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Szene aus "Zum Teufel mit der Penne" aus dem Jahr 1968: Auch heute noch gibt es Defizite an Schulen.

Weniger als jedes fünfte in Nordrhein-Westfalen genutzte Schulbuch erwähnt in relevanten Fächern Homosexualität als Thema, wie eine Studie des Autonomen Lesben- und Schwulenreferats an der Uni Köln (LUSK) ergeben hat.

Die Autoren untersuchten insgesamt 365 in NRW gebräuchliche Schulbücher aus den Fachbereichen Geschichte, Religionslehre, Englisch, Sozialwissenschaften/Politik, Deutsch und Biologie. Davon behandelten nur 67 Bücher schwul-lesbische Lebensweisen, was einer Quote von 18 Prozent entspricht. Am meisten wurde das Thema in Biologie-Lektüren erwähnt, in insgesamt 55 von 80 untersuchten Büchern. Die restlichen zwölf Erwähnungen stammen aus den Fächern Geschichte und Religion.

"Angesichts der seit 2008 verstärkenden Intoleranz Jugendlicher gegenüber Schwulen und Lesben wäre es aus gesellschaftspolitischer Verantwortung wünschenswert, dass Homosexualität bzw. schwullesbische Lebensweisen stärker in den Fokus der Schulbücher gerückt werden", so das Resümee der Autoren. Sie erklärten, dass sich die Realität der Jugendlichen im Unterricht abbilden müsse. Das geschehe beim Thema schwul-lesbische Lebensweisen nur unzureichend.

Gewalt gegen Schwule und Lesben kein Thema

Es wird etwa kritisiert, dass die Schulbücher im Fach Sozialwissenschaften/Politik umfassend auf Menschenrechtsverletzungen in aller Welt hinweisen, Gewalt und staatliche Verfolgung gegen sexuelle Minderheiten jedoch verschwiegen werden. Homosexualität komme als Thema in über 20 Büchern überhaupt nicht vor, selbst wenn Themen wie "Familie im Wandel" aufgegriffen werden. Das habe Konsequenzen: "So entwickeln die Schüler kein angemessenes, demokratisches Bewusstsein für schwul-lesbische Lebensweisen". Positiv fielen einige evangelische Religionsbücher auf, die sich mit schwulen und lesbischen Paaren sowie "der Aufbrechung von traditionellen Rollenvorstellungen" beschäftigt haben (Bücher für den katholischen Religionsunterricht wurden nicht untersucht).

Auch im Biologie-Unterricht werde Homosexualität nur unzureichend behandelt, obwohl sie in der Mehrzahl der Bücher erwähnt wird. Das geschehe oft nur in einem Glossar am Rande, kritisieren die Autoren, in einem Fall in der Gesellschaft von Themen wie Prostitution und Sadismus. Ingesamt werde in den Büchern eine "einseitig heterosexuelle Sicht" propagiert.

Historisch unkorrekte Geschichtsbücher

Im Lehrfach Geschichte gehe kein einziges Buch gesondert auf die Schwulen- und Lesbenbewegung ein, und auch nur eines habe das Stichwort "Homosexuelle" im Register (es verweist auf eine bemerkenswerte Passage: "So hat sich in den letzten Jahren der Christopher-Street-Day zum Feier- und Protesttag der Homosexuellen entwickelt. Mit Geschichte wird auch Geld verdient.") Ein Buch geht auf die Abschaffung des Paragrafen 175 ein, die meisten kümmern sich um die Verfolgung in der NS-Zeit, "wobei nicht zwischen Schwulen und Lesben unterschieden wird und damit diese Darstellung historisch unkorrekt bleibt." Ein Buch begründet die Verfolgung Schwuler mit "ihrer Lebensführung" - es stammt aus dem Jahr 2009.

Mit der Ausnahme eines Deutsch-Buches, das ein schwules Paar abbildet, gehen keine weiteren Bücher aus den Fächern Englisch- und Deutsch auf Schwule und Lesben ein. Als positives Beispiel für eine faire Behandlung führen die Autoren daher die Niederlande an. Dort hat der größte Schulbuchverlag im vergangenen Jahr entschieden, schwule und lesbische Paare künftig in allen Fächern zu berücksichtigen (queer.de berichtete). Dort sollen etwa im Mathematik-Unterricht Fragen auftauchen wie: "Zwei Väter kaufen ein Sofa für 1.399 Euro mit 25 Prozent Rabatt. Wie viel müssen sie bezahlen?". (dk)



#1 DominikAnonym
  • 18.02.2011, 11:09h
  • Bei meiner eigenen Durchsicht verschiedener Biologieschulbücher ist mir aufgefallen, dass die ersten akzeptablen Ausgaben vor wenigen Monaten im Verlag Klett erschienen sind. Sie enthalten jetzt teils eine ganze Doppelseite zum Themenkomplex Homosexualität/Coming Out/etc. Bis diese neuen Auflagen die Versionen aus den 90ern auch in der Schule verdrängen, wird es aber nochmal lange dauern.

    Die anderen Verlage (Schroedel, Duden) beschränken ihre Aufklärung wie oben angemerkt auf kurze, nichtssagende Glossareinträge und prophezeihen im Fließtext ausführlich ein „Interesse am anderen Geschlecht“.
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#2 alexander
  • 18.02.2011, 11:19h
  • in dieser bunten republik gibt es uns so gut wie gar nicht ! was haben wir also in schulbüchern zu suchen ???
    unsere "verantwortlichen politiker" sind doch mehr mit parteienräson und "persönlicher imagepflege" beschäftigt, wo sollen sie die zeit und verantwortung hernehmen, man kann sich doch nicht um alles kümmern ?
    schwule ? menschenrechte ? bürgerliche rechte ?
    die jugend soll sich gefälligst den "regenbogen" am himmel anschauen und ansonsten, am besten schon mit 12 jahren (wahlalter 16j.???) das kreuzchen richtig machen !!! das hat zu genügen.

    schwule missbrauchen wir nur alle 4-5 jahre für wahlen ! ansonsten haben sie sich gefälligst anzupassen und das maul zu halten, was wollen die 10% eigentlich noch ???
    gleichberechtigt leben können die frühestens, wenn den femininen unter ihnen endlich titten wachsen und sie kinder für die renten ect. auf den "freien markt" werfen !!!
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#3 SalingerAnonym
  • 18.02.2011, 11:41h
  • Ich als werdender Lehrer stelle mir bei dieser Diskussion oftmals die Frage, warum "schwul-lesbische Lebensweisen" von so großer Relevanz für Schulbücher sind. Für mich besteht kein Zweifel daran, dass in der Schule eine gewisse Aufklärungsarbeit geleistet werden sollte, damit Homosexualität das Abnormale und Lächerliche in den Augen der Kinder verliert - aber ich bin mir nicht sicher, ob Mathematik-Aufgaben wie das genannte Beispiel diese Barriere niederreißen können.

    Natürlich gibt es auch in den Unterstufen Fächer, in denen eine gewisse Aufklärungsarbeit angebracht ist und ihren Platz finden sollte: Biologie, aber auch Fächer wie Religion, Philosophie und Ethik bieten hier meiner Meinung nach genug Möglichkeiten für den Lehrer, Schüler auf Thematiken und Sachverhalte hinzuweißen und zu diskutieren. Auch in Deutsch können im Literaturunterricht gleichgeschlechtliche Themen fokussiert und behandelt werden, denn in diesem Rahmen und den Kapazitäten dieser Schulfachprofile gibt es auch Platz für Diskussionen und Gespräche, die dem Verständnis der Schüler behilflich sein können und die Schüler zu einer intensiven Auseinandersetzung mit der Thematik bewegen.

    Der Fokus anderer Fächer wie Mathematik und Englisch liegt in den ersten Schuljahren allerdings erstmal auf Wissenserwerb, gelerntem Umgang mit neuen Techniken und Grundwissenserweiterung. Die hier gestellten Aufgaben erfüllen in erster Linie erstmal den Zweck, dem Schüler für das Fach nützliche Informationen zu vermitteln. Warum in diesen Aufgaben auch noch die Rede von "2 Vätern" sein muss verstehe ich nicht. Ich denke nicht, dass das alleinige Erwähnen eines gleichgeschlechtlichen Paares mehr Verständnis schafft oder Schüler dazu motiviert, sich tiefer mit dieser Thematik zu beschäftigen; im Gegenteil, es kann sogar für mehr Unruhe und Ablenkung sorgen.

    Gerade in niederigeren Klassenstufen sollten eben Diskussionplattformen wie gesprächlastige Fächer gewählt werden, um sich mit Homosexualität auseinanderzusetzen. Auch sollten meiner Meinung nach mehr Veranstaltungen innerhalb der Schule eingerichtet werden, wie z.B. offene Diskussionstage, wo auch andere Leute (neben Lehrern) in die Schule kommen und mit den Schülern im Klassenkreis und danach nach Bedarf auch im kleineren Kreise Gespräche führen und somit einen normalen Umgang mit Homosexualität ermöglichen.

    Fremdsprachen sollten solche Thematiken erst aufgreifen, wenn die kognitiven Fähigkeiten zu Diskussionen erreicht wurden. Schließlich geht es bei dem Thema der Homosexualität in erster Linie nicht um puren Wissenserwerb, sondern eher um eine gezielte und konkrete Auseinandersetzung mit Homosexualität und darum, Vorurteile aus dem Weg zu räumen.

    Da die Bildungspolitiker leider die Lehrpläne immer straffer gestalten und die Schulzeiten verkürzen, wird es für Lehrer natürlich auch immer schwieriger, solche Diskussionen oder Aktionstage abzuhalten, denn in vielen Bereichen sind sie nicht mehr ihr eigener Herr. Daher achtet man leider viel zu häufig darauf, den Stoff zu vermitteln und lässt außerschulische Themen außen vor, nur um sein Soll zu erfüllen.

    Natürlich bin ich der Meinung, dass Homosexualität vor allem in der Schule thematisiert werden muss - schon allein aufgrund der Erziehungsaufgabe der Institution. Dies sollte aber in einem Rahmen geschehen, wo Schüler auch die Möglichkeit haben, zu sprechen und sich damit auseinander zu setzen. Nur durch die Erwähnung zweier gleichgeschlechtlicher Partner in einer Mathematikaufgabe oder in einem Dialog im Englisch Buch werden die Vorurteile nicht abgebaut.
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#4 alexander
  • 18.02.2011, 12:10h
  • Antwort auf #3 von Salinger
  • ich muss dir widersprechen. gerade die selbstverständlichkeit, auch im aufgabenbereich, führt zu einer akzeptanz die positiv zu bewerten ist. langfristig würden dadurch auch die völlig überzogenen debatten über "schwul und normal" entschärft, weil eine selbstverständlichkeit (wohlgemerkt langfristig) hergestellt würde, die gerade jüngere schüler dann nicht mehr in frage stellen würden. solange wir noch "diskussionsgrund" sind, belegt das den enormen nachholbedarf. und genau darauf muss hingearbeitet werden, auch in bereichen, die keinen direkten zusammenhang mit der thematik haben.
    natürlich hast du recht mit dem zeitlichen stoffproblem an unseren schulen, nur dieses problem hat damit nichts zu tun.
    im gegenteil die lehrerschaft sollte bewusst gegen diese missstände vorgehen. ich bin mir klar darüber, dass das nicht sehr "praxisnah" gedacht ist.

    in anlehnung an deinen "nick", den "fänger im roggen" las ich schon mit 12 jahren mit begeisterung !
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#5 IchAnonym
  • 18.02.2011, 12:11h
  • Man darf auch nicht vergessen, wie Schulbücher entstehen. Zum einen haben die Verlage wenig Interesse an einer inhaltlichen Neuerarbeitung, denn das kostet Geld. Viel Geld. Also werden alte Inhalte nur neo verpackt.
    Dann kommt natürlich dazu, daß auf politischer Ebene entschieden wird, was in den Schulbüchern steht. Die Wissenschaft hat da wenig zu sagen. Fragt mal z.B. einen Geschichtsprof an der Uni, was er von deutschen Schulbüchern hält. Grob geschätzt hängen die dem aktuellen Forschungsstand um 30 Jahre hinterher. Vom didaktischen Aufbau reden wir mal lieber nicht, da lacht sowieso ganz Europa über Deutschland (zumindest, was unseren Geschichtsunterricht angeht).
    Wenn also politische Parteien, Gewerkschaften, Lobbyvertretungen und natürlich unsere Christlichen Kirchen entscheiden, welche Inhalte in Schulbüchern auftreten, kann man sich ja denken, wie das aussieht....(kritisch könnte man anmerken, daß eine Forderung nach schwul-Lesbischen Inhalten eine ähnliche Lobbypolitik ist - nur der Vollständigkeit halber erwähnt...)
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#6 FoXXXynessEhemaliges Profil
#7 MarekAnonym
  • 18.02.2011, 13:05h
  • Aufklärung und Bildung sind die Grundlage für alles andere!!

    Ich hoffe sehr, dass sich jetzt unter Rot-Grün einiges ändern wird...

    Die schwarz-gelbe Vorgängerregierung hat ja sogar von der EU stammende Infobroschüren für Lehrer, die sogar schon vom Steuerzahler bezahlt waren, wieder zurückgezogen und verboten.

    Homosexualität muss in allen passenden Fächern immer mal wieder thematisiert werden. Das ist natürlich Biologie, aber eben auch Geschichte, Politik, Sozialkunde, Erdkunde, Philosophie, Ethik, etc. Und in den Sprachen muss man auch mal entsprechende Lektüre lesen. Und wieso nicht auch im Kunst- und Musikunterricht auch mal sagen, wenn ein Künstler oder Komponist schwul/lesbisch ist/war.

    Wenn das in allen passenden Fächern immer mal wieder und quer durch alle Jahrgangsstufen wie selbstverständlich angesprochen wird (teilweise als eigener Themenblock, teilweise nebenher bei anderen Themen), werden die Kinder und Jugendlichen erst gar nicht mit Hass aufwachsen, sondern zu aufgeklärten und gebildeten Erwachsenen heranwachsen.

    Schwule und lesbische Jugendliche hätten dann weniger Probleme mit sich selbst und dem Mobbing anderer (und hoffentlich geht dann auch die Selbstmordrate runter) und Heteros würden zu toleranteren und gebildeteren Menschen, die auch im Leben weniger Probleme haben, wenn sie offen durchs Leben gehen und nicht vom Hass zerfressen.
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#8 jojoAnonym
  • 18.02.2011, 13:24h
  • zu salinger und mizzi:
    genau diesen punkt finde ich auch spannend. ich kann euer beider argumente verstehen, tendiere aber zu salingers haltung.

    natürlich wäre es an sich prima, wenn homosexuelle realität überall ganz selbstverständlich auch "nebenbei" vorkäme. es wäre ein schönes signal, wenn die schüler wahrnähmen, dass homosexualität nicht nur als "problemthema" auftaucht, sondern einfach als selbstverständlichkeit.

    andererseits sehe auch ich die gefahr, dass z.b. in so einer matheaufgabe der schuss nach hinten losgeht, wenn da getuschel und gekicher entsteht, aber kein raum ist, das dann aufzugreifen und zu klären. der lernerfolg wäre dann eben nicht: "aha, das ist also ganz normal", sondern "aha, das ist ein thema für witze und getuschel, und keiner greift ein".

    bitte nicht falsch verstehen: natürlich ist es enorm wichtig, homosexualität in der schule in möglichst vielen fächern zum thema zu machen, die quote muss unbedingt steigen, und wenn das nicht mal bei den menschenrechten angesprochen wird, ist das ein skandal.

    mir geht es nur um solche dinge wie "homopaare in matheaufgaben". hier wird m.e. der zweite schritt getan, bevor der erste vollendet ist, und das halte ich vom effekt her für riskant. ich halte das für ein typisches beispiel für eine politische entscheidung, die wohl eine gutgemeinte ideologie abbildet, aber den praxistest vermissen lässt. in klassen, die schon "weiter" sind, mag das inzwischen durchaus funktionieren. in der großen mehrzahl der fälle wird es das aber leider nicht.
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#9 eMANcipation*Anonym
  • 18.02.2011, 13:38h
  • In Baden-Württemberg: gerundet 0%

    Gleichgeschlechtliche Lebensweisen nicht mit einem einzigen Wort in den "Bildungsplänen"!

    Von effektiven Maßnahmen gegen die alltägliche verbale Gewalt und gegen homophobes Mobbing ganz zu schweigen.

    Daher auch die Idee, alle KandidatInnen in den 70 Wahlkreisen endlich Farbe bekennen zu lassen!

    Welche Maßnahmen, die in anderen Ländern der EU und teilweise in anderen Bundesländern schon in der Umsetzung sind, werden die KandidatInnen in den nächsten fünf Jahren aktiv unterstützen?

    Mit Datum und Unterschrift!

    Die Ergebnisse findet ihr hier -

    zu Bildung/Schulen insbesondere 2 a), b), c):

    schwulst.de/wahlcheck
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#10 eMANcipation*Anonym
  • 18.02.2011, 14:01h
  • Antwort auf #4 von alexander
  • In diesem Zusammenhang darf ich aus dem SCHWULST Wahl-Check zur Landtagswahl in Baden-Württemberg am 27. März (siehe #9) zitieren:

    2a) Fächer- und jahrgangsübergreifendes Mainstreaming der Vielfalt sexueller Identitäten in den Bildungsplänen und Lernmaterialien

    (siehe z. B. Spanien, Großbritannien, Niederlande, Dänemark). Homosexualität nicht als fakultatives, einmaliges „Sonderthema“, sondern als integraler Bestandteil nach dem Grundsatz:

    Wo über Sexualität, Liebe, Partnerschaft, überhaupt gemeinschaftliches Leben, aufgeklärt und gesprochen wird, müssen auch Homosexualität und homosexuelle Identität als selbstverständlicher und gleichberechtigter Teil der menschlichen und gesellschaftlichen Vielfalt sichtbar werden. Dies erfordert verpflichtende Vorgaben in den Bildungsplänen, Rücksicht auf die Vielfalt sexueller Identitäten in den Unterrichtsmaterialien sowie vor allem eine umfassende Fortbildung und Sensibilisierung der Lehrerinnen und Lehrer.

    Zum "Zeitproblem", das ja Symptom eines insgesamt (strukturell + inhaltlich) verfehlten Schulsystems ist:

    2c) Längeres gemeinsames Lernen, kein Zwang zu G8 und Verwirklichung des Rechts auf gleiche Bildung für Alle

    Internationale Vergleichsstudien belegen, dass der deutsche Sonderweg eines dreigliedrigen Schulsystems ab Klasse 5 Kinder und Jugendliche aus benachteiligten sozialen Verhältnissen und/oder nichtdeutscher Abstammung massiv diskriminiert. Die soziale Herkunft bestimmt in wesentlich höherem Maße den Bildungserfolg junger Menschen, als dies in anderen Ländern mit möglichst langem gemeinsamem Lernen in Kombination mit bestmöglicher individueller Förderung der Fall ist (siehe z. B. Finnland, Schweden). Die Europäische Kommission gegen Rassismus und Intoleranz des Europarates (ERCI) rügte 2009 erneut das deutsche Bildungssystem wegen der starken Diskriminierung insbesondere von Kindern und Schülern mit Migrationshintergrund.

    Eine gerade veröffentlichte Studie der EU-Grundrechteagentur (ERA) bestätigt, dass soziale Ausgrenzung aggressives Verhalten fördert. Demnach laufen Jugendliche vor allem dann Gefahr, gewalttätig zu werden, wenn sie selbst Opfer von Diskriminierung und Gewalt waren. Vor diesem Hintergrund ist es für Schwule und Lesben, die zudem - wie andere diskriminierte Gruppen – häufig einer doppelten Diskriminierung ausgesetzt sind (z. B. Sohn von Hartz-IV-Empfängern und schwul, muslimisch und lesbisch) von entscheidender Bedeutung, dass die herrschende strukturelle Diskriminierung gerade im Schulsystem beseitigt wird. Nur unter strukturellen Bedingungen, die nicht per se ausgrenzend und diskriminierend sind und Aggression und Gewalt fördern, kann eine Gleichstellungs- und Antidiskriminierungspolitik für Schwule und Lesben nachhaltig erfolgreich sein. Die aktuelle Situation, in der SchülerInnen und LehrerInnen im achtjährigen Gymnasium (G8) einem extremen Leistungs- und Zeitdruck ausgesetzt sind und das Klima an Hauptschulen von einem Gefühl der Ausgrenzung und Perspektivlosigkeit bestimmt wird, steht einer Kultur der Wertschätzung von Vielfalt, auch der sexuellen, entgegen.

    Welche KandidatInnen der 70 Wahlkreise in BW das auch so sehen und sich konkret auf die genannten Maßnahmen verpflichtet haben:

    schwulst.de/wahlcheck
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