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  • 03.03.2011           99      Teilen:   |

Christina Street Day: Solidarität mit Lesben gefordert

Thomas Niederbühl ist der politische Sprecher des Christina Street Days in München - Quelle: privat
Thomas Niederbühl ist der politische Sprecher des Christina Street Days in München
Bild: privat

Auf queer.de verdammen Leser die Umbenennung des Münchener CSDs in Christina Street Day. In der wöchentlichen Umfrage sprechen sich rund 84 Prozent gegen den neuen Namen aus (Stand: 3.3., 15:30 Uhr). Im Interview mit Dennis Klein erklärt Organisator Thomas Niederbühl die Hintergründe der Aktion - und fordert mehr Solidarität und Miteinander in der schwul-lesbischen Community.

Die Mehrheit der Queer.de-Leser lehnt die Umbenennung in Christina Street Day ab. Was hast du den Kritikern zu sagen?

Zuerst muss ich einiges klarstellen: Wir wollen den CSD nicht für immer und ewig umbenennen, sondern haben uns überlegt, wie wir das Thema "Sichtbarkeit von Lesben" in diesem Jahr solidarisch besser in der Öffentlichkeit präsentieren. Das ging schon beim CSD im letzten Jahr los, als wir eine Analyse haben erstellen lassen, wie über Schwule und Lesben in der Münchener Tagespresse berichtet wird. Im Zusammenhang mit dem CSD war das Ergebnis wenig überraschend, auch wenn wir alles gemeinsam organisieren: Es ist immer von der Schwulenparade die Rede, die durchs Schwulenviertel zieht. Auch bei politischen Themen ist das so: Es wird über die Schwulenehe geschrieben oder darüber, dass Schwule nicht adoptieren dürfen. Lesben werden einfach ignoriert.

Wie kam es zu der Umbenennung?

Wir haben letztes Jahr im Münchener Stadtrat beschlossen, einen Schwerpunkt auf Lesben zu richten, um deren Sichtbarkeit zu erhöhen. Dann hatten wir die Idee, dass wir zum CSD etwas provokativer auftreten müssen, um das der Öffentlichkeit klar zu machen. So kam der Name Christina Street Day mit dem Motto "Gemeinsam für uns alle" zustande.

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Viele werfen euch vor, damit die Vorgänge in New York im Jahr 1969 zu verfälschen...

Natürlich wissen wir alle, dass es die Proteste in der Christopher Street gab, nur so funktioniert eben die Verfremdung. Wir wollen keine Geschichtsverfälschung. Mit einem Blick in die Bibliothek oder in Google sollte aber jeder herausfinden können, dass 1969 auch Lesben beim Aufstand mitwirkten - es gibt etwa Berichte über eine butche Lesbe, die bei den Protesten an vorderster Front war. Dann ging es weiter mit der Gründung der Gay Liberation Front - einer ausdrücklich schwul-lesbischen Organisation - und dem ersten CSD in New York 1970 mit dem berühmten "Come Out"-Plakat, bei dem 15 Männer und Frauen gemeinsam dargestellt sind. Auch auf Fotos und anderen Dokumenten ist zu sehen, dass auch viele Lesben bei ersten CSD mitgewirkt haben. Dass die Zusammenarbeit danach nicht immer einfach war, wissen wir auch. Aber das ist jetzt über 40 Jahre her.

Gab es eine solche Zusammenarbeit auch in München?

Beim ersten CSD in München 1980 waren bei den 100 Leuten, die auf die Straße gingen, ein Dutzend Lesben dabei. Seit 15 Jahren treten wir ausdrücklich als schwul-lesbisch auf und seit zehn Jahren arbeiten wir als Schwule, Lesben und Transgender gemeinsam bei der Organisation. Für uns ist das selbstverständlich. Ich hätte nie damit gerechnet, dass unsere diesjährige Entscheidung so viel Kritik in der Community hervorrufen könnte.

Keine Angst: Auch dieses Jahr werden wieder fesche Männer weitgehend textilfrei auf dem CSD zu sehen sein. - Quelle: jerome_Munich / flickr / cc by 2.0
Keine Angst: Auch dieses Jahr werden wieder fesche Männer weitgehend textilfrei auf dem CSD zu sehen sein.
Bild: jerome_Munich / flickr / cc by 2.0

Spiegelt die Debatte im Internet die Debatte in München wider?

Nein. In meinem politischen Umfeld - im Rathaus bis hoch zum Bürgermeister - habe ich sehr viel Unterstützung erfahren, deshalb hat mich die Debatte mehr als überrascht. Mich erschreckt besonders der sehr aggressive Ton vieler Kommentare. Ich wünsche mir eine sachlichere Auseinandersetzung und mehr Würdigung der Arbeit von all den Männern und Frauen, die ehrenamtlich jedes Jahr den CSD stemmen. Was sollen wir denn nach Meinung der Kritiker tun? Den Lesben sagen, dass beim CSD für sie kein Platz ist? Oder ihnen einen untergeordneten Status geben, so wie es die Gesamtgesellschaft mit uns macht? Es geht nicht nur darum, nebeneinander zu marschieren. Es geht auch um ein Miteinander und Füreinander. Da ist es berechtigt, wenn Schwule, Lesben und Transgender in einem Jahr mal das Lesben-Thema in den Vordergrund stellen.

Viele befürchten offenbar, dass eine lesbische Minderheit nun den CSD übernehmen will...

Offensichtlich aktiviert das große Ängste - als würden Schwule jetzt in die Ecke gestellt von "Trittbrettfahrerinnen". Diese Ängste sind unbegründet. Wir ändern provokativ das Etikett, aber das Produkt CSD in München bleibt dasselbe. Wir werden genauso gemeinsam das Stadtfest am Marienplatz organisieren, wie auch die Parade und das Bühnenprogramm. Ich glaube, dass die Drag Queens, die 1969 in New York auf die Straße gegangen sind, Verständnis für eine solche sprachliche Verkleidung haben würden. Das ist doch im Sinne der damaligen Aktivisten, gemeinsam für Sichtbarkeit, gleiche Rechte und Akzeptanz zu kämpfen.

Wie klappt denn die Zusammenarbeit zwischen Schwulen und Lesben bei der CSD-Organisation?

(lacht) Vielleicht klappt sie zu gut. Ich weiß nicht, wie es in anderen Städten ist, aber ich bin mit dieser schwul-lesbischen Zusammenarbeit seit 1985 beschäftigt. Damals haben wir die erste schwul-lesbische Kulturwoche in München organisiert. Seither ist die Zusammenarbeit enger geworden. Die Rosa Liste war die erste Wählervereinigung, die sich ausdrücklich an Schwule und Lesben gewandt hat. Jetzt gibt es den schwul-lesbischen Sportverein oder Jugendzentrum und eben auch den schwul-lesbischen CSD. Natürlich gibt es soziale Unterschiede zwischen Schwulen und Lesben - und manchmal Kommunikationsprobleme - aber die gemeinsame Arbeit hat sich hervorragend entwickelt.

Ihr beklagt eine "gesellschaftliche Ignoranz gegenüber Lesben". Gibt es diese Ignoranz auch in der Szene?

Ja, offensichtlich. Die Proteste zeigen, dass die Zusammenarbeit für einige nicht selbstverständlich ist. Das darf nicht zur Spaltung führen. Es gibt einige Gruppen, die sich jetzt Sorgen machen, ob wir unser Anliegen mit der Umbenennung richtig rüberbringen können. Es wäre aber schade, wenn darüber die Solidarität zerbrechen würde.

Thomas Niederbühl (Jahrgang 1961) ist seit den 80er Jahren in der schwul-lesbischen Bewegung in der bayerischen Landeshauptstadt aktiv. Er ist Mitorganisator der CSDs und seit 20 Jahren Geschäftsführer Münchenener der Aids-Hilfe. Seit 1996 sitzt er für die Rosa Liste im Stadtrat.

Links zum Thema:
» CSD München
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Mehr zum Thema:
» CSD München wird Christina Street Day (26.02.11)
Wochen-Umfrage: Was hältst du von der CSD-Umbenennung in "Christina Street Day"? (Ergebnis)

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Tags: csd, münchen, thomas niederbühl
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Reaktionen zu "Christina Street Day: Solidarität mit Lesben gefordert"


 99 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
03.03.2011
16:25:42


(+4, 8 Votes)

Von gvmuc
Aus München (Bayern)
Mitglied seit 21.05.2008


ich stimme Thomas durchaus zu, aber dafür hat es die unsinnige Umbennung nicht gebraucht. "Gemeinsam für alle" hätte gereicht. Schwerpunkt "Lesben" sollte doch eher durch besondere Veranstaltungen gesetzt werden.


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#2
03.03.2011
16:26:39


(+4, 8 Votes)

Von Julia22BN


Es hätte vollkommen ausgereicht, wenn es geheissen hätte: CSD München Motto: ""Gemeinsam für uns alle" !!

Mit der Umbenennung in "Christina- Street Day" müssen sich die Organisatioren schon die Kritik aus den eigenen Reihen gefallen lassen !!

Sollen sich die Lesben auf ihren "Christina-Street Day" feiern !! Ich bleibe auf jeden Fall am Tag der Parade Zuhause !!


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#3
03.03.2011
16:36:42


(+5, 9 Votes)

Von leon


ich war letztes jahr das erste mal bei einem csd dabei.
wäre der csd rein politisch und eine demo würde ich sagen ja ok, es ist wichtig das lesben mehr integriert werden in die sache.
die reale situation ist aber eine andere, denn politisch ist der csd schon lange nicht mehr, da sollte sich keiner was vormachen, er hat eher unterhaltungwert als protestdemo. (er ist natürlich trotzdem wichtig für die sichtbarkeit von schwulen und lesben, keine frage.)
aber ich bin froh das beim csd noch männer überwiegen und nicht die frauen. wenn das bild vom csd bald durch halbnackte frauen geprägt ist sind wir nicht mehr von heten und ihren frauenkörperkult zu unterscheiden.
das abseits des heteroalltags die frauen mal nicht im mittelpunkt des erotischen interesses stehen, ist für mich auf dem csd eine ungewohnte und schöne erfahrung gewesen und man hat sich gut gefühlt.
deswegen bin ich zum einen gegen die aktion in münchen und zum anderen weil die schwulen sich mehr für homobelange eingesetzt haben als lesben.


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#4
03.03.2011
17:02:24


(+7, 11 Votes)

Von Dr.strg.c.


Wer eine Präventionskampagne macht, die den Schniedel als "kleinen Diktator" darstellt (Aidshilfe München), der bennent den Christopher Street Day auch in Christina Street Day um.
Thomas Niederbühl mag solche Beliebigkeiten. Hauptsache ist, dass man Schlagzeilen macht.

Mich wundert gar nix mehr....


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#5
03.03.2011
17:11:53


(+4, 8 Votes)

Von heterosexismus!
Antwort zu Kommentar #3 von leon


"das bild vom csd bald durch halbnackte frauen geprägt ist sind wir nicht mehr von heten und ihren frauenkörperkult zu unterscheiden."

nennen wir heterosexismus doch einfach heterosexismus. natürlich wird der csd so besser vermarktbar und genau darum geht es ja insgesamt bei der immer penetranteren heterosexistischen inszenierung in dieser reaktionären gesellschaft auf allen kanälen und auf allen plätzen. da können schwule ja stolz sein, dass sie jetzt auch offiziell "mit dabei" sind. natürlich nicht mehr für sexuelle freiheit und gleichberechtigung, sondern als ultimative clowns im zirkus des immer aggressiveren heterosexismus, für den wir jetzt schon unsere geschichte vergessen und der für die zunehmende schwulenfeindlichkeit vor allem unter jugendlichen wesentlich verantwortlich ist. die meisten in der community haben das immer noch nicht begriffen oder es geht ihnen am a... vorbei oder beides.


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#6
03.03.2011
17:15:01


(-6, 8 Votes)

Von Heinzi


GUTTENBERG STATT LENA !!!


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#7
03.03.2011
17:22:30


(+4, 8 Votes)

Von Leo K.


Ich habe die (Massen) an Lesben die letzten 21 Jahre in München nicht vermisst !! Und ein paar wenige waren dann ja doch auch immer (aktiv) dabei :-)

Ich finde es einfach bloss albern und peinlich, den CSD in München in CHRISTINA-STREET DAY umzubenennen ...

Postiv ist dabei, das die Pressefotos die meistens tuckige Paradiesvögel mit Federboa oder Tütü zeigen, besser zum Titel CHRISTINA-STREET- DAY passen ... und das "Klischee" von uns Schwulen noch besser darstellen :-(

DANKE Herr Niederbühl - sie haben der schwulen Community einen Bärendienst erwiesen !!


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#8
03.03.2011
17:30:33


(+1, 3 Votes)

Von maaartin
Antwort zu Kommentar #3 von leon


jaja, immer diese lesben, die ständig bei jeder sich gebenden gelegenheit blank ziehen....

auf welchem csd warst du denn????!??!


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#9
03.03.2011
17:31:34


(+3, 7 Votes)

Von clemens reiser


ich wusste garnicht, dass damals in NY auch frauen
sich auflehenten,
kann ich bitte ein paar bilder
von der demo sehen mit les. frauen?

danke für ihre mühe


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#10
03.03.2011
17:42:09


(+1, 3 Votes)

Von maaartin
Antwort zu Kommentar #7 von Leo K.


"ein paar wenige"???!?!?!? hast du schon mal bei der organisation mitgeholfen? bestimmt die hälfte der organisatoren und freiwilligen helfer des münchner csds sind frauen.


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