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Das schwule Motiv: "Ziel der Kampagne ist ein positiver Wandel in der Berliner Gesellschaft hin zu mehr Toleranz, Akzeptanz und Respekt."

In der Hauptstadt ist die Kampagne "Berlin liebt! Respekt macht's möglich" gestartet - doch die queere Community ist skeptisch.

Von Carsten Weidemann

Stellen wir uns so die heile Welt vor? Ein Glatzkopf mit einer Schärpe "schwul" sitzt im Rollstuhl, eingerahmt von einer älteren Dame im Hosenanzug und einem attraktiven Südländer, die beide rosa Herzchen in den Armen halten. Im Herzchen selbst wird ein Händedruck symbolisiert. Alle drei - Homo, Tante und Schnucki - grinsen den Betrachter an.

Der schwule Rollstuhlfahrer ist eines von drei Plakatmotiven der neuen Kampagne "Berlin liebt! Respekt macht's möglich", die die Landesstelle für Gleichbehandlung - gegen Diskriminierung Anfang des Monats gestartet hat. Die beiden anderen Motive zeigen eine junge Lesbe, die mit einem älteren Ehepaar und einem Arbeiter im Blaumann kuschelt, sowie eine Mann-zu-Frau-Transsexuelle, die von einer Jugendlichen und einem Mann im Anzug geherzt wird. Auch auf diesen beiden Plakaten wird gegrinst wie auf Familienfotos zu Weihnachten. Eher unschöne Assoziationen an Tabak-Werbung ruft der Abschlussbalken "Respekt macht's möglich" mit schwarzer Schrift auf weißem Grund hervor.

"Nur ein buntes, vielfältiges Leben bringt die Stadt zum Blühen"


Das lesbische Motiv: "Die Kampagne will einen Dialog in der Gesellschaft herbeiführen."

Was sollen diese fröhlichen Motive mit Warnhinweis bringen? Laut Berlins Sozialsenatorin Carola Bluhm sollen sie für "mehr Akzeptanz der sexuellen und geschlechtlichen Vielfalt" werben sowie einen Beitrag zum Abbau von Homophobie in der Hauptstadt leisten. Die Politikerin der Linkspartei erinnerte bei der Auftaktveranstaltung am 2. März im Roten Rathaus an Gewalt und schiefe Blicke, die Schwule, Lesben und Trans-Personen noch immer träfen. "Ganz offensichtlich gibt es immer noch Hass - und der kommt aus der Mitte der Gesellschaft", sagte Bluhm. "Nur ein buntes, vielfältiges Leben bringt die Stadt zum Blühen", heißt es ergänzend auf der Kampagnen-Homepage.

Neben den Plakaten gehören auch Postkarten, U-Bahn-Werbung, Radio-Spots und ein Schülerwettbewerb zur mehrsprachigen Kampagne (die Spots gibt es auch in Türkisch und Russisch), damit möglich alle Berliner erreicht werden. "Berlin liebt!" ist der bisherige Höhepunkt der vor zwei Jahren im Abgeordnetenhaus beschlossenen Initiative "Berlin tritt ein für Selbstbestimmung und Akzeptanz sexueller Vielfalt". Die rot-rote Landesregierung hatte damals über zwei Millionen Euro bereit gestellt.

"Hinter dem Herz verschwinden die Widersprüche"


Das Trans-Motiv: "Die Kampagne will dazu beitragen, dass Vorurteile, Diskriminierung und Gewalt aufhören."

In Berlins queerer Community hatte man sich von der Kampagne teilweise mehr erhofft. "Es ist doch nicht so, dass wir uns alle lieben", kritisierte Claudia Apfelbacher in der Tageszeitung "Neues Deutschland" das Herzchen-Motiv. Der auf Sympathie basierende Ansatz der Kampagne geht ihr nicht weit genug: "Hinter dem Herz verschwinden die Widersprüche. Strukturelle Diskriminierung und der gesellschaftliche Hintergrund sind gar kein Thema."

Auch Arn Thorben Sauer vom Verein InterQueerTrans befürchtet, dass in der auf Sympathie ausgerichteten Kampagne zahlreiche Menschen außen vor bleiben. Er verstehe zwar das Bedürfnis, im Mainstream abzutauchen,"Transsexuelle aber haben diese Möglichkeit nicht" - ebenso wenig, wie jene, die provokativ mit Identitäten umgingen: "Wo sind die Queers, Dykes und all die anderen?"

Darüber hinaus wird "Berlin liebt!" vorgeworfen, auf klischeehafte Motive und plakative Zuschreibungen zu setzen: "Uns diskriminiert gerade, was uns besonders sichtbar macht", sagte Saideh Sadaat-Lendle von der Migrantinnen-Gruppe LesMiGras.

In einer ersten Reaktion auf die Kritik meinte Eren Ünsal, Leiterin der Landesantidiskriminierungsstelle, dass eine Weiterentwicklung auch in Bezug auf andere Zielgruppen möglich sei.



#1 BurgerBerlinProfil
  • 04.03.2011, 12:30hBerlin
  • Es ist Wahlkampf – daher machen wir mal ne Kampagne – ob die was bringt – ist doch egal ! Hauptsache wir haben mal was gemacht. Ach so, warum diese Motive ? Na, was besseres ist uns nicht eingefallen - „ist doch süß – oder“? eigentlich wollten wir mit diesen Motiven mehr Leute dazu bringen, sich einen Schrebergarten zuzulegen aber die Kampagne wurde gestoppt. Warum sollten wir die Motive nicht für was anderes benutzen. Und wir haben es nicht gerne, wenn wir kritisiert werden, so was gab es im Sozialismus auch nicht. Basta!!
    Oder war es doch anders ?
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#2 herve64Profil
  • 04.03.2011, 12:50hMünchen
  • Ich weiß nicht, ob diese "Piep-piep-piep! Wir haben uns alle lieb!"-Kampagne wirklich dazu geeignet ist, Diskriminierungen zu beseitigen. Übrigens, so ganz am Rande mal hervorgehoben: warum hat der Glatzkopf im Rollstuhl eigentlich die Schärpe "schwul" um? Soll mit dieser Kombination etwa unterschwellig suggeriert werden, dass Schwule grundsätzlich behindert seien, oder wie darf ich das verstehen? Auf jeden Fall kann es auch so interpretiert werden und kann somit genau das Gegenteil von dem erzielen, was die eigentliche Intention gewesen ist.
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#3 BerlinerSchwulerAnonym
  • 04.03.2011, 12:57h
  • Endlich mal nicht die üblichen Schwulen- und Lesbendarstellungen, die wir vom CSD kennen mit Lederkerlen, Halbnackten oder aufgefummelten Transen.

    Und die Tabakwarnung finde ich witzig. Vor allem weil es zum Nachdenken anregt, dass ein harmonisches Miteinander von Schwulen, Lesben und Heteros, wie es auf den Bildern zu sehen ist, zwar wünschenswert wäre, aber eben nicht Realität ist. Insofern ist die "Warnung", dass nicht heterosexuelle Liebe auch heute noch in Deutschland nicht ungefährlich ist, durchaus gerechtfertigt. Vielleicht nicht lebensgefährlich wie Rauchen, aber doch schädlich für die Karriere oder sogar für die Gesundheit, wenn man als schwuler Mann hier verprügelt wird...
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#4 UltraAnonym
  • 04.03.2011, 15:12h

  • Wichtig ist doch auch was die heterosexuelle community denkt, darauf zielen die plakate hin. Und offensichtluch scheint unsere schwule community ein problem zu haben mit behinderung (siehe kommentar oben). Da werden wir vielleicht gleich mit sensibilisiert! Hoffentlich!
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#5 FoXXXynessEhemaliges Profil
#6 ArbeiterfreundAnonym
  • 04.03.2011, 19:31h
  • Mir gefällt der Arbeiter im Blaumann. Wäre doch schön, wenn der mit seinem kernigen Schnäuzerlächeln und so einem rosa Herz in der Hand vor mir stünde. Ach ...
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#7 herve64Profil
  • 05.03.2011, 13:17hMünchen
  • Antwort auf #4 von Ultra
  • Also, so ein Quatsch! Womit ich ein Problem habe, ist die Gleichsetzung "schwul=behindert", die man aus diesem Motiv ableiten kann, aber nicht mit Behinderten per se und erst Recht nicht mit behinderten Schwulen.

    Manche Schreiberlinge denken halt nie darüber nach, bevor sie hier etwas posten!!!
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#8 jojoAnonym
#9 Gutti-FanAnonym
#10 Ilovelife
  • 05.03.2011, 22:06h
  • Als in Berlin lebender Geringverdiener, der seit fast 6 Monaten auf sein Wohngeld wartet, finde ich sämtliches Geld, was für irgendwelche Kampagnen irgendwelcher Antidiskriminierungsstellen (die vom Bund und ihrer bisher nutzlosen Arbeit reicht ja offenbar noch nicht), rausgeschmissen und überflüssig wie ein Kropf!

    Wenn man in dieser Stadt im Vergleich zu anderen Bundesländern als Akademiker schon keine vernünftige Arbeit findet, sollte man sich wenigstens auf eine funktionierende Verwaltung verlassen können...

    So genannte "Kampagnen", mit denen sich die etablierten Verdiener in der Antidiskriminierungsstelle profilieren können, nützen vielleicht deren Vita...sonst aber niemandem, niemandem, niemandem!!!
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