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Lukaschenko hetzt in die Kamera. Das Video kann auf der weißrussischen Homoseite gay.by angesehen werden.

Der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko hat seinen homophoben Ausfall gegenüber Außenminister Guido Westerwelle verteidigt. Am Rande eines Sport-Events in Sotschi sagte er am Wochenende gegenüber Reportern und einer Fernsehkamera: "Wichtige Leute, mit einer richtigen oder falschen sexuellen Orientierung, kamen auf mich zu und beschuldigten mich, weil ich diesen 'Käfig voller Narren' verdamme. Aber ich mag keine Schwuchteln".

In dem kurzen Video-Ausschnitt, den Queer.de nur aus französischen Übersetzungen ins Deutsche übertragen kann, sagte der Präsident weiter, er habe Westerwelle geraten, ein "normales Leben" zu führen. "Wir leben in einer demokratischen Gesellschaft. Und ich bin der Präsident und habe ein Recht, meine Ansichten zu äußern. Ich habe ihm das ehrlich gesagt und ihm dabei in die Augen geschaut." Dafür werde er nun kritisiert.

"Wir müssen ein normales Leben führen. Wir akzeptieren Homosexualität nicht und wir lassen uns das nicht vorschreiben", sagte der Präsident. "In Deutschland ist das möglich, in Polen, wenn sie es wollen, aber hier brauchen wir das nicht." Weißrussische und russische Medien verbreiteten die neuerliche Tirade des Präsidenten; eine russische, orthodoxe Nachrichtenagentur sprach in diesem Zusammenhang von Westerwelle als "offen lebenden Perversen", der mit dem "Sodomisten" Michael Mronz zusammenlebe.

Gefährliches Schweigen

Auch Medien aus Frankreich griffen die neuerliche Kritik Lukaschenkos an Westerwelle und Homosexualität auf. Den ursprünglichen Vorfall hatte die polnische Zeitung "Wprost" in der letzten Woche ans Licht gebracht. Bei einem Treffen des polnischen Außenministers Radoslaw Sikorski mit Lukaschenko und Westerwelle in Minsk im Dezember 2010 hatte der Präsident demnach gesagt, dass er es nicht verstehe, wie ein Mann mit einem Mann leben könne. Auch soll er angeregt haben, alle Schwule in Bauernhöfe zu stecken. Gegen Lesben habe er aber nichts (queer.de berichtete).

Queer.de ist bislang das einzige deutsche Medium, das von dem Vorfall berichtet hat. Von Seiten Westerwelles, des Auswärtigen Amts, der Regierung aber auch des LSVD oder schwuler Politiker wie Volker Beck hat sich niemand dazu geäußert. Der russische Aktivist Nikolai Aleksejew hatte daraufhin das möglicherweise diplomatisch intendierte Schweigen kritisiert, da es einen "gefährlichen Präzedenzfall" schaffe: "Wenn Lukaschenko sieht, dass er ohne Widerspruch den deutschen Außenminister anpöbeln kann, sind Schwule und Lesben in seinem Land noch mehr gefährdet."

Als der Standpunkt von Aleksejew auf Queer.de erschien, hatte das weißrussische Homo-Portal gay.by bereits über den neuesten Ausfall seines Präsidenten berichten müssen (queer.de berichtete). (nb)



#1 FloAnonym
  • 23.02.2011, 11:53h
  • "Aber ich mag keine Schwuchteln"

    Und ich mag weder Diktatoren, noch Dummheit, noch Arroganz!!

    Zu den Medien:
    dass nur französische Medien darüber berichten, ist tatsächlich ein Skandal. Ich wäre nie zu dem verlogenen Westerwelle solidarisch, da er selbst uns auch genug schadet und diskriminiert. Aber dennoch sollten auch deutsche Medien darüber berichten.

    Immer diese Diplomatie... Vielleicht will Westerwelle das sogar so, dem traue ich alles zu.
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#2 SimoneAnonym
  • 23.02.2011, 11:58h
  • Antwort auf #1 von Flo
  • Wahrscheinlich haben es deutsche Redaktionen einfach nicht mitbekommen, weil die zwei, drei deutschen Agenturjournalisten in Minsk, Moskau oder Warschau das Thema nicht aufgegriffen haben. Und bislang halt niemand mit einer Presseerklärung reagiert hat.

    Oder Westerwelle hat verbrannte Erde hinterlassen, nach den früheren Berichten zu seinen Reisen und dem Homophobie-Vorwurf u.a. an die Medien. Wo bleibt eigentlich das Statement von Silvana Koch-Mehrin, der großen Kämpferin gegen Homophobie? :-)

    www.queer.de/detail.php?article_id=11875
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#3 goddamn. liberalAnonym
  • 23.02.2011, 12:16h
  • Man muss als Afro-Deutscher kein Sympathieträger sein, um ein Recht zu haben, vor Rassismus geschützt zu sein. Dass Homophobie gegenüber anderen Ressentiments wie z. B. Rassismus noch einen moralischen, ja theologischen Nimbus genießt, wissen wir. Woher das kommt, wissen wir auch.

    Es ist vielmehr so, dass Westerwelle Gefahr läuft, wegen der Homophobie von hinterwäldlerischen Diktatoren für ungeeignet fürs Außenamt erklärt zu werden. Auch in der deutschen Öffentlichkeit. Naiv und unbedarft, wie er in dieser Frage ist, wird ihn das so überraschen, wie er auch auf die Ausfälle Lukaschenkos überrumpelt und unsouverän reagierte (das gerissene Kellerkind Wowereit ist da schon härter ihm Nehmen). Es ist eine Frage der Selbstachtung, jemanden, der so niederträchtig wegen seiner Homosexualität angegriffen wird, zu verteidigen, nicht eine Frage der Achtung gegenüber dem gruseligen Politiker Westerwelle....
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#4 jojoAnonym
  • 23.02.2011, 12:25h
  • das ist tatsächlich ein schlechtes zeichen (auch) für den deutschen journalismus.

    vermutlich spielt da auch eine rolle, dass etliche journalisten westerwelle nicht gerne "in schutz nehmen" wollen. aber eigentlich sollte man erwarten, dass ein solcher gezielter affront gegen einen deutschen außenminister und gegen eine sexuelle orientierung zumindest mal ein kleines echo in den medien wert sein sollte. und zwar unabhängig davon, wie charakterlos oder schwulenfeindlich dieser außenminister selbst ist.
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#5 TeddyTeddyBumBumAnonym
  • 23.02.2011, 12:53h
  • Wie kann dieser unbedeutende Russenbub überhaupt denken, den DEUTSCHEN Außenminister direkt angreifen zu dürfen? Dieses Land, dass Lukaschenko so toll und homofrei regiert, ist eine Ansammlung an Müll und verrostetem Eisen.
    Ich möchte nicht wissen, wie hinterweltlerisch die einfachen Leute dort sind.
    Und Deutschland, das wieder guten Mutes Fortschritt bringen will, wird angegriffen.
    Ich fordere die FDP und CDU / CSU auf, mit sofortiger Wirkung alle Kontakte, auch finanzieller Art, mit diesem Tümpelstaat zu unterbinden.
    Manchmal verstehe ich die Republikaner in Deutschland, die einfach eine Mauer zu diesen Oststaaten ziehen wollen. Dort ist aber auch nichts außer Brei und Dung!
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#6 tinaAnonym
#7 Timm JohannesAnonym
  • 23.02.2011, 13:00h
  • Ich finde es total daneben, das Queer darüber mit einem zweiten Artikel berichtet. Ihr wertet dadurch diesen Diktator nur auf, und dieser Diktator hat es nicht verdient, dass die westlichen Medien ihn viel Beachtung schenken.

    Sehr schwach daher dieser Artikel auf der Queer.
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#8 wichtige-Leute?Anonym
  • 23.02.2011, 13:01h
  • Vielleicht hat das doch auch damit zu tun, dass es auf diplomatischem Pakett nicht üblich ist, Äußerungen über das Privatleben des Gegenüber fallen zu lassen (dazu zählen wohl auch die Scheidungen a la Schröder/Fischer oder die Clinton-Lewinsky-Affäre).

    Da dies nur von schrecklichen und schlecht erzogenen Diktatoren (wie z. B. Lukaschenko und akutell Ghadaffi) gemacht wird, ignoriert man es einfach, weil die Beziehungen von zwei Ländern nicht davon abhängen dürfen, ob man sich mag.

    Dass die polnische Zeitung das etwa veröffentlichte aus emazipatorichen Gründen, wage ich zu bezweifeln. Und die französische Presse hat ja erst auch die Interna nicht veröffentlicht, weil sie - anders als queer. de - weiß, was sich gehört.
    Wo Lukaschenko es jetzt in die Kameras spricht ist es sehr wohl was anderes. Aber darüber sachlich zu berichten ist wohl etwas schwer, weil da so viele Aspekte reinspielen. Dass queer.de nur den Homo-Blick hat, ist klar. Aber andere Medien müssen das in einen Gesamtzusammenhang mit diesem Verbrecher einordnen- wenn sie ihrer Berichterstattung gerecht werden wollen, und nicht auf BILD-Niveau sinken wollen.
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#9 Timm JohannesAnonym
  • 23.02.2011, 13:17h
  • Antwort auf #8 von wichtige-Leute?
  • Jede westliche Berichterstattung über diesen Diktator in Weissrussland muss wissen, dass Sie gleichzeitig dadurch dem Dikator eine Plattform zur Selbstdarstellung bietet.

    Und ich halte es für grundverkehrt, wenn die Queer diesem verbrecherischen Diktator hier eine Bühne zur Selbstdarstellung bietet.

    Daher der Autor des Artikels auf der Queer erzeugt mit seinem Artikel genau die Wirkung, die er eigentlich nicht erreichen möchte. Er wertet diesen verbrecherischen Dikator auf, auch wenn er es sicherlich nicht will.

    Sicherlich liest ein "kreuz.net" Autor auf der Queer mit und bald werden wir dann einen lobenden Artikel zu Lukaschenko auf kreuz.net lesen. Herzlichen Glückwunsch dann zu diesem "grossartigen" Erfolg, liebe Queer-Redaktion.
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#10 Lupo__Profil
  • 23.02.2011, 13:19hBielefeld
  • Antwort auf #7 von Timm Johannes
  • Ich finde es angemessen, daß mit einem zweiten Artikel darüber berichtet wird. Nikolai Alekseev hat im Grunde genommen Recht mit seiner Behauptung, daß, wenn Lukaschenka den deutschen Außenminister so angreifen kann, Schwule im eigenen Land noch viel gefährdeter sind. Ich denke, es wäre jetzt auch von offizieller deutscher Seite an der Zeit, auf die Situation von LGBT in Weissrussland zu schauen. Wenden wir uns davon ab, über diesen Diktator zu sprechen, dann wenden wir uns auch von den Aktivisten in Weissrussland ab. Schließlich ist Weissrussland ein Billiglohnland für Deutschland, beim Thema Menschenrechte schauen wir gerne mal etwas weg.
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