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Sitzen, stehen oder schwul? (Bild: Tęczowa Trybuna 2012)

Ein Fanclub fordert eine "Regenbogen-Tribüne" und erntet Kritik. Der britische Premier David Cameron spricht derweil in Katar über die Bekämpfung von Homophobie im Fußball.

Von Norbert Blech

Ein schwul-lesbischer Fanclub der polnischen Fußballnationalmannschaft hat mit der Forderung, zur EM spezielle Stadien-Ecken für Homos zu schaffen, für nationale Aufregung gesorgt - sogar zum Aufmacher der Nachrichtensendung von TVP1 schaffte es die Kontroverse.

Die Gruppe "Tęczowa Trybuna 2012" (Regenbogen-Tribüne 2012) schreibt auf ihrer Homepage: "Wir wollen kein Ghetto bilden - wir wollen nur einen Ort, an dem wir unberührt unsere sportlichen Emotionen ausleben könnten." Bei Spielen auf Club-Ebene sei man oft "Unannehmlichkeiten, Belästigungen und Gewalt" ausgesetzt, dabei sei man eine Gruppe "normaler Leute, für die Fußball die größte Leidenschaft im Leben ist".

Das Hooligan-Problem ist in Polen nicht zu unterschätzen, Homophobie ist in dem Land noch weit verbreitet. Doch eigene Zonen für Schwule und Lesben? Einige Stadien und Clubs haben die Forderungen bereits abgelehnt, sie würden Schwule und Lesben nur stigmatisieren. In England werden darauf bereits Wetten abgegeben und man darf gespannt bleiben.

Ähnlich sehen das auch führende Homo-Aktivisten. Gregory Czarnecki von der Kampagne gegen Homophobie sagte der Nachrichtenagentur AP, er verstünde die Beweggründe der Initiative. "Aber was sie machen, könnte kontraproduktiv sein." Zudem seien zu wenig Fans mutig genug, sich zu outen und in diese Ecke zu setzen.

Fußball - ein Theater

Der Kampf von "Tęczowa Trybuna 2012" wird dabei nicht nur von den Medien begleitet, sondern auch von zwei Autoren eines Theaters in Breslau. Paweł Demirski und Monika Strzępka wollen ein Stück unter dem selben Namen auf die Bühne bringen. Dass sie nicht viel von der Idee halten, schrieben die beiden in einem Zeitungsbeitrag: "Mit euch wird wahrscheinlich niemand reden wollen. Eure Idee ist so absurd, dass sie sich in keinem Rahmen der heute anwesenden Diskurse befindet. Niemand wird sich die Mühe geben, euch seriös zu behandeln."

Dabei sei das Problem vorhanden: Die Vereine, UEFA, der polnische Fußballverband und Politiker würden das Thema Homophobie im Stadion nicht ernst nehmen, sagen die beiden in einem Interview auf einer EM-in-Breslau-Seite. "Es wäre ideal wenn eine solche Tribüne nicht nötig wäre", sagt Strzępka. "Bisher ist das häufigste Argument, dass so eine Tribüne nichts weiter ist als ein Ghetto. Das wird sowohl in den schwulen Foren als auch in den Fanforen hervorgehoben. Die Frage ist, ob so ein Ghetto schon längst nicht existiert, und ob das nicht viel schlimmer ist?" Denn die meisten Fans blieben einfach zuhause.

"Ein Teil dieser Jungs war niemals im Stadion, weil sie eben Angst haben", so Strzępka. "Aber es gibt welche, die hingehen, und es gab Momente, in denen sie verprügelt wurden." Schlimmer sei aber, dass das Thema, anders als in anderen europäischen Ländern, "überhaupt nicht in der Öffentlichkeit präsentiert wird".

Debatte um WM 2022

Derweil hat sich der britische Premierminister David Cameron in die Debatte um die Sicherheit von schwulen und lesbischen Fans bei der WM 2022 in Katar eingeschaltet. Die gut organisierten schwul-lesbischen Fußballfans aus Deutschland hatten, wie viele andere, die Vergabe zuvor kritisiert (queer.de berichtete) - in dem Scheichtum stehen auf homosexuelle Handlungen bis zu fünf Jahre Haft, HIV-Positive dürfen nicht einreisen. Die britische Vereinigung "Gay Football Supporter's Network" forderte gar einen Boykott der Spiele (queer.de berichtete).

Nicht beruhigen konnte die Fans FIFA-Chef Sepp Blatter, der bei einer Pressekonferenz schwulen Fans empfahl, bei einer Teilnahme in Katar auf Sex zu verzichten (queer.de berichtete), wofür er sich später entschuldigte (queer.de berichtete).

Einem Bericht von "Gay Middle East" zufolge hat sich David Cameron nun bei einem Besuch in Katar auf eine Reporterfrage zu dem Problem geäußert. Fußball sei für Jeden, sagte der britische Regierungschef, und niemand sollte aufgrund seiner Herkunft, seiner Religion, seines Geschlechts oder seiner sexuellen Orientierung ausgeschlossen werden.

"Fußball kann den sozialen Wandel vorantreiben und Meinungswechsel erzeugen. Wir haben in unserem Land gesehen, wie erfolgreich Fußball war, Rassismus aus den Stadien zu bannen. So wie das geschehen sei, müssen wir auch klarmachen, dass es im Fußball keinen Platz für Homophobie gibt." Katars Premier Hamad bin Jassim bin Jabr al Thani sagte darauf, er sei froh, dass die Frage Cameron und nicht ihm gestellt wurde. Ihm wäre das peinlich gewesen.



#1 Leonardo D.Anonym
  • 24.02.2011, 14:24h
  • Mir zieht es gleich die Schuhe aus !! :-( Das ist so eine hirnrissige Idee mit der Regenbogen Tribüne wie damals die Meldung das Amsterdam Wegweiser zum Cruising-Park bauen wird !! :-(

    Ich glaube, das wirklich "wichtige" schwul/ lesbische Anliegen, so nicht mehr wahr und ernstgenommen werden, wenn derartig abstruse "Forderungen" im Raum stehen !!
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#2 GeertAnonym
  • 24.02.2011, 14:26h
  • Wenn Schwule sich im Stadion so benehmen wie sie sich auch am Arbeitsplatz benehmen (müssen), passiert ihnen nichts - weder in Polen noch in Katar. Wenn sie aber meinen, dort wie beim CSD in Berlin auftreten zu müssen, sollen sie sich nicht wundern, wenn es Probleme gibt. Man kann über Jahrhunderte gewachsene Gesellschaften nicht von heute auf morgen verändern. Es hat immer schon Schwule in Polen und sicher auch in Katar gegeben, solange sie sich den Sitten ihres Landes anpassen, brauchen sie nichts zu befürchten. Man kann -aus westeuropäischer Sicht- bedauern, dass schwule Männer nicht in Chaps und in Gummi im Fußballstadium in Katar oder in Warschau sitzen dürfen, aber das ist nun mal die Realität.
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#3 JohnAnonym
  • 24.02.2011, 14:39h
  • Antwort auf #2 von Geert
  • Ah ja, und die “Normalos” benehmen sich im Stadion wie bei der Arbeit, oder was? Alles klar...

    Ich weiß aber, was du meinst: diese fummeltrinen, ledertucken und cheerleader (vor allem die ;) gehen gar nicht, siehe csd...

    wie ist so etwas jemals mit homosexualität zusammengeraten
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#4 SkaebbösserAnonym
  • 24.02.2011, 14:45h
  • Antwort auf #2 von Geert
  • Habe ich den Artikel nicht richtig gelesen? Wo steht etwas davon, dass die in Chaps, Gummi oder Fummel ins Stadion kommen wollen?

    Geert, ist ja schön, wenn man(n) sich keine Sorgen machen muss, solange Homosexualität nicht sichtbar ist. Alle anderen haben eben Pech gehabt, wenn sie etwas auf`s Maul kriegen. Warum benehmen sie sich auch so weibisch, gell?

    *augenroll*
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#5 FoXXXynessEhemaliges Profil
#6 porokusiAnonym
  • 24.02.2011, 17:17h
  • Ist wirklich schwieig, auf so einen Kommentar etwas zu antworten, ohne beleidigend zu werden.

    Du solltest dich vielleicht einfach mal damit auseinandersetzen, wie es ist in einem Land zu leben, in dem es nicht möglich ist, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

    Ich will mir gar nicht vorstellen was du über Ausländer oder Arbeitslose denkst. Im Deutschland vor 75 Jahren hättest du dich bestimmt wohler als heutztage gefühlt .

    Mitläufertum hat noch nie eine Gesellschaft positiv beeinflusst.
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#7 vingtans
#8 FloAnonym
  • 25.02.2011, 10:30h
  • Zur WM 2022:

    "Die britische Vereinigung "Gay Football Supporter's Network" forderte gar einen Boykott der Spiele "

    Da kann ich mich nur anschließen! Wenn schon die FIFA alle sportlichen Grundsätze in den Wind schießt und nur noch nach wirtschaftlichen Interessen vergibt, dann muss man ihnen einen Strich durch die Rechnung machen.

    Mal ganz abgesehen davon, dass ich kein homophobes Land fördern will, muss auch die FIFA endlich eine Lektion bekommen.

    Hinreisen werden die meisten wohl eh nicht, aber damit es wirklich wirkt, muss man natürlich auch Sponsoren, etc. boykottieren, die das mitmachen und für wirtschaftliche Interessen das Treten von Menschenrechten mit Füßen fördern...
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#9 stromboliProfil
  • 25.02.2011, 10:55hberlin
  • Antwort auf #8 von Flo
  • warten wir doch einfach mal ab wie weit die tunesien/ägyptisierung vordringt.. schon in den nächsten monaten kann es so aussehen , dass die fifa ihr ungelibtes wm-kind katar zu grabe trägt und lomndon , aus sicherheitserwägungen wieder austragungsort wird ( war schließlich 2ter platz in der abstimmung..)
    Blatter und co hätten sio eine ausrede und könnten sich auf formel 1 berufen die ebenso ín bahrain auf den start verzichten..!

    Ansonsten finde ich den aufruf gelungen!
    es zeigt, mit resoluten und provokativen sichtweisen wird die phalanx der hetenballfetischisten durcheinader gewirbelt, lässt sie nachdenken.
    Auch wenn es eine forderung ist, die sich wohl nicht verwirklichen lässt, bezieht so der schwule position in der einforderung der ihm ZUSTEHENDEN freiräume!
    Auch das (protest)schäumen gehört zum lernprozess!
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#10 stromboliProfil
  • 25.02.2011, 11:21hberlin
  • Antwort auf #7 von vingtans
  • ach kind.. du läufst natürlich selbstverständlich durch die strassen deiner stadt , küsst dich mit deinem angelobten, turtelst in der u- strassenbahn, bist so frei das zu sein, was in den geborgenen welten der homosexuellen gegenkultur möglich, auch jeder auf der strasse zeigen darf-kann wie ein hetenpärchen...

    bis dann der erste stinkefinger, das erste anpöbeln , womöglich der erste schlagabtausch statt findet.. dann unterhalten wir uns noch mal über ghettos und deren doppelsinnigkeit!

    Zum verständniss: es gibt auch das heterioghetto in schwulen köpfen.. die freiwillige ausblendung von realitäten weil entweder zu weit von realem leben entfernt, oder so überheblich in der einschätzung der eigenen situation , dass da nur ein einschneidendes erlebnis helfen würde.. was man dir nicht wünscht!
    Auch dies eine ghettoisierung - denken wir mal an die "kulturtunten", die realität in einer innenwelt der "schönen dinge" kompensieren- verdrängen! Jeder lebensabschnitt ist dialektisch ein ghetto in dem man sich seinen bedürfnissen entsprechend einrichtet!
    Das verändert sich zwar, aber bleibt über alle öffnungen hin ein rückzugsort der schützenden art.
    Und so wie deine schülerzeit ein schützender raum ( auch hier nicht bei allen.. wie du wissen müsstest wenn des lesen mächtig!) , dein studium ein erweiterter schutzraum ist , so wird bei näherem hinsehen deutlich: es sind räume mit beschränkten schutzfunktionen... je nach den, dich umgebenden mitmenschen und deren gelassenheit im umgang mit dir!

    Das kann schnell sich ändern , kommst du in bereiche , wo dir und deinem lebensentwurf der wind entgegen bläst.

    Nebenbei: mit dem begriff ghetto wird ohnehin zuviel schindluder getrieben..
    lass dir mal was anderes einfallen
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