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Das winterliche Stockholm (Bild: Norbert Blech)

Es wird Frühling. Schade, denn der Autor würde gerne zurück ins winterliche Schweden. Aber auch im Sommer lockt ein CSD ins warme Stockholm.

Von Norbert Blech

14 Inseln, 50 Brücken und unzählbare Schönheit - es ist nicht einfach, Stockholm in einem Satz zusammenzufassen, der die Bewunderung annähernd trifft. Die Stadt ist ein Traum, gerade im Winter: Anderswo mag Matsch mit Streusalz liegen, hier kann man noch durch Gassen mit fußhohem Schnee stampfen und etwa in der malerischen Altstadt die Vorweihnachtszeit genießen, ungestört von "Last Christmas"-Beschallung.

Denn Schweden ist eher nüchtern, evangelisch. Wenn am frühen Nachmittag die Sonne untergeht und in fast jedem Fenster die fast überall gleichen Dreieck-Kerzenständer gegen die Dunkelheit ankämpfen, werden auch Weihnachtshasser selig. Dabei verliert die Stadt auch im Sommer ihre Schönheit nicht, wenn die Sonne gar nicht untergehen will und die alten Häuser bis nach Mitternacht erleuchtet.

Es leuchtet freilich auch von innen: Schweden sind, wie es das Klischee zurecht besagt, tolerant und freundlich. Und was die Kontaktaufnahme erleichert: Praktisch alle sprechen ein hervorragendes Englisch, viele auch Deutsch - ein "tack" für Danke sollte man sich freilich schon merken.

Das Nachtleben und das Glögg


Eine Altstadtgasse mit Szene-Café (Bild: Norbert Blech)

So kann man auch in der Szene viel Spaß haben, sollte aber wissen: Wer zu angetrunken ist oder zu sehr herumgrapscht, läuft Gefahr, aus dem Club geworfen zu werden. Und es lohnt sich, vorher zu fragen, wann die Discos schließen (in der Regel um drei Uhr): an den Garderoben bilden sich urplötzlich lange Schlangen.

Anlaufpunkt der Szene ist freitags die Paradise-Party im Kolingsborg-Club, von der mittleren Tanzfläche aus hat man einen schönen Blick auf das nächtliche Stockholm. Wenn man sich beeilt, bekommt man noch eine Drag-Parodie von Lenas "Satellite" geboten. Samstags lockt das Zipper und sonntags das Partyschiff Lady Patricia.

Es gibt weitere Clubs und Discoabende in Stockholm, das überall ausliegende QX Magazin bietet dazu die passenden Infos (übrigens auch online samt Guide). Die Szene ist insgesamt eher gemischt, zu den Ausnahmen gehören Pornokinos und Leder- und Uniformclubs wie das SLM. Was fehlt, ausgerechnet hier, ist eine schwule Sauna. Zum Aufwärmen im Winter empfiehlt sich daher "Glögg", die schwedische Glühweinvariante samt Mandeln und Rosinen, die man aufgrund eines Alkoholverbots auf Plätzen nur in Restaurants, Cafés und Kneipen geboten bekommt.

Die gibt es in ihrer schwul-lesbischen Version in Stockholm reichlich, auf der bezaubernden Altstadtinsel Gamla Stan etwa direkt am Weihnachtsmarkt mit dem heimeligen Chokladkoppen, für Abends empfiehlt sich der moderne Restaurant-/Bar-Verschnitt Torget. Oder im trendigen SoFo-Viertel, wo Freitags das lebendige Restaurant Momma besonders Lesben anlockt (aber nicht nur). Steht man beim Momma vor der Tür (in Schweden herrscht ein umfassendes Rauchverbot, weswegen man als Süchtiger unbedingt Snus ausprobieren sollte), hat man einen schönen Blick auf den weißen Qualm, der aus einem ehemaligen Atombunker hervorsteigt - Wikileaks wird hier gehostet. Internet-affin sind die Schweden sowieso: fast überall lockt kostenfreies W-Lan.

Wer Angst hat, Stockholm könnte im Winter zu kalt sein, kann die Stadt auch im Sommer entdecken: Etwa mit rund 500.000 anderen Besuchern zum CSD, der Ende Juli bis Anfang August stattfindet. Vor zwei Jahren hat er einen Kollegen ziemlich begeistert.

Von Pittoresk bis Transgender


Der CSD in Stockholm ist ein Erlebnis (Bild: Yanan Li - Stockholm Visitors Board)

Was sollte man unternehmen an einem Wochenende in Stockholm? Ganz klar gehört die pittoreske Altstadt mit ihren Gassen und Läden sowie dem Königsschloss zu den Highlights. Auch das Rathaus gehört besucht (wenn man hier nicht gleich seinen egalgeschlechtlichen Partner heiraten will), vom Turm aus hat man einen umfassenden Blick auf die Metropole und im goldenen Saal, in dem jährlich die Nobelpreis-Verleihung stattfindet, kann man das Abbild von Königin Christina suchen.

Kristina Augusta, 1626 bis 1689, würde man heute als Transgender bezeichnen, sie trug gerne männliche Kleidung. Das erzählt einem die transsexuelle und allwissende Stadtführerin Nadia, die zum CSD (und auf Anfrage) eine Transgender-Tour abhält und beim Stadt-Museum arbeitet. Das bietet auch Touren zur schwul-lesbischen Geschichte der Stadt, am populärsten ist freilich die Millenium-Tour, in der man die Originalschauplätze aus der Buchreihe von Stieg Larsson besichtigen kann (die Verfilmungen der Krimis, in der ein Journalist und eine (bisexuelle) Hackerin ermitteln, laufen derzeit sonntags im ZDF).

Für Schwule und Lesben auch interessant ist ein Besuch in Millesgården bei den homo-erotischen Männer- und Frauen-Skulpturen des Künstlers Carl Milles. Das Vasa-Museum präsentiert das einzig erhaltene Schiff aus dem 17. Jahrhundert, der einstige Stolz der königlichen Marine sank bei seiner Jungfernfahrt noch innerhalb von Stockholm und wurde erst 1961 geborgen - Backgammonbrett der Matrosen inklusive.

Natürlich kann man auch in Stockholm fein shoppen, in SoFo finden sich kleine Läden von Kunst über Schallplatten bis hin zu Second-Hand-Mode, auf Norrmalm große Kaufhäuser und Designerläden. Erholung vom Einkaufsstress findet man in Skansen, dem ältesten Freilichtmuseum der Welt. Neben Tieren stehen alte Gebäude und Handwerksbetriebe im Vordergrund, im Winter gibt es dazu einen Weihnachtsmarkt mit Gesang und Tanz. Und natürlich Glögg.

Praktische Tipps

Anreise
Mit SAS und Lufthansa haben zwei ausgesprochen homofreundliche Airlines Stockholm im Visier, auch Air Berlin und Germanwings fliegen ab einigen deutschen Städten. Vom Flughafen Arlanda bringen Expresszüge (ca. 22. Euro) oder Taxis (50 Euro) die Besucher in die Innenstadt. Es gibt eine Stockholm Card mit kostenlosem Museen-Eintritt und Nutzung des Nahverkehrs; wer auf einer der Innenstadtsinseln wohnt, sollte sich das Geld sparen und die Stadt erlaufen, auch und gerade im Winter.

Übernachten
In der schwedischen Hauptstadt gibt es Hotels aller Preisklassen - und eigentlich alle sind LGBT-freundlich. Nett und zentral übernachten kann man im Berns, das zugleich einen Konzertsaal, ein hervorragendes asiatisches Restaurant, das morgens als Frühstückssaal dient, und einen Nachtclub beherbergt. Zu den Unterstützern der Szene gehören auch das Design-Hotel Clarion sowie, mit einem gegenüberliegenden Blick auf die Altstadt, das Sheraton und Hilton.

Essen und Trinken
Die schwedische Küche kann modern sein, wie etwa ein Essen bei Starkoch Pontus Frithiof zeigen sollte. Wer auf Köttbullar oder Älg nicht verzichten möchte, kann die landestypischen Köstlichkeiten in einer Einrichtung aus dem 18. Jahrhundert im Clas på Hörnet zu sich nehmen. Eigentlich unverzichtbar ist ein (vorab zu buchender) Besuch in der Absolut Icebar, wo Handschuhe und Umhänge Schutz gegen die Kälte bieten, die der komplette Raum in Eis mit sich bringt. Für die überall in Schweden vergleichsweise recht hohen Alkoholpreise wird man mit dem verzüglichen Leitungswasser (kranvatten) entschädigt.

Direktlink | Auch die amerikanischen Kollegen von Passport.TV waren von ihrer Pressereise ins queere Stockholm begeistert.
Weiterer Stockholm-Bericht des Teams.
Galerie:
Gay Stockholm
22 Bilder


#1 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 16.02.2011, 09:53h
  • Stockholm ist eine schöne Stadt und eine Reise wert. Allerdings sollte man vorher genug Geld auf der hohen Kante haben, da Schweden und seine Hauptstadt sehr teuer sind.
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#2 FloAnonym
  • 16.02.2011, 10:30h
  • Die ganzen skandinavischen Länder (Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland) sind alle sehr schön - sowohl in den Städten als auch auf dem Land. Mein Sommer in Schweden bleibt mir unvergessen...

    Und vor allem:
    das sind bzgl. Homosexualität sehr liberale und vorbildliche Staaten, die in Europa (zusammen mit den Niederlanden) immer zu den Vorreitern zählten...

    Und wie gesagt:
    schöne Länder mit tollen Landschaften und aufregenden Städten!! Und nette Menschen!
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#3 CarstenFfm
  • 16.02.2011, 11:09h
  • Stockholm ist wirklich sehr schön.

    Die schwule Szene ist allerdings extrem langweilig.
    Komisch, wo Schweden doch so ein tolerantes Land ist.

    Als Gay-Hauptstadt von Skandinavien gilt gemeinhin Kopenhagen... auch nicht soooo dolle Szene, aber mehr als Stockholm.
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#4 daVinci6667
  • 16.02.2011, 11:41h

  • Es wird Frühling, Mitte Februar und das da oben in Stickholm? Also hier, um etliches südlicher, frier mir gerade den A... ab! Wohl eher Wunschdenken oder erwa die warmen Frühlingsgefühle des Autors?

    Auf jeden Fall kann ich nur zustimmen, Stockholm und ganz Skandinavien ist immer wieder eine Reise wert! Und ja, wer's mag auch im Winter, es frieren ja nicht alle so wie ich!

    Anm. d. Red.: Nein, Frühling zurück in Düsseldorf und Köln. Der Reisebericht behandelt den Dezember, wo es in Stockholm zwischen 0 und bis minus zehn Grad warm ist.
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#5 I.Ramos GarciaAnonym
  • 16.02.2011, 13:04h
  • ich glaube, Stockholm muss sehr zu London aehnlich, aber kleiner & vielleicht provinzieller
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#6 alexander
  • 20.02.2011, 20:27h
  • Antwort auf #3 von CarstenFfm
  • ein bisserl steril, was nicht wundert, alkohol irre teuer und alles rauchfrei ! wo soll da atmosphäre herkommen. wir in good old germany sind ja auch schon fast soweit, alles langweilig und na ja witzlos und daurch auch "sterile " menschen !
    wir arbeiten dran !!!!
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