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Raddatz nannte seine Autobiographie vor einigen Jahren "Unruhestifter"

In einem Debattenbeitrag im aktuellen "Focus" hat der Literaturkritiker Fritz J. Raddatz die These aufgestellt, dass "der deutsche Spießer" nur erfolgreichen Homosexuellen ihre Neigung "verzeihe".

Hat ein Politiker Erfolg, "dann ist er (...) zuerst einmal Bürgermeister; und dann, wer weiß, vielleicht auch schwul", so der selbst schwule Raddatz. "Hat ein Politiker den nachweisbaren, mit seinen Vorgängern vergleichbaren Erfolg nicht - dann ist er zuerst einmal schwul, und dann vielleicht noch, leider, Außenminister."

Das zeige auch die Geschichte: schwule Künstler seien akzeptiert worden, unbekannte Schwule nicht. Schnell zeige sich Homophobie und auch eine "recht verquere Form von Neid: Der lebt sein Leben so frei; und ich?" Zwar habe Westerwelle Fehler gemacht, aber nicht mehr als andere. Medien und Bevölkerung legten daher bei ihm zweierlei Maß an, so Raddatz.

22 Prozent haben ein Problem mit Westerwelles Homosexualität


Was ist das Problem mit diesem Mann? (Bild: dirk@vorderstrasse.de / flickr / by-sa 2.0)

Dazu passend gaben in einer Umfrage des "Focus" 75 Prozent der Befragten an, die "offen gelebte Homosexualität" Westerwelles sei "kein Problem bei seiner Amtsführung"; 22 Prozent sahen hingegen ein Problem, der Rest war unentschlossen. In einem Interview des Magazins mit Westerwelle wurde das Thema nicht angesprochen.

Dabei haben auch Queer.de-Leser eher gemische Gefühle zu Guido Westerwelle. So waren in den Kommentaren zu einem Standpunkt die meisten nicht der Überzeugung, die Kritik an den Reisen des Außenministers mit seinem Lebensgefährten habe etwas mit Homophobie zu tun. Und im gerade begonnenen Wochen-Voting, wer der nervigste Schwule ist, liegt der FDP-Parteichef bereits mit Riesenabstand vorne.

"WAZ" nicht überzeugt

In der "WAZ" vom Dienstag schreibt Chefredakteur Ulrich Reitz zu der These von Raddatz: "Dass Westerwelle schwul ist und das offen lebt, ist nicht der eigentliche Grund für seinen Niedergang. Es ist Westerwelles lautes, demonstratives, Marketing-getriebenes Auftreten."

Damit verletze er "über Parteigrenzen hinweg bürgerliches Stilempfinden". Die Schlussfolgerung von Reitz: "Nicht Westerwelles Schwulsein an sich, sondern das Schwulsein als integrativer Bestandteil eines insgesamt exzessiven Politikstils, das ist Westerwelles Problem. (...) Westerwelle wird nicht gestürzt, er stürzt sich selbst." (nb)

Wöchentliche Umfrage

» Welcher Schwule nervt am meisten?
    Ergebnis der Umfrage vom 10.1.2011 bis 17.1.2011


#1 GayreporterAnonym
  • 10.01.2011, 20:47h
  • Der Focus wird immer besser, er spricht das Thema wenigstens mal an im Gegensatz zum deutschen Medienmainstream. Ob das bei Westerwelle aber stimmt, glaube ich nicht. Der geht vielen eher auf die Nerven. Schweizer Medien (die haben oft eine bemerkenswert gute und neutrale Sicht auf Deutschland) haben das so geschrieben: Die Leute wollen ihn weghaben, weil er es gewagt hat, etwas in Frage zu stellen, was "ungeheuerlich" sei: die Beschneidung der sozialen Hängematte in Deutschland.
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#2 Jäcki65Anonym
  • 10.01.2011, 21:02h
  • Hubert Fichte, ein langjähriger Weggefährte Raddatz', drückte es mal so aus: "Die einzige Chance des Homosexuellen ist seine Brillanz." Und da Guido W. alles andere als brillant ist, fällt immer mehr meist Heterosexuellen zu ihm als erstes seine Homosexualität ein, da nennenswerte politische Erfolge nicht darstellbar sind. Und ein Politiker, der nicht trotz, sondern wegen seines Privatlebens erinnert wird, hat seine Glaubwürdigkeit bereits verloren.
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#3 erich mendeAnonym
#4 MinkAnonym
  • 10.01.2011, 21:25h

  • Diese Thesen sind hervorragend formuliert. Diese teile ich ausnahmslos. Die Politik von Ww. wird dadurch aber nicht besser oder entschuldbarer sondern bleibt... äh, sagen wir es mal so: großer Mist!
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#5 TeddyTeddyBumBumAnonym
  • 10.01.2011, 21:42h
  • Westerwelle macht ausgezeichnete, bürgerliche, liberal-konservative Politik, wie ich sie auch von ihm erwartet habe. Dass einige Menschen sich an seiner Homosexualität stören, gilt als sicher. Genau wie einige Menschen sich daran stören, dass unsere Kanzlerin eine Frau ist. Damit muss man leben bzw. versuchen, durch Bildung zu intervenieren. Das aber geht nur durch eine starke bürgerliche FDP ohne verweichlichte SPD-nahen wie Daniel Bahr und so.

    Die christlich-liberale Koalition hat sich als Bastion des Wohlstands gezeigt. Dass es nun Neider bzw. Irrläufer gibt, deren Zahl leider stetig wächst, die dies nicht einsehen, und lieber eine Rot-(rot-)Grüne Koalition oder ganz rechte Regierungen hätten, st nicht abzustreiten, aber auch die werden wir noch überzeugen!

    FDP, FDP!
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#6 FloAnonym
  • 10.01.2011, 21:44h
  • Wenn ich mir so ansehe, wie miserabel das Image von Spaßkanzler Guido auch unter Schwulen ist, so hat sein Abstieg wohl weniger mit seiner Homosexualität zu tun als vielmehr mit seiner absoluten Unfähigkeit sowie seinem Gelüge und Betrüge.

    Die FDP und allen voran Westerwelle haben KEIN EINZIGES Wahlversprechen gehalten:

    - Statt auch nur eines ihrer homopolitischen Versprechen zu halten (die eh schon deutlich hinter anderen Parteien zurückblieben) wurde bei Abstimmungen sogar GEGEN weiter Gleichstellung gestimmt. Das bisschen was gemacht wurde, geschah nur auf Druck von Gerichten, die die Regierung dazu gezwungen haben. Das hätte JEDE andere Regierung genauso umsetzen müssen.

    - Statt "mehr Netto vom Brutto" haben wir alle weniger Netto vom Brutto (wenn wir nicht gerade Millionäre sind, die von der FDP hofiert werden)

    - Statt das Steuersystem zu vereinfachen wird es laufend verkompliziert (z.B. weitere Ausnahmen bei Mwst.-Sätzen, etc.)

    - Statt ein faires Gesundheitssystem zu etablieren wurde kräftig erhöht, aber nur zu Lasten der Versicherten, damit Pharmaindustrie, Ärzte und Arbeitgeber ihren Willen bekommen.

    - Etc. etc. etc.

    All das (kombiniert mit der Arroganz der FDP) sind die Gründe für den Abstieg!!

    Es zeigt sich einfach, dass die FDP sachlich, fachlich und personell absolut unfähig ist. Und wenn sie dann auch noch lügen und betrügen und dabei ihre Arroganz raushängen lassen, hat man die Gründe für den Abstieg.

    Es gibt auch schwule Idioten und Westerwelle ist ihr Anführer. Das ist nun mal so.

    Deswegen ist die FDP genau da, wo sie hingehört: unter 5% !!!
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#7 Timm JohannesAnonym
  • 10.01.2011, 22:01h
  • Der Grund, warum Westerwelle derzeit in der Kritik steht, hat nicht nur eine Ursache allein. Monokausale Argumentation geht hier fehl, sondern mehrer Faktoren bewirken dies derzeit.

    Hauptgründe sind derezeit:

    Der Neid der anderen Parteien und Parteianhänger am parteipolitisch historischen Bundestagswahlsieg der FDP 2009. In diesem Ausmaß hatte keine Wahlprognose und kein Journalist mit einem solchen Sieg der FDP gerechnet. Das Zustandekommen der Regierung Merkel/Westerwelle ist nicht dem Erfolg der CDU zuzurechnen, sondern es ist ein Erfolg des Berliner Teams um Westerwelle/Leuttheusser-Schnarrenberger/Niebel/Brüderle.

    Neben dem Neid aufgrund des vorangegangen Wahlsieges der FDP 2009 sind es derzeit die Medien, die eine regelrechte Hatz gegen Westerwelle betreiben. Ich würde mich "schlapplachen", wenn die FDP bei den kommenden Wahlen sich hält und nicht unter die 5 Prozent rutscht.

    Es ist nämlich schon fast grotesk, wie da sowohl seitens der linken Journalisten bei Spiegel, stern und Co als auch bei den konservativen Journalisten bei Welt (Jungholdt, Schmidt, usw.), Financial Times, FAZ und Co sich seit Monaten die Journalisten die Finger wund schreiben, um Möglichst ALLES negativ von Westerwelle darzustellen. Das ist die reinste Medienkampagne gegen Westerwelle, die da linke und konservative Journalisten zugleich "abziehen" und fast schon zu simpel und zu durchschaubar.

    Drittens kommt hinzu: das Westerwelle natürlich in der Vergangenheit auch gern ausgeteilt hat und sich halt auch Feinde geschaffen hat. Und diese Feine wollen ihre Revanche.

    Viertens ist dies der Medienlandschaft Deutschlands geschuldet: es passiert zu wenig, worüber politisch täglich berichtet werden kann. Also wird darüber bereits auf Welt Online berichtet, das Westerwelle in Pakistan den Bus verpasst hat. Eine sensationelle Nachricht...

    Fünftens hat Westerwelle bis zum Regierungsantritt keine Fehler gemacht und die FDP eilte zu Oppositionszeiten unter seiner Führung von Sieg zu Sieg. Erst mit dem Wahlsieg im Herbst 2009 haben linke und konservative Journalisten, Blogger und Politiker begriffen, wie gefährlich und wahlentscheidend Westerwelle sein kann; man hat ihnen lange Zeit eher seitens der Gegner unterschätzt und jetzt versuchen die Gegner seit über einem Jahr ihn mit einer Kampagne im Image zu schaden, was auch zunehmend gelingt ("frei nach dem Motto: es wird wohl etwas Dreck kleben bleiben").

    Sechstens hat Westerwelle im Lager der homosexuellen Community wenig Rückhalt; das unterscheidet ihn von Politikern wie Volker Beck oder Klaus Wowereit, sondern er muss sogar aus dieser Ecke mit Angriffen rechnen. Selbst von Beust hatte mehr Sympathien als Westerwelle im Lager der Community und brauchte von dort als Konservativer keine Angriffe daher fürchten.

    Siebtens die sexuelle Orientierung kommt als Nebengrund allenfalls in Betracht; da hat der Autor des Buches Recht, ist aber nicht der einzige Grund und auch nicht der Hauptgrund der gegenwärtigen Kampagnen um Westerwelle.

    ---
    Wenn Westerwelle nicht der erste offen homosexuelle Vizekanzler und Aussenminister in Deutschland wäre, wäre es mir relativ egal, da mir der Charakter von Westerwelle zu kompliziert ist. Teile seines Wesens finde ich sehr sympathisch, andere Teile sind mir eher zu anstrengend.

    Da es nun aber halt Westerwelle als erster offen homosexueller Vizekanzler geworden ist, kann es mir nicht Recht sein, dass ein solcher Mann bereits nach einem Jahr als Minister aus dem Amt gemobbt wird. Und daher unterstütze ich Ihn und werde dieses Mobbing auch auf Queer im Forum nicht mittragen und im LSVD habe ich dies intern gottseidank auch mitverhindert.

    Insbesondere freut es mich, dass die FDP in Berlin mehr homopolitisch durchgesetzt hat, als es die Grosse Koalition geleistet hat (Gleichstellung in der Erbschaftssteuer; Gleichstellung in der Besoldung und Versorgung von Bundesbeamten, Hirschfeld-Eddy-Stiftung).

    Mir ist Schwarz/Gelb jedenfalls lieber als Schwarz/Rot, da passiert nämlich homopolitisch NICHTS; wobei am Liebsten wäre mir derzeit eine Mitregierung der Grünen, dies aber nur wenn die Linkspartei nicht dabei ist.

    ---
    Nebenbeibemerkt die positivste Meldung aktuell lese ich aber derzeit bei der SPD, die nunmehr die Abschaffung des Ehegattensplittings durchsetzen möchte und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gleichzeitig stärken möchte. Das finde ich schon seit langer Zeit dringend erforderlich.
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#8 Ilovelife
  • 10.01.2011, 22:03h
  • @gayreporter

    Wow. Die "Weltwoche" heißt bei dir also gleich "Schweizer Medien"...
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#9 jochenProfil
  • 10.01.2011, 22:07hmünchen
  • Antwort auf #6 von Flo
  • "...wie miserabel das Image von Spaßkanzler Guido auch unter Schwulen ist, so hat sein Abstieg wohl weniger mit seiner Homosexualität zu tun als vielmehr mit seiner absoluten Unfähigkeit...."

    Ich stimme Dir zu. Deine Argumentation ist sehr treffend!
    Was klar wurde bei der Rede auf dem 3-Königs-Treffen war doch , dass Westerwelle ein sehr guter Redner und Rethoriker ist, aber leider nur ein mässiger bis schlechter Regierungspolitker.

    Allerdings kommen jetzt auch die zum "Zug", denen die Homosexualtät Westerwelles, schon immer ein Dorn im Auge war, und nur auf Fehler warten, um dann auf ihn draufzuknüppeln.

    Ich möchte noch anmerken, dass die ganze Partei FDP momentan so ein schlechtes Ansehen hat, nicht nur Westerwelle.
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#10 jojoAnonym
  • 10.01.2011, 22:21h
  • Antwort auf #5 von TeddyTeddyBumBum
  • "...aber auch die werden wir noch überzeugen! FDP, FDP!"

    ja, inhaltsfreies herumkrakeelen fand ich schon immer total überzeugend...

    passt aber zum thema: ich kann mir westerwelle kaum noch ohne erhobenes fäustchen und angeschwollene stirnadern vorstellen, und ich vermute, so geht es vielen deutschen. das ist aber nicht gerade, was einen politiker pr-mäßig nach vorn bringt: schreihälse kommen eben nicht als kompetente menschen rüber - und sind auch selten welche.

    "Nicht Westerwelles Schwulsein an sich, sondern das Schwulsein als integrativer Bestandteil eines insgesamt exzessiven Politikstils, das ist Westerwelles Problem."

    äh, das verstehe ich nicht recht. ist schwulsein also auch etwas grundsätzlich "exzessives", oder wie? kann mir einer erklären, was da gemeint ist?
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