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Julie alias Sea Of Bees (Bild: Nick Miller)

Die lesbische Musikerin Julie Baenziger kommt nach Berlin. Im queer.de-Interview erzählt sie von ihrer Suche nach dem großen Licht der Liebe.

Von Christian Scheuß

Julie, du gehst unter dem Namen "Sea Of Bees" auf Tour, dein letztes Album heißt "Songs For The Ravens"; Du hast eine Menge fliegendes Getier um dich herum!?

Ja, das stimmt. Als ich nach Namen suchte, hatte ich eigentlich nicht im Sinn, dass es unbedingt Tiere sein müssen, sondern ich dachte daran, was sie symbolisieren. "Sea Of Bees" fiel mir ein, als ich einen Abend mit Freunden unterwegs war und sagte: Ich bin Julie B. in einem Meer von Bienen. Da machte es Klick bei mir. Und beim Album-Titel: Ich schaute eines Tages aus dem Fenster meines Hauses und sah draußen einen Raben. Ein dunkles, einsames Wesen. Genauso fühlte ich mich auch. Viele Menschen wollen nicht gern zeigen, dass sie sich einsam und allein fühlen. Stattdessen geben sie vor, es sei alles in Ordnung. An sie wendet sich meine Musik, eben die Lieder für die Raben.

Im Myspace-Profil wird deine Musik als Folk Rock und Japanese Pop kategorisiert. Wo finden die Hörer das Japanische in deinen Songs?

Mein Label in Kalifornien dachte, das wäre eine witzige Idee, denn ich bin Japanerin und meine Musik ist eben auch ein bisschen Pop.


(Bild: Nick Miller)

Du hast -mit Ausnahme des Schlagzeugs - jedes Instrument selbst gespielt bei den Aufnahmen zu "Songs for the Ravens". Kostengründe oder Kontrollfreak?

Weder, noch. Ich habe einfach Spaß daran. Das ist wie Malerei. Ich spiele ein Instrument ein, höre es mir an, und denke dann: wie klingt es wohl, wenn jetzt noch eine Gitarre dazu käme? Dann probiere ich es aus. Es ist eine große Neugier, die ich da auslebe. Es ist aber auch so, dass ich beim Schaffen von Songs ganz gern für mich allein bin, dann bin ich meiner selbst sicher, fühle mich stark. Übrigens: Beim nächsten Album werde ich auch das Schlagzeug bedienen.

Über die Kirche und die Liebe zu einem Mädchen kamst du zur Musik. Kannst Du diesen ungewöhnlichen Werdegang mal erzählen?

Ich bin in einem Vorort von Sacramento geboren. Das ist ein Ort, wo man aufwächst, zur Kirche, auf das College und an die Universität geht, heiratet und Kinder kriegt. Alles außerhalb dieser Bahn ist nicht OK, wird als unnormal und fremd empfunden. Meine Schwester und mein Cousin luden mich ein, mit zur Kirche zu kommen, als ich 16 Jahre alt war. Ich hatte erst ein wenig Angst, aber da war dieses Mädchen, das mich ganz herzlich begrüßte. Sie war etwas älter und ich mochte sie sofort. In meinen Augen war sie einfach wunderschön. Sie sang in der Messe, und das schlug bei mir ein. Das wollte ich: Singen wie sie und ihr dadurch nah sein können. So wurden wir Freunde, und ich begann, die Lieder zu lernen, die sie sang. Es klingt verrückt, aber ich übte die Noten mit einer völlig verstimmten Gitarre, die nur eine Saite hatte. Ich wusste nicht, wie ich sie richtig stimmen sollte und experimentierte solange damit herum, bis ich die richtigen Töne fand und wunde Finger hatte. Nach einer Woche traf ich ein paar Noten. Das war frustrierend, aber ich tat es ihr zuliebe.


(Bild: Nick Miller)

Damit hast du deine Liebe zur Musik öffnen können, aber die Liebe zu deiner Muse blieb versteckt?

Ich konnte mich ihr nicht direkt offenbaren, schrieb aber einen Song für sie und spielte ihn ihr vor. Ihre Reaktion darauf war sehr oberflächlich und enttäuschend. Ich erkannte, dass es bei ihr vergebliche Liebesmühe war. Aber ich wusste jetzt auch, dass ich auf Frauen stehe. Bald darauf verließ ich auch die Kirche. Der Pfarrer der Gemeinde erzählte während einer Messe, dass er einen Anruf bekommen habe. Ein Homosexueller habe gefragt, ob er in der Gemeinde mitfeiern könne. Der Pfarrer verweigerte ihm die Gastfreundschaft. Da fühlte ich mich sehr schlecht. Es war zwar der erste Platz in meinem Leben, an dem ich zunächst akzeptiert wurde, aber nun gehörte ich nicht mehr dazu. Ich musste mich aufmachen, um Gleichgesinnte zu finden.

Ahnt denn deine erste Liebe, welchen Einfluss sie auf dich hatte?

Ich glaube, sie hat nicht die geringste Ahnung, und wenn ich ihr erzählen würde, dass meine gesamte Zukunft durch diese kleine Flamme der Liebe genährt wurde, es würde sie ängstigen.

Glücklicherweise konntest du etwas später eine neue wärmende Flamme finden, und deine Liebe wurde dieses Mal erwidert. Wie war dein Coming-out vor etwa eineinhalb Jahren?

Ich fühlte mich lebendig wie noch niemals zuvor. Wir sind zwar inzwischen nicht mehr zusammen, aber sie ist nach wie vor das größte Licht meines Lebens. Ich liebe sie unendlich und mehr als alles andere. Durch sie machte ich sehr viele neue Erfahrungen, überwand meine Ängste und fühlte mich so verdammt glücklich. Das war ein sehr großes Geschenk.

Nun entstand das Album "Songs for the Ravens" noch vor dem Coming-out, aber es ist voller Liebeslieder. Welche Aspekte dieses universellen Themas waren wichtig für dich?

Ich denke, hauptsächlich ging es mir um Hoffnung. Als ich begann, die Texte für die Songs zu schreiben, hatte ich das Gefühl, es gibt keinen Grund hier auf Erden zu existieren. Ich nahm die Schönheiten und die Aufregungen des Lebens nicht wahr, war deprimiert. Zwischenzeitlich dachte ich, mit diesem Album schreibe ich bereits so etwas wie meine letzten Worte. Aber die Beschäftigung mit der Musik hat mir geholfen, mich wieder zu öffnen.

Dann müsste ja eigentlich das nächste Album eines voll glücklicher Liebeslieder sein, nachdem es dir jetzt wieder gut geht?

Ja, ich arbeite bereits daran. Es wird anders klingen, mit mehr elektrischen Gitarren und Synthies. Von der Stimmung her wird es sehr gemischt sein, das kann ich schon sagen. Es wird natürlich meine Entwicklung abbilden. Das Glück, das man verspürt, aber auch die Mühen, die man auf sich nimmt, wenn man einen anderen Menschen liebt.

Sea Of Bees gibt - präsentiert von queer.de - am 10. März kurzfristig ein exklusives Konzert in Berlin. Veranstaltungsort ist der Monarch (Skalitzer Str. 134, Kreuzberg), Beginn um 21 Uhr.

Youtube | Der Song "Gnomes" aus dem Album "Songs For The Ravens"


#1 FoXXXynessEhemaliges Profil
#2 RabaukeAnonym
  • 09.03.2011, 12:27h
  • Die Musik ist Klasse. Noch viel besser: Endlich mal eine "Lesbe" die mir sympathisch ist. Sehr schön!
  • Antworten » | Direktlink »
#3 KasimirAnonym