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Noch ist der Song abrufbar

Der Musiksender Viva wird das aktuelle Musikvideo "I need a doctor" von Dr. Dre ab sofort an einer Stelle, an der von "faggots" (Schwuchteln) die Rede ist, mit einem Piepston unterlegen. Damit reagierte der Sender umgehend auf eine Beschwerde des Lesben- und Schwulenverbands in Deutschland (LSVD).

"Jugendlichen wird suggeriert, dass 'Schwuchtel' ein cooles Wort sei, das coole Rapper verwenden", kritisiert der LSVD. Homophobie werde verherrlicht. Besonders kritikwürdig fand der Verband, dass das Wort auch in einer Untertitelung übersetzt wurde.

Der Sender antwortete nach LSVD-Angaben in weniger als 24 Stunden. "Es wurde veranlasst, dass der Clip nicht mehr mit der deutschen Untertitelung ausgestrahlt wird und dass die betreffende Stelle im Video gebeeped wird", so Heike Leidiger, Director Business & Legal Affairs des Senders in einer Antwort an den Verband.

Die Verwendung des Begriffes in dem Song sei geeignet, "die Gefühle unsere Zuschauer zu verletzen", so der Sender weiter. "Wir bedauern ausdrücklich, dass Inhalte auf MTV und VIVA unsere Zuschauer in ihren Gefühlen verletzt haben. Umso mehr, da MTV und VIVA als MTV Networks Sender eine lange Tradition haben, ihr Programm ausdrücklich für eine breite Zielgruppe ungeachtet ihres Geschlechts, ihres ethnischen, sexuellen oder religiösen Hintergrunds zu gestalten und MTV und VIVA sich somit explizit auch an schwule und lesbische junge Erwachsene richten."

Die Änderungen sollen schnellstmöglich erfolgen, derzeit ist der Song noch in der ursprünglichen Version auf viva.tv abrufbar, verlinkt von der Startseite. Über ein Vorgehen gegen weitere Songs, auch deutschsprachige, wurde zunächst nichts bekannt.

Debatten um homophobe Wörter

Immer wieder gibt es, vor allem im Ausland, Debatten, in wieweit homophobe Sprache in Songs nicht zu einer Zensur oder zumindest einer Auspiepsung führen sollten. Dr. Dre benutzt in dem Song "Schwuchtel" als Beleidigung, wie viele Rapper im In- und Ausland als Kraftausdruck anstelle von anderen.

Einige Songs gehen noch weiter: Die letzte große "Faggot"-Debatte spielte sich Anfang des Jahres um den alten Song "Money for Nothing" von Dire Straits ab, nachdem es die kanadische Medienaufsicht verboten hatte, den Song unverändert abzuspielen (queer.de berichtete). In ihm ist von einer "kleinen Schwuchtel" mit Ohrring und Make-up die Rede (die als Sänger Geld für Nichts bekomme, ebenso wie ein Musiker, der auf die Bongos klopft wie ein Schimpanse). Der Song aus dem Jahr 1985 wird noch heute von vielen Radiostationen auf der ganzen Welt gespielt und bringt der Band viel Geld ein.

Doch macht die Piepserei immer Sinn? In Großbritannien etwa müssen Sender aufgrund des Jugendschutzes bis 21 Uhr alle möglichen "harten" Wörter auspiepsen. Wenn "faggot" nicht über den Äther geht, ist folglich noch keine inhaltliche Aussage getroffen. Die Wirkung, das Wort "Schwuchtel" als beleidigendes Schimpfwort zu verbreiten, bleibt bestehen.

Auch wird "Faggot" nicht immer negativ verwendet. Beispiel: Green Day, eine Rockgruppe, die es sich schon leistete, die unbekannte und schwule Punkband "Pansy Division" als Vorgruppe auf eine Amerika-Tour mitzunehmen. In dem Anklage-Song "American Idiot" sing Billie Joe Armstrong, selbst bisexuell: "Maybe I'm the faggot, America". Die Kurzkritik an Homophobie, die von (großtenteils) Heterofans bei jedem Konzert mitgesungen wird, fällt oft einem Piepston zum Opfer. (nb)



#1 zeitungsleserAnonym
  • 18.03.2011, 13:37h
  • Man muss sich schon wundern, dass genau dieses Lied mit deutscher Untertitelung "verkauft" wird. Soll das Zufall sein? Wohl kaum.

    Und der werbewirksame Piepton: Ist jemand bei Viva schon mal auf die Idee gekommen, es einfach selten bis gar nicht mehr zu senden? Oder will man Dr. Dre weiter das Geld in den A...schieben?
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#2 Timm JohannesAnonym
  • 18.03.2011, 13:42h
  • Sehr gute Aktion des LSVD

    Ich weiß schon, warum ich dort gern meine Mitgliedsbeiträge zahle. Es ist halt der wichtigste und überparteiliche Interessensverband Deutschlands, der explizit für die Rechte homosexueller Menschen eintritt.

    --> Solche Aktionen sind wichtig, da dann internationale Musiker im Vorfeld ihrer Lieder darüber nachdenken, welchen Text sie verwenden.
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#3 eMANcipation*Anonym
  • 18.03.2011, 14:53h
  • Selbstverständlich ist der erfolgreiche Protest sehr zu begrüßen.

    Allerdings stellt sich die Frage: Wo ist die Medienaufsicht?

    Es kann nicht angehen, dass eine menschenverachtende Sprache, die wesentlich zu Diskriminierung und Gewalt gerade unter jungen Menschen beiträgt, weiterhin ohne rechtliche Konsequenzen bleibt.

    Hier bedarf es klarer gesetzlicher Vorgaben, die ein derart entwürdigenes und menschenfeindliches Vokabular explizit unter Strafe stellen und dafür sorgen,

    dass die Medienaufsicht umgehend eingreift und gegen die verantwortlichen Fernsehsender und Medienkonzerne vorgeht.
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#4 Peter FAnonym
  • 18.03.2011, 15:29h
  • Wie war das noch mal mit Schwarz und Weiß? Grau gibt es doch auch oder?

    Artikel 5 im deutschen Grundgesetz beschreibt die Kunstfreiheit. Die erlaubt immer noch mehr als die freie Meinungsäußerung.

    Ich hoffe nicht, dass jede Form der Kunst die Homosexuelle verärgert/beleidigt zensiert wird. Genau so wenig möchte ich, dass jede Form der Kunst die Anhänger eine bestimmten Religion verärgert/beleidigt zensiert wird.

    Wird eigentlich "Fuck" im Lied auch zensiert?
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#5 Tobi CologneAnonym
  • 18.03.2011, 15:48h
  • ""Jugendlichen wird suggeriert, dass 'Schwuchtel' ein cooles Wort sei, das coole Rapper verwenden", kritisiert der LSVD. Homophobie werde verherrlicht. "

    Dem ist nichts mehr hinzuzufügen!

    Deshalb war dieser Schritt auch lange überfällig. Wenn die "coolen" Musikvideos den Kindern vormachen, dass Schwule minderwertig sind, kann sich ja nie was ändern.

    Noch besser wäre es, solche "Künstler" gar nicht mehr zu spielen...
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#6 vingtans
  • 18.03.2011, 16:16h
  • ouhman ihr seid soo schwul.

    und scheinbar so alt ,dass ihr die jugend nich versteht!

    schwul hat verdammt wenig mit schwul zu tun,ihr schwuletten.
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#7 FoXXXynessEhemaliges Profil
#8 Michael E.Anonym
  • 18.03.2011, 17:36h
  • Antwort auf #4 von Peter F
  • Für dich ist die Musik (sowie andere Werke) von heute noch Kunst? Hast du nicht begriffen, dass das Wort "Kunst" heutzutage als Marketingstrategie gebraucht wird, um irgendwas zu verkaufen? Musik ist ein Geschäft und Politik, es beeinflusst die Denkensweise von Hörern. Gangstarap ist momentan eine ziemlich gefährliche, faschistische Entwicklung.

    Zum Piepston: Sowas wird nichts ändern, sondern Jugendliche dazu animieren, erst recht mit Schimpfwörtern/Beleidigungen zu provozieren. Ein komplettes Sendeverbot für das Musikvideo, sowie ein generelles Verbot für solche Faschistenmusik muss her.
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#9 zeitungsleserAnonym
  • 18.03.2011, 18:12h
  • Antwort auf #6 von vingtans
  • äh, hallo? wir sind "so schwul", schreibst du (@feles...). Ja, sind wir. Das ist erst mal eine Feststellung.
    Und: Jugendliche wissen sehr wohl, wer sie als "schwul" bezeichnen darf und wer nicht: nur die eigenen Freunde. Und das hat einen guten Grund.

    Denn ist dir schon mal aufgefallen, wie du und dein "Freund" Dr. Dre das Wort benutzen? NEGATIV!

    Dass sich die Musikindustrie mit billigen Titten-Videos und frauen- wie schwulenfeindlichen Texten bei Jugendlichen anbiedern muss, um etwas mehr an schlechten Titeln zu verkaufen, ist deren Problem. Und das ist kein "Generationenproblem" unter Schwulen. Und für "Altendiskriminierung" ist hier auch der falsche Platz, mein Lieber.:-)
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#10 alexander
  • 18.03.2011, 20:27h
  • Antwort auf #6 von vingtans
  • du zählst mit 19 jahren auch nicht mehr zur jugend !

    schwulette kommt übrigens nicht von bulette !
    wenn es verdammt wenig mit schwul zu tun hat mit was dann ??????
    ist schwul jetzt auch nicht mal mehr schwul ???

    ich werde es testen und zum nächstbesten typen : du schwule sau sagen, mal sehen ob ich ein "bussi" bekommen ?
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