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Präventionskampagne für HIV+ Paare

Die Partnersuche ist als HIV-positiver Mann schwieriger? Nicht unbedingt. Happy Together, die queer.de Beziehungsserie, Teil 5.

Von Carsten Weidemann

HIV-positiv! Liegt die Diagnose auf dem Tisch, taucht bei vielen ein erschreckender Gedanke auf: "Jetzt will mich doch keiner mehr!" Die HIV-Infektion, sie wird wahrgenommen als ein Verlust von Attraktivität, als Wertverlust auf dem schwulen "Frischfleischmarkt". Aber soll man sich deshalb als Abschreibungsobjekt daheim verstecken? Viele HIV-positive Männer machen diese erste Phase der eigenen Abwertung durch, entwickeln aber im Laufe der Zeit unterschiedliche Strategien, dem entgegenzuwirken. Ein paar dieser Erfahrungen haben wir hier zusammengetragen.

Ist das Selbstbewusstsein durch HIV ins Bodenlose gerutscht, muss das erst einmal wieder aufgepäppelt werden. Die "Attraktivität" eines Menschen misst sich nicht allein am Immunstatus, sondern entsteht durch eine Summe von Eigenschaften. Diese eine neue Facette ist zwar unangenehm, aber sie darf nicht das Bild, das man von sich selbst hat, dominieren. Mit sich selbst ins Reine zu kommen, das ist der erste Schritt, um selbstbewusst und aktiv auf andere zugehen zu können.

Abgelehnt als Sex- und Beziehungspartner

Jeder HIV-Positive kann ein Lied davon singen: Der eigene Immunstatus führt mitunter dazu, dass man abgelehnt wird, sei es als Sex-, oder auch als Beziehungspartner. Hinter dieser Ablehnung steckt eigentlich immer eine Mischung aus Unwissen und Angst. Da hilft dann auch nicht der rationale Hinweis, dass man mit Safer Sex gut fährt und man auch nicht vorhat, in Kürze dahinzuscheiden. Die Furcht des Anderen wird auf den HIV-Positiven projiziert. Das löst besonders dann oft Dramen aus, wenn man versäumt hat, "es" dem anderen mitzuteilen.

Und wann ist der richtige Zeitpunkt, "es" zu sagen? Eine Verpflichtung, dem anderen von seiner Infektion zu erzählen, gibt es nicht. Und zu den Safer Sex-Regeln gehört nun einmal der Hinweis, dass beide zu gleichen Teilen die Verantwortung für sich und den anderen tragen, und sich entsprechend verhalten sollten. Im Alltag sieht das allerdings häufiger anders aus. Wer HIV-negativ ist oder seinen Status nicht kennt, schiebt gern schon mal den eigenen Pflichtteil dem HIV+ in die Schuhe. Das Argument: "Das hättest Du mir früher sagen müssen" kann einem so jederzeit um die Ohren geschlagen werden.

Sich von Beginn an als positiv outen

Das "zweite Coming-out" als schwuler Mann mit HIV ist nach Erfahrung vieler hier die beste Strategie. "Es" von Anfang an klarmachen und konkret beim Namen benennen, statt zu taktieren, bringt den HIV+ in die bessere Position. Wenn man dann einen Korb bekommt oder mit Ablehnung konfrontiert wird, kann man gelassener darauf reagieren. Es ist ja der Andere, der mit seiner Furcht nicht klar kommt.

HIV-Positive, die eine Affäre oder Beziehung mit einem Mann beginnen, dessen Status negativ oder unbekannt ist, treibt noch eine andere Sorge um: Man will den anderen nicht infizieren. Das kann den Sex als auch den Verlauf einer Beziehung arg belasten. Dieser Stress und die zuvor beschriebene Stigmatisierung verleiten Menschen mit HIV dazu, bei der Partnerwahl auf das so genannte "Serosorting" zu setzen: Ich treffe mich nur noch mit Männern, die denselben Status besitzen.

Diese Strategie kann klappen, solange einem die Liebe keinen Strich durch die Rechnung macht. Denn die Schmetterlinge im Bauch nehmen in der Regel keine Rücksicht auf das Plus- oder Minus-Zeichen hinter dem HIV. Doch keine Angst vor der Liebe. Es gibt unter anderem mit Safer Sex einen auch in Beziehungen gut funktionierenden Schutz.