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Die Kieler Universität hat viele Fragen

Eine vom Berliner Senat geförderte Online-Studie fragt ab, wie ängstlich man gegenüber bestimmten Personengruppen ist. Und ob Muslimen die Zuwanderung untersagt werden sollte.

Von Norbert Blech

Die "Landesstelle für Gleichbehandlung - gegen Diskriminierung" des Berliner Senats hat am Mittwoch eine von ihr geförderte Online-Umfrage vorgestellt, in der bundesweit Schwule und Lesben und "andere nicht-heterosexuelle Frauen und Männer (einschließlich Trans*-Personen)" zu ihren Erfahrungen befragt werden sollen.

Die anonyme Studie wird durchgeführt von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel unter der Leitung von Professor Bernd Simon (Lehrstuhl für Sozialpsychologie und Politische Psychologie). Wer sich die Viertelstunde Zeit nimmt, kann an einer Verlosung von fünf Mal 50 Euro teilnehmen, zudem werden 2 Euro an eine auswählbare Organsation gespendet (LSVD und Hirschfeld-Eddy-Stiftung sind die Voreinstellung).

Erste Ergebnisse sollen Ende des Jahres vorliegen. Titel der Studie: "Akzeptanz sexueller Vielfalt in Deutschland". Doch wer etwa Fragen zu seinem Arbeitsplatz oder zur Regierung erwartet, wird enttäuscht: Ein Großteil des Fragebogens kümmert sich nur um das Feld der vermeintlich homophoben Muslime.

Es beginnt noch eher harmlos, mit der Frage: "Wie sehr sind Ihrer Meinung nach die folgenden Gruppen bzw. Institutionen in Deutschland bereit, Homosexualität und andere Formen sexueller Vielfalt zu respektieren?" Gefragt wird einzeln wie bemerkenswert allgemein nach Polizisten, Fußballfans, Neonazis, katholischen und evangelischen Christen, Muslimen und Personen mit russischem, türkischem und arabischen Migrationshintergrund.

"Nervös" an der Bushaltestelle

Man darf dann auch angeben, ob und wie oft man Vertreter dieser Gruppen trifft oder gar zum Freund hat (nicht gefragt wird, ob man selbst zu einer der Gruppen gehört, an anderer Stelle wird allerdings ein möglicher Migrations- und Religionshiontergrund der ausfüllenden Person abgeklopft). Nächste Frage: Wie würde man sich fühlen, träfe man eine dieser Gruppen etwa an einer Bushaltestelle - zur Auswahl stehen unter anderem "selbstbewusst", aber auch "unwohl" und "nervös".

Nun ist es eher unwahrscheinlich, dass Schwule in Panik geraten, wenn sie mit Besuchern eines katholischen Gottesdienstes an einer Bushaltestelle stehen. Sie könnten sich bei deutschen, angetrunkenen Jugendlichen nachts unwohl fühlen, aber nach solchen Gruppen wird genausowenig gefragt wie nach konkreteren, individuelleren Situationen.

Und während andere Gruppen wie Neonazis später nicht mehr vorkommen, kommt der Fragebogen nach der Abfrage der Zustimmung zu rätselhaften Law-and-Order-Thesen ("Die gesellschaftliche Ordnung muss gegen ihre Feinde konsequent verteidigt werden", "Die Jugend braucht klare Vorgaben und Regeln") zum Hauptthema: Muslimische Zuwanderer.

Da stehen unter anderem folgende Thesen zur Zustimmung bereit: "Wenn Zuwanderer nicht bereit sind, die Rechte von Lesben und Schwulen in Deutschland zu achten, sollten sie unser Land wieder verlassen". Und: "Den Islam in Deutschland zu akzeptieren ist gleichbedeutend mit gesellschaftlichem Rückschritt." Man darf auch abstimmen, ob man sich "wie ein Fremder im eigenen Land" fühlt und ob Muslimen "die Zuwanderung nach Deutschland untersagt werden" solle.

Das alles klingt nach Sarrazin - oder "Politically Incorrect". Selbst deren These vom "Gutmenschentum" hat es indirekt in den Fragebogen gebracht: Es wird auch abgefragt, ob Schwule und Lesben bei "ihren Forderungen nach Gleichberechtigung und Anerkennung (...) mehr Rücksicht auf die Gefühle und Wertvorstellungen der hier lebenden Muslime nehmen" sollten.

Respekt schaffen


Die Webseite der Landesstelle

Die Online-Umfrage soll "zur Entwicklung von zielgerichteten Maßnahmen zur Förderung des Dialogs und des gegenseitigen Respekts beitragen", schreibt die Landesstelle in einer Pressemitteilung. Wie Respekt geschaffen werden soll, wenn alle Muslime wieder grundsätzlich und ziemlich allein unter Homophobie-Verdacht gestellt werden, ist dabei schleierhaft.

Was diese Befragung wissenschaftlich bringen soll, ebenfalls. Vielleicht kommt raus, dass Schwule nicht so islamophob sind, wie man denkt, was zu begrüßen wäre. Doch eher steht zu befürchten, dass es neue Schlagzeilen über vermeintlich homophobe Muslime geben wird.

Eine entsprechende Debatte wird vor allem in der Hauptstadt seit Jahren geführt, angeheizt mit Statistiken, Umfragen und Pressemitteilungen des Schwulen Überfalltelefons Maneo. Dass diese Statistiken nicht sonderlich aussagekräftig sind, dass rechte Blogs zu ihrer Manipulation aufriefen und dass trotzdem der Großteil der anti-schwulen Gewalt auf das Konto von Personen ohne Migrationshintergrund geht, spielte dabei keine Rolle.

Die neue Umfrage, in der es nur noch um ein subjektives Bedrohungsempfinden geht, wird diese Debatte weiter anheizen. Und von Lösungen ablenken.



#1 Prime_EvilEhemaliges Profil
  • 02.02.2011, 20:13h
  • Nun, was Mohammedaner über Schwule denken, wird ja deutlich wenn man den kürzlich hier veröffentlichten Artikel über einen New Yorker Imam liest. Der wohl noch als "liberal" zu bezeichnen ist.

    Wenn Schwule sich für die Rechte von Mohammedanern einsetzen, sehe ich vor meinem inneren Auge rosa Puschel-Schäfchen, die aus lauter politischer Korrektheit, vor ein Wolfsrudel springen und ihre Weltverbesser-Weisheiten hinausblöken. Es scheint also unter Schwulen eine beträchtliche Anzahl von Masochisten zu geben. Anders kann man das nicht erklären.

    Selbstverständlich sollte man Mohammedaner und Neo-Nationalsozialisten, trotz einiger Schnittpunkte in ihren Weltbildern, nicht miteinander vergleichen.

    Aber eines sollte doch wohl klar sein: Europa bedeutet Humanismus, Aufklärung, Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit, Liberalismus etc. und wem das nicht passt, der bleibt bitte draußen; wir haben genug eigene Fanatiker (Meisner), da müssen wir sie nicht auch noch importieren.
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#2 BCAnonym
  • 02.02.2011, 20:18h
  • Man müsste sich mal die Zeit nehmen und den Fragebogen selbst durchgehen...

    Aber wenn es wirklich so läuft wie hier skizziert, dann ist es wieder ein erschreckendes Beispiel für eine Statistik, deren Ergebnis im Vorfeld festgelegt wurde.

    (Und sollte doch ein anderes Ergebnis herauskommen, wird sie wohl eher nicht veröffentlicht werden und im Sande verschwinden.)
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#3 SamuelAnonym
  • 02.02.2011, 20:27h
  • Moslems können gar nicht homophob sein, weil die politische Linke das nun mal so beschlossen hat. Ende der Diskussion!
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#4 GeertAnonym
  • 02.02.2011, 20:46h
  • Über das Thema Schwule und Islam kann man hier bei queer.de nicht frei diskutieren, weil auch sachliche Beiträge nicht veröffentlicht werden.
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#5 lurchixProfil
  • 02.02.2011, 20:48hHamburg
  • Schon die erste Seite des Fragebogens sieht sehr dilletantisch aus.

    Welcher Glaubensgemeinschaft gehören Sie an?
    * kann oder will ich nicht beantworten
    * christlich
    * muslimisch
    * jüdisch
    * einer anderen:

    Da fehlt mir "keine".

    Und was soll der Quatsch mit der Frage nach der politischen Selbsteinschätzung ( von LLL über M bis zu RRR).
    Bei solchen Statistiken wundert es mich gar nicht, dass es fast nur noch populistische Diskussionen in Deutschland gibt.
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#6 *gähn*Anonym
  • 02.02.2011, 20:49h
  • (A.)Zinn-Gießerei, akademisch verpackt.
    Knete machen mit konsumierbarer Islamophobie.

    Sub-Boulevard-Version:

    " #1
    06.08.2008
    18:34:23

    Von ehemaligem User Fred_Israel

    man man man, was ist denn mit queer los, alles themen die mich interessieren und wo man viel schreiben könnte.

    LSVD unterstützen und mitglied werden!..."

    "....In Bezug auf diese Äußerungen ist der Rassismus-Vorwurf jedenfalls insofern nachvollziehbarer, als Alexander Zinn nicht nur mit Äußerungen zum Islam zitiert wird, sondern auch eine Unterscheidung zwischen deutschen und türkischen Jugendlichen vornimmt. Im letzten Absatz des Berichtes heißt es:

    „Generell glaubt der LSVD, dass der Bildungssenator ‚die Diskriminierung homosexueller Schüler und Lehrer tatenlos’ hinnehme. ‚Homosexuellenfeindlichkeit ist unter Berlins Schülern erschreckend weit verbreitet. 69 Prozent der türkischen und 48 Prozent der deutschen Jugendlichen halten es für ‚abstoßend’, wenn sich zwei Männer auf der Straße küssen. ‚Schwule Sau’ zählt zu den beliebtesten Schimpfwörtern auf Berlins Schulhöfen’, so Zinn.“

    ► Hierzu stellt sich zunächst die Frage, ob die Zahlen valide sind. Mangels näherer Angaben läßt sich dazu nichts sagen.

    ► Zutreffend ist, daß dadurch, daß überhaupt nach Nationalität unterschieden wird, immer schon die gegebene rassistische Struktur reproduziert wird. Gleiches gilt in Bezug auf den Sexismus und das beständige Reden über Männer und Frauen und deren Unterschiede. Das, was Louis Althusser über die Klassenverhältnisse sagt, gilt entsprechend auch für andere gesellschaftliche Herrschafts- und Ausbeutungsverhältnisse: Die Klassen sind nicht prä-existent, sondern konstituieren und reproduzieren sich im Prozeß des ökonomischen, politischen, ideologischen usw. Klassenkampfes und damit auch im Prozeß des Redens über sie (page 49 mit note 12).

    Gleichzeitig gilt aber auch, daß derartige Ausbeutungs- und Herrschaftsverhältnisse nicht nur Einbildungen sind, die dadurch verschwinden, daß einfach nicht mehr über sie und die mit ihnen verbundenen Phänomene gesprochen wird.

    ► Allein das Benennen der unterschiedlichen Zahlen für deutsche und türkische Jugendliche würde ich daher noch nicht rassistisch nennen.

    Und die Kommentierung des LSVD dazu bezieht sich auf Homophobie allgemein: „Generell glaubt der LSVD, dass der Bildungssenator ‚die Diskriminierung homosexueller Schüler und Lehrer tatenlos’ hinnehme.“ Hier deutet nichts darauf hin, daß sich der LSVD nur gegen Homophobie seitens nicht-deutscher Jugendlicher wendet; in Anbetracht der genannten 48 %-Zahl für die deutschen Jungendlichen wäre eine solche einseitige Schwerpunktsetzung auch völlig unverständlich.

    ► Problematischer als die Nennung und Kommentierung der Umfragezahlen für deutsche und türkische Jugendliche sind hingegen die Ausführungen zum Islam:

    -- Da andere Ursachen nicht benannt werden, entsteht der Eindruck, daß in erster Linie der Islam für Homophobie verantwortlich sei – letztlich auch für die Homophobie unter deutschen Jugendlichen, obwohl diese nur zu einem geringen Anteil muslimisch sind.

    -- Außerdem tendiert die Erklärung augenscheinlich zur Dramatisierung: Aus Material für Lehrer (!) über den Islam wird abgeleitet: „Damit wird letztlich der Einführung von Regeln der Scharia an Berlins Schulen Vorschub geleistet“. Selbst wenn es sich nicht um Material für Lehrer, sondern um Unterrichtsmaterial handeln würde, kann daraus, daß bestimmte Positionen (hier die Position von angeblich „‚erzkonservativen’ Imamen“) dargestellt werden, nicht geschlußfolgert werden, daß diese zu Regeln der Schule gemacht werden sollen.

    -- Eine Dramatisierung stellen auch diese Sätze dar: „Statt islamischen Hardlinern die Türen zu Berlins Schulen immer weiter zu öffnen, sollte Bildungssenator Jürgen Zöllner dafür sorgen, dass der reguläre Unterricht an Berlins Schulen überhaupt noch stattfindet. Aufgrund falscher Rücksichtnahme auf ‚religiöse Gefühle’ können die Lehrpläne in einigen Fächern kaum noch eingehalten werden“.

    Diese Dramatisierung ist zweifelsohne zu kritisieren, genauso klar sollte allerdings sein, daß die Position, es soll keinen religiösen Einfluß auf staatliche Lehrpläne geben, richtig (und nicht etwa rassistisch) ist – entscheidend ist freilich, daß diese Position nicht nur gegenüber dem Islam, sondern bspw. auch ggü. den christlichen Kirchen bezogen wird..."

    theoriealspraxis.blogsport.de/2010/06/29/noch-einmal-zu-den-
    rassismus-vorwuerfen-gegen-den-berliner-csd/
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#7 GayreporterAnonym
  • 02.02.2011, 20:54h
  • Ich bin stolz auf meine ehemalige Uni, dass sie sich von den PClern nicht den Mund verbieten lässt, echte Schleswig-Holsteiner halt.
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#8 GayreporterAnonym
  • 02.02.2011, 20:57h
  • Angeblich homophobe Moslems? Bei so viel Realitätsverweigerung wird das nie was mit unserer Gleichstellung. Fragt doch mal Schwule in Amsterdam, wie die sich neuerdings fühlen?
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#9 julian21
  • 02.02.2011, 21:11h
  • Erstmal danke queer.de-Redaktion! Dafür, dass ihr nicht nur hier sondern auch insgesamt nen sehr differenzierten Eindruck macht und nicht auf den Zug aufspringt, der nur Vorurteile zu bieten hat und höchstens an der Oberfläche der Probleme kratzt.

    Ich hab den Fragebogen mal selber ausgefüllt und ich muss sagen, dass mir genau die gleichen Sachen aufgefallen sind (natürlich bin ich nicht ganz unvoreingenommen reingegangen ;).

    "Und während andere Gruppen wie Neonazis später nicht mehr vorkommen, kommt der Fragebogen nach der Abfrage der Zustimmung zu rätselhaften Law-and-Order-Thesen"

    Genauso isses: Erst das ganze Befrage zu allen Gruppen und dann auf einmal nur beschränkt auf Muslime. Hat für mich so den Eindruck gemacht, als wenn vorher alles schick analysiert wird und dann kommen die Befrager plötzlich wie die Lehrer und stellen fast rhetorische Fragen, womit sie zum Schluss kommen, dass die Muslime Schuld an der ganzen Sache sind.

    Beispiel:
    "Muslimen sollte die Zuwanderung nach Deutschland untersagt werden."

    Diese Muslimlastigkeit gepaart mit der einseitigen tendenziösen Frageformulierung... Dabei kann einfach kein gescheites Ergebnis rauskommen! Wenigsten hätten sie die Fragen nochmal genau umgekehrt (positiv) formulieren können.

    Außerdem kommen die heiklen Fragen auch erst zum Schluss, wenn die Befragten schon keine Lust mehr haben könnten und sowieso schon eher dazu tendieren voreingenommen zu antworten.

    Das sind eigentlich Grundlagen der Methoden der Sozialwissenschaften...
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#10 HomoTerroristEhemaliges Profil