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  • 26. Juli 2004, noch kein Kommentar

Ein Gericht hat entschieden, dass Transsexuelle in Florida ihr Geschlecht nicht ändern dürfen. Heiraten ist auch verboten.

Von Dennis Klein

Michael und Linda heirateten 1989 im Sonnenstaat Florida. Zunächst war die Kantaras-Familie glücklich. Linda brachte noch einen Sohn aus einer vorhergehenden Beziehung in die Ehe, 1992 brachte sie zudem eine gesunde Tochter zur Welt, das Ergebnis einer künstlichen Befruchtung mit dem Sperma von Michaels Bruder. Dann entdeckte Linda 2002 den christlichen Glauben – und entschied, dass sie nicht mehr mit ihrem Mann zusammen sein konnte. Grund: Michael war als Frau geboren worden, erst seit 1987 passte er sein biologisches Geschlecht an. Das sei, so lehrte ihr neuer Glaube, "unanständig".

2002 ist das Paar geschieden worden. Das Gericht gab dem Vater das Sorgerecht, da er besser für die Kinder sorgen könne. Doch Linda gab den Kampf nicht auf. Sie wollte erreichen, dass die Ehe für null und nichtig erklärt wird, da Michael eigentlich eine Frau ist. Und da Florida wie die meisten US-Staaten ein so genanntes "Gesetz zur Verteidigung der Ehe" erlassen hatte, das die Homo-Ehe verbietet, sei eine Verbindung zwischen zwei Frauen gegen das Gesetz. In erster Instanz verlor sie: Das Gericht entschied, dass das das Geschlechtsempfinden vor allem eine "seelische Verfassung" sei und Michael daher ein Mann.

Freunde fand die Frau jedoch beim Berufungsgericht. Das entschied einstimmig, dass die Ehe nach den Gesetzen des Staates null und nichtig sei, da sie zwischen zwei Frauen geschlossen worden sei. Denn Florida stimme mit der "üblichen Definition des Geschlechtes überein". Soll heißen: "Das Geschlecht wird von unveränderlichen Eigenschaften bei der Geburt bestimmt."

Michaels Anwältin Karen Doering nannte die Entscheidung "lächerlich": "Herr Kantaras ist ein Mann seit 1987, seit er seine Behandlung abgeschlossen hat. Dieses Gericht hat den gesunden Menschenverstand auf den Kopf gestellt." Lindas Anwalt Mat Staver dagegen war zufrieden: "Das Gesetz kann es natürlich einer Person nicht erlauben, das Geschlecht zu wechseln wie ein Hemd. Diese Entscheidung ist ein großartiger Sieg für die traditionelle Ehe und den gesunden Menschenverstand. Ein paar Hormone und ein Schönheitschirug können nicht einfach das Geschlecht einer Person ändern."

Doering wird nun mit ihrem Mandanten über neue Schritte beraten, da seine Ex-Frau nun versuchen würde, ihm das Sorgerecht für die Kinder wieder streitig zu machen. "Derzeit ist mein Mandant einfach nur geschockt, dass der Staat ihm sagt, er ist nicht der, der er ist. Das ist einfach kränkend und entwürdigend." Michael ist derzeit mit seiner zweiten Frau verheiratet – eine Ehe, die nach der Entscheidung der Richter nun auch gegen geltendes Recht verstößt.

26. Juli 2004, 18:38 Uhr