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Ein flotter Dreier gesucht? (Bild: Osi-osooo / flickr / by-nd 2.0)

Wer seine Lust mit vielen teilen will, der muss klare Ansagen gegenüber seinem Partner machen. Happy Together, die Beziehungsserie, Teil 7.

Von Carsten Weidemann

"Hast Du `nen Freund?" Diese Frage kommt so sicher wie das berühmte Amen in der Kirche, wenn schwule Männer irgendwo zusammen stehen und zu flirten beginnen. Zumindest wenn es beleuchtete Räume sind, deren ausschließlicher Zweck nicht die Anbahnung anonymer sexueller Kontakte ist. Aber in der Bar zum Beispiel, im Chat, oder auf der Party, da hört man diesen Satz oft. Die Sehnsucht nach einem Lebensabschnittsbegleiter manifestiert sich in dieser einen Frage. Mit der Antwort ist es jedoch nicht immer so einfach.

Lautet sie "Ja", wird nach einer kurzen Pause häufig ein "aber..." dazu gesetzt. "Ja, aber wir leben in einer offenen Beziehung." Lautet sie "Nein", bleibt erst einmal offen, welches Beziehungsmodell der potentielle neue Partner denn bevorzugt. Fehlgriffe sind also nicht ausgeschlossen.

Die Zahlen des Berliner Soziologen Michael Bochow, der alle Jahre wieder schwule Männer nach ihrem (Sex-)Leben befragt, zeigen konstante Werte: Jeweils die Hälfte der Befragten leben in festen Beziehungen. Und von diesen in Partnerschaft Lebenden wiederum führen rund 50 Prozent eine offene Beziehung. Das Streben nach Zweisamkeit ist also vielen wichtig, die Freiheit beim Zusammenleben aber ebenso. Die Statistiken sagen ebenfalls: Je länger diese Beziehung bereits andauert, desto eher wird sie offen geführt.

"Offen", damit ist in der Regel sexuelle Offenheit gemeint, wesentlich seltener dagegen die radikalere Form der Beziehung, in der nicht nur die Lust, sondern auch die Liebe mit anderen geteilt wird. Heterosexuelle Männer schauen da öfters neidisch auf ihre schwulen Bekannten, die so offen so viele (kostenlose) Möglichkeiten auf kleine spritzige Abenteuer haben, ohne dass dies ihre Beziehung gefährdet.

"Offene Beziehung" meint meist: sexuell offen

Wie offen denn das "Offensein" sein darf, das ist Verhandlungs- und vor allem Vertrauenssache. Es muss auf beiden Seiten das Vertrauen vorhanden sein, dass der Spaß mit fremden Männern nicht die Beziehung gefährdet oder beschneidet. Denn Stabilität und Sicherheit in einer Partnerschaft ist für viele ein wichtiges Gut. In einer offenen Beziehung sollte niemand zu kurz kommen, denn Neid ist die Vorstufe zur Eifersucht. In Anlehnung an Rosa von Luxemburgs Spruch: "Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden" lässt sich auch formulieren: "Freiheit ist immer die Freiheit des Anderen", also des Partners in der Beziehung. Die Grenze der Offenheit liegt also immer dort, wo sich jemand damit unwohl, verletzt oder beschnitten sieht.

Praktisch bedeutet das: Ihr müsst offen und ehrlich darüber reden, was ihr in der Beziehung gemeinsam tun wollt, wo ihr dem Partner und euch selbst Freiheiten einräumen wollt, und was nicht mehr geht. Diese Kompromisslinie sieht bei jedem Paar anders aus. Die einen suchen nur gemeinsam Sex mit einem Dritten, andere erklären das eigene Schlafzimmer für den Seitensprung als Tabuzone. Es gibt solche, die von den kleinen generell abgesegneten Abenteuern gar nichts wissen wollen. Und die, die jedes kleinste sexuelle Detail erzählt bekommen möchten. Je klarer die Absprachen, desto weniger Stress gibt es später mit der offenen Beziehung.



#1 GeertAnonym
  • 13.03.2011, 12:34h
  • Ich lebe seit 20 Jahren in einer solchen offenen Beziehung. Sie läuft wunderbar und könnte gar nicht besser sein! Dass unsere Beziehung offen ist, ist ein stabilisierender Faktor. Aber es ist richtig: Ohne Absprachen und Spielregeln geht das nicht. Bei uns bedeutet das: Mit Dritten nur Sex - keine Beziehung zu dritt- und keine Lügengeschichten , sondern Ehrlichkeit allen Beteiligten gegenüber.
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#2 CarstenFfm
  • 13.03.2011, 12:39h
  • Da Frage bei schulen Paaren ist doch nicht, ob am eine offene Beziehung hat oder eine monogame....
    ... sondern ob man ehrlich zueinander ist, oder ob man sich belügt und heimlich fremdgeht.
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#3 das.ersteAnonym
  • 13.03.2011, 12:40h
  • wichtig ist auch, dass man absprachen bzgl. safensexes trifft... weil viele ja auch innerhalb einer offenen beziehung (solange sie den gleichen hiv-status haben) auf komplett safensex verzichten... da ist dann ehrlichkeit besonders wichtig, besonders wenn bei einem date mal etwas schief gelaufen ist, sollte man ehrlich zu seinem partner sein und nicht das risiko eingehen ihn mit einer krankheit zu infizieren
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#4 schwulenaktivist
  • 13.03.2011, 14:04h
  • Antwort auf #2 von CarstenFfm
  • Ich denke, eine totale Offenheit wie beim Beichtvater muss auch nicht sein. Wenn Paare jedes Detail übereinander wissen und einander Rapport erstatten, mag das vielleicht spannend sein, aber die Beziehung als solche nicht weiterentwickeltn.
    Die Offenheit in Sexualkontakten dient ja dazu, Bedürfnisse zu befriedigen, die sonst sich im Frust stauen. Die Heterosexuellen bezahlen einfach Fachfrauen im Rotlichtmilieu - was bei heterosexuellen Umgangsformen unter Schwulen auch das homosexuelle Leben zunehmend verändert. Damit wird zwischen Ehe und Nutte ein Gefälle aufgetan, wie es zwischen zwei Männern nicht sein muss, die Sex gegen Sex tauschen...
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#5 PierreAnonym
  • 13.03.2011, 14:57h
  • Eine sexuell offene Beziehung funktieniert erst dann, wen, einer der beiden Partner (oder gleich beide) dem anderen gegenüber reichlich gleichgültig geworden ist.
    Mit Liebe hat das nichts zu tun. Das gesunde Gefühl ist nun mal einfach Eifersucht.
    Und einen Menschen so übermächtig zu lieben, dass man sexuelle Abenteuer mit Dritten seinem Partner großzügig gönnt, dürfte auch eher die Ausnahme sein.
    'Offene Beziehung' bedeutet meist nur, dass sich Gleichgültigkeit gegenüber dem anderen durchgesetzte hat und man nur aus rein praktischen Erwägungen (oder aus einer Gewohnheit heraus) zusammen bleibt .
    Eine offene Beziehung ist im Endeffekt nur ein Zeichen homsexuelle Dekadenz.
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#6 ickeAnonym
  • 13.03.2011, 18:03h
  • Antwort auf #5 von Pierre
  • @Pierre:
    Du nennst es Dekadenz, ich Freiheit. - Musst ja nicht mitmachen.
    Gibt viel zu viele Neigungen und Fetische, als das da 2 jeweils alle des jeweiligen Gegenübers erfüllen können.
    Ich gehöre nur mir selbst, wenn allen klar ist, das dies die einzige Exklusivität ist, dann klappt das meistens gut.
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#7 jojoAnonym
  • 13.03.2011, 18:24h
  • es gibt ein paar vorteile am schwulsein. einer davon ist, dass man ein wenig unabhängiger von gesellschaftlichen konventionen entscheiden kann, welche beziehungsformen man mit welchem partner jeweils am passendsten findet. die heteros holen da zwar langsam auf, aber ganz so weit sind sie halt noch nicht.

    leider gibt es auch unter manchen schwulen immer noch eine gewisse tendenz dazu, ihre private entscheidung für monogamie und weißen gartenzaun zum naturgesetz hochzulügen und andere beziehungsmodelle abzuwerten - aber auf die muss man ja nicht hören.

    ich genieße es jedenfalls, freunde zu haben, die meine diesbezüglichen entscheidungen akzeptieren, auch wenn sie selber anders leben, und die nicht gleich in den moralmodus schalten, wenn ich mal von dem einen oder anderen flirt oder seitensprung erzähle.
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#8 FoXXXynessEhemaliges Profil
#9 schwulenaktivist
  • 13.03.2011, 19:17h
  • Antwort auf #5 von Pierre
  • Eifersucht ist niemals ein Liebesbeweis, sondern die sichtbare Unfähigkeit, kein Selbstvertrauen zu haben und immer noch am Rockzipfel der Mutter zu hangen.
    Nochmals: Zwei Männer brauchen keine Heterobeziehungsstruktur, sonst können sie geradesogut eine Frau heiraten...
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#10 Fred i.BKKAnonym
  • 14.03.2011, 05:33h
  • ...freue mich schon auf den objektiven naechsten Artikel hier bei Queer:

    Kleiner Knigge fuer die sexuelle monogame Beziehung....von Carsten Weidemann

    Ich denke auch dass Beziehungen in der Phase des gegenseitigen Verliebtseins keine sog.offene Partnerschaft zulassen.

    Erst wenn kein verliebtsein mehr besteht werden die Beziehungen oft 'offen" .

    Viele dieser kalten Beziehungen enden in einer Art WG mit gelegendlichen sexual Benuetzungen,fals sich " draussen " nichts gefunden hat zum Druck ablassen....

    Wir,mein lieber ,bester Partner und ich sind auch nach 34 gemeinsamen Jahren noch verliebt ineinander(und wir hoffen dass dies auch noch so bleibt die vermutlich wenige Zeit die wir noch vor uns haben ...).deshalb stellt sich die Frage der 'offenen Beziehung " garnicht , und im Alter denke ich ist es auch wesendlich einfacher,Treue zu praktizieren ...der Testosterondruck wird ja irgendwann auch geringer.....bei den meisten jedenfals....

    Happy Together....ja ...jeder so wie es ihm passt..und er gluecklich ist ....
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