn einzelne Mitglieder Prostitution betrieben hätten, hätte das juristisch und auch sonst nichts mit der Gruppe zu tun.

Öykü Evren Özen selbst wurde von dem Vorwurf freigsprochen, gegen ein Gesetz über die Organisation von Gruppen verstoßen zu haben. Ihm hatten bis zu drei Jahre Haft gedroht.

Am Ende siegt die Bewegung

Die Türkei ist Mitunterzeichner der Europäischen Menschenrechtskonvention und des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte. Doch Homogruppen haben einen schweren Stand: 2005 hatte der Gouverneur von Ankara versucht, die Gruppe Kaos verbieten zu lassen, scheiterte aber an Gerichten (queer.de berichtete).

Vor zwei Jahren folgte ein Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft und verbat "Lambda Instanbul" (queer.de berichtete), in späteren Instanzen wurde das Verbot wieder aufgehoben. In letzter Instanz konnte sich auch die "Black Pink Triangle Association" aus Izmir gegen eine Schließung aufgrund von "Unmoral" durchsetzen. (nb)



13 Kommentare

#1 goddamn. liberalAnonym
  • 06.01.2011, 17:45h
  • "Ausdrücklich nicht an der Verfolgung beteiligte sich der örtliche Staatsanwalt, der in Medien äußern ließ, Homosexualität sei kein Verbrechen und gehöre nicht verfolgt."

    Riecht nach einem Konflikt zwischen der auch mit EU-Hilfe zurückgedrängten alten kemalistischen Elite (linker Flügel) und frommen AKPlern, die allmählich den Justiz- und Staatsapparat der Türkei unterwandern, mit dem Ziel, das Land in eine Art sunnitischen Iran zu verwandeln...

    Dazu eine der dümmsten poltischen Aussagen der letzten Jahrzehnte, natürlich von einem Christdemokraten:

    "In seinem Bericht vom 25. März 2003 erwähnte der niederländische Europaparlament-Abgeordnete Arie Oostlander: „Der Kemalismus ist ein Hinderungsgrund für einen EU-Beitritt der Türkei.“"
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#2 gleichberechtiguAnonym
#3 morukAnonym
#4 Ilovelife
  • 06.01.2011, 21:04h
  • "Berlin muss ja sauber sein wenn der Papst zu besuch kommt!"

    Aha. Interessant. Anstelle des Mutschmanns wird dann vermutlich eine neue Mauer hochgezogen, diesmal allerdings in Schöneberg, wo sich der klerikale Mob dann unbeobachtet mit Minderjährigen vergnügen kann
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#5 MarekAnonym
  • 06.01.2011, 22:09h
  • Und die wollen in die EU...

    Wir haben mit Polen, den Balten, etc. schon genug Homohasser in der EU. Wenn wir auch noch die Türkei aufnehmen, sind die Homohasser mächtig genug, um EU-weit Dinge zu blockieren oder gar zu verschlechtern.

    Und dann immer diese vorgeschobenen Argumente; die halten die Leute auch noch für dumm...
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#6 antihomophobiaAnonym
  • 06.01.2011, 23:03h
  • Antwort auf #5 von Marek
  • Ähm, Homosexualität ist in der Türkei nicht illegal....

    Jedoch ist es so, das es Homohasser überall gibt. Erinnere dich einfach mal an die Homophoben Spinner in der FDP, als Guido geheiratet hat.

    Homophobie ist eben KEIN Problem irgendeines Landes oder nur einer bestimmten Religion.
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#7 MarekAnonym
  • 06.01.2011, 23:55h
  • Antwort auf #6 von antihomophobia
  • Das weiß ich wohl.

    Aber:
    Justiz, Politik und Verwaltung finden in der Türkei eben immer neue Vorwände, Homogruppen zu verbieten, Homosexuelle zu inhaftieren, etc.

    Das ist ja etwas ganz anderes, als wenn hierzulande in einer Partei oder sonstwo homophobe Schwachmaten sind, die aber eben nicht veranlassen können, dass hier Homogruppen verboten werden, Homosexuelle ins Gefängnis kommen, etc.

    Homophobie findet man (fast) überall. Aber in der Türkei ist sie immer wieder staatlich legitimiert. Da ist ein riesiger Unterschied zwischen de jure (Homosexualität nicht illegal) und was wirklich de facto geschieht.

    PS: Mein Freund ist Türke, deswegen weiß ich sehr wohl, was da abgeht und meine Meinung hat nun wirklich nichts mit Rassismus oder so zu tun. Aber wenn selbst mein Freund die Türkei nicht in der EU sehen will, ebenso wie Amnesty International (!!), sollte einen das nachdenklich stimmen!
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#8 De_Gelderlander
  • 07.01.2011, 08:07h
  • Antwort auf #7 von Marek
  • "...Justiz, Politik und Verwaltung finden in der Türkei eben immer neue Vorwände, Homogruppen zu verbieten, Homosexuelle zu inhaftieren, etc...."

    Ähm, sprichst Du da wirklich von der Türkei oder vielleicht von der BRD, der Schweiz, Österreich, etc.?

    Wenn ich mich recht erinnere, gab es in der jüngsten Vergangenheit immer wieder Fälle, wo Schwule Discos, Saunen, Clubs unter fadenscheinigen Argumentationen geschlossen wurden.

    Daher ist das kein rein Türkisches Problem.

    Und: Es ist vermehrt - vor allem in den Staaten BRD, Österreich - zu beobachten, das es wieder eine härtere Gangart gegen Homosexuelle gibt. So werden diese immer wieder unter fadenscheinigen und herbeigeredeten Argumentationen von ihren angestammten Plätzen vertrieben.

    Gerade in Verbindung mit der Aufdeckung der Mißbrauchsfälle in Duitsland ist auch in der Presse zu beobachten, das Schwul=Kinderschänder wieder Populär ist.

    Und, das diese Parteien NOCH keinen Einfluß haben ist gut, wir sollten uns aber nicht in Sicherheit wiegen.

    In den Niederlanden haben auch viel Schwule Wilders gewählt, die überwiegende Mehrheit bereut dies inzwischen.
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#9 MarekAnonym
  • 07.01.2011, 12:25h
  • Antwort auf #8 von De_Gelderlander
  • In den von Dir genannten Ländern (u.a. Deutschland) braucht man als Schwuler keine Angst zu haben, ins Gefängnis zu kommen, weil man schwul ist. Es ist auch keine Homogruppe, Coming-Out-Gruppe, AIDS-Hilfe-Gruppe, o.ä. verboten worden.

    Es hat regional z.B. Schließungen schwuler Saunen gegeben. Und vielleicht auch einer schwulen Disco. Aber auch andere Discos, etc. wurden geschlossen, wenn dort Vorschriften zu Brandschutz, Fluchtwegen, Lärmschutz, etc. missachtet wurden oder bei Hygiene, Lebensmittelsicherheit, etc. geschlampt wurde.

    Und der gravierende Unterschied ist: wenn eine Schließung nicht gerechtfertigt war, hast Du alle rechtsstaatlichen Möglichkeiten, das anzufechten. Versuch das mal in der Türkei, viel Spaß dabei... Gerade die türkische Justiz hat oft sehr seltsame Vorstellungen von Rechtsstaatlichkeit, wo der Fall Marco W. vorletztes Jahr nur mal einen kleines Auszug gezeigt hat.

    Bei uns wurde z.B. eine Kneipe in einem Wohngebiet geschlossen, weil dort im Sommer abends immer alle auf der Straße standen und Anwohner nicht schlafen konnten. Ich wette: wäre das eine schwule Kneipe gewesen, hätte es gleich wieder geheißen, dass das nur ein homophober Vorwand wäre.

    Fazit:
    Jeder, der behauptet, hierzulande hätten Homosexuelle, Homogruppen, Homoeinrichtungen, Homopublikationen, etc. die gleichen Probleme wie in der Türkei, war entweder noch nie dort oder lügt bewusst.

    -------------

    Zu den Niederlanden:

    die Schwulen, die Wilders gewählt haben, haben ihn gewählt, gerade weil er immer betont, dass es nicht sein könne, dass es in Amsterdam Viertel gibt, wo Schwule um ihr Leben fürchten müssen und sich selbst die Polizei nicht mehr hintraut. Da gab es auch mal auf arte eine sehr gute Doku zu.

    Ich bin kein Fan von Wilders und glaube auch nicht, dass er diese Probleme lösen kann. Aber dass man als Schwuler überall sicher sein muss und die Polizei überall die Hoheit haben muss, ist ein Fakt, was viele Schwule verführt hat, ihn zu wählen.

    Ich persönlich finde das auch falsch, kann aber die Motive verstehen.
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#10 Menachem