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Auf der Website des CSD München prangt bereits der neue Name (Bild: csd-munich.de)

Die CSD-Umbenennung in "Christina Street Day" soll dieses Jahr in München die Sichtbarkeit von Lesben erhöhen - derzeit schwappt allerdings nur die Empörung über den neuen Namen immer weiter hoch.

Von Dennis Klein

Norbert Kammermeier ist sauer: "Das geht einfach nicht. Wir geben uns der Lächerlichkeit preis", erklärte der Aktivist, der einst den CSD Regensburg mitorganisierte. Jetzt verteilt er in der Münchener Szene Unterschriftenlisten gegen die "eigenmächtige und sinnlose Umbenennung". Die Listen liegen unter anderem im Drei Glöcklein, Nil, Rendezvous, Selig und Spexter aus und können auf der bereits 500 Mitglieder zählenden Facebook-Seite "Gegen den Namen 'Christina Street Day'" heruntergeladen werden.

Dabei meinten es die CSD-Organisatoren eigentlich gut: Thomas Niederbühl erklärte im queer.de-Interview, dass beim diesjährigen CSD etwas gegen die mangelnde Sichtbarkeit von Lesben unternommen werden sollte. Mit dem Motto "Gemeinsam für uns alle" unter dem Banner des "Christina Street Day" sollte die Einheit der Community gezeigt werden, die Hand in Hand für gleiche Rechte kämpft.

Diese romantische Innenansicht führt bei Kammermeier zu Magenverstimmungen. Der Name führe nicht nur zu Lachkrämpfen in der Lokalpresse, sondern verfälsche die Geschichte. Das falle zwar jungen Party-Huschen nicht auf, findet Kammermeier, anderen dafür umso mehr: "Die Älteren, die selbst der Front gestanden haben, haben ein penibles Geschichtsbewusstsein." Es sei eine Tatsache, dass der Stonewall-Aufstand nicht in der Christina-Straße stattgefunden habe. "Als ich das Leuten in der Bar erzählt haben, dachten viele, das wäre ein Aprilscherz", sagt er und fügt an: "Wenn das so bleibt, werde ich mich nicht mehr am CSD beteiligen."

Selbst unter den CSD-Organisatoren gibt es keine Einigkeit über den neuen Namen. So erklärte Guido Vael von Sub e.V., dem schwul-lesbischen Zentrum in München, dass sein Verein der Umbenennung nicht zugestimmt habe. Neben Sub organisieren noch die Münchener Aidshilfe, die Lesbenberatungsstelle LeTRa und die Kleinpartei Rosa Liste München von Thomas Niederbühl den CSD.

Die Lesben im Hintergrund


Frauen beim Münchener CSD 2010 (Bild: jerome_Munich / flickr / by 2.0)

Vael lehnt die Umbenennung ab, weil sie die Geschichte verfälsche. Lesben hätten eben nicht Hand in Hand mit ihren schwulen Brüdern gegen Unterdrückung gekämpft. Als Mitorganisator des ersten Münchener CSDs 1980 erinnere sich Vael daran, mit welchen Argumenten bewegte Lesben sich damals von Schwulen absetzen wollten. So hätten sie Schwule als genauso gefährlich wie Heteros eingeschätzt - mit dem Argument: "Auch schwule Männer penetrieren". Zwar seien solche Ansichten inzwischen Geschichte - dennoch sei der diesjährige Name "Geschichtsklitterung".

Auch Kammermeier argumentiert, dass die mangelnde Sichtbarkeit von Lesben, die von den CSD-Organisatoren beklagt wird, nicht Schwulen zur Last gelegt werden kann: "Die Lesben wollen doch meistens nicht in Erscheinung treten", so Kammermeier. Er selbst habe vor wenigen Jahren in Regensburg den ersten schwul-lesbischen Sportclub gegründet und massiv bei Lesben geworben. Am Ende lag ihr Anteil dennoch bei unter zehn Prozent. "Die haben zwar viel geredet, wollten aber am Ende unter sich bleiben", resümiert Kammermeier.

"Die Welt lacht über ´Christina Street Day´"

Die CSD-Leitung unternimmt gegenwärtig wenig, um die Kritik einzudämmen: So war CSD-Pressesprecherin Rita Braaz bis Donnerstagabend nicht für queer.de zu erreichen, Koordinator Thomas Niederbühl ist nach Angaben des LeTRa-Büros im Urlaub, ein anderer Ansprechpartner nicht im Hause. Im Internet ist dagegen eine wilde Debatte ausgebrochen; selten gab es so viele Emotionen im Vorfeld eines CSDs. Kommentatoren machen sich insbesondere um die Außendarstellung in der "Hetero-Presse" Sorgen. Gayösterreich.at schreibt etwa, dass die Welt über die Namensänderung lache. Außerdem sei sie ohnehin unverständlich, beklagt ein Kommentator auf der Facebook-Seite der Namensgegner. Auf der Webseite der Stadt München werde mit der Headline "Christina Street Day" geworben, neben einem Bild einer Drag Queen. "Soviel zur verbesserten Sichtbarkeit von Lesben".

"Bei allem Verständnis für die Problemlage", schreibt Elmar Kraushaar in der "taz", "greift sich ein jeder Homosexueller - egal ob lesbisch oder schwul - bei so viel Albernheit nur noch an den Kopf." Blogger Steven Milverton schließt folgendes Fazit: "Die Drag Queens [beim Stonewall-Aufstand] hatten wohl kaum im Sinn, sich für irgendwelche Christinas verprügeln zu lassen. Sie sind für sich selbst auf die Straße gegangen, und nicht für irgenwelche Lesben, die 50 Jahre später von den Ereignissen in der Christopher Street schamlos profitieren wollen."

Vereinzelt gibt es aber auch Stimmen, die sich mit dem neuen Namen anfreunden können. So würde es Blogger Missetaeter.info nicht wundern, "hätten einige [Tunten und Transen] seinerzeit die besagte Straße selbst effeminiert 'Christina Street' genannt." Er wirft Kritikern vor, ganz bürgerlich an alten, liebgewonnen Symbolen festzuhalten - und damit der Community keinen Gefallen zu tun: "Kleingeistigkeit und Konservatismus sind doch ein schlechtes Identifikationsangebot für alle, die noch nicht out sind und eine Beleidigung für jene, für die das noch nie eine angemessene Haltung war."

Nachtrag, 20.20h Es gibt seit seit eben auch eine Facebook-Gruppe "Gegen die lesbische Unsichtbarkeit auf den CSDs".



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#1 Mart46Anonym
  • 10.03.2011, 17:48h
  • Bis der CSD über die Bühne geht, wird sich die Aufregung schon wieder gelegt haben. Zu wirklich wütenden Protesten bis hin zum Boykott kommt es allenfalls, wenn die Münchner Clubs und Saunen an diesem Wochenende eine 'Mixed Zone' ausrufen. Schließlich sind viele nicht nur wegen des sommerlichen Straßenkarnevals auf dem CSD.
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#2 FloAnonym
  • 10.03.2011, 17:57h
  • Ich habe ja schon oft genug Argumente gegen den Namen "Christina Street Day" genannt.

    Nur noch eine Frage an die Befürworter:
    ist es "kleingeistig" und "konservativ", wenn man nicht das Andenken an diejenigen, die damals für uns gekämpft haben, in den Schmutz ziehen will?

    Und ist es "kleingeistig" und "konservativ", wenn man nicht will, dass wir alle (auch Lesben) zur Lachnummer verkommen, was unseren Kampf um Gleichstellung um Jahre zurückwerfen könnte? Das wirkt so, als wollten alle Schwulen alles nur noch mit weiblichen Namen belegen. Ich sehe schon, wie demnächst schwule Jugendliche mit Mädchennamen gehänselt werden und die Verantwortlichen dieses CSD sind Schuld daran.

    Und ist es auch "kleingeistig" und "konservativ", wenn man nicht will, dass ein Bruch zwischen Schwulen und Lesben in Kauf genommen wird?

    Fakt bleibt, dass diese Umbenennung nichts anderes als peinliche Geschichtsklitterung ist und (entgegen der Idee dahinter) Schwule und Lesben immer weiter trennt, statt sie zu verbinden.

    Diese Umbenennung wird so negative Folgen haben - die viele wohl noch gar nicht erkennen (wollen) - dass man diesen CSD in München nur boykottieren kann.

    Statt aus reiner Sturheit und Eitelkeit des eigenen Egos blind daran festzuhalten, wäre es ein Zeichen wahrer Größe, wenn man auch mal einen Fehler eingestehen kann und diese Pläne endgültig verwirft. Zum Wohle aller Schwulen UND Lesben.
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#3 FritzeAnonym
#4 Thom_ass1973
  • 10.03.2011, 18:27h
  • Mann, Man Frauen!!
    Der Christopher-Street-Day ist benannt nach dem Ort, nicht nach Geschlechtern, wie kann man nur so selten dämlich borniert sein! Ausserdem ist der Tag auch ein Kerl - wenn schon denken, dann bitte weiter wie von 12 bis Mittag!!
    So langsam komm ich echt auf die Idee "laßt die Lesben doch ihr eigenes Süppchen kochen!!"
    Sollen halt mit Ali
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#5 Sveni89Anonym
  • 10.03.2011, 18:37h

  • Ich finde es eine super Idee mit der Umbenennung. Es wird überall immer nur über schwule geredet und nie über Lesben. Und dass der CSD wegen der Umbenennung zur lachnummer wird sehe ich nicht so. Dafür wird die Presse sorgen. Und außerdem: Wer toleranz spüren will muss selber erst mal Toleranz aufbringen können
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#6 MarekAnonym
  • 10.03.2011, 19:23h
  • Lesben gehören zu uns! Punkt!

    Aber muss man deswegen so peinliche Aktionen starten?

    Wenn wirklich manche Leute kapieren, dass Christopher Street kein Mann, sondern ein Straßenname ist, dann soll man es halt Pride nennen. So wie es international auch üblich ist.

    Aber dann wollen manche es wahrscheinlich Pridina oder so nennen.

    Jedenfalls schließt Christina Street Day alle Nicht-Lesben explizit aus. Während die normale Bezeichnung alle (auch Lesben) mit einschließt.
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#7 MartinMucAnonym
  • 10.03.2011, 19:23h
  • Antwort auf #5 von Sveni89
  • Mein lieber Sveni
    Das man weniger über Lesben redet ist eigentlich ein großer Glücksfall für Lesben. Über Schwule redet man öfter und das ist oft eine sehr schmerzhafte Erfahrung. Frage mal Lesben. Die finden die Christina auch genau so peinlich. Ausser vielleicht Lesben (und Schwule) im Haupt.-und Nebenamt.
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#8 MedAnonym
  • 10.03.2011, 19:32h
  • Antwort auf #5 von Sveni89
  • Sveni89 - hast Du den Artikel denn gelesen. Fassen wir doch mal die Fakten zusammen.

    Organisiert wird der CSD-München von folgenden Gruppen:

    1. SUB - schwul-lesbisches Kommunikationszentrum
    2. Aids Hilfe München
    3. LeTra
    4. Rosa Liste

    Wie im Artikel zu erfahren war, war das SUB gegen die Umbenennung. Bleiben also die Positionen 2 und 4... wer googlen kann wird feststellen, das als "Entscheider" für die Aids-Hilfe und die Rosa Liste Thomas Niederbühl alleine steht (der schwule "Berlusconi"=Alleinherrscher) und die LeTra - dahinter steht als Verantworliche Rita Braaz. Frau Braaz ist so nebenbei die stellvertreterin von Herrn Niederbühl in der Rosa Liste.

    Na - fällt der Groschen? Mit "demokratischer" Entscheidung und einem "Motto für die Community" hat das, was hier in München passiert, nichts aber auch gar nichts zu tun.

    Die Lachnummer und den "Schuß nach hinten" kannst Du hier nachgucken:
    www.muenchen.de/Tourismus/Lesben_Schwule/125623/08csd.html

    Du glaubst doch nicht im Ernst, dass auf dieser Seite auch nur eine Lesbe abgebildet ist...

    Mit fehlender Toleranz hat das übrigens nichts zu tun. Es geht um Geschichte und Tradition. Es geht darum, dass die ersten CSDs von Männern fast alleine organisiert worden, darum, dass ca. 80 - 90 % der Teilnehmer des CSDs in München Männer sind und keine Frauen.

    Wenn Frauen im CSD sichtbarer sein wollen, brauchen sie sich einfach nur mehr in der Community organisieren - viele Lesben (und ich bin mit einigen befreundet) lieben aber auch das "Versteckspiel" wenn sie mit einer "guten Freundin" zusammenleben können.
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#9 herve64Profil
  • 10.03.2011, 20:19hMünchen
  • Es ist schon erstaunlich, wie sehr sich der besagte Herr Niederbühl mittlerweile bedeckt hält. Sucht er jetzt Trost bei seinen persönlichen lesbischen Liebfrauen, oder wie darf ich das jetzt verstehen?

    Auf jeden Fall wird gerade angesichts des Münchner CSDs deutlich, wie sehr die selbsternannten Community-VertreterInnen inzwischen den Kontakt zur Basis verloren haben: selbstherrlich verfremden sie einen gängigen Namen, um pubertär-infantile Befindlichkeiten von Emanzen zufrieden zu stellen und lassen ihre ureigenste Zielgruppe damit außen vor bzw. marginalisieren sie.

    Fazit: wer solche schwulen Vertreter hat, braucht keinen homophoben Heteros mehr. Schwulendiskriminierung betreibt man so schon schön selbst.
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#10 MatainaAnonym
  • 10.03.2011, 20:36h
  • Antwort auf #2 von Flo
  • Wovor hast du eigentlich Angst? Ist doch nun wirklich egal was die Heteros darüber denken. Ich wär schon froh, wenn sie überhaupt mal über Homos nachdenken.

    Ich finde die Idee mit der Christina gut - auch wenn die Umsetzung leider einige stilistische Mängel aufweist.

    Christina Street Day - das muss sich eine Transe ausgedacht haben! Aber die sind sowieso oft die Kreativsten. Ich hab jedenfalls nix gegen eine Solidarisierung mit den Lesben einzuwenden. Ich kenn viel zu viele Schwule, die bei Frauen aber richtig gehässig reagieren und auf Lesben im Besonderen. Mag sein, dass die ständige Rempelei eines Großteils dieser Gattung (kenn ich aus schmerzvoller eigener Erfahrung!) die zarten Tunten Angst und Bange werden lässt und sie nun auf Rache sinnen. Generell ist es aber immer von Vorteil Allianzen zu bilden. Und der soziale Aspekt der Solidarisierung mit anderen Diskriminierten ist doch auch nicht unbedingt verwerflich.

    Ich kenn jedenfalls eine Menge cooler Lesben mit denen ich gerne gemeinsame Sache mache und denen zuliebe ich gerne alte Zöpfe neu frisiere. Man muss sie ja nicht gleich abschneiden (der Christopher kann schon mal gar nix dafür, denn nach dem ist nur die verflixte Strasse benannt worden!).

    Auf der einen Seite ist es natürlich schön, dass wir überall auf der Welt einen Christopher-Street-Day feiern, doch wäre es auch schön, mal die eigene Tradition zu stärken und der Christina-Street-Day wäre jedenfalls sowas wie ein Schritt in diese Richtung.

    Mir liegt Antiamerikanismus fern- hab selbst Amerikanistik studiert und mag die USA trotz all ihrer Defizite. Doch wir brauchen uns in Deutschland wirklich nicht hinter fremden Federn zu verstecken. Wir haben unseren eigenen Emanzipationskampf geleistet und der geht immer weiter und wenn dem dann noch ein ausländischer Begriff "zum Opfer fällt" weil wir uns inhaltlich neu ausrichten - where the f*** is the problem? Relax! Alles wird gut! Auch die Lesben, die bei dieser Diskussion übrigens auffällig still bleiben. Ladies - was habt ihr denn dazu zu sagen?
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