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Der exzentrisch-tuckige Verräter im neuen Disney-Film "Tron Legacy": Zuse

Homophobe Science-fiction aus Hollywood: Der Disney-Film "Tron Legacy" zeichnet das Bild des effeminierten, verräterischen Schwulen als Unterstützer des Urbösen.

Von Harald Baumgarten

In den Achtzigern war der Science-fiction-Film "Tron" visuell und thematisch ein Meilenstein, da er als erster Film überhaupt die virtuelle Welt ins Zentrum der Handlung rückte und diese auf ungewohnte Art und Weise anschaulich machte.

Nun ist "Tron Legacy" in den Kinos angelaufen. Optisch ist der Disney-Film im neuen Jahrtausend angekommen - von der Handlung kann man dies leider nicht behaupten. Der amerikanische Film setzt auf urkonservative Stereotype und hat zudem deutlich homophobe Untertöne. Seine Moral kann man so zusammenfassen: Hüte dich vor Schwulen, bösen Deutschen und Atheisten!

Holocaust an unschuldigen Programmen

Doch von vorn: Flynn, der schon aus dem ersten Teil bekannte Protagonist, hat seine eigene virtuelle Welt erschaffen und dort ein Programm namens Clu mit der Verwirklichung einer perfekten Welt beauftragt. Es kommt wie es kommen muss, Clu rebelliert gegen seinen Schöpfer und Flynn bleibt in der virtuellen Welt gefangen. Clu offenbart sich als das Urböse durch die Verübung eines Holocausts an unschuldigen Programmen. Schließlich lockt es sogar Flynns Sohn Sam in die virtuelle Welt, um durch ihn die Möglichkeit zu erlangen, auch die Welt seines Schöpfers erobern zu können.

Sam wiederum ist der Prototyp des Walt-Disney-Teeniehelden, ein zweihundertprozentiger Hetero, der alle guten Eigenschaften dieser und jener Welt verkörpert. Nachdem Sam erfahren hat, dass sein Vater es aufgegeben hat, gegen Clu alias Lucifer/Hitler zu kämpfen, um die reale Welt nicht zu gefährden, macht er sich auf den Weg zurück. Ein angeblich vertrauenswürdiges Programm namens Zuse soll ihm dabei helfen.

Youtube | Zuses erster Auftritt im Film

Sich verändert, um in der neuen Welt zu bestehen


Tunte Zuse wurde nach dem deutschen Ingenieur Konrad Zuse benannt, der nicht Computer baute, sondern auch Bomben und Torpedos für die Nazis

Kommt einem der Name Zuse nicht irgendwie bekannt vor? Ja, klar: Konrad Zuse war der deutsche Erfinder des ersten Computers der Welt - und nebenbei Erbauer von Bomben und Torpedos für die Nazis. Kein Wunder, dass Zuse sich im Laufe des Films als böser Verräter entpuppt und als Karikatur einer Tunte daherkommt. Dem verwunderten Sam erklärte das Programm, es habe sich "verändert, um in dieser neuen Welt bestehen zu können".

Zuse verrät nicht nur Sam, er stellt sich auch offen gegen seinen Schöpfergott Flynn und stiehlt ihm die Geheimnisse, die es Clu ermöglichen, in die reale Welt zu gelangen. Zum Dank für den Hochverrat wird Zuse von Clu getöet.

Der Rest ist schnell erzählt: Die Geheimnisse werden zurückgeholt, Flynn vergibt Clu und holt ihn zurück in seine Arme, Sam verliebt sich unsterblich in die hübsche, virtuelle Quorra und bringt sie in die reale Welt, wo sie glücklich und heterosexuell bis an ihr Lebensende lebten...

Was bleibt? Gottesfürchtige, heterosexuelle, amerikanische Helden haben schwule deutsche Atheisten-Faschischten besiegt. "Tron Legacy" zeichnet das Bild des effeminierten, verräterischen Schwulen als Unterstützer des Urbösen. Dies erinnert leider an die schlimmsten Zeiten des Hollywood-Films, in denen Schwule ausschließlich als lispelnde, heimtückische Mörder dargestellt worden sind.

Youtube | Zuse hat allerdings auch Fans: 19-Sekunden-Mix auf YouTube


#1 SchwTAAnonym
  • 09.02.2011, 08:06h
  • So what? Wenn es Filme mit guten Schwulen gibt, soll es auch Filme mit bösen Schwulen geben. Gleichgeschlechtliche Anziehung ist ja wohl kein Garant für tadellosen Lebenswandel :-).

    Also, persönlich ficht mich das nicht an - wir reden hier von einem Film, der ganz offensichtlich Fiktion ist, und da darf m.E. auch gerne 'mal eine zickige Tunte die Handlangerin des Bösen sein. Eine globale Signalwirkung in Sachen Homophobie ist da nicht zu erwarten - da finde ich das reale Leben bedeutend aussagekräftiger, siehe die monotheistsichen Glaubensrichtungen, die uns das Leben zur Hölle machen wollen.
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#2 FoXXXynessEhemaliges Profil
#3 Tobi CologneAnonym
  • 09.02.2011, 09:26h
  • "Seine Moral kann man so zusammenfassen: Hüte dich vor Schwulen, bösen Deutschen und Atheisten!"

    Das ist genau dieses erzkonservative Weltbild des klassischen Hollywood, das für soviel Leid mitverantwortlich ist. Denn eines muss jedem klar sein: Filme, Musik, etc. beeinflussen Weltbild und Denkweise von Menschen ganz enorm.

    Deswegen ist das eine sehr schlechte Nachricht.

    Ich hoffe, dass der Film ein grandioser Flop wird!
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#4 nurikoAnonym
  • 09.02.2011, 09:36h
  • Ich habe den Film gestern Abend im Kino gesehen.
    Zeigt er eine heterosexistisch überhöhte Welt? Ja, natürlich! Wie man es auch bei einem Science-Fiction-Blockbuster wohl nicht anders erwartet. Genauso war's bei "Transformers", genauso ist es in jedem gängigen Superhelden-Filmchen, genauso ist es bei allen Blockbustern von "Star Wars" bis "Herr der Ringe".
    Zuse als eine diffamierende Darstellung eines Schwulen?
    Habe ich die Szene verpasst, in der er über andere Kerle drüber rollt? Er wird nirgendwo als schwul identifiziert.
    Natürlich sucht sich die TRON-Welt Gegenbilder zum jugendlichen (und ziemlich uninteressanten) Helden und findet einen klassischen Gegenentwurf im affektiert-effeminierten Halbwelt-Boss. Genau dasselbe Bild benutzt aber auch Thomas Mann für die Kunst-Herren in „Der Tod in Venedig“, Baldwin im Barbesitzer in „Giovannis Zimmer“ oder Oscar Wilde (abgeschwächt) im Lord Henry im „Bildnis des Dorian Gray“. Sind die jetzt auch homophob?
    Filme wie TRON sind nicht dafür bekannt, eine besonders innovative Handlung zu haben und insgesamt ist er auch ziemlich lahm, abgesehen vom wirklich guten Soundtrack und dem klassischen Set-Design. Ihm aber in besonderem Maße und explizite Homophobie unterstellen zu wollen finde ich albern!
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#5 joshiProfil
  • 09.02.2011, 09:49hBerlin
  • mmhhh....
    zuse ist ne böse tunte, ja und er ist gewiss nicht meine wunschfigur.... schade für den film.
    für mich sah es so aus, als wäre sam ursprünglich gar nicht so 200% hetero gewesen, auf die frage nach seiner freundin antwortet er ja, er hätte lieber nen hund *g* und das iso-girl erschien mir wie nachträglich in die story gepflanzt.
    für disney verhältnisse wurde jedoch erstaunlich viel zum denken angeregt, immerhin da lag ein go-spiel, keine sexszene.
    und flynn sprach ein wenig philosophisch, auch wenn dies immer wieder gekonnt durch schwachsinn der "jungen" ausgeglichen wurde.
    ich denke wir sind wieder in den 50er jahren wo wieder regisseure gefragt sind die am hetero-propaganda willen der produzenten vorbei trotzdem (manchmal) gute filme machen....
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#6 CodyXD
  • 09.02.2011, 10:28h
  • Was für ein Blödsinn, wenn eine Tunte also böse ist, ist der Film homophob? Tunten dürfen also nur 'gut' sein? Und der Filmheld muss wenigstens Bisexuell sein damit der Film nicht ein Machwerk böser Heten ist? DAS ist Schubladendenken, wenn Tunten nicht auch böse Figuren sein dürfen wäre das ziemlich einseitig und arm. Aber manchmal muss man wohl die Nadel im Heuhaufen suchen um schön was zu jammern zu haben.
    Mir hat der Film super gefallen, trotz (oder gerade wegen?) Hetenlovestory... Rein gehen und einen Actionfilm genießen, wer tiefe Handlung erwartet wird enttäuscht, wer einfach Spaß haben will, wird zufrieden sein...
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#7 SvenAnonym
  • 09.02.2011, 10:53h
  • Der Film war gutes Popkornkino. PS...ich als schwuler fühle mich diskriminiert, wenn ich uns nur noch in guten Rollen sehe. Schliesslich sind die bösen Jungs immer cooler ;-)
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#8 eMANcipation*Anonym
  • 09.02.2011, 11:30h
  • Geht mit offenen Augen in den öffentlichen Raum,

    und dann ist unübersehbar, dass genau DAS sich auch immer aggressiver in die Köpfe schon von Vorpubertierenden frisst.

    Und niemanden interessiert's.

    Schwule zu beleidigen und herabzuwürdigen, sich von ihnen abzugrenzen, gehört inzwischen zum zwang- und krampfhaft "guten" Ton!

    Und die Massenmedien mit ihrem immer penetranteren Heterosexismus leisten einen ganz entscheidenden und verheerenden Beitrag dafür,

    dass es im Jahr 2011 eine noch nie dagewesene, offene Schwulenfeindlichkeit in der Alltagskommunikation von Jugendlichen gibt.
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#9 eMANcipation*Anonym
  • 09.02.2011, 11:39h
  • Antwort auf #8 von eMANcipation*
  • Übrigens wieder bezeichnend, dass der widerliche und aggressive Heterosexismus, mit dem inzwischen schon Kinder immer und überall massenmedial vom ersten Atemzug an zugemüllt werden, von den üblichen, sich anbiedernden Bloßnichtsgegendie"Mehrheit"sagenundumjedenPreisdabeisein-Schwulen verharmlost und beschönigt wird.

    Solange WIR noch nicht mal merken, was in dieser Gesellschaft abgeht, kann es natürlich nur immer noch verheerender in genau diese Richtung gehen!
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#10 jojoAnonym
  • 09.02.2011, 12:28h
  • die "kontrast-tunte" zur verdeutlichung und überhöhung der heterosexualität des helden ist wohl einer der ältesten bestandteile der klischeekiste im film. üblicherweise gilt die faustregel: je "maskuliner" der held, desto phantasieloser die story, desto größer die gewalt, mit der die tunte am ende "bestraft" oder getötet wird. das gilt umso mehr, wenn der held gleichzeitig auch noch "opfer" einer anmache durch die böse tunte wird - dafür gibt's natürlich mächtig was auf die eier, um die rangordnung wieder zu klären.

    dass dieses dumme und gefährliche klischee so häufig vorkommt, dass es vielen von uns offenbar inzwischen als völlig "normal" erscheint, finde ich beunruhigend.
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