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In ihrem "Tatort" vom Sonntag hat sich die ARD an das Thema homosexuelle Fußballspieler gewagt. Das war gut gemeint, kam aber über Klischees nicht hinaus.

Mehr ist vielleicht nicht zu erwarten von einem Krimi, in dem hysterische Journalisten einen Zaun interviewen, Hooligans überzeichnet werden wie sonst nur Nazis in einem Hollywood-Actionfilm und der Mord letztlich durch ein Hundebellen aufgeklärt wird. Ohnehin, die Symbole: Ein Mann ist schwul und verdächtig, weil er eine Aids-Schleife als Schlüsselanhänger hat. Und die Kommissarin kommt auf das schwule Klemm-Leben eines Fußballers, weil sie Kondome unter seinem Bett findet. Nutzen ja offenbar nur Homosexuelle – so das viel zu oft genutzte Wort für Schwule in der Folge. [Anm.: Bitte Nachtrag unten beachten]

Womit der Krimi (wie etwa auch eine "schwule" Folge von "Soko Leipzig") mehr verrät über Drehbuchautoren und abnehmende Redakteure als über das Thema schwule Fußballer. Das wurde in einigen Dokumentationen längst tiefgreifender erörtert, gerade das DSF ist zu loben. Im "Tatort" hingegen hält die Kommissarin eine peinlich-aktivistische wie oberflächliche Rede und am Ende läuft der nun offen schwule Fußballer wieder für seine Mannschaft auf und wird nicht angefeindet. Könnte glatt aus der PR-Abteilung des DFB unter Theo Zwanziger stammen, und der war tatsächlich an der Entstehung des Films beteiligt.

Gut gemeint ist aber nicht gut, und die entscheidende Coming-out-Szene ist dann doch vergeigt: In einer Pressekonferenz bestätigt der junge Fußballer die Gerüchte, schwul zu sein, und bittet, ihn nicht zu verurteilen. Das ist nicht eine verfilmte Befreiung oder eine Selbstverständlichkeit, sondern wirkt wie ein Schuldeingeständnis – die filmische Umsetzung des Begriffes "bekennender Schwuler", der durch viele Journalistenhirne geistert und wohl auch bei Drehbuchautoren gegenwärtig ist.

Abseits von Klischees, peinlichen Dialogen und unnötigem Kleinkram bot das Drehbuch dann wenig unterhaltsames, Spannung oder gar Mitfiebern wollte sich auch nicht einstellen. Der schönste Satz, von Schauspiel und Regie freilich vergeigt wie der Rest, kam von einer vom lauten Gespräch im Flur genervten Nachbarin der Kommissarin: "Könnten Sie bitte woanders ermitteln, Frau Lindholm?". Dem schließen wir uns an.

Tatort "Mord in der ersten Liga" in der ARD-Mediathek

Nachtrag/Korrektur: Wie in den Leserkommentaren zurecht angemerkt wird, stehen die erwähnten Kondome nicht für sich, sondern tatsächlich in einem Zusammenhang mit der Aussage der Vermieterin, der Fußballspieler habe nur Herrenbesuch (so albern auch das wieder ist).



#1 alexAnonym
  • 20.03.2011, 22:58h
  • ach du meine güte, mann kann aber auch alles schlecht reden. ich fand den tatort gut gemacht.
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#2 soncaliuAnonym
#3 Tim-Little-DevilAnonym
  • 20.03.2011, 23:03h
  • Das war wirklich der schwächste, langweiligste und klischee-beladenste Lindholm-Tatort , den ich bisher sah! Mag ja sein, dass die niedrsächsischen Ur-Einwohner jenseits der 60 das Zielpublikum sein sollen, aber dann sollte er auch nur im NDR gezeigt werden!

    Gebe dem QUEER-Kommentar in vielen Argumenten recht.

    Schade, sehr schade!
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#4 AlexAnonym
  • 20.03.2011, 23:22h
  • Man kann auch alles schlecht reden.
    Die geöffneten Kondome in Verbindung mit der Tatsache das er ausnahmslos mit Männern dort war brachte sie zu der Vermutung und nicht die Kondome an sich.

    Ich fand den Tatort ok, aber man hätte ihn spannender machen sollen. Trotz ernstem Thema ist es ein Film/Krimi und der soll in erster Linie unterhalten und mit weniger drögem Aufbau wäre er für Jüngere interessanter gewesen.

    Btw, die ihn verpasst haben aber sehen wollen: er läuft um 23.45 Uhr nochmal auf 1 Festival
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#5 ThommyAnonym
  • 20.03.2011, 23:27h
  • Ich kann den Inhalt dieser Rezension in allen Punkten nur schwer nachvollziehen.

    Bezogen auf den Filminhalt hat Charlotte Lindholm nach dem Kondomfund die Vermieterin nach Fabers weiblichen Gästen gefragt: "Keine Frauen, nur Männer." war die Antwort. Damit war die Sache klar.

    Doch auch in der Meta-Ebene gebührt diesem Tatort unabhängig von der Meinung über die Qualität des Inhalts ein wenig mehr Respekt. Nie wurde das Thema "Homosexualität im Fußball" an prominenterer Stelle präsentiert. Es kann eine Diskussion anstoßen, und es zeigt eines: Menschen setzen sich damit auseinander. Jeder der tausenden / millionen Zuschauer wurde an diesem Abend mit dem Thema "Homosexualität im Spitzenfußball" konfrontiert. Das ist ein gutes und wichtiges Zeichen.

    Rezensionen wie diese, besonders von homosexuellen Plattformen wie www.queer.de, die an einer öffentlichen Thematisierung von homosexuellen Themen besonders interessiert sein sollten, entmutigen diejenigen, die genau daran arbeiten.
    Mir ist es persönlich egal, ob Details in der Darstellung Homosexueller zum Teil klischeehaft wirken, wenn mit einem solchen Film das Thema "Homosexualität in der Gesellschaft (hier: "im Fußball")" thematisiert und einem breiten Publikum präsentiert wird. Umso mehr sich Homosexuelle über Kleinigkeiten in der Darstellung aufregen, desto weniger werden heterosexuelle Menschen interessiert und motiviert sein, sich in dieser Form für ihre Mitmenschen einzusetzen.
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#6 SimonchenAnonym
  • 20.03.2011, 23:28h

  • @Alex Deine Kondom-Variante halte ich für zu viel gedeutet. Gab doch später diesen einen Dialog mit dem Kollegen, in etwa aus dem Gedächtnis: Der X ist doch nicht schwul. - Und wie erklärst du dann die Kondome?
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#7 SanneAnonym
  • 20.03.2011, 23:37h
  • Ich hatte mir wirklich mehr von diesem Tatort erwartet. Aber anscheinend waren die Damen und Herren wirklich nicht mutig genug, um die Klischees vor der Tür zu lassen und aus ihrer Traumschaumwolke rauszukommen.

    Vor allem das ganze dann auc...h noch bei Hannover 96 spielen zu lassen... Gut, der Freitod von Robert Enke hatte andere Hindergründe. Aber was wurden in diesem Zusammenhang nicht alles für große Reden u.a. von Herrn Zwanziger, geschwungen... *seufz*

    Die können mir doch bitte nicht weiß machen wollen, dass das wirklich sooo harmlos nach dem Outing eines Spielers abläuft - auch wenn ich mir das selbstverständlich wünschen würde für die/den Betroffenen. Aber irgendwelche Idioten gibt es immer und leider sieht man es denen nicht an der Nasenspitze an, so dass man ihnen den Zutritt zum Stadion verwehren könnte.
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#8 AlexAnonym
  • 20.03.2011, 23:47h
  • Ganz ehrlich, wer ist hier klischeebehaftet? Wohl eher diese Rezension.
    Ich finde es toll, dass ihr über die Folge geschrieben habt, habe sie selbst gesehen. Aber ich kann mich eurer Meinung auf keinen Fall anschließen.
    Überall schreit ihr in euren Artikeln nach mehr Toleranz, und dann läuft ein Krimi, der das Thema Homosexualität im Fußbal darstellt, zur besten Sendezeit im ARD, und es wird nicht mal gelobt? Die Folge hat sicherlich ihre Macken, zum Beispiel die tatsächlich dürftige Aufklärung des Falls. Aber das hat mit dem schwulen Inhalt ja nichts zu tun.
    Der schwule Fußballspieler wird als normaler Mensch gezeigt, sogar im Bett (ohne Sex! - also kein klischeehaftes rumgemache) mit seinem Lover. Und bei seinem Outing ist es doch wohl kein Wunder, dass er eher zurückhaltend für Verständnis wirbt, wenn man sich die psychisch belastende Situation des Jungen anschaut. Das ist ein verdammter Krimi. Nicht mehr und nicht weniger.
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#9 A lecksAnonym
#10 eMANcipation*Anonym
  • 21.03.2011, 00:15h
  • Antwort auf #8 von Alex
  • Ich bitte dich: Wir bezahlen mindestens 5% bis 10% der Gebührengelder, und dann sollen wir jubeln, wenn gnädigerweise auch mal zur besten Sendezeit ein schwuler (pardon, homosexueller) Protagonist in einer Sendung vorkommt?

    Das vermag den gerundeten Anteil von 0% bei ARD und ZDF im Hauptabendprogramm zwischen 20 und 22 Uhr nur sehr unwesentlich anzuheben.

    Und qualitativ gibt es wohl nichts Verheerenderes, als ein Coming-out in dieser Weise zu inszenieren, mit der "Bitte, nicht verurteilt zu werden"!

    Da sage ich: Wenn Schwule (nicht "Homosexuelle") nicht endlich ganz selbstverständlich überall und in allen Altersgruppen und fernab solcher stigmatisierenden Darstellungen im Hauptabendprogramm des öffentlich-rechtlichen Fernsehens vorkommen, wenn Heterosexismus und vorgestrige Geschlechterrollen nicht endlich aus dem Programm verbannt werden, dann kann man von uns nicht verlangen, diesen Müll weiterhin zu finanzieren.

    Herrn Zwanziger lege ich nahe, keine realitätsfernen Tatort-Fantasien zu spinnen, die sowieso nur auf weitere Stigmatisierung und zwangsheterosexuelle Abgrenzungsmanöver hinauslaufen, sondern endlich Homophobie in den Stadien und Vereinen zu verbieten und mit entsprechenden Strafen zu versehen. Was schon seit über fünf Jahren in England gilt, sollte auch bei uns eine Selbstverständlichkeit werden.
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