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  • 28.01.2011           25      Teilen:   |

Entsetzen über Mord an David Kato

David Kato
David Kato

Der Mord am ugandischen Homo-Aktivisten David Kato hat weltweit Entsetzen ausgelöst. Update (s.u.): Bei seiner Beerdigung kam es zu einem Eklat.

Kato von der Homo-Gruppe Sexual Minorities Uganda (SMUG) war am Mittwoch von einem Unbekannten in seiner eigenen Wohnung erschlagen worden (queer.de berichtete). Spitzenpolitiker aus westlichen Ländern erklärten, die Regierung in Uganda trage mit ihrer homophoben Gesetzgebung eine Mitschuld am Mord des Oberstufenlehrers. Auch die Debatte über die Einführung der Todesstrafe für Homosexualität trage zum rauen Klima bei.

Jerzy Buzek, der Präsident des Europäischen Parlaments, rief Uganda dazu auf, Menschenrechtsverletzungen gegen Schwule und Lesben zu beenden. Der polnische Konservative erinnerte daran, dass Straßburg Uganda bereits 2009 aufgefordert hatte, Homosexualität zu entkriminalisieren (queer.de berichtete). Buzek würdigte den Einsatz des Getöteten: "David Kato war ein Mann, der für die Rechte der Bürger gekämpft hat, frei in Uganda zu leben - und zwar unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung", sagte Buzek. Er bezeichnete Kato als "außergewöhnlichen Kämpfer für Menschenrechte und forderte "dass die Verantwortlichen für diese Tat zur Rechenschaft gezogen zu werden."

Youtube | CNN-Bericht (inklusive Interview mit Kato)
Fortsetzung nach Anzeige


Auch Obama meldet sich zu Wort

US-Präsident Barack Obama
US-Präsident Barack Obama

US-Präsident Barack Obama zeigte sich von der Tat geschockt und würdigte die Arbeit von Menschenrechtsaktivisten, die in ihrem Heimatland mit der Arbeit ihr Leben riskieren: "Meine Regierung wird weiterhin Menschenrechtsarbeit zugunsten von Schwulen, Lesben, Bi- und Transsexuellen unterstützen. Wir wissen, wie gefährlich die Arbeit von Anführern wie David Kato ist. Wir setzen uns wie diese Anführer dafür ein, Freiheit, Fairness und Gleichberechtigung für alle zu erreichen." US-Außenministerin Hillary Clinton betonte, dass es für die internationale Gemeinschaft wichtig sei, laut gegen Menschenrechtsverletzungen aufgrund der sexuellen Orientierung zu protestieren.

Während bei der amerikanischen Regierung die wichtigsten Politiker zu dem Vorfall Stellung nehmen, spricht für die deutsche Regierungskoalition die zweite Reihe, angeführt von Marina Schuster, ihres Zeichens Bundestagsabgeordnete, Afrika-Expertin und Vorsitzende des mittelfränkischen FDP-Kreisverbandes Roth. Sie verurteilte die Tat und sieht sie als "Folge der homophoben Stimmung in der ugandischen Gesellschaft, die zum Teil von der ugandischen Regierung, aber auch von US-Evangelikalen selbst befördert wird." Die 35-Jährige spielt damit auf die großen Erfolge von amerikanischen Missionaren in dem vorwiegend katholischen und anglikanischen Land an, die eine noch härtere Gangart gegenüber Homosexuellen fordern.

In einer ersten Stellungnahme nannte es die Polizei von Kampala "unwahrscheinlich", dass Kato aus Homophobie umgebracht worden sei. Vielmehr habe es sich um einen "normalen" Raubmord gehandelt. Homo-Aktivisten haben jedoch in der Vergangenheit immer wieder beklagt, dass die Behörden den Mord an Schwulen oder Lesben nur widerwillig verfolgt. Kato war einer der Aktivisten, die bei einer Outing-Kampagne der Zeitung "Rolling Stone" abgebildet wurden - auf der Titelseite stand zu dem Artikel die Aufforderung: "Hang Them!" (Hängt sie!).

Gedenkveranstaltung in Berlin

Die Ökumenische Rogate-Initiative will am Samstag von der ugandischen Botschaft ihre Anteilnahme für den Mord zum Ausdruck bringen. Sie rufen dazu auf, sich um 15 Uhr in der Axel-Springer-Straße 54 einzufinden. Neben einer gemeinsamen Trauerminute soll ein Gebet zum Schutz von Menschenrechtsaktivisten ausgesprochen werden (Alle Infos hier). (dk)


Nachtrag, 20.20h Mehreren Nachrichtenmedien berichten von einem Eklat bei der Beerdigung Katos in Namirembe, an der am Freitag rund 300 Menschen teilnahmen, darunter rund 100 Schwule und Lesben sowie Mitarbeiter der Vereinten Nationen und einiger Botschaften. Der anglikanische Priester, der die Beerdigung leitete, beschimpfte Schwule als verdorben und sündig, unter Beifall von Bewohnern des Dorfes. Es kam zu Rangeleien zwischen den Gruppen, als Schwule versuchten, den Priester von weiteren Worten abzuhalten. Er wurde später von der Polizei vom Ort entfernt. Da sich die Einheimischen weigerten, den Sarg zu tragen, wurde Kato letztlich von seinen Freunden zu Grabe getragen. Einen Bericht mit Video zur Beerdigung bietet France 24.

Zum Mord an David Kato gibt es inzwischen weitere Stellungnahmen, von Volker Beck und vom Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung, Markus Löning. Von der zerstrittenen anglikanischen Kirche meldete sich auch ihr Anführer Dr Rowan Williams, der Erzbischof von Canterbury, zu Wort. (cw)

Update, 29.1., 20h Bilder und Eindrücke von der Gedenkveranstaltung vor der Botschaft Ugandas in Berlin gibt es auf der Webseite der Ökumenischen Rogate-Initiative.

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Reaktionen zu "Entsetzen über Mord an David Kato"


 25 User-Kommentare
« zurück  123  vor »

Die ersten:   
#1
28.01.2011
12:45:03


(+11, 11 Votes)

Von GerMONEY


Die amerikanischen, britischen und australischen Hauptnachrichten haben gestern Berichte über den Mord an David Kato gebracht. Die deutschen nicht!
Was an Homophobie abgeht auf der Welt interessiert in Deutschland nur die Homosexuellen selber, die anderen erkennen die sich zuspitzende Situation nicht mal! Es ist zum kotzen das sich kaum ein hochrangiger deutscher Politiker öffentlich speziell zum Thema Homophobie äußert, während die Themen Diskriminierung von Frauen oder Fremdenfeindlichkeit als spezielles Thema diskutiert werden. Zum kotzen, das es Aktionen mit Prominenten wie "It´s getting better" in Deutschland nicht gibt und zum kotzen, das so viele erwachsene schwule Männer in Politik, Sport und Medien ihre Homosexualität aus Geld und PR Gründen verleugnen, während Menschen wie David Kato so viel Mumm und Stärke haben sich in ihrem Land trotz Lebensgefahr öffentlich zu bekennen.


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#2
28.01.2011
13:10:51


(+7, 7 Votes)

Von alexander
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Antwort zu Kommentar #1 von GerMONEY


wie recht du hast !
im weitesten sinne, sind wir sogar zum teil mitschuldig an solchen grauenvollen taten.
wenn wir in deutschland, die uns gesetzlich zustehenden rechte hätten und entsprechend geschützt würden, könnten wir wesentlich mehr über unseren tellerrand hinaus unternehmen !
allein den religiösen fundamentalismus bekämpfen, in diesem fall eindeutig "christlich"!

mitschuldig sind ohnehin alle, die religionsgemeinschaften den freiraum einräumen, gesellschaftliche zwänge und vorgaben für ihre zwecke zu missbrauchen, sei es auch nur der "missionierung" dienlich !
dieser tatbestand trifft vor allem unsere politiker ! und wie wir alle, dank dem papstbesuch im september, wissen, sind bis auf ganz v e r e i n z e l t e personen, alle berauscht von der ehre im deutschen bundestag den beelzebub persönlich die füsse küssen zu dürfen !


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#3
28.01.2011
13:37:47


(+6, 6 Votes)

Von vorlaufzeit
Antwort zu Kommentar #2 von alexander


Fluch oder Segen im schwulen Mekka?

Bonn, 28.01.2011 (KAP) Die deutschen Bischöfe planen für 2013 einen Eucharistischen Kongress in Köln. Der DBK-Vorsitzende Zöllitschhob besonders die auf dem Konzil verabschiedete Liturgiekonstitution hervor. Sie habe auf die Frage "Wie können wir Gott verehren?" eine "wegweisende Antwort" gegeben.


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#4
28.01.2011
14:27:31


(+4, 4 Votes)

Von Flo


Wenn die Leute, die die Macht hätten, Dinge zu ändern, sich nur "zu Wort melden", "bestürzt zeigen" oder was auch immer, bringt das herzlich wenig.

Die müssen endlich gegen solche Staaten, wo Zeitungen mit Duldung des Regimes (oder sogar nach Aufforderung des Regimes) zu Mord aufrufen, Sanktionen erlassen.


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#5
28.01.2011
15:07:11


(-1, 3 Votes)

Von tza


Es gibt nicht nur eine Stellungnahme der Menschenrechtspolitischen Sprecher der FDP, sondern ganz offiziell eine aus dem Auswärtigen Amt - vom Menschenrechtsbeauftragten:

Link zu www.auswaertiges-amt.de


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#6
28.01.2011
15:35:46
Via Handy


(+5, 5 Votes)

Von salad


na herr lauda und herr beckstein

dürfte ja in ihrem sinne sein...


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#7
28.01.2011
19:02:34


(+4, 4 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Soso, die Polizei in Kampala hält Homophobie als Motiv für den Mord unwahrscheinlich! Geht's noch? Das ist doch sonnenklar! Immerhin hat ein in dem Land veröffentlichtes Revolverblatt doch mit der Hetze gegen Schwule den Boden dafür bereitet, daß diese abscheuliche Tat überhaupt passiert ist!


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#8
28.01.2011
19:04:03


(-5, 5 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Übrigens: Buzek, der Präsident des Europäischen Parlamentes, Herr Buzek, sollte sich gefälligst aus dieser Sache heraushalten! Die Europäische Union ist nicht das Sprachrohr Afrikas!


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#9
28.01.2011
20:18:47


(+7, 7 Votes)

Von sphinx
Antwort zu Kommentar #5 von tza


gibt's zu guidos urlaubsparadies schon eine reisewarnung?

ha, sabbat. und die dialektik ist am chillen.

Link zu www.spiegel.de

clash of civilization:

الهلال ويا الصليب ضد القتل والتعذيب
“The crescent and the cross against murder and torture”

التحرير التحرير من حكم عصابة التزوير
“Liberation, liberation, from rule by the gang of fraud”

• مصر بلدنا مش تكيه للهليبه والحراميه
“Egypt, our country, is not a hospice, for villains and thieves”


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#10
28.01.2011
20:59:54


(+7, 7 Votes)

Von KAHLIFVONKOELN
Antwort zu Kommentar #1 von GerMONEY


Dem kann ich nur zustimmen. Zum teufel mit den deutschen Medien. Der Fall war auf BBC World News und CNN International Top Story, und wurde auch auf Al Jazeera Enlish gebracht.


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