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Frankreich hat "Têtu", Großbritannien "Attitude" - nur in Deutschland gibt es kein bedeutendes schwules Kaufmagazin mit einer vergleichbar hohen Reichweite. Die Flut der kostenlosen Stadtmagazine hat den Markt hierzulande dauerhaft kaputt gemacht.

So schauen wir neidisch nach Thailand, wo in diesem Monat ein Ableger von "Attitude" an den Start gegangen ist - ein Zusammenschluss der Briten mit Thailands großem Verlagshaus GMM. Für die Thailand-Ausgabe des schwulen Lifestyle-Magazins wurden etwa zwei Drittel der englischen Artikel einfach auf Thai übersetzt und mit den Original-Grafiken illustriert, das übrige in Bangkok erstellte Drittel sorgt für den notwendigen Lokalkolorit. Die Werbeindustrie hat den Merger bereits honoriert: Ganzseitige Anzeigen von Jean Paul Gaultier, Diesel, Paco Robanne, Sisley, Puma, Giorgio Armani, Davidoff und Playboy Eyewear schmücken die erste Ausgabe.

Da staunen nicht nur jene deutschen Touristen, die Thailands gay community noch immer mit Gogo-Bars gleichsetzen und glauben, mit einem 20-Euro-Schein jeden "Thai-Boy" bezirzen zu können. Insbesondere in Bangkoks aufstrebender und gut verdienender Mittelschicht treten schwule Männer immer offener und selbstbewusster auf - und werden von Medien wie Werbung entsprechend wahrgenommen. "Attitude Thailand" war deshalb überfällig. In den journalistisch schlecht gemachten Gratis-Szeneblättern mit Anzeigen für Saunen und Massagesalons findet sich die Mehrheit der thailändischen Schwulen ebenso wenig wieder wie in den peinlichen Gay-Softcore-Heftchen, die nur aus Fotos asiatischer Männer in Slip oder Badehose bestehen und am Kiosk als "Frauenmagazine" getarnt werden.

Die erste Ausgabe der britischen "Attitude" erschien im Mai 1994. Nach Angaben des Londoner Verlags Vitality Publishing hat das Heft heute 225.000 Leser bei einer Auflage von 75.000 Exemplaren.



#1 herve64Profil
  • 18.03.2011, 09:07hMünchen
  • Die Flut der kostenlosen Stadtmagazine dürften wohl kaum der Grund dafür sein, dass der Markt hier eingebrochen ist. Vielmehr ist es die immer größer werdende Internetpräsenz, die dafür sorgt, dass der Kuchen immer kleiner wird und die Printmedien wohl kaum noch eine großartige Überlebenschance haben dürften.
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#2 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 18.03.2011, 09:47h
  • Warum muß ein renommierter britischer Verlag in Thailand sein Magazin unter die Leute bringen? Es ist eine reine Zeit- und Geldverschwendung!
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#3 MarekAnonym
  • 18.03.2011, 10:17h
  • Antwort auf #1 von herve64
  • Das Internet gibt es aber auch in Frankreich, Großbritannien, den USA, etc. und dennoch sind dort die Kauf-Magazine sehr erfolgreich und haben teils eine sehr hohe Qualität.

    Ich lese z.B. ab und zu den amerikanischen Advocate, der Klassiker unter den schwul-lesbischen Magazinen.

    Und der hat schon eine ganz andere Qualität als kostenlose Stadtmagazine. Und alleine schon die Haptik, aber auch, dass ich den mit in die Wanne nehmen kann, an den Strand, etc. finde ich besser als das Internet.

    Ich glaube, wenn man das professionell macht und das kein Pornoheftchen wird (was nicht heißen soll, dass da nicht auch mal erotische Bilder drin sein dürfen) könnte das auch hier erfolgreich sein. Nur sind die Versuche, hierzulande schwule Zeitschriften, schwule Fernsehsender, o.ä. zu etablieren, leider zu oft von Dilettantismus geprägt.

    So war es doch auch bei Timm. Wenn ich einen Sender mache, der kaum irgendwo zu empfangen ist, darf ich mich nicht wundern, wenn das nicht funktioniert. Mal ganz abgesehen davon, dass da anstatt guter Spielfilme lieber die tausendste Wiederholung von Denver Clan, etc. lief. Klar ist das preiswerter, aber wenn es funktioniern soll, muss man auch mal etwas mehr Risiko eingehen.

    Aber beides fände ich wünschenswert für Deutschland:

    - eine hervorragende Zeitschrift mit der Qualität des Advocate oder der Attitude.

    - ein schwul-lesbischer Fernsehsender, der gut erreichbar ist und der ein wirklich qualitativ hochwertiges Programm aus Nachrichten, Dokus, Reportagen, Portraits, Diskussionen, guten Spielfilmen und Serien, evtl. auch Musik, etc. bietet.
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#4 BearCGNProfil
  • 18.03.2011, 12:15hKöln
  • Liebe Kollegen,

    ich lese gerade "Die Flut der kostenlosen Stadtmagazine hat den Markt hierzulande dauerhaft kaputt gemacht." In Deutschland gab es nie einen nennenswerten Markt für schwule Kaufmagazine, denn leider oder "Gott sei Dank" sind wir im Gegensatz zu anderen Ländern seit vielen Jahren nicht mehr so stark diskriminiert das die werbende Wirtschaft unbedingt in schwulen Magazinen werben muss um Schwule als Kunden zu erreichen. Auch wir sind letztlich normale Kunden, Auto-Fans, PC-User oder Sportler. Das ist Fluch und Segen zugleich, so war mir vorher klar das TIMM TV nicht lange senden wird, denn ohne ausreichende Werbung fehlen die Einnahmen.

    "Die Flut der kostenlosen Stadtmagazine" hat dafür gesorgt, dass die Community heute die Größe und auch den Einfluss hat, wie sie in hat. Weder ein ColognePride, noch der Berliner CSD, die Gay Games oder welches Großevent auch immer wäre ohne die vielen kostenlosen regionalen und nationalen schwulen Magazine in den Größenordnungen denkbar, wie wir sie heute haben. Auch die Vielfalt der Vereine und Gruppen der Community profitiert seit Jahrzehnten vom Wettbewerb der vielen Gratis-Magazine.
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#5 schwulenaktivist
  • 18.03.2011, 12:28h
  • Die Vielfalt kleiner Magazine wiegt das Monopol eines deutschsprachigen Glanzpapiers längst auf! Die alten Queer-Macher haben es damals ja probiert und sind im Printbereich gescheitert.

    Dass das Internet ein Monopol errichtet hat, liegt daran, dass Schwule noch längst NICHT emanzipiert sind. Daher sind viele Angebote - für die Heteros schon zahlen müssen - immer noch kostenlos zu haben.

    Als "alter schwuler Buchhändler" weiss ich aus Erfahrung, dass Männer mit homosexuellen Bedürfnissen nur zu zahlen bereit sind, was unmittelbar mit Sex verbunden ist: Dienstleistungen und Porno. Möglichst anonym.

    Heteros schämen sich längst nicht mehr, ihre Sexprodukte überall einzukaufen.
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#6 Tobi CologneAnonym
  • 18.03.2011, 15:47h
  • Antwort auf #4 von BearCGN
  • "sind wir im Gegensatz zu anderen Ländern seit vielen Jahren nicht mehr so stark diskriminiert das die werbende Wirtschaft unbedingt in schwulen Magazinen werben muss um Schwule als Kunden zu erreichen. "

    1. Wenn ich mir so die Lage in GB ansehe, haben Schwule da oft einen besseren Schutz als hierzulande. Nach der Theorie dürfte es dann ja z.B. in den Vorbildstaaten Niederlande oder Schweden keine schwulen Kauf-Magazine geben. Gibt es aber!

    2. Die Werbewirtschaft inseriert ja nicht in schwulen Zeitschriften, weil sie anderswie keine Schwulen erreicht. Sondern weil Schwule nun mal oft eher wohlsituiert sind (doppeltes Einkommen, keine Kinder) und auch (so zumindest das Klischee) Stil haben und gerne auch schöne Dinge kaufen.

    --------------------------

    "Weder ein ColognePride, noch der Berliner CSD, die Gay Games oder welches Großevent auch immer wäre ohne die vielen kostenlosen regionalen und nationalen schwulen Magazine in den Größenordnungen denkbar, wie wir sie heute haben."

    1. Das klingt fast so, als würden Bezahl-Magazine CSDs verhindern. Auch wo es Bezahl-Magazine gibt, gibt es große CSDs, Gay Games, etc.

    2. Würden die kostenlosen Magazine da nicht unterstützen, wären es vielleicht Bezahl-Magazine, die das als Werbeplattform nicht ignorieren könnten und vielleicht sogar viel mehr unterstützen könnten.

    3. Das eine hat doch mit dem anderen nichts zu tun:
    Selbst wenn es stimmen würde, dass ohne Gratis-Magazine CSDs in Deutschland kleiner wären (was ich für eine sehr gewagte These halte), dann sagt das doch nicht aus, dass sie nicht auch der Grund für das Scheitern von Bezahl-Magazinen sein können.

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    "Auch die Vielfalt der Vereine und Gruppen der Community profitiert seit Jahrzehnten vom Wettbewerb der vielen Gratis-Magazine. "

    Auch hier wieder:
    würden Bezahl-Magazine das verhindern? Erstens könnte es ja auch einen Wettbewerb von Bezahlmagazinen geben und zweitens wären ja dann Gratis-Magazine nicht verboten.

    -------------------

    Meine Meinung:

    Niemand will Gratis-Magazine verbieten. Aber man kann es dennoch schade finden, dass es nicht auch eine Zeitschrift wie Advocate oder Attitude in Deutschland gibt.

    Und die These, dass Homomagazine nur dort erfolgreich seien, wo Schwule weniger Rechte als in Deutschland haben (wo sie auch noch lange nicht gleichgestellt sind) ist schlichtweg falsch!
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#7 herve64Profil
  • 19.03.2011, 09:33hMünchen
  • Antwort auf #3 von Marek
  • Was die kostenlosen Stadtmagazine angeht: was sind sie eigentlich anderes als Werbeblätter mit aufgesetzten, pseudo-journalistischen Feigenblattmeldungen ohne jeglichen Wert geschweige denn Tiefgang? Also, ich weiß wirklich nicht, ob man dieses bedruckte Altpapier wirklich als seriöse Konkurrenz für ein richtig gut gemachtes schwules Magazin im Stil einer «Têtu» ansehen kann, ja: ich bezweifle es sogar.

    Das mit dem Dilettantismus allerdings kann ich dir nur voll und ganz unterschreiben: das ist wirklich ein Problem, was die schwulen bzw. schwul-lesbischen Medien hierzulande haben. Aber eben nicht nur die. Schau dir z. B. mal die ganzen Fernsehsender hier an: der Dilettantismus hat in Deutschland Hochkonjunktur, und es ist egal, ob du dir jetzt ein öffentlich-rechtliches Programm herauspickst oder eines des Privatfernsehens. Hier wie da findest du stümperhafte Präsentationen, Pseudo-Unterhaltung mit miserablen Laiendarstellern und geradezu einem inhaltsleeren Plot, der eigentlich niemanden ernsthaft interessieren kann, es sei denn er oder sie ist so übertrieben voyeuristisch veranlagt, dass er oder sie es sich nicht verkneifen kann, sich bei jeder bietenden Gelegenheit einen Blick in die Nachbarswohnung zu werfen.

    Und das findest du in der gesamten bundesdeutschen Medienlandschaft wieder, egal, ob im TV oder den Printmedien, egal ob im herkömmlichen Bereich oder in der Homo-Presse usw. usf.

    Letzten Endes sind die deutschen Medien eines: eine Beleidigung der denkenden Menschheit. Und deswegen wird hierzulande auch kaum ein Magazin wie "Attitude" oder "Têtu" ein Bein auf den Boden bekommen.
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