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Sir Ian McKellen (hier beim CSD Manchester 2010) (Bild: Man Alive! / flickr / by 2.0)

Ian McKellen findet, dass die Bibel eigentlich ein ganz interessantes Buch ist, wenn die homofeindlichen Stellen entfernt worden sind - in Hotels reißt er daher selbst entsprechende Passagen heraus.

Von Dennis Klein

In Sachen Homo-Rechte haben sich die großen Kirchen in aller Welt immer wieder als Bremser erwiesen. Ob die USA, Spanien, Italien oder Deutschland - die Führung aller großen Kirchen warnen immer wieder vor der Ausweitung von Homo-Rechten, etwa bei der Öffnung der Ehe. So kritisierten etwa die Kirchen in Berlin, dass die Stadt Schwule und Lesben im Eherecht gleichstellen wolle - die Protestanten bemängelten, dass dadurch "traditonelles Kulturgut" kaputt gemacht werde, die Katholiken halten Homosexuelle generell nicht für ehefähig (queer.de berichtete). Übergriffe auf Schwule und Lesben oder die Selbstmordserie unter homosexuellen Jugendlichen lassen die meisten Bischöfe und Pfarrer dagegen kalt.

Der britische Schauspieler Ian McKellen ("Herr der Ringe", "X-Men", "The Da Vinci Code") macht den Quelltext für die Kompromisslosigkeit der Kirchen verantwortlich, wenn es um Menschenrechte von Schwulen und Lesben geht. Im Interview mit dem US-Magazin "Vanity Fair" bekräftigte der 71-Jährige, dass er in Hotelräumen nach wie vor eine Stelle aus dem 3. Buch Mose herausreiße: "Es ist der Text bei Levitikus 18:22, gegen den ich mich verwahre", so McKellen. Er sei ein großer Bücherfan und lese alles, was ihm vor finden könne. In seiner Toleranz gebe es aber auch Grenzen: "Ich will nicht, dass gemeine, schwulenfeindliche Sätze 30 Zentimeter von meinem Kopf entfernt liegen... Ich respektiere Bücher, aber ich respektiere nicht diesen Satz. Ich hab nichts gegen das Buch als Ganzes."

Verurteilt Bibel Homosexualität?


Gerade in den USA ist die "Holy Bible" aus Motel- und Hotelzimmern nicht mehr wegzudenken (hier mit der mormonischen Fortsetzung "Das Buch Mormon")

Bei Levitikus heißt es: "Du sollst nicht beim Knaben liegen wie beim Weibe; denn es ist ein Greuel". Dabei handelt es sich um den meistzitierten Bibel-Abschnitt zum Thema Homosexualität. In der Vergangenheit hat dieser Satz Todes- oder Gefängnisstrafen für Schwule und Lesben gerechtfertigt. Liberale Bibel-Ausleger sind dagegen überzeugt, dass der Verfasser mit diesem Satz Inzest oder Kindesmissbrauch kritisieren wollte, aber nicht Homosexualität per se.

Es werden aber auch andere Teile der Bibel von den gegenwärtigen Kirchenfürsten als Verbot von Homosexualität interpretiert. Im 1. Buch Mose (Kapitel 19) steht etwa, dass die Bewohner von Sodom offenbar mehrere Männer vergewaltigen wollen. Daraufhin bot der christliche Held Lot heterosexuellen Ersatz an: "Ich habe zwei Töchter, die haben noch keinen Mann erkannt, die will ich herausgeben unter euch, und tut mit ihnen, was euch gefällt".

Mit anderen Teilen der Bibel hat McKellen kein Problem: "Es ist mir egal, ob es ein biblischen Verbot von Schalentieren gibt oder ob es dort untersagt wird, eine bestimmte Kleidung zu tragen. Ich werden nur ungehalten, wenn es heißt, dass Männer sich nicht lieben können." Bei Levitikus sind außer dem Homo-Verbot noch mehrere andere Vorschriften erlassen worden. So dürfen sich Christen etwa nicht tätowieren lassen, nicht am Samstag arbeiten und auch keine Nahrungsmittel mit Blut essen. Anders als bei Homosexualität werden diese Verbote allerdings selbst von vielen Fundamentalisten nicht ernst genommen.

Levitikus fürs Badezimmer

In der Vergangenheit hat McKellen das "Buch der Bücher" bereits wiederholt als interessantes Lesematerial bezeichnet ("It's a jolly good story"), dabei aber immer wieder die Homophobie in der Bibel kritisiert. So hätten ihm Fans bereits vor zwei Jahren 40 Seiten des schwulenfeindlichen Levitikus-Textes zugeschickt, die sie aus Hotels "erbeutet" hatten. Der Schauspieler erzählte gerührt, dass sie dabei die Seiten zusammengebunden hätten, so dass McKellen sie sich im Badezimmer aufhängen konnte.

McKellen setzt sich bereits seit seinem Coming-out Ende der 1980er Jahre in Großbritannien für Homo-Rechte ein. So war er einer der Mitbegründer der noch immer einflussreichen englischen Homo-Gruppe Stonewall. Mit den christlichen Legenden hat McKellen dagegen nicht viel am Hut: In Interviews bezeichnete er sich als Atheisten.



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#1 RoggeAnonym
  • 17.01.2011, 13:50h
  • In der Bibel gibt es keine homofeindlichen Stellen. Es gibt aber jede Menge falscher Auslegungen gewisser Stellen, um damit rechtfertigen zu können, dass Homosexualität Sünde wäre.
    In Wirklichkeit ist die gleichgeschlechtliche Liebe eine Gabe Gottes, die durch patriachalische Herrschaftsstrukturen immer wieder verleugnet wird.
    Wenn ich gegenüber solchen Personen, die ja ach so "Nächstenliebend" sind, davon spreche, dass es eine Gabe Gottes ist, so zu lieben, gehen diese Herrschaften regelmäßig an die Decke.
    Hab das in diversen Bibelkreisen schon gemacht.
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#2 4thofjulyAnonym
#3 eMANcipation*Anonym
  • 17.01.2011, 14:05h
  • Wie viele Seiten bleiben eigentlich übrig, wenn man alle Stellen, die irgendwie gewalttätig und menschenverachtend sind, herausreißen möchte?

    Ich möchte ja insbesondere Kinder nicht nur vor einigen, sondern vor allen gewalt- und hasserfüllten Einflüssen dieses Buches schützen!

    Religionsfreiheit jetzt!!!
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#4 FoXXXynessEhemaliges Profil
#5 jojoAnonym
  • 17.01.2011, 14:17h
  • Antwort auf #1 von Rogge
  • natürlich kann man mit viel gewalt die bibel so drehen und drücken, bis man erkennt, dass die alten autoren uns homos so lieb hatten, wie wir es heute gern hätten. ich halte das aber für selbstbetrug.

    davon abgesehen - wie vernünftig ist es denn, sein moralisches weltbild ausgerechnet aus texten zu ziehen, die u.a. sklaverei, zwangsehen, todesstrafe und völkermord gutheißen?

    was wäre denn, wenn plötzlich jemand einen text fände, aus dem klar hervorgeht, dass jesus homosexualität eindeutig verdammt hat? dann ist aber schluss mit lustig, oder?

    ich halte es für grundsätzlich gefährlich, mythen ernsthaft zur grundlage von moral zu machen.

    nicht falsch verstehen: ich bin ein großer freund von moral. vieles spricht dafür, sich gedanken darum zu machen, was richtig und was falsch ist und für seine ansichten auch zu werben. das sollte sich aber an der konkreten realität und den bedürfnissen der menschen orientieren, nicht an irgendwelchen alten texten. und einander zu überzeugen suchen sollten wir mit argumenten, nicht mit märchen.
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#6 jojoAnonym
  • 17.01.2011, 14:24h
  • Antwort auf #3 von eMANcipation*
  • es hat sich mal jemand die mühe gemacht, die gewalttätigen stellen des alten testaments zu markieren:

    www.reimbibel.de/grauenvolles-altes-testament.htm

    wenn man das alles rausrupft, bleiben ein paar dünne seiten übrig.

    ich bin ja froh, dass sich die meisten christen heute statt auf den alten sadisten jahwe auf ihren freundlichen hippiejesus konzentrieren. aber ich denke trotzdem, dass die sich gehörig was vormachen, wenn sie den für den historischen halten.
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#7 die jesuslatscheAnonym
#8 probondageProfil
  • 17.01.2011, 15:14hDortmund
  • Ja, in der Tat Leute, wir leben in "politisch korrekten" Zeiten. Kinder werden heute in Watte gepackt und von allen Übeln dieser Welt beschützt und behütet. Von allen, nein, ein grausames, menschenverachtenes und gewalttätiges Horrorbuch darf weiterhin frei verkauft werden, ja, die lieben Kleinen kriegen das sogar im Schulunterricht präsentiert.

    Darf das sein? Liebe Familienministerin, wie hieß se noch, ah ja, Schröder oder war es doch die von der Leyen? Egal, beide in einen Sack und...

    Schon mal darüber nachgedacht, eine Indexierung der Bibel aufgrund Jugendgefährdung anzustreben? Allen Ernstes kann, Religion hin- oder her, niemand abstreiten, dass die Bibeltexte NICHT höchstgradig jugendgefährdend wären.

    Ich wäre schon zufrieden, wenn ein dickes fettes Logo auf diesen Hassschriften kleben würde mit der Aufschrift. FSK 16!
    Und den dazugehörenden Gesetzestext.

    Leben wir nun in einem säkulären Staat oder nicht? Die RKK hat uns den Krieg erklärt, immer und immer wieder. Es ist unser gutes Recht, den Rechtsstaat und seine Mechanismen für unsere Verteidigung einzusetzen. Und sei es auch nur um den Staat vorzuführen. Denn wenn eine Partei in einem säkulären Staat sich christlich nennen darf, ist es wohl mit der Trennung zwischen Religion und Staat nicht wirklich weit her.

    Es wird Zeit, dass wir diese Fragen stellen. Oder, wollen wir uns bis in alle Ewigkeiten als Prügelbock für Klemmschwestern mit sexuellen Verstopfungen und frömmelnen Hassprediger behandeln lassen?
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#9 FlorianAnonym
#10 I.Ramos GarciaAnonym