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Einer der bedeutendsten Fotografen des 20. Jahrhunderts: Robert Mapplethorpe starb 1989 an den Folgen von Aids

Retrospektive in der Hauptstadt: C/O Berlin zeigt 187 Bilder des schwulen Fotografen Robert Mapplethorpe

Von Mirko Nowak

Streng sezierend, radikal reduziert - Robert Mapplethorpes Stilleben und Porträts sind ruhige, formal vollendete Kompositionen in klinischer Reinheit. Bewegungen harmonieren bis ins Detail, makellose Körper werden zu Landschaften und explizit sexuelle Handlungen und Nacktheit zu kühlen, fast unerotischen Körperstudien, bei denen die technische Perfektion im Vordergrund steht. Diese auf die Spitze getriebene Ästhetisierung nimmt dem Inhalt seine Schärfe. Sie isoliert und öffnet den Blick auf das Wesentliche. Genau diese Konzentration und Sachlichkeit verleihen seinen Fotografien noch heute eine Aktualität. Robert Mapplethorpe orientiert sich in seinen Fotografien an den Maßstäben des klassischen bildhauerischen Kanons.

Muskulöse Männerkörper und schlichte Blumen

Für seine stillen Porträts und Bilder von muskulösen Männerkörpern, sexuellen Experimenten und schlichten Blumen bedient er sich kunsthistorischer Versatzstücke, die er präzise im harten Licht des Studios inszeniert. Der Körper wird Objekt, die Individualität weicht der Oberfläche und Pose, die die Skulpturen der Antike und Renaissance zitiert. Dass bei seiner Suche nach Vollkommenheit nicht der Inhalt im Vordergrund steht, lässt sich anhand seiner frühen Polaroids erkennen. Schon in diesen ersten fotografischen Skizzen sind alle späteren Sujets enthalten, nur wirken sie aufgrund ihrer Farbigkeit unmittelbarer. In der Hinwendung zur klassischen Schwarz-Weiss-Fotografie verfeinert Mapplethorpe lediglich Technik und Komposition. Von der Totalen geht er immer mehr ins Detail.

C/O Berlin präsentiert 187 Bilder aus dem Gesamtwerk von Robert Mapplethorpe. Die Ausstellung konzentriert sich auf seine fotografische Entwicklung, die anhand der frühen Polaroids bis hin zu den späten Stilleben und Porträts von Andy Warhol, Debbie Harry, Grace Jones und Patti Smith nachgezeichnet wird. Hier wird auch deutlich, dass das Skandalöse seiner Fotografien nur aus dem zeitlichen Kontext heraus erklärbar ist und somit allein von der Interpretation des Betrachters abhängt.

Tabuverletzung und Zensur

Robert Mapplethorpe, geboren 1946 in Floral Park, Queens, NY, ist einer der bedeutendsten Fotografen des 20. Jahrhunderts. Er studierte von 1963 bis 1970 am Pratt Institute of Art in Brooklyn Kunst. 1967 lernte er die Sängerin Patty Smith, kennen, mit der er ins legendäre Chelsea Hotel zog. Unter Einfluss des Kurators John McKendry wandte sich Robert Mapplethorpe der Fotografie zu - erst als Sammler, dann als Collagist. 1972 begann er als Autodidakt zu fotografieren, stellte 1973 seine Arbeiten zusammen mit Brigid Polk und Andy Warhol aus und zeigte 1977 seine erste Einzelausstellung.

Seine Fotografien des männlichen Geschlechts und sado-masochistische Porträts wurden als Tabuverletzungen empfunden, so dass seine Bilder bei Ausstellungen sogar beschlagnahmt und in einigen Ländern zensiert wurden. 1988 widmete ihm das Whitney Museum die erste Retrospektive. Robert Mapplethorpe starb 1989 an den Folgen von Aids.

Die Ausstellung schöpft aus dem Fundus der New Yorker Robert Mapplethorpe Foundation und wurde in Kooperation mit dem NRW Forum Düsseldorf zusammengestellt.

Robert Mapplethorpe Retrospektive, noch bis 27. März 2011, Ort: C/O Berlin, Postfuhram, Oranienburger Straße 35/36, täglich 11-20 Uhr, Eintritt: 10 € (ermäßigt 5 €)