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  • 24. Juli 2004, noch kein Kommentar

Thailands Kokosnuss-Insel putzt sich heraus für die Touristen. Auch die schwule Szene wächst und gedeiht.

Von Christian Scheuß

Eine Flugstunde von Bangkok entfernt beginnen die Überraschungen. Wer mit Bangkok Airways direkt auf Ko Samui landet, lernt als erstes den niedlichsten Flughafen der Welt kennen. Mit kleinen, hölzernen Elektrowaggons rattern die Passagiere vom vor Hitze flirrenden Rollfeld zur "Ankunftshalle". Die "Halle" ist eine Art überdachter Platz im Freien. Schalter, Gepäckbänder und Wechselstube stehen unter Holzdächern, Wände gibt es keine. Offensichtlich vertraut man auf der im Nordosten mitten im Golf von Thailand gelegenen Insel dem Wetter. Tatsächlich regnet es hier allenfalls nachmittags ein paar Stunden, ansonsten ist es der Ort für Sonnenanbeter schlechthin.

Zweite Überraschung: Der "Little Palace", wie das Gästehaus heißt, ist wirklich so etwas wie ein kleiner Palast. Abgeschottet von Lärm und neugierigen Blicken durch eine hohe Mauer, liegt das Holzhaus im Thaistil in einer kleinen, grün wuchernden Oase. Der aus Karlsruhe stammende Wolf Freund (64) hat sich hier seinen Traum vom netten Rentnerdasein verwirklicht. Der ehemalige Kameramann liegt aber nicht auf der faulen Haut. Damit es nicht zu langweilig wird, vermietet er seine zwei großen Zimmer, in einem Anbau direkt gegenüber gibt es zudem mehrere günstige Gästezimmer. Er ist nicht der Einzige, der hier auf der Insel Zimmer für Schwule anbietet, allerdings, so betont er: "FKK ist nur bei mir hier am Swimmingpool möglich." Ungezwungen soll es hier zugehen, und wenn man seinen vielen Geschichten lauscht, so wissen das seine Gäste auch zu nutzen und zu schätzen.

Ko Samui ist kein wirklicher Geheimtipp mehr. Auch wenn Raver und Backpacker eher die kleinere Nachbarinsel Ko Phangan kennen. Einmal im Monat finden dort nämlich die berühmt-berüchtigten Fullmoon-Partys statt, bei denen Hunderte zu wummernden Technobeats den Sand am Strand platt tanzen. Und dabei entsprechend viel Müll produzieren. Seit 30 Jahren gibt es jedoch auf der Kokosnuss-Insel, wie Ko Samui auch genannt wird, organisierten Tourismus. 800.000 Besucher kamen 2003, seit ein paar Jahren verändert sich die Insel sogar ziemlich rasant. Feriensiedlungen, und Hotelanlagen entstehen entlang der Strände, hochwertige Bungalowreihen klettern an den mit Palmen bewachsenen Hügeln empor. Nach dem Willen der thailändischen Regierung soll hier ein sanfter und vor allem familienfreundlicher Tourismus gefördert werden. Hochhausbunker und schrille Vergnügungsviertel wie in Pattaya oder Phuket will man hier nicht haben. Stattdessen ist ein Golfplatz geplant.

Das heißt aber nun nicht, dass man hier nur Kokosnüsse schlürfen und am Strand liegen kann. Gerade die Straße entlang des Chaweng-Strandes ist eine quirlige Flanier-, Einkaufs- und Ausgehmeile. McDonalds und Starbucks sind bereits mit Filialen vertreten. Die Shops mit den raubkopierten DVDs liegen einträchtig neben Modeboutiquen. Und abends geht man in eine der vielen Bars. Wer es original mag, in die große mit der Thai-Livemusik, wo sich die Einheimischen vergnügen. Und wer es geschminkt mag, kann zwischen zwei Drag-Show-Bars wählen. Schon zwei Stunden vor der nächtlichen Vorstellung stehen die Ladyboys in vollem Fummel auf der Straße, um Neugierige anzulocken, und man wundert sich die ganze Zeit, dass die Herren Damen unter ihren Federboas und Strasskleidern in der Hitze nicht zerfließen.

Überhaupt ist die Szene größer als man vermutet. In einer Seitenstraße der Chaweng-Meile machen sich mehrere kleine Läden Konkurrenz, die Jungs darin bemühen sich lautstark um die ankommenden Gäste. Wer es auch von der Musik her etwas leiser mag, der geht bis ans Ende der Straße in das Internetcafé "The Site", dass von einem Niederländer betrieben wird. Wie überall in Thailand endet auch auf Ko Samui das Nachtleben um zwei Uhr morgens. Schlaf nachholen kann man dann am schwulen Strand, der zwischen Flughafen und Chaweng mit dem Motorroller schnell zu erreichen ist. Eine ruhige Ecke mit viel Gebüsch drum herum, wer will, kann sich sogar eine thailändische Massage am Strand verpassen lassen. Wolf Freund vom "Little Palace" ist sich allerdings nicht sicher, wie lange es diese stille kontaktfreudige Ecke noch geben wird: "Die Neubauten rücken näher." Auch wer auf die Insel wiederkehrt, der muss mit Überraschungen rechnen.