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Was ist glamouröser als eine Stewardess?

Im queer.de-Interview spricht Comedienne Caroline Reid alias Pam Ann über schwule Fans und schlecht gekleidete Stewardessen.

Vor 15 Jahren erfand die Australierin Caroline Reid die Edel-Flugbegleiterin Pam Ann - und entzückt seither schwule Fans (und ein paar Heteros) in aller Welt. Ihre vielen Figuren (etwa die Lufthansa-Stewardess Helga) genießen inzwischen Kult-Status. Im April kommt das neue Programm "You F' Coffee" nach Deutschland (Termine hier). Caroline gab Dennis Klein im queer.de-Interview einen Einblick in ihre Welt.

Zunächst mal eine Übersetzungsfrage. Was bedeutet "You F' Coffee"?
You Fuck Coffee. Ganz einfach und simpel. Mein Agent hat gesagt, dass es die Leute wahrscheinlich am Anfang nicht verstehen. Aber am Ende der Show ist jeder im Bilde.

Was kann man erwarten?
Ich garantiere, dass es viel Neues zu sehen gibt. Ich sauge mir das sowieso erst am Abend der Show aus den Fingern. Eins kann ich aber mit Sicherheit sagen: In der Show werde ich versuchen, möglichst viele hübsche männliche Zuschauer zu entkleiden. Ich dachte, dass ich in Deutschland die härteren Methoden des amerikanischen Flughafen-Sicherheitspersonals ausprobiere. Das wird heiß! Ich werde "Pleder" tragen, Plastikleder!

Welcher Typ von Zuschauer soll sich in die erste Reihe setzen?
Heiße, sexy Hetero-Jungs. Es ist ja klar, dass die meisten Jungs in meiner Show schwul sind. Gebt mir nur einen hübschen Hetero, mit dem ich Sachen anstellen kann. Bitte liebe Schwulen, bringt einen Kumpel mit, der andersrum ist. Ich benutze die Show nur, um an Schwänze zu kommen. (lacht) Nein, nein, das war ein Witz. (Pause) Oder vielleicht doch nicht? (lange Pause)

Youtube | In den 60er Jahren hatten Flugbegleiterinnen noch Klasse.

Sie haben Ihre Karriere in Schwulenclubs in Melbourne begonnen. Dort war die Auswahl an Heteros wohl überschaubar, oder?
Ja, aber mit Schwulen kann ich besser über das Thema Schwänze reden! Ich wäre gerne mal für nur eine Woche im Körper eines Schwulen. Aber im Ernst: Als ich aufgewachsen bin, haben mich die Leute im Mainstream nie verstanden. Unter Schwulen und Trannys war das anders.

Mussten Sie dann nicht gegen zickige Drag Queens kämpfen?
Machst du Witze? Ich musste mich an die Spitze hochprügeln. Die reißen einem die Haare und die Nägel aus, wenn man nicht aufpasst. Da musste ich legendäre Zickenkriege durchstehen. Am Ende haben mich Drag Queens zu dem gemacht, was ich heute bin.

Hängen Sie wie eine Fruchtfliege auch privat mit Schwulen rum?
Ehrlich gesagt sind 90 Prozent meiner Freunde Schwule oder Trannys. Und die restlichen zehn Prozent sind meine Familie. Mein Bruder ist wie ich: Er ist zwar auch hetero, aber hängt nur mit Lesben oder in Schwulenbars herum. Es muss in der Familie liegen.

In Deutschland treten Sie ja bereits zum zweiten Mal auf.
Ich war 2009 mit meiner Show das erste Mal da und hatte eine tolle Zeit in Deutschland. Damals hab gesehen, wie abgefuckt ihr doch seid. Ich werde testen, wie weit ich mit euch gehen kann.

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Was haben Sie über uns Deutsche gelernt?
In England sitzen die meist auf den Stühlen, haben die Hände im Schoß und warten darauf, unterhalten zu werden. Wenn Sie genug intus haben, machen sie sich zwar nackig, aber das war's auch. In Deutschland höre ich euch brüllen und trinken, bevor ich überhaupt im Theater drin bin. Und sobald die Musik losgeht, gibt es diese fantastischen Schwingungen. Ich fühle mich in Deutschland wie ein Rockstar - und das ist verdammt nochmal schön!

Gibt es irgend welche Witze, die Sie nicht machen würden?
Das einzige Tabuthema ist der 11. September. Ich würde nie Witze darüber machen, wie die Flugzeuge in die New Yorker Türme fliegen. Aber ansonsten ist alles möglich. Ich rede natürlich auch über Terrorismus, zumindest den lustigen Teil.

Müssen Sie viel Kritik einstecken?
Klar, Leute regen sich ja immer gerne auf. Ich leg es nicht darauf an, Menschen zu verletzen, aber manche wollen die Witze einfach nicht so verstehen, wie sie gemeint sind und kriegen das in den falschen Hals. Vom Kabinenpersonal höre ich allerdings so gut wie nie Kritik. Flugbegleiterinnen von manchen Airlines sind sogar sauer, wenn ihre Gesellschaft nicht vorkommt. Aber viele Fluggesellschaften sind einfach langweilig. Zum Beispiel BMI? Was soll man über die sagen? Auch wenn die zu eurer tollen deutschen Lufthansa gehören, hat BMI nichts Interessantes an sich.

Sie mögen also die Fluglinien, über die Sie sich lustig machen?
Ja, klar. Ich verarsche British Airways die ganze Zeit, aber wenn ich nett zu denen wäre, würden die das nicht mögen. Die lieben es, dass ich eine "fucking cunt" bin, wenn ich über sie rede. Das zahlt sich für mich aus: Wenn ich fliege, geben die mir Upgrades, Schokolade, Sekt und sagen mir, dass sie geehrt sind. Auf der Bühne kicke ich sie dann mit dem Schuh in die sensible Zone.

Was ist Ihre Lieblingsuniform bei Stewardessen?
Mein absoluter Favorit ist die gelbe Lufthansa-Uniform mit einem Umhang aus den 1960er Jahren. Heute sieht Emirates am besten aus wegen der Hüte und Schleier. Wenn man in einer Gruppe von 20 Flugbegleiterinnen mit dieser Uniform sieht, kriege ich Gefühle. Und die riechen auch alle nach Geld. Ich bin ein großer Fan von asiatischen Flugbegleiterinnen, weil die leicht durchs Flugzeug schweben, als ob sie keine Füße hätten. Die stampfen nicht durch den Flieger wie die Frauen von amerikanischen Fluglinien.

Und welche Uniform ist die schlimmste?
(schnell) BMI! Okay, jetzt muss ich wohl mehr über die reden. Die tragen diese Kopfbedeckung und sehen aus, als ob sie direkt aus Harry "fucking" Potter kämen. Abscheulich! Auch die neue Uniform von KLM ist schrecklich. Die sieht wie aus den 1980er Jahren aus. Ja, ich weiß, die 80er sind wieder da. Aktualisiert das zumindest ein bisschen, ihr Holländer! Auch Hosen sind bei Frauen schrecklich - ich spreche mit dir, American Airlines! Frauen sollten so was in diesem Job nicht tragen, da bin ich sexistisch.

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